Coming out – Paleo und das liebe Umfeld

IMG_3502Es ist nie einfach, wenn man scheinbar feststehende Gegebenheiten umschmeißt und plötzlich etwas völlig Neues wagt.
Das gilt für Lebensentwürfe, die sich plötzlich ändern können, etwa weil man sich trennt, verheiratet, die Stadt verlässt oder den Job wechselt. Das gilt ebenso für Hobbies, die man lange geteilt hat und sich dann etwas Neuem zuwendet.
Ganz besonders aber scheint es das Umfeld zu verstören, wenn dies sich auf so Grundsätzliches wie das Essen bezieht.

Wenn jemand heute plötzlich seine Ernährung umstellen muss, weil er Allergien hat oder Unverträglichkeiten, wird dies akzeptiert – auch wenn im Hinterkopf sicher oftmals der Gedanke mitschwingt: „Da stellt sich jemand an.“ Wenn plötzlich Diäten probiert werden, lächelt mancher innerlich, lässt es aber zu, tut dort doch jemand etwas für seine Gesundheit.

Was aber, wenn man sich plötzlich in ganz vielen Fragen des Essens außerhalb des Mainstreams stellt? Was, wenn man sich entscheidet, einen Weg zu gehen, der das gemeinsame Essen mit Anderen etwas schwieriger gestaltet, da man auf vieles (freiwillig) verzichtet, nicht weil man es muss, sondern weil man sich besser ohne fühlt?

Was macht man, wenn man kein Getreide (auch keinen Reis oder Mais), keine Milchprodukte, keine Kohlenhydrat-Bomben wie Kartoffeln, keinen Zucker (weder Industrie noch Rohrzucker) und nur noch wenig Obst und ausgewähltes Gemüse isst? Viel gutes Fett und viel Fleisch – und das eigentlich bevorzugt aus artgerechter, sprich Weidehaltung. Keinen oder nur noch wenig Alkohol trinken möchte und verträgt. Dann wird man am Essenstisch oft unfreiwillig zum Gesprächsthema und gilt vielleicht auch als zu extrem oder verschroben. Und der Moment, in dem man dann öffentlich damit rausrückt, dass man sich steinzeitlich ernährt fällt nicht immer leicht. Der Begriff löst einfach einen Klischee-Automatismus aus, den man dann erst einmal wieder durchbrechen muss.
Eine Situation, die viele, die sich entschließen nach Paleo-Prinzipien zu essen/leben, sicher teilen werden.

Ich hoffe immer auf das Verständnis der Mitmenschen und versuche so wenig Umstände wie möglich zu machen, aber dennoch scheint man gerade beim Thema Ernährung immer wieder, und ohne dies zu wollen,  an wunde Punkte zu rühren.
Denn da offenbart sich die ganze zwiegespaltene Haltung zum Essen, die wir in unserer Auswahl-Gesellschaft entwickelt haben – die einen beäugen argwöhnisch, dass man plötzlich abnimmt ohne Diät zu machen und fühlen sich bedrängt, weil es vielleicht ein persönliches Thema ist, die anderen fühlen sich in ihrer Komfort-Zone hinterfragt, weil sie informiert sind über industrielle Lebensmittelproduktion, aber doch aus Bequemlichkeit und Genuss auch Kompromisse eingehen.  Mitmenschen, die tierische Produkte für sich ablehnen, werden oft sehr offensiv und ablehnend in ihrer Argumentation. Andere wiederum verweisen auf die Kosten einer solchen Ernährung und werfen einem indirekt vor, sich damit elitär zu verhalten, da es nicht jedem möglich sei, sich entsprechend zu ernähren und dass so etwas angesichts der wachsenden Weltbevölkerung gar nicht flächendeckend umsetzbar wäre. Wieder andere sind, natürlich, geprägt von Ernährungsgrundsätzen, die – nicht zuletzt gesteuert von der Industrie – bestimmte Ernährungsrichtlinien propagieren. Und diese werden plötzlich hinterfragt.

Es ist dann nicht immer einfach nur ruhig zu bleiben, aber ich bin wahrlich kein missionarischer Charakter. Das Wunderbare ist ja, dass der Mensch mit der Fähigkeit ausgestattet wurde, Entscheidungen zu treffen. Und das soll auch bitte jeder für sich tun, aber dabei auch ehrlich zu sich selber sein, welche Motivation den eigenen Entscheidungen zugrunde liegt. Oftmals ist es nämlich auch eine gewisse Bequemlichkeit, sich mit bestimmten Themen nur oberflächlich auseinanderzusetzen.

Ich persönlich bin einfach überzeugt von den Fakten. Davon, dass ich gesund und ausgeglichen bin und auch so aussehe. Davon, dass Einkäufe vielleicht neu koordiniert werden aber tatsächlich gar nicht teurer sind. Davon, dass ich meiner Liebe für gutes Essen und Koch-Experimente noch einmal neu nachgehen kann und nicht zuletzt davon, dass ich mich deutlich unabhängiger fühle von der Nahrungsmittelindustrie und ihrer Einflussnahme.

Zwei schöne Bücher für den Start und die Auseinandersetzung mit dem Thema sind, wie ich finde:

The Vegeterian Myth: Food, Justice and Sustainibility von Lierre Keith

Das Urgeschmack Kochbuch von Felix Olschewski, das, wie ich finde, einen guten Erläuterungsteil zu den Grundsätzen der Paleo-Küche bietet und das schon fleißig verschenkt wurde.

Wie bei allem, was ich lese gilt auch hier: Jeder ist angehalten, sich seine eigenen Gedanken zu machen und ich möchte drauf hinweisen, dass ich durchaus zu kritisch hinterfragenden Lesern gehöre. Ich empfehle keine Bücher, weil ich sie für unveränderlich feststehende Weisheit halte, sondern weil sie mich, ganz persönlich, zum Weiterdenken animiert haben.

Ich wünsche eine spannende Lektüre!

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