Sackgasse Bequemlichkeit – Where the Magic happens

ComfortzoneNach einem halben Jahr in einer neuen Lebenssituation klopft mir die Reflektion an den Kopf und will ein wenig Rückschau geleistet bekommen. Wie geht es mir denn so, jetzt hier, ohne die große Stadt, mit der eigenen Firma, gemeinsam mit dem Mann, auf dem Dorf, in einer völlig anderen Ecke Deutschlands?

Vorab, liebes rückschauendes Ich – es geht mir sehr gut! Und auch wenn ich nicht so genau sagen kann, was in 6 Monaten sein wird, würde ich den Schritt raus aus dem Gewohnten immer wieder gehen. Und weil die Gedanken inmitten der Hügel so ungezwungen schweifen, lasse ich ihnen mal freien Lauf. Denn es treibt mich wirklich um, was es ist, das uns abhält vom ehrlichen Glück.

Nun, mag man sich denken, das war ja kein Auswandern in ein Land jenseits unserer Bequemlichkeits-Maßstäbe. Das mag stimmen, aber es war der Schritt raus aus einem Leben in der großen Stadt Berlin, mit einem dieser coolen Jobs, einem gesichertem Einkommen, dem Freundeskreis vor der Tür und einer gewissen Planungssicherheit.

Rein in das Landleben, in einer Gegend, die man nicht kennt, wo man sich alles, inklusive des eigenen Unternehmens neu aufbaut.  Abends keine Bars direkt vor der Tür, eine sehr reduzierte gastronomische Landschaft  und keine immer neuen Konsum-Impulse, die helfen sollen, das Bild vom Ich zu komplettieren. Oh, es klingt wohl durch, dass ich es mag auf dem Land.  Auf dem Land – dabei sind wir so schnell in zahlreichen Städten aber doch reicht der urbane Würgegriff nicht ganz bis in die Felder.  Aber Stopp, statt mich in Lobeshymnen ob der neuen Heimat zu ergehen, wollte ich mich den Veränderungen der letzten Monate stellen.

Veränderungen sind ja so eine zweischneidige Sache: Auf der einen Seite fürchten wir den Stillstand, wenn dieser bedeutet, dass wir stagnieren und uns nicht weiterentwickeln. Auf der anderen Seite sind Veränderungen immer auch etwas nicht ganz Kalkulierbares. Wir können nie sicher sein ob das, was wir uns vorgenommen haben auch genauso passieren wird.

Das Besondere an den Veränderungen ist: Es verändert sich eh immer alles und  wir bleiben vielleicht vermeintlich verhaftet im Gewohnten aber dann wird das Bleibende durch äußere Faktoren verändert.

Es ist also an uns, die Spielräume zu nutzen, die wir haben. Ich kann durch mein Leben stolpern und lamentieren über Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren und um mich herum verständnisvolle Mitgefühlsbekundungen einholen oder ich kann mich hinsetzen und überlegen was ich ändern kann. Und ich lasse da jetzt Gegenargumente, die Existenzsicherung  etc. betreffend, nicht gelten. Wenn es dir nicht gut geht, dann musst Du etwas ändern. Wenn Du nichts änderst – dann mach es mit Dir selber aus aber das Gefühl wird nicht vergehen bzw. immer wieder kehren, dass etwas falsch läuft. Ich kann mir immer wieder Argumente zurechtlegen, die durchgreifende Wechsel verhindern aber dann  muss ich mich auch mit einer gewissen wiederkehrenden Frustration arrangieren. Ich meine jetzt nicht die kleinen Unzufriedenheiten des Alltags, die sind Teil des Lebens, in dem wir uns jeden Tag wieder neu sammeln und motivieren müssen. Ich meine die Lebenssituationen, in denen man merkt, dass man an seinen Fähigkeiten vorbei lebt, nicht gut mit seiner Gesundheit haushaltet und sich im falschen Lebensentwurf wähnt. Da darf man auf Dauer keine Entschuldigung gelten lassen.

Man muss sich selbst zuliebe Mut beweisen. Die einschlägigen Magazine sind doch voll solcher kreativer Erfolgsgeschichten von Menschen, die ihr Leben umgekrempelt haben, um etwas anderes zu tun, sich selbst näher zu kommen. Sei es mit bunt gefärbter Schafwolle aus Neuseeland, Papier-Fliegern oder einem neu gelernten Handwerk. Diese Geschichten kitzeln eine Sehnsucht in uns wach. Wir lesen sie voller Bewunderung für die Leistung dieser Menschen und auch ein bisschen mit dem kleinen Gedanken daran, was man selber alles auf die Beine stellen könnte, wenn nicht …Und doch haben wir wieder Argumente griffbereit warum wir nicht..,und außerdem, man sieht ja wie wenige solcher Geschichten es gibt.

Stopp! Es gibt so wenige solcher Geschichten, weil so wenige den Schritt raus aus dem Gewohnten wagen. Das ist absolut verständlich aber es lähmt uns und limitiert uns selbst in dem, was wir können und vielleicht ganz innen drin wollen. Diese Stimme, die dann angesichts solcher Erfolgsgeschichten etwas drängender wird. Dieses sehnsuchtsvolle Gefühl, das einen drängt zu schauen, was es noch gibt.  Nachgeben! Nichts ist trauriger, als sich am Ende seines Lebens der Momente zu erinnern, in denen man die Möglichkeit verpasst hat, für sich selbst und andere etwas Wahrhaftiges zu tun. Etwas wagen, für sich einstehen. Das heißt eben nicht grenzenloser Egoismus.

Sich verändern ohne Angst zu haben vor dem, was man verliert. Denn Veränderungen kleiden sich oft in Verluste. Da wird es Freunde geben, die den Wechsel vielleicht nicht verstehen und plötzlich ist die Beziehung verändert aber man darf diese Menschen gehen lassen, es werden neue kommen.

Es ist nicht einfach wenn man etwas ändert, das in den Mitmenschen auf ein ganz subjektives Echo trifft. Ändere ich meine Lebensweise und lebe eine konsequente gesunde Ernährung, kann ich schnell zur Projektionsfläche werden für jemanden, der mit diesem Thema zu kämpfen hat aber eher bereit ist die Veränderungen ins Lächerliche zu ziehen als hinzuschauen, was es bei ihm ausgelöst hat.

Verlasse ich die große Stadt, den gewohnten „Lifestyle“ und gehe plötzlich früh schlafen um früh aufzustehen und berausche mich lieber an Natur als in Bars, bin ich vielleicht total öde  und irgendwie etwas versponnen geworden für Leute, die mich jederzeit betrunken im Nachtleben in die Arme geschlossen hätten. Aber dann sind es vielleicht deren eigene Sehnsüchte, die sie schnell im Urteil werden lassen. Solange es sie nicht zwingt selbst etwas überdenken zu müssen. Wer neue Wege gehen will, darf keine Angst vor Unangepasstheit haben. Everybodys Darling und die coolste Sau der Party können nicht für sich allein glücklich im Selbst sein.

Veränderungen sind nicht bequem. Kein Instant-Lösungen für das schnelle Glück. Aber wer das sucht, muss nicht viel ändern – Konsum in all seinen Ausprägungen ist da die Droge. Genauso wie die permanente Selbstbestätigung von Außen für Narzissten.

Aber wenn ich in Kauf nehme, etwas für mein Glück zu riskieren dann werde ich belohnt.

Belohnt mit Energie und Motivation für neue Projekte, denn wenn der erste Schritt getan ist – was kann mich dann noch stoppen? Belohnt mit neuen wertvollen Begegnungen. Und belohnt mit der Gelegenheit mich selber und meine Talente und Ansichten noch einmal neu kennenzulernen.

Ich mag das.

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2 Gedanken zu “Sackgasse Bequemlichkeit – Where the Magic happens

  1. viele aus dem wahlvieh wollen keine veränderung und können wählen was sie wollen, aber sehr viele wollen eben eine veränderung. man hat gelernt, dass egal welche partei man wählt, es zu keiner veränderung kommen wird.
    einzigartig ist aber im wahlprogramm der piraten “das bedingungslose grundeinkommen”.(hierzu gibt es bereits europaweit eine initiative): http://campogeno.wordpress.com/2013/07/22/bedingungsloses-grundeinkommen-geht-wenn-man-nur-will/
    nach dem ausschlussverfahren kommt man dann sehr schnell auf die alternativlosen “basisdemokratischen piraten”, zwar (noch) nicht regierungsfähig, aber aus einem solchen chaos kann dann nur etwas neues entstehen.
    schuld an unserer krisesind die globalisierte gleichgültigkeit und die kritiklosen befehlsempfänger:
    http://campogeno.wordpress.com/2013/07/17/globalisierte-gleichgultigkeit/
    http://campogeno.wordpress.com/2013/07/18/die-kritiklosen-befehlsempfanger/
    also weiterhin freie bahn für den club der us-billionäre:
    http://campogeno.wordpress.com/2013/07/19/spionage-daten-fur-us-billionare/

    • Lieber Aussteiger, da hast Du mir jetzt einiges zu Lesen gegeben und das werde ich tatsächlich auch tun. Ich hatte die Bequemlichkeit jetzt erst einmal in einen kleineren Maßstab gesetzt – sprich: in das Persönliche. Aber Du hast Recht, die Linie lässt sich fortsetzen in die Politik, zu den Wahlen und erreicht dann eine andere Brisanz und Dimension. Denn wenn ich solche Schwierigkeiten habe mich mit mir und meinen (selbstauferlegten) Beschränkungen auseinander zu setzen, wie kann ich dann einen echten gesellschaftlichen Beitrag leisten. Und was für einen Spielraum habe ich, wenn an der Spitze auch nur Figuren sitzen, die selbst geleitet werden durch persönliche Motivationen (Gier, Narzissmus, Unsicherheit,…) Kein schönes Bild, dass sich da abzeichnet – aber kein Grund mit dem Denken und den Taten aufzuhören.

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