Der Fisch stinkt vom Kopf oder kommt auf den Tisch – Zitronen-Wildlachs mit Zucchini-Knoblauch-Spaghetti

Zitronen Wildlachs mit Zucchini SpaghettiDass sich mit der Umstellung der Ernährung auch so einiges anderes an meiner Sicht auf die Welt geändert hat, werde ich ja nicht müde zu betonen. Die Welt unterlässt es ja auch nicht einem immer wieder unter die Nase zu reiben, was alles seltsam läuft.
Auf der Suche nach unbelasteten Lebensmitteln, die keine Spur der landwirtschaftlichen und sozialen Verwüstung hinter sich her ziehen, fällt einem zwangsläufig das ein oder andere ins Auge. Und wenn man schon bei der Nahrungsmittelsuche auf Informationsquellen abseits der Mainstream-Medien zurückgreift, warum sollte man das nicht auch in anderen Bereichen tun?
Leider haben die Leitmedien  in unserem Land allein durch ihren Namen und ihre Strahlkraft ein Etikett der aufklärenden, unabhängigen Berichterstattung aufgedrückt bekommen.

Es empfiehlt sich, allein schon der geistigen Flexibilität wegen, auch im  vermeintlichen Abseits zu stöbern und sich selbst eine Meinung zu bilden.
Ich halte einfach nichts davon etwas zu lesen und zu schlucken und dann ohne kritische Fragen meinem Argumentations-Repertoire hinzu zu fügen. Denn so läuft es doch meist mit der Meinungsbildung. Wir schmücken uns mit einer offenen Geisteshaltung und schrecken aber innerlich davor zurück uns in Diskussionen auf unsicheres Gelände zu begeben, wo wir vielleicht nicht auf die üblichen, bestens vorbereiteten Argumentationskonserven zurück greifen können. Unter dem Deckmantel der objektiven Urteilsbildung suchen wir doch unbewusst immer nur nach den Argumenten und Fakten, die unsere Haltung untermauern.  Das lohnt ein genaueres Hinsehen. Wenn man sich des Öfteren in ähnlicher Besetzung zusammenfindet, wird man feststellen, dass die meisten Menschen ein paar Lieblingsthemen haben, über die sie gerne sprechen und man muss leider konstatieren, dass da oftmals Narzissmus hineinspielt, denn viele erliegen dann der Versuchung andere auf das eigene Themen-Spielfeld zu ziehen und ihnen argumentativ die Haut abzuziehen. Das ist kein guter Stil, sondern Manipulation. Der Gesprächspartner war dann Profilierungswerkzeug und um Austausch ging es nie. Ich steige mittlerweile aus solchen Diskussionen aus. Man erkennt recht leicht, wem an einem Austausch gelegen ist: Nachfragen und vielleicht auch einmal Recht geben oder die eigene Position revidieren führt zu inspirierenden Gesprächen, wohingegen das intellektuelle Sezieren des Gegenüber einen Sch…bringt. Aber so ist es halt, wir scheinen irgendwann im großen Stile eingeimpft bekommen zu haben, dass eine eigene Meinung zur Grundausstattung gehört, aber bitte nicht zu eigen daher kommen sollte.

Sieht man die politischen Ränkeleien zu kritisch und äußert zu wenig Optimismus, gilt man als fatalistischer Pessimist und es wird dezent mit den Augen gerollt, befindet sich dort doch jemand auf dem falschen Weg.  Und das  denke ich mir nicht aus, sondern kenne es durchaus. Aber ich finde manchmal darf der Bauch mit diskutieren und wenn wir nun schon oftmals im so großen Stil die ernsten Themen beackern, sollte einem doch die Transferleistung zugetraut werden eigene Schlüsse zu ziehen aus dem, was man sich an Informationen zugeführt hat. Ich bin es leid immer nur die Rechtfertigungsfloskel „Das habe ich in der FAZ/SZ/… gelesen“ zu hören. Das ist zu einfach und zu  mutlos.

Ich plädiere für ein bisschen mehr Leidenschaft.

Ein wunderbares Beispiel für Geistesgröße und ein einen Intellekt, der von Herzen kommt, ist der amerikanische Politologe und Autor Dr. Michael Parenti. Jedem der mag, kann ich nur empfehlen sich einen seiner Vorträge auf Youtube anzuschauen.
Haarscharfe politische Analysen, beeindruckender Wortwitz und Perspektiven, die zum Nachdenken anregen – so etwas hätte ich mir von meinen Professoren in der Uni gewünscht…

Eines meines Leidenschaftsthemen ist, wer hätte das gedacht, natürlich das Essen. Aber was im Zusammenhang mit unserer Nahrung alles an  Skandalen und Ungerechtigkeiten verübt wird, ist zum Verzweifeln.
Was ist das für eine Gesellschaft, die ganze Supermärkte voller Tierbedarf nötig zu haben scheint, wo man zwischen gefühlten 60 Sorten Katzenfutter wählen kann, mit dem guten Gewissen, die liebe Mieze in den meisten Fällen von irgendwelchen Lockstoffen abhängig zu machen.
Und das eigene Essen – ich mag Fisch, aber welchen kann ich noch ruhigen Gewissens kaufen?
Und das gilt ja nicht nur für Fisch, für zu viele Lebensmittel stellt sich diese Frage, aber das ist ein Thema für sich.
In diesem Fall war der Fang der Wahl Wildlachs.
Und im Ergebnis kam der Spiralschneider zum Einsatz für ein perfektes Sommeressen:

Zitronen-Wildlachs mit Zucchini-Knoblauch-Spaghetti (hier für drei Personen)

Das Rezept

500-600 Gramm Wildlachs-Filet
5 mittlere Zucchinis
1 große Zitrone
2 große Knoblauchzehen
Frühlingszwiebeln
Butter
Olivenöl
Salz
Pfeffer

  • Den Fisch in großzügig Butter mit Salz, Pfeffer und dem Saft der Zitrone andünsten und in Gabel-große Stücke teilen, sobald er gar ist.
  • Parallel die Zucchinis mit dem Spiralschneider in Streifen raspeln. Den Knoblauch in viel Olivenöl andünsten, nun die Zucchini dazugeben und mit etwas Salz und Pfeffer und gelegentlichem Rühren in wenigen Minuten gar dünsten, bis die Zucchini gar und etwas glasig ist.
  • Die Frühlingszwiebel in feine Streifen schneiden und direkt vor dem Servieren undter den Fisch heben
  • Die Zucchini-Spaghetti auf den Tellern anrichten und den Fisch dazu geben.
  • Noch ein paar zusätzliche Spritzer Zitrone und etwas Olivenöl darüber geben…Fertig…

Guten Appetit!

Pop-Massaker oder (Süßkartoffel) Kuchen-Kultur

VMA versus Kuchen-KulturEs ist also soweit, dass ich der Pop-Kultur entwachsen bin. Oder, bevor sich jemand am Begriff Pop-Kultur aufhängt: Die Konsum-Botschaft der gängigen Medien-Formate erreicht mich oftmals nur auf Umwegen.

Ich lasse quasi andere konsumieren und wenn mich das Urteil interessiert, beginne ich vielleicht selbst zu lesen. Oder zu schauen oder zu hören… Mitunter wird mir diese Entscheidung aber gänzlich aus der Hand genommen: Dann nämlich, wenn einfach alle Medien nur über ein Thema berichten. In diesem Falle die VMAs.

Ein Event-Format des früheren Jugendbegleiters MTV. Zumindest zu meiner Zeit war das so. Die Freiheit, dass gegen Mittag kein Erwachsener anwesend war und ich nach der Schule eintauchen konnte in die schnelle laute Bilderwelt des Musikfernsehens. Meine Zeit – das kommt mir so lang nun auch noch nicht her vor, aber trotzdem liegen Verständniswelten zwischen mir und dem, was da heute als scheinbar abgebrühtes Moderations- und Glitzer-Sternchen-Volk die Teppiche füllt und sich in die immer wieder gleichen Posen wirft.

Hier feiert sich die Industrie gesättigt selber, für die richtige Atmosphäre werden ein paar frenetisch jubelnde Fan-Statisten an der Bühne platziert und dann wird ein Wahnsinnsgeld für die Show ausgegeben.

Ich verfolge dem Zirkus nicht aktiv, aber an der Austauschbarkeit der Gesichter lässt sich erahnen, wie kurzlebig viele der präsentierten Künstler sein werden. Aber keine Sorge, der Nachwuchs wackelt bestimmt schon bei Disney mit dem Popo und der Abstieg der Prominenz lässt sich in seinen verschiedenen Stufen wunderbar noch in den unterschiedlichen Fernsehformaten nachvollziehen. Zynismus ist immer für ein Publikum gut. Und auch in Deutschland hat man gelernt, wenn der Trubel zu sehr drückt und auch die intimsten Abhängigkeits-Problematiken zu offen zu Tage treten, dann lassen sich damit noch ein paar Tränchen und Euros pressen. Die Puppenspieler freuts und so wird der Zoo bunt glitzernd durch die Manege getrieben, bis es wieder in den teuren Käfig geht.

Und dank des bunten Spektakels weiß seit dieser Woche nun wohl auch jeder was Twerking ist.

Wer sich noch in schützende Unwissenheit hüllt und Stärke besitzt, Fremdschämen auszuhalten und der industriell gefertigten Vorstellung von Unterhaltung ins Auge zu blicken, der kann sich einen Ausschnitt Miley Cyrus antun.

Und nein, nicht merken. Dieser Name taugt höchstens für intellektuell geprägten Party Flachschnack, wenn man ihn in Sätze einbindet, die das Entsetzen angesichts des kulturellen Niedergangs in Worte fassen. Nur so viel sei gesagt: Ein Disney Kinder-Star, man sollte sagen einer mehr, der in aller Öffentlichkeit das Erwachsenwerden vollzieht. Wobei Erwachsenwerden dann einmal mehr missverstanden wird, als bemühte Provokation und eine seltsam beschämende, öffentliche Sexualisierung der eigenen Person, die alle Klischees erfüllt und dann noch als selbstbewusst verkauft wird. Es tut einem weh und leid und trotzdem taucht es heute hier auf, weil es mir förmlich ins Gesicht sprang auf zig Seiten.

Ich finde, auch auf der Bühne gehört der Hintern einer 20-Jährigen nicht am Schoss eines 36-Jährigen gerieben (oder tue ich dem anderen Künstler da Unrecht?) oder sagen wir nicht so. Es ist so anstrengend aufreizend, dass es sich schon wieder selbst widerspricht. Ich finde es nur traurig, wenn ich mir überlege wie viele viel zu junge Hintern jetzt daheim das Wackeln üben – bitte nicht!

Das war meine heutiger Ausflug in die Bilderwelt des Glitzer-Biz…das reicht. Ich lehne mich lieber wieder zurück und  pflege ein ganz einfaches Verständnis von Unterhaltung und Kultur, das nicht um jeden Preis die Provokation als dann sinnentleertes Thema wählt.

Zum Musik hören mit sich und auch zum Buch passt Süßkartoffel-Kuchen sehr gut. Denn, auch wenn der Sommer tagsüber noch kämpft, riechen die Abende bald schon nach Herbst und es wird Zeit für die warmen Gewürze, die einem zumindest ein inneres Wohlbehagen schenken.

Mein Rezept

2 mittlere Süßkartoffeln
80 Gramm Mandelmehl oder gemahlene Mandeln (schmeckt mit beidem, finde ich)
60 Gramm Butter + 1 Esslöffel
2 große Eier
Zimt
Vanille
Xucker
Salz
Natron
Lebkuchengewürz
100 Gramm ganze Mandeln

  • Die Süßkartoffeln mehrfach mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad ca. 50-60 Minuten im Ofen rösten, bis die Haut schrumpelig und die Süßkartoffel weich ist.
  • Die Eier mit 60 Gramm Butter und 4 Esslöffeln Xucker sowie den geschälten Süßkartoffeln mit dem Handmixer glattrühren.
  • Das Mandelmehl, eine Prise Salz, 1 Teelöffel Zimt, 1 Teelöffel Lebkuchengewürz, 1 Teelöffel Vanille und einen 1 Teelöffel Natron unterrühren.
  • Die Mandeln in einer Pfanne anrösten bis sie leicht duften. Nun einen Esslöffel Butter und zwei Esslöffel Xucker sowie eine Prise Salz und etwas Zimt dazu geben und schön karamellisieren lassen. Dabei gut rühren und vom Herd nehmen, bevor Karamell und Mandeln zu dunkel werden.
  • Nun die Mandeln mit dem Karamell in den Teig geben und unterrühren.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und bei 200 grad ca. 25-30 Minuten in den Ofen geben, bis der Rand sich leicht vom Rand gelöst hat.

Schmeckt auch warm köstlich und spendet innere Wärme in finsteren Zeiten.

Guten Appetit!

Karnismus, ein Flohbiss am Hintern und Futter fürs Gehirn

KarnismusDer liebe Besuch des Wochenendes ist abgefahren. Der Kühlschrank beherbergt noch Besuchs-Bewirtungs-Leckerlis wie Erdbeertorte. Eigentlich perfekt um sich mit Tee und Kuchen ein Stündchen hinzusetzen und durch die Lieblings-Blogs und Seiten zu klicken.
Denkste –  gleich zu Anfang stieß ich auf die Verlinkung zu einem kontroversen Artikel aus dem immer wieder heiteren aber leider meinungsbildenden Medium spiegel.online.

Immer wieder muss ich den Kopf schütteln, wie einseitig und tendenziös Berichterstattung doch passiert bei uns. Unsre Zensur ist eine sanfte. Indem man manchen Dingen mehr Platz einräumt als anderen, kann man auch zensieren und die Öffentlichkeit manipulieren.
Starke Unterstützung erfahren aktuell ja Vertreter der vegetarischen Lebensweise und auch der ein oder andere sozial-verträgliche Veganer. Sie sind, scheint es, die besseren Menschen und bekommen viel medialen Spielraum eingeräumt. Ja, Vegetarier (ich fasse die Veganer der Kürze halber mit ein, ich weiß um die Feinheiten der einzelnen Ernährungsformen) haben die Totschlag-Wohlfühl-Argumente auf ihrer Seite, wenn Sie gegen die Tierschlachtung ins Felde ziehen.
Und ja, ich denke es steht außer Frage, dass die industriell betriebene Tierhaltung und die damit verbundenen Schlachtungs-Fabriken absolut pervertiert sind und verboten gehören. Und ich würde mir wünschen, es würde diesen mentalen Ruck geben, der uns unsere Nahrungsmittelproduktion im großen Stile überdenken lässt. Das ist nämlich das, wo ich manchmal leise anfange angespannt zu schnauben, wenn ich den Argumentationsketten gegen den Fleischverzehr folge – es wird dann doch etwas kurz gedacht.
Ein ethischer Umgang mit unserer Nahrung ist möglich. Und diese Nahrung schließt für mich tierische Produkte mit ein, aber sie umfasst eben auch andere Lebensmittel und bei denen sollten wir die selben moralischen Maßstäbe anlegen wie bei der Tierhaltung. Wie rechtfertigen wir die moderne Landwirtschaft und ihren rücksichtlosen Umgang mit der Ressource Boden? Wer im Sommer durch staubtrockene goldene Weizenfelder fährt, sollte nicht in Romantik schwelgen, sondern sich über die gesundheitlichen Auswirkungen vom Gluten-Verzehr Gedanken machen und sich einmal genau umschauen, was da denn noch wächst, außer Reihe um Reihe absolut symmetrisch wachsenden Korns. Was ist daran natürlich und im respektvollen Umgang mit der Natur? Wo finden die lokalen Vertreter von Flora und Fauna da noch Unterschlupf? Und dasselbe gilt für andere Getreidesorten und Mais und Soja…Und nicht nur, dass wir Raubbau vor der eigenen Haustür betreiben, unter dem Deckmantel der Hilfe zur Selbsthilfe und des humanitären Einsatzes haben wir längst die Dritte Welt erobert. Statt einen an lokalen Traditionen orientierten Landbau zu stützen, nutzen wir deren beschränkte Ressourcen um noch mehr noch mehr billiger anzubauen und schaffen es sogar noch, die dadurch entstehenden Engpässe in der lokalen Versorgungskette mit eigenen Exporten aufzufüllen.

Das möchte ich nicht. Und viele andere auch nicht. Einen Beitrag über den ich in diesem Zusammenhang gestolpert bin, kann ich nur zur Lektüre empfehlen. Heidi S. spricht mir aus dem Herzen.

Und es ist verständlich, dass man sich im Bewusstsein des globalen Maßstabes der Industrie-Praktiken an den Kopf fasst und lieber wieder die Augen schließen möchte, da man nicht weiß wo man als Einzelner ansetzen soll.
Die Antwort ist so simpel wie kompliziert: Jeder bei sich selber. Kritisch sein, immer. Sich selbst und den Produkten gegenüber. Wissen erwerben über das, was da wie produziert wird und vor allem wer daran verdient. Dieses Wissen ist das Stück  Selbstbestimmung, das wir uns von der Industrie in Ernährungsfragen zurückholen können. Unterstützen, nicht indem jeder gleich auf den eigenen Hof zieht und Selbstversorger wird, das liegt nicht jedem. Aber in jeder Kaufentscheidung: Indem man lokale Produzenten fördert, die in der eigenen Region auf eine tatsächlich nachhaltigere und ursprünglichere Bewirtschaftung setzen. Sich informiert, wie etwa die Tiere gehalten werden, deren Fleisch man isst und wie sie gefüttert wurden.

Die Bequemlichkeit überwindet und die Ausnahmen vermeidet. Konsequenz ist eine eigene Entscheidung. Und wer einmal anfängt sich so intensiv in die Thematik Nahrungsmittelproduktion reinzuknien, wird schnell auf andere Bereiche im Leben stoßen, wo sich etwas verändern lässt, wo man sich Entscheidungsspielraum schaffen kann. Dass ist das, was jeder ganz im Stillen tun kann. Und man kann offene Ohren nutzen um Impulse zu geben.
Aber was man vermeiden sollte, ist die Missionskeule zu schwingen oder in die halsstarrige Ego-Falle des besseren Wissens zu tappen. Wähle Deine Schlachten weise – dieses so persönliche Thema des eigenen Lebensentwurfes kann ein Schritt sein zu sagen, ich mache nicht mit bei dem, was mir aufgedrängt wird. Ein gelebtes Bewusstsein ist auch echter Respekt, sich selbst und diesem einen Planeten gegenüber. Dem wir letztlich so angenehm sind wie ein Flohbiss am Hinten und in Maßstäben der Evolution gedacht, werden wir auch genau so schnell wieder weg sein. Wäre es da nicht nett etwas Demut und Haltung zu beweisen und das humanoide Intermezzo mit Stil zu gestalten?

Eine wunderbare Lektüre zu diesem Thema ist das Buch „Ethisch essen mit Fleisch. Eine Streitschrift über ethische Ernährung mit Fleisch und Risiken einer streng vegetarischen und veganen Lebensweise“ von von Lierre Keith.

Allein ein Blick in die Kommentare zeigt, dass die Einstellung zur Ernährungsweise schnell in das Aufeinanderprallen moralischer Erlebniswelten führt.
Aber neben der Polemik drum herum ist das Buch mehr als eine Lektüre wert. Sowohl im Original als auch in der Übersetzung, die das sehr kurzweilige Sprachgefühl der Autorin einfängt und den Leser wachrüttelt bis ihm das Lachen im Halse stecken bleibt.

Lesen! Und immer mehr lesen und sich schlau machen. Diesen selbstauferlegten Bildungsauftrag sind wir uns schuldig, wenn wir nicht länger wegschauen wollen.

Und wenn sich mein Wutknoten etwas gelöst hat, kann ich vielleicht noch ein Stück Kuchen essen und vielleicht das Rezept nachvollziehen.

Einen besinnlichen Sonntag.

Bulletproof ist überall und gerne mit Vanille

Bulletproof KaffeeManchmal stehe ich auf dem Schlauch. Das gibt niemand gerne zu,  wollen wir doch alle wieselflink und clever immer schnell alles wissen. Aber da ein Teil meines Kopfes permanent am Wälzen von Gedanken ist, während ein anderer Teil sich obsessiven Essen-Gedanken hingibt und wieder ein anderer Teil mit so profanen Dingen wie Tagesplanung beschäftigt ist, muss ich manchmal zweimal hinschauen. Vor allem wenn es mich betrifft. Oder ganz banale Alltagsdinge.
Und so hat es mich neulich wie der Schlag getroffen, als ich gerade mit einem konzentrierten Gedankenrunzeln vor dem Rechner saß und einem Kunden die passenden Worte verpasste, dass ich irgendwie dahin gekommen bin, wo ich immer hin wollte.

Wie zur Bestätigung trippelte in dem Moment ein laut schnurrendes Etwas über die Tasten und ich musste eine kleine Pause machen, um den Schaden zu begutachten und nutzte den Moment um dankbar zu sein.

Mit ungefähr Zwölf habe ich mal versucht einen Abenteuerroman zu schreiben. Die heimlich fabrizierten Seiten haben mich lange begleitet, aber ich habe sie nie jemanden gezeigt. Tatsächlich scheiterte ich damals am Essen – meine junge Heldin sollte aufbrechen in die Wildnis und ich verzweifelte schier an der Überlegung, was ich ihr an Proviant mit auf dem Weg geben sollte. Und so landeten die 25 mit Filzschreiber verfassten Seiten erst einmal in der Schublade. Irgendwann, vor wenigen Jahren, habe ich mich endgültig getrennt, da ich meine eigene Schrift nicht mehr lesen konnte. Ja, das mit dem Schönschreiben fand ich immer blöd, diese Mädchen, die saubere Kringel statt I-Punkten setzten. Als würde das den Inhalt besser machen. Das waren auch so Mädchen, die sich dann während meiner äußerlich etwas unangepassteren Phase darüber mokierten, dass ich mit Laufmasche ins Theater gehe – klar, kann ja dann auch schlechter denken. Manchmal schockiert es mich, wenn bei den Gerade-so-Erwachsenen schon die festzementierten unflexiblen Erwachsenen durchscheinen…Lasst Euch doch bitte etwas Flexibilität! Angepasstheit ist ein großer Druck…der erklärt vielleicht auch wieso dann so oft zur Seite gebissen wird, wenn diese durchbrochen wird. Ich verstehe das im Nachgang, aber traurig ist es schon, wenn man rückblickend sieht, wie sehr wir uns selbst und andere sich im Wege standen.
Ich war nie eine Rebellin, aber in manchen Dingen hatte ich meinen eignen Kopf und meine eignen Vorstellungen. Dazu gehörte auch uniforme Kleidungsregeln der Altersgenossen bewusst zu durchbrechen. Das war der Freiraum, den ich brauchte in dem Korsett von Schule und Heranwachsen.

Und wenn ich keine Rebellin war, so gehörte ich auch nicht zu der, mir bis heute unangenehmen Menschengruppe, die jede ihrer Fähigkeiten, Errungenschaften und jedes Talent permanent  vor sich her tragen. Nein, da war und ist viel eher eine Unsicherheit und wenn keine Unsicherheit, dann eine Bescheidenheit, mich niemals selbst zu ernst zu nehmen. Und dankbar zu sein.

Nun sitze ich nicht an der Vollendung eines großen Romans, dieses Ziel ist in den Hintergrund getreten, aber ich verbringe meine Tage mit dem, was mir nach dem Essen am liebsten ist: Worte. Geschriebene Worte. Für mich, aber vor allem für unsere Kunden. Es ist schön wenn man Sprache immer wieder neu denken und formulieren kann. Es gibt Wörter und Begrifflichkeiten, die habe ich so gern wie gute Freunde.

Und ich freue mich mal ganz unbescheiden darüber, dass man sich das Leben ganz wunderbar angenehm machen kann.

Und besonders freue ich mich darüber, dass ich seit der Heimarbeit im eigenen Büro einfach richtig gerne früh am Morgen am Schreibtisch sitze. Gerne auch mit einem Kaffee und seit wir neulich vergessen hatten Brühe zu kochen, am liebsten mit einem Bulletproof Kaffee….

Einem was….? Genau. So habe ich auch erst einmal geschaut und etwas gerätselt, als das Koffein anfing unter diesem Namen durch diverse Blogs zu geistern.
Erst dachte ich, das wäre eine fancy Kaffeemarke. Dann habe ich schnell quer gelesen und habe gesehen, dass es eine Erweiterung des Kokosöl-Kaffees ist und habe wie angegeben zusätzlich zum Kokosöl noch Butter in die Tasse gegeben. Das kam hier gar nicht gut an. Eine dicke Fettlache und irgendwo dann der Kaffee. Ja, wer in Ruhe liest ist klar im Vorteil. Das Geheimnis war das Mixen der Zutaten! Kokosöl, Butter und Kaffee. Ja, dass ist lecker und ihm werden gute Dinge nachgesagt.

Das mit dem Fettabbau stelle ich jetzt mal so in den Raum.  Ich habe nicht viel Fett, das ich abbauen möchte und trinke das Hype-Zeug erst seit wenigen Tagen. Aber was ich sagen muss, es ist ein fast so schöner Kickstart in den Tag wie Brühe. Und deshalb sehr zu empfehlen. Denn so richtig fettig starte ich am besten in Tag.

Das Rezept

250 ml Kaffee
80 Gramm Butter aus Weidemilch, dass ist wichtig, wegen der gesunden Fette und das macht es auch kompliziert denn die ist nicht immer leicht zu finden.
2 Esslöffel Kokosöl
1 Teelöffel Vanille

Ab in den Mixer oder mit dem Pürierstab verquirlt – et voilà: lecker, cremig…

Guten Appetit!

Das ich, das andere und der Kohl – Faux Filet mit Aprikosen-Wein-Kohl

Paleo KohlZu den Dingen, die ich zutiefst verabscheue, gehört das Putzen. Nun bin ich kein total chaotischer Mensch, aber auch kein Pedant. In unserem kleinen Haus wird gelebt und gearbeitet und das prägt die Atmosphäre.  Es ist belebt.
Seit wir nun aber diesen vorlauten felinen Vierbeiner im Haus haben, gibt es einen neuen Gradmesser für den Moment, an dem die schönen Holzböden mal wieder eine Entstaubungskur brauchen: Wenn das arme Tier nach ausgiebigen Toben in Ecken nämlich plötzlich aussieht als würde es von einer fiesen plötzlichen Schuppen-Krankheit geplagt.

Dann muss man da durch. Mag ich nicht. Gar nicht. Da wächst der Schweinehund auf doppelte Größe an und zaubert Ablenkungstätigkeiten aus dem Hut. Man könnte noch schnell irgend etwas Kochen oder Backen. Etwas Neues und dann macht es keinen Sinn vorher Aufzuräumen. Oder den Kleiderschrank ausmisten oder raus an die frische Luft oder….Und da der besondere Mensch wohl ein ähnliches inneres Tier bezwingt, gehen wir nicht so motiviert an die Sache heran. Zudem habe ich mir sagen lassen, dass es wohl einen sonst nicht erkennbare Wesenszug gibt, der sich beim Putzen mitunter Bahn bricht und mich in ein besserwisserisches Monster verwandelt. Dann weiß ich plötzlich alles besser was Technik und Vorgehen angeht. Peinlich, das. Und es ist mir unangenehm und ich arbeite dran. Es wird auch besser.
Und ich bin nun echt nicht so die Putz-Heldin, sicher gibt es da noch ganz viele Tipps, die man mir geben könnte, aber einmal drinnen in der unliebsamen Beschäftigung will ich es eben gut machen und meine irgendwie, nur ich wüsste wie das geht.
Ich werde Gelassenheit praktizieren. Aber vielleicht bin ich auch einfach traumatisiert, denn die Unlust angesichts der Ordnung war in Kinderjahren noch ausgeprägte und ich habe meisterliche Fertigkeiten im Verstecken von Chaos  und in oberflächlicher Ordnung entwickelt. Unter dem Bett, in Schubladen und Schränken…so sah mein Aufräumen meist auf und bei allen wunderbaren Freiheiten, die die Eltern mir ließen, war für mich die höchste aller Strafen, wenn mir angedroht wurde, ich müsse unter Aufsicht aufräumen, wenn ich nicht selber für Ordnung sorge.
Nun vielleicht spielt dass dann alles zusammen, lieber ist mir das Aufräumen nicht, aber ich genieße das Gefühl, wenn alles wieder frisch und geputzt ist und sich die Sonne auf dem Boden spiegelt und man wieder etwas geschafft hat.

Und der vierbeinige Räuber muss eben in den Keller oder die Scheune ausweichen um sich für den Moment ein paar Flusen zu fangen.

Gerade spiegelt sich Sonne auf dem Boden, was sehr schön ist, aber vorher hat der Schweinehund mich im Griff gehabt und deshalb schmorte es da vor sich hin:

Geschmortes Faux Filet mit Aprikosen-Wein-Kohl
Am Ende wurde aus Ablenkung so eine köstliche Belohnung.

Das Rezept
500 Gramm Faux Filet am Stück vom Weiderind
7 getrocknete Aprikosen
Ein halber kleiner Weißkohl
Zwei Zwiebeln
Butter
Senf
Trockener Weißwein
Salz
Pfeffer
Kümmel
Kreuzkümmel

  • Das Fleisch abspülen, trocken tupfen, pfeffern und großzügig mit Senf einreiben.
  • Im Bräter scharf von allen Seiten  in einem geschmacksneutralen Fett der Wahl scharf anbraten.
  • Zwiebeln schälen und in Stücke schneiden, Aprikosen in kleine Stücke Schneiden und den halben Kohlkopf in großzügige Stücke schneiden.
  • Die Zwiebeln, den Kohl und die Aprikosen zu dem Fleisch geben und mit einem großzügigen Schluck Weißwein angießen. Ich habe 150 ml Riesling genommen.
  • Salz, Pfeffer und Kümmel und Kreuzkümmel (ich habe die Samen, nicht die gemahlene Variante verwendet) sowie ein paar große Stücke Butter (ca. 80 Gramm) dazu geben und dann Deckel drauf.

Das ganze schmort dann einfach entspannt ca. 2 Stunden vor sich hin und riecht so gut, dass die Böden gleich noch etwas schöner glänzen und Wohlbehagen sich breit macht.

Guten Appetit!

Eis, das – Eso-Skepsis, die

Paleo EisOh ja, Die Gewohnheiten sind träge Tierchen. Ich nehme mir jeden Morgen vor der Snooze-Taste die kalte Schulter zu zeigen und einfach mal direkt aufzustehen aber die erschlichenen zehn Minuten unter der Decke sind so kostbar, gerade weil man weiß, dass sie gleich vor bei sind. Und deshalb haue ich auf den Wecker und keife die Augen noch einmal extra fest zu.

Ein anderes Ritual, das etwas seltsam klingt auf den ersten Blick, ist, dass der Tag hier in der Regel mit Atem-Übungen beginnt.  Ich hatte tatsächlich starke innere Widerstände zu überwinden. Ein Blick auf das zugegebenerweise kitschige CD-Cover und ich begab mich in die totale Verweigerungshaltung und habe erst einmal losgepoltert, dass ich keinen Bock auf irgendeinen halbgaren Esoterik- Spiritualitäts-Kram habe. Da bin ich raus. Das war dann ok, aber als der besondere Mensch, mit dem ich lebe und den ich gerade auch für seinen kritischen Geist schätze, in der Folge immer entspannter wurde, wenn er sich zum Atmen zurückzog, wurde ich neugierig. Das wollte ich erst nicht zugeben, aber nach und nach habe ich mitgemacht. Und ich merke, dass es mir hilft morgens anzukommen. Fokussiert in den Tag zu starten und mich auch schneller entspannen zu können. Die Konzentration auf das Atmen ist auch ein guter Gradmesser um zu schauen, ob ich mich gerade innerlich mit irgendwelchen Reizthemen rumschlage und diese vom Schweinehund in die Verdrängungskiste gewühlt werden. Denn wenn ich innerlich angespannt bin und auf irgendwelchen Themen rum kaue fällt es mir schwerer mich davon frei zu machen und nur auf das Atmen zu konzentrieren. Wenn ich diese Hürde aber überwinde, hilft es mir in der Regel auch, um mich dann zu einem späteren Zeitpunkt hinzusetzen und zu überlegen, was mich da eigentlich stresst. Wie bei allem ist es eine Kopfhürde, die uns oft zurückschrecken lässt vor dem, was uns fremd ist. Und gerade Meditations- und Atemtechniken, wenn sie nicht gerade aus dem gesellschaftlich akzeptierten Yoga-Mainstream kommen, sind ja leichtes Ziel für Spott, Häme und Misstrauen. Ich denke bei allem was man tut, ist die beste Bewertung die persönliche, ehrliche Einschätzung ob es mir gut tut oder nicht. Wenn diese Bewertung positiv ausfällt, sollte es einem auch egal sein, was andere sagen.

Und bei allem was man tut sollte man Zwänge vermeiden. So gibt es zum Beispiel auch Tage, an denen ich lieber Pilates mache statt zu meditieren. Dann mache ich das. Und da sind auch Tage wo die Snooze-Taste ganz besonders extra verlockend daher kommt, aber an denen nehme ich den Kampf mit dem Schweinehund auf und freue mich.

Diese fiese kleine Stimme versuche ich auch dann zur Rede zu stellen, wenn sie versucht mir wieder ein Comfort Food schmackhaft zu machen. Denn, das gibt es einfach nicht in komplett gesund – das ist einfach eine Spielart des Essens, die Mäßigung verlangt, wenn man nicht dem Selbstbetrug erliegen will.

Dessen bin ich mir bewusst. Meistens. Neulich wohl nicht. Denn als ich wieder klar denken konnte, stand Karamel-Walnuss-Eis im Gefrierschrank…

Das Rezept

Zwei Dosen Kokosmilch
200 Gramm Walnüsse
Pfeilwurzelstärke
Butter
Xucker
Salz
Vanille

  • Drei bis vier Esslöffel Xucker in zwei gehäuften Esslöffeln Butter mit einer Prise Salz (ich nehme gerne etwas mehr) und etwas Vanille in einem Topf schmelzen und karamellisieren lassen. Dabei regelmäßig rühren und drauf achten, dass das Karamell nicht zu dunkel und somit bitter wird.
  • Das Karamell mit der Kokosmilch aufgießen.
  • Drei Esslöffel Pfeilwurzelstärke mit drei Esslöffeln Wasser glattrühren und unter die Kokos-Karamell-Milch rühren zum Binden/Andicken.
  • Nach Geschmack noch etwas Vanille und Xucker einrühren und alles kurz sieden lassen und dann unter Rühren abkühlen lassen bis es in einer Form in den Gefrierschrank wandern kann.
  • Nun die Walnüsse in einem Esslöffel Butter anrösten. Vom Herd nehmen und in der Pfanne noch einmal vier Esslöffel Xucker mit drei Esslöffeln Butter, Salz und Vanille karamellisieren lassen. Die Walnüsse in das Karamell rühren bis es eine schöne Mischung gibt und diese zum Aushärten kaltstellen.
  • Das Eis, in Ermangelung einer Eismaschine, regelmäßig durchrühren. Wenn es beginnt an den Rändern zu gefrieren, die karamellisierten Walnüsse etwas zerhacken und in die Eismasse rühren. Ein paar der Nusssplitter aufheben.

Das Eis braucht bei uns ca. drei Stunden bis es komplett gefroren ist.

Nun Servieren und mit ein paar karamellisierten Nusssplittern bestreuen.

Wenn möglich – mäßigen!

Guten Appetit!

 

Falsches Filet, falsche Freunde und die richtige Form

faux_collageIch habe neue Freunde – Ansätze von Bauchmuskeln. Ja und, wer hat die nicht? Ich. Also zumindest hatte ich die nie oder sie haben sich gut versteckt. Denn trotz Sport und Quälerei war da immer noch so was, das nicht in das Bild passte, das uns das da draußen als Vorstellung vom fitten, durchgepflegten Menschen indoktriniert hat. Aber als ausgeglichener, friedliebender Mensch war ich bereit zu Friedensverhandlungen und wir hatten uns auf einen Status Quo geeinigt.

Bis ich kürzlich festgestellt habe, dass der regelmäßige Sport sich auszuzahlen scheint. Dank der Ernährung hatte ich keinen Grund zu jammern und wollte auch nicht abnehmen, aber ich wollte meine neu gewonnen Energie nutzen und kräftiger werden.  Nun kann ich zum ersten Mal so etwas wie körperliche Auswirkungen von Sport feststellen. Ich bin begeistert.

Und ärgere mich nach wie vor über die eigene Dummheit, die tatsächlich phasenweise dachte, der Schlüssel zur glücklichen äußeren Form läge in den Supermarktregalen. Ja, ich kann mich immer noch aufregen über Nahrungsmittelkonzerne, die doppelten Reibach machen, indem sie einfach direkt Diät-Programme hinterher schieben.

Einen Aspekt hatte ich bei der ganzen Kopfschüttelei über die klingelnden Diätkassen ganz vergessen. Neben der Konditionierung des Konsumenten, dass man sich Veränderung in Form von Fertigprodukten kaufen kann, schraubt natürlich auch die Kosmetikindustrie massiv mit an diesem scheinbar konsumierbaren Menschenbild. Ganz vorne mit dabei wieder einmal Unilever – wer erinnert sich nicht, das waren die mit ihrer rührenden Kampagne mit den echten Frauen. Ein großartiger Marketing-Kniff und so viele Frauen haben sich auf einmal verstanden gefühlt in ihrer Vielfalt…Mal ehrlich, das glaubt doch hoffentlich niemand, dass denen irgendetwas am Wohlbefinden oder Selbstwertgefühl der Frauen liegt? Dass da eine Marke die Lanze aufgenommen hat und in den Krieg zieht für ein selbstbewussteres Körperbild? Es tut mir leid – nein.  Aber man wird eingefangen von emotionalen und gekonnt gemachten Werbespots , die geradezu schamlos unsere Unsicherheitsknöpfe drücken und uns suggerieren, dass wir verstanden werden. Und so wird eine Marke für den Konsumenten zu einem emotionalen Erlebnis. Entsprechend positiv ist dann die Einstellung den Produkten gegenüber beim nächsten Einkauf und man kommt gar nicht auf den Gedanken auf die Inhaltsstoffe zu schauen.

Nein, das sind falsche Freunde, die uns weismachen wollen, wir müssten für eine Veränderung nicht auch etwas leisten. Die uns weismachen, wir könnten den bequemen Weg der offerierten Fertig-Lösungen gehen. Es ist traurig wenn man bedenkt, wie oft man selber schon solcherart in seinen Entscheidungen manipuliert wurde. Die vermeintliche Quälerei, die wir hinter einer Veränderung unserer Lebensumstände wittern, lähmt viele von uns. Wir sind Meister im Erfinden von Erklärungsmustern, die dem inneren Schweinehund in die Hände spielen. Um was wir uns bringen, wenn wir niemals etwas investieren in die Arbeit an der echten Veränderungen, ist das unglaubliche Gefühl des Stolzes, wenn man seine eigenen Hürden überwindet und Erfolge erzielt (und diese Erfolge könnend dabei ganz unterschiedlich, vielfältig, klein, groß oder heimlich sein). Da wird der Deckel drauf gehalten, denn wer einmal anfängt, beginnt das Gefühl zu lieben, das jeder kleine Sieg über den inneren Schweinehund bringt und macht weiter. Nicht indem man Tausend Dinge  von heute auf morgen umreißt, sondern indem man sein eigenes echtes Tempo findet.

Unbequemlichkeit lohnt sich.

Ganz banal hat mein kleiner Kampf gegen den Schweinehund heute ganz prosaische Züge getragen und hing damit zusammen, dass irgendwie der Ruf nach einem Sonntagsessen lauter wurde. Ein Omelette wäre fix gegangen, ohne nachzudenken, das mache ich tatsächlich im Halbschlaf. Aber da lag ein Faux Filet vom Rind im Kühlschrank und mein superduber Spiralschneider wollte eingesetzt werden.

Also doch einmal nachdenken und dann war die Lösung so simpel und das Ergebnis so köstlich, dass ich froh bin mir den Moment genommen zuhaben.

Das Rezept

Faux Filet vom Weiderind mit Knoblauch Zucchini-Spaghetti

400 Gramm Faux Filet
2 mittlere Zucchinis
2 Zehen Knoblauch
Olivenöl
Kokosöl
Salz
Pfeffer

  • Die Zucchinis waschen, die Enden abschneiden und einmal durch den Spiralschneider drehen, so dass sich schön lange Zucchini-Spaghetti ergeben.
  • Das falsche Filet von möglcihen Sehnen befreien in gleichmäßige Scheiben schneiden und pfeffern. Das Kokosöl erhitzen und die Filets von beiden Seiten je eine Minute schön scharf anbraten. Ich habe mehrfach gelesen, dass das Faux Filet sich nicht zum Kurzbraten eignet und eher geschmort werden sollte, aber ich muss sagen es war wunderbar.
  • Parallel das Olivenöl erhitzen, den Knoblauch andünsten und dann die Zucchini-Spaghetti dazu geben. Salzen und pfeffern und unter gelegentlichem Durchrühren ca. 6 Minuten andünsten, bis sie leicht glasig und gar sind.

Fertig ist der Spaß. Mit dem Olivenöl und etwas Bratensaft für guten Geschmack und die Fett-Bilanz auf den Teller geben.

Guten Appetit!