Unsere lieben Giftmischer

Gesund LebenWenn man einmal anfängt sich mit den Produktionsweisen unserer Lebensmittel auseinander zu setzen, scheint man ein Fass ohne Boden aufzumachen.  Ungezählte Lebensmittelskandale der letzten Jahre wabern so als Randwissen im allgemeinen Bewusstsein herum. Ein Umdenken hat eingesetzt, das suggeriert zumindest die stark wachsende Bio-Industrie und bei mir regt sich leise die ängstliche Stimme, ob wir für dieses Wachstum wieder einen Preis zahlen.
Und dann der Etikettenschwindel. Wer Bio-Siegel als sichere Kaufempfehlung nutzt, kann auch bitter enttäuscht werden. Wieder ist der Verbraucher gezwungen, selber genau hinzuschauen und sich seine Informationen zusammen zu suchen, wenn er den Anspruch hat sich moralisch und nachhaltig und gesund zu ernähren.

Gesundheit, ein hohes Gut, deren Bedeutung und Wert einem immer nur dann wirklich bewusst werden, wenn uns der Körper im Stich lässt, wenn wir nicht mehr funktionieren wie gut geölte Maschinchen.

Die kleinen Wehwehchen, die Rückenschmerzen vom Sitzen vorm Computer, die Schlafprobleme, die Verdauungs-Achterbahnen, die leichten Kopfschmerzen, die plötzlich zunehmenden Allergien – daran haben sich die meisten längst gewöhnt und nehmen sie hin, solange man nicht wirklich eingeschränkt wird. Aber das ist falsch herum gedacht. Unseren Körper können wir nicht ändern, der ist  nun einmal so konzipiert und anscheinend war die Ausgangssituation nicht die des dauergestresseten Erwerbs-Tieres, das sich falsch ernährt und sich durch ewiges Sitzen oder Stehen quält und dann versucht mit exzessivem Sport die entstehenden Defizite auszugleichen. Nein. Das ist auch Stress. Wenn ich hart arbeite und meinen Körper dann noch durch ein regelmäßiges Kardio-Training in Richtung Marathon zerre, tue ich ihm nichts Gutes!

Ich finde zudem, dass gerade ältere Ausdauersportler, die ein Leben voller Kilometern in Joggingschuhen  hinter sich haben, auf mich nicht gesund wirken. Sie sind fit sicher, aber sie sehen oftmals ausgezehrt aus. Ich kann nur für mich persönlich sprechen. Ich treibe regelmäßig Sport und mag es auch, meine Grenzen neu abzustecken und zu wachsen an der Herausforderung, aber vom Laufen habe ich mich verabschiedet – ein kaputtes Knie reicht. Und nachdem ich dann lange gar nicht so recht wusste was danach kommt, bewege ich mich nun wesentlich abwechslungsreicher und merke deutliche Veränderungen und Erfolge im Bezug auf meinen Körper: Die Haltung ist besser, die Muskeln schöner, die Kondition treibt einen problemlos durch die Wanderungen. Und dabei erlebe ich das Ganze sehr spielerisch und nicht als Kampf um weitere Kilometer. Was mich zudem ein wenig stört am Laufen, ist, dass es zu einer Art Lebenslauf-Sport geworden ist: Sie laufen? Marathon? Halbmarathon? Oh, dann sind Sie  willensstark, ausdauernd, erfolgsorientiert.

Das klingt so nach 80er Jahre Manager-Typen. Vielleicht sollte das Image von Gruppensport aufpoliert werden. Teamgeist, Einordnung in eine Gruppe…Oder Reiten: Bewusster Umgang mit Lebewesen, Umsicht…

Aber zurückgespult: Das Thema Sport ist eine Welt für sich und ein vermintes Feld, in dem Grabenkämpfe ausgefochten werden, was wie wem am Besten tut.

Eigentlich ging es mir weniger um den Sport als um die Ohnmacht im Angesicht  der vielen krankmachenden Faktoren in unserem Leben. Denn wir können unsere Körper nicht anders konfigurieren aber unsere Lebensweise können wir  verändern. Denn würden wir, als Gesellschaft, gerade bei Themen wie Ernährung und Nahrungsmittelproduktion schärfer hinschauen, würden sich viele Probleme anders lösen lassen. Wir sprechen davon, dass die Schere immer weiter auseinander geht und sich der soziale Hintergrund gerade auch darin zeigt, was die Menschen essen.  Ja, schöne Erkenntnis. Vielen Dank. Das falsche Essen macht dumm und behindert Menschen in der Entfaltung ihres Potentials. Kritische Stimmen wispern da, ob es nicht genau so gewollt ist. Die Industrie freut es, kriegt sie doch ihren Sch… an den Mann und die Konsumenten behindern sich einfach selber in dem, was sie eigentlich könnten.  Und nun möchte ich nichts davon hören, dass es zu teuer ist sich gesund zu ernähren – dann muss daran etwas geändert werden! Wer das Geld, das er wöchentlich in Softdrinks, Süßigkeiten, Fertigprodukte, Chips und Co steckt, spart, kann dafür auch andere Lebensmittel kaufen. Und was für ein Argument, es ginge nicht eine solche nachhaltige Lebensweise für alle zu ermöglichen… das ist ja fast schon zynisch. Dann kann ich also wählen: Ich kann aus Solidarität Scheiße fressen, oder ich kann  für mich entscheiden, einen solchen Lebensstil zu boykottieren und hoffen, dass eine Addition dieser Lebenseinstellung bei möglichst vielen Konsumenten dazu führt, dass sich wirklich etwas ändert. Ja, genau, das wirkt jetzt nicht so revolutionär aber ich kann für mich im Privaten unglaublich konsequent sein und beschließen bestimmte Firmen und Produkte nicht zu unterstützen und ich kann um mich herum aufklären, ohne missionarisch zu sein.

Denn Aufklärung ist nötig.

Nachdem ich vor wenigen Wochen den ersten Film von Marie Monique Robin zu sehen bekam, war ich geschockt von der Offensichtlichkeit, mit der einmal mehr die Industrie die Politik steuert und der Verbraucher=Bürger am Ende der Verlierer ist. Dann habe ich ihren zweiten Film im Netz gefunden :„Unser täglich Gift“, in welchem sie wieder einmal in einer akribischen Recherche den Weg diverser Gifte auf unseren Teller verfolgt.  Garniert mit haarsträubenden gesetzlichen Regulierungen, die wieder nicht den Verbraucher schützen, sondern den Spielraum der Wirtschaft ausweiten. Am Ende würgt es einen und man fragt sich, wie es soweit kommen konnte. Ach ja, ich vergaß, da ging es um Profit. Und das Erschreckende: Auch wenn ich jetzt so vieles ändere und  mir die Mühe mache mich nicht weiter selbst zu vergiften – die Schadstoff-Bilanz meines Körpers ist schon im Fötus-Stadium zu meinen Ungunsten ausgelegt.

Und dabei könnte man doch meinen mein Körper gehört mir und ich bestimme, was ich ihm Gutes oder Schlechtes tue. Ach ja, um noch ein Reiz-Thema dazu zu packen: Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll, wenn dann immer wieder die große Tabak-Debatte losgetreten wird. Die Nahrungsmittel-Industrie setzt uns gefährlichsten Giften aus, ohne uns darüber zu informieren aber was schlimm ist, ist das Rauchen? Jeder Raucher weiß was er da tut, nicht zuletzt dank der Aufdrucke auf den Packungen. Aber Mami schickt die Kinder mit 1,5 Litern Cola und einer Fertig-Pizza vor die Glotze und das ist weniger schlimm? Zu den Zigaretten: Schlimm ist hier nicht der Tabak, sondern die Zusätze sind es, die die einzelnen Hersteller für ihren Flavour zufügen. Und ganz ehrlich, wie bei allen Genussmitteln, kann man sich auch zu einem gemäßigten Zigaretten-Konsum erziehen – mit Tabak ohne Zusätzen. Und ja, ich rauche, recht wenig tatsächlich. Und bevor sich nun die selbstgerechten nichtrauchenden Kreuzritter auf ihre gepanzerten Pferde schwingen und mich zu Boden argumentieren – es ist mir egal! Sagt mir erst was in Eurem Kühlschrank und in Eurer Speisekammer liegt, dann reden wir über Gesundheitsrisiken.

So, diesen kleinen Exkurs in meine Gedankenwelt habe ich gebraucht und nun heißt es wohl weiter basteln an den Lösungen für ein selbstbestimmtes, gesundes Leben.

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