Die Katzen Ladies und die zu vielen anderen

Bevölkerungswachstum

Ich muss einmal unumwunden zugeben: Ich bin Mitte 30 und gehöre einer Randgruppe an. Also, so ein wenig. Denn wenn ich mich so umschaue, sehe ich, dass zunehmend mehr Frauen meiner Altersgruppe und meines Umfelds sich fleißig um ihren Nachwuchs kümmern. Und während ich mit Interesse beobachte, wie viele bezaubernde Wunderkinder sich da in ein Leben wachsen, muss ich für mich sagen: Ich weiß nicht ob ich das will.

Als wir im letzten Jahr ganz überraschend und ganz heimlich geheirate haben, dachten viele, der Anlass wäre eine Schwangerschaft. Dabei bin ich mit dem verheiratet sein tatsächlich auch in einer Minderheit (ich kann es nur empfehlen und ich kann auch nur empfehlen, diesen besonderen Tag so zu gestalten, wie man selbst das möchte ohne Rücksicht auf Wunschbilder von Verwandtschaft und Gesellschaft!). Als wir dann die Stadt verlassen haben um aufs Dorf zu ziehen, bekam die Gerüchteküche neues Futter. Denn klar, was gibt es Schöneres als sein Kind auf dem Land, jenseits zu vieler fragwürdiger Einflüsse und mitten in echter Natur großzuziehen. Dem stimme ich absolut zu. Würde ich Kinder wollen, würde ich sie nicht in der großen Stadt aufwachsen lassen wollen. Sicher ist dort die Infrastruktur in vielerlei Hinsicht äußert hilfreich, aber ich würde ihnen die Jahre in überschaubarerer Umgebung wünschen.

Aber für den Moment will ich gar nicht.

Da tickt nichts. Und ich führe ein Leben, das mich völlig erfüllt und empfinde keine Leerstelle – falls jemand dies als Argument geltend machen will.  Die Medien vermitteln das Bild einer gespaltenen Gesellschaft, die einerseits Möglichkeiten und Räume für Kinder schaffen will und in der diese Kinder aber oftmals bitte unsichtbar und unheimlich leise sein sollen um niemanden zu stören. Ja, ich kann verstehen, dass es viele Eltern erzürnt wenn sie  mit einem Kleinkind in der Trotzphase blöden Bemerkungen ausgesetzt sind. Das nervt und ist anmaßend.

Genauso anmaßend ist es aber auch jede Frau ab Mitte Ende Zwanzig immer wieder auf die Nachwuchsplanung zu stoßen. Arbeitgeber haben Angst, die tickende Zeitbombe Kinderwunsch könnte plötzlich für einen Ausfall sorgen oder sehen sich nicht in der Lage flexibler auf arbeitende, hoch motivierte Mütter zu reagieren. Nicht nur, ich weiß, aber Realität ist und bleibt es.  Das ist auf jeden Fall ein deutlicher Nachteil, den die Herren der Schöpfung sich in diesem Abschnitt nicht ausgesetzt sehen.

Und da hört es ja nicht auf, ohne Kinder gehörst Du nicht zum Club der Mütter. Und obwohl es durchaus auch befreundete Mütter gibt, die da keinen Unterscheid machen und den eigenen, eher kinderfreien Lebensentwurf einfach ganz natürlich als gegeben hinnehmen und auch schon mal sagen, dass ihnen manchmal die Zeit für sich selbst fehlt, gibt es die anderen, die durchaus mit leichtem Unverständnis reagieren und einen immer wieder darauf hinweisen wie reich das Leben mit Kindern ist. Das freut mich, wirklich. Denn jeder sollte ein Leben führen, das einen dazu bringt abends ins Bettchen zu steigen und zufrieden zu grinsen, weil einem wieder einfällt, wie reich beschenkt man ist. Aber nochmal – ich habe das. So wie alles ist.  Und ich muss ehrlich sagen, dass ich bei manch einem Kinderwunsch die Motivation in Frage stelle. Wer eine Leerstelle in seinem Leben füllen möchte, sollte dazu nicht ein kleines Menschlein zwangsverpflichten. Kinder sollten kein Lebenszweck sein.  Und ihnen die Verantwortung für die eigene Selbstverwirklichung aufzubürden ist unfair und  ein narzisstischer Beweggrund.

Und auch wenn ich Kinder sehr mag – tatsächlich ja. Vor allem ab dem Alter wo sie Argumenten zugänglich sind und man ihnen vorlesen kann – ich gerate nicht in Verzückung angesichts von Säuglingen.

Es geht sogar noch einen Schritt weiter, so sehr ich mein Leben schätze, so viele Zweifel habe ich aber auch an den globalen, ökologischen, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die am Zuge sind. Besser wird das nicht. Seid fruchtbar und mehret Euch – das war lange bevor 7 Milliarden vermeintlich vernunftgesteuerte menschliche Individuen diesen Planeten bevölkerten. Nur mal so als Denkanstoß: Um 1800 war es noch eine kleine Milliarde…Es wird langsam etwas eng  hier nicht wahr? Und gleichzeitig tun wir alles dafür, unsere begrenzten Ressourcen  weiter zu schröpfen, unseren Lebensraum zu zerstören, unsere Mitbewohner in Flora und Fauna zu dezimieren.

Wer mir nun eine unbequeme negative Haltung unterstellen mag – bitte, dann sein es so. Ich sehe mich durchaus als positiv eingestellten Menschen und kann dem Leben auf dieser Erde einiges abgewinnen. Aber ich bin eben auch realistisch und mache die Augen auf – ich weiß nicht ob ich es verantworten könnte, ein kleines Leben der Bürde der Herausforderungen auszusetzen, die auf zukünftige Generationen zukommen. Und es wird schon unsere Kinder betreffen. Das Problem ist, kaum äußere ich unachtsam diesen Gedanken, eingelullt in die Behaglichkeit einer Gesprächsrunde, fühlen sich viele Mütter angegriffen. Aber darum geht es mir gar nicht. Ich maße mir nicht an jemanden für seinen Lebensentwurf zu kritisieren aber darf ich dann nicht bitte auch eben dieses Verständnis für meine Entscheidungen erwarten? Nur ist es halt leider so, wenn es um eine vermeintliche Kritik an den persönlichen Entscheidungen geht, verlieren die Menschen gerne die Fähigkeit zum klaren Denken und der zur Verfügung stehende Betrachtunsghorizont schränkt sich bedenklich ein.

Aber mal was anderes: Statt Kind wuselt seit wenigen Tagen eine kleine Katze durch unser Haus und stellt alles auf den Kopf. Das ist ein Maß an Verantwortung, das ich tragen kann. Und ich empfinde die Schnurrmaschine auf vier Beinen in ihrer Unabhängigkeit als echte Bereicherung. Und ja, wer weiß, wenn die anderen eines Tages im Altersheim sitzen und auf den seltenen Besuch der Kinder warten, bin ich vielleicht eine alte Katzen Lady mit drei Stubentigern.

Und dann ist das auch ok.

 

 

 

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2 Gedanken zu “Die Katzen Ladies und die zu vielen anderen

  1. Es hat eindeutige Vorteile mit der Miezekatze. Du wirst dich nie mit ihr um die Autoschlüssel streiten müssen, um die Karre nachher mit einem leeren Tank zurückzukriegen und dein Mann steht keinesfalls lässig mit einer Schrotflinte in der Haustür, weil der noch unbekannte Freund die Tochter zum ersten Date abholt. Nein, das ist jetzt kein Erfahrungsbericht, nur die Weitergabe von Anekdoten aus dem Freundeskreis.
    Ich seh das so: Wir haben theoretisch das Recht auf Kinder, aber praktisch nicht die Pflicht dazu.

    P.S.: Gibt es Miezekatzen-Bilder?

    • Eine Weise Sich der Dinge! Oh ja, es gibt ohne Ende Miezekatzen-Bilder und die werden demnächst bestimmt auch in einem emotionalen Beitrag verpackt. Wenn ich vor lauter Quietschen zum Schreiben komme. 🙂

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