Falsches Filet, falsche Freunde und die richtige Form

faux_collageIch habe neue Freunde – Ansätze von Bauchmuskeln. Ja und, wer hat die nicht? Ich. Also zumindest hatte ich die nie oder sie haben sich gut versteckt. Denn trotz Sport und Quälerei war da immer noch so was, das nicht in das Bild passte, das uns das da draußen als Vorstellung vom fitten, durchgepflegten Menschen indoktriniert hat. Aber als ausgeglichener, friedliebender Mensch war ich bereit zu Friedensverhandlungen und wir hatten uns auf einen Status Quo geeinigt.

Bis ich kürzlich festgestellt habe, dass der regelmäßige Sport sich auszuzahlen scheint. Dank der Ernährung hatte ich keinen Grund zu jammern und wollte auch nicht abnehmen, aber ich wollte meine neu gewonnen Energie nutzen und kräftiger werden.  Nun kann ich zum ersten Mal so etwas wie körperliche Auswirkungen von Sport feststellen. Ich bin begeistert.

Und ärgere mich nach wie vor über die eigene Dummheit, die tatsächlich phasenweise dachte, der Schlüssel zur glücklichen äußeren Form läge in den Supermarktregalen. Ja, ich kann mich immer noch aufregen über Nahrungsmittelkonzerne, die doppelten Reibach machen, indem sie einfach direkt Diät-Programme hinterher schieben.

Einen Aspekt hatte ich bei der ganzen Kopfschüttelei über die klingelnden Diätkassen ganz vergessen. Neben der Konditionierung des Konsumenten, dass man sich Veränderung in Form von Fertigprodukten kaufen kann, schraubt natürlich auch die Kosmetikindustrie massiv mit an diesem scheinbar konsumierbaren Menschenbild. Ganz vorne mit dabei wieder einmal Unilever – wer erinnert sich nicht, das waren die mit ihrer rührenden Kampagne mit den echten Frauen. Ein großartiger Marketing-Kniff und so viele Frauen haben sich auf einmal verstanden gefühlt in ihrer Vielfalt…Mal ehrlich, das glaubt doch hoffentlich niemand, dass denen irgendetwas am Wohlbefinden oder Selbstwertgefühl der Frauen liegt? Dass da eine Marke die Lanze aufgenommen hat und in den Krieg zieht für ein selbstbewussteres Körperbild? Es tut mir leid – nein.  Aber man wird eingefangen von emotionalen und gekonnt gemachten Werbespots , die geradezu schamlos unsere Unsicherheitsknöpfe drücken und uns suggerieren, dass wir verstanden werden. Und so wird eine Marke für den Konsumenten zu einem emotionalen Erlebnis. Entsprechend positiv ist dann die Einstellung den Produkten gegenüber beim nächsten Einkauf und man kommt gar nicht auf den Gedanken auf die Inhaltsstoffe zu schauen.

Nein, das sind falsche Freunde, die uns weismachen wollen, wir müssten für eine Veränderung nicht auch etwas leisten. Die uns weismachen, wir könnten den bequemen Weg der offerierten Fertig-Lösungen gehen. Es ist traurig wenn man bedenkt, wie oft man selber schon solcherart in seinen Entscheidungen manipuliert wurde. Die vermeintliche Quälerei, die wir hinter einer Veränderung unserer Lebensumstände wittern, lähmt viele von uns. Wir sind Meister im Erfinden von Erklärungsmustern, die dem inneren Schweinehund in die Hände spielen. Um was wir uns bringen, wenn wir niemals etwas investieren in die Arbeit an der echten Veränderungen, ist das unglaubliche Gefühl des Stolzes, wenn man seine eigenen Hürden überwindet und Erfolge erzielt (und diese Erfolge könnend dabei ganz unterschiedlich, vielfältig, klein, groß oder heimlich sein). Da wird der Deckel drauf gehalten, denn wer einmal anfängt, beginnt das Gefühl zu lieben, das jeder kleine Sieg über den inneren Schweinehund bringt und macht weiter. Nicht indem man Tausend Dinge  von heute auf morgen umreißt, sondern indem man sein eigenes echtes Tempo findet.

Unbequemlichkeit lohnt sich.

Ganz banal hat mein kleiner Kampf gegen den Schweinehund heute ganz prosaische Züge getragen und hing damit zusammen, dass irgendwie der Ruf nach einem Sonntagsessen lauter wurde. Ein Omelette wäre fix gegangen, ohne nachzudenken, das mache ich tatsächlich im Halbschlaf. Aber da lag ein Faux Filet vom Rind im Kühlschrank und mein superduber Spiralschneider wollte eingesetzt werden.

Also doch einmal nachdenken und dann war die Lösung so simpel und das Ergebnis so köstlich, dass ich froh bin mir den Moment genommen zuhaben.

Das Rezept

Faux Filet vom Weiderind mit Knoblauch Zucchini-Spaghetti

400 Gramm Faux Filet
2 mittlere Zucchinis
2 Zehen Knoblauch
Olivenöl
Kokosöl
Salz
Pfeffer

  • Die Zucchinis waschen, die Enden abschneiden und einmal durch den Spiralschneider drehen, so dass sich schön lange Zucchini-Spaghetti ergeben.
  • Das falsche Filet von möglcihen Sehnen befreien in gleichmäßige Scheiben schneiden und pfeffern. Das Kokosöl erhitzen und die Filets von beiden Seiten je eine Minute schön scharf anbraten. Ich habe mehrfach gelesen, dass das Faux Filet sich nicht zum Kurzbraten eignet und eher geschmort werden sollte, aber ich muss sagen es war wunderbar.
  • Parallel das Olivenöl erhitzen, den Knoblauch andünsten und dann die Zucchini-Spaghetti dazu geben. Salzen und pfeffern und unter gelegentlichem Durchrühren ca. 6 Minuten andünsten, bis sie leicht glasig und gar sind.

Fertig ist der Spaß. Mit dem Olivenöl und etwas Bratensaft für guten Geschmack und die Fett-Bilanz auf den Teller geben.

Guten Appetit!

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