Pop-Massaker oder (Süßkartoffel) Kuchen-Kultur

VMA versus Kuchen-KulturEs ist also soweit, dass ich der Pop-Kultur entwachsen bin. Oder, bevor sich jemand am Begriff Pop-Kultur aufhängt: Die Konsum-Botschaft der gängigen Medien-Formate erreicht mich oftmals nur auf Umwegen.

Ich lasse quasi andere konsumieren und wenn mich das Urteil interessiert, beginne ich vielleicht selbst zu lesen. Oder zu schauen oder zu hören… Mitunter wird mir diese Entscheidung aber gänzlich aus der Hand genommen: Dann nämlich, wenn einfach alle Medien nur über ein Thema berichten. In diesem Falle die VMAs.

Ein Event-Format des früheren Jugendbegleiters MTV. Zumindest zu meiner Zeit war das so. Die Freiheit, dass gegen Mittag kein Erwachsener anwesend war und ich nach der Schule eintauchen konnte in die schnelle laute Bilderwelt des Musikfernsehens. Meine Zeit – das kommt mir so lang nun auch noch nicht her vor, aber trotzdem liegen Verständniswelten zwischen mir und dem, was da heute als scheinbar abgebrühtes Moderations- und Glitzer-Sternchen-Volk die Teppiche füllt und sich in die immer wieder gleichen Posen wirft.

Hier feiert sich die Industrie gesättigt selber, für die richtige Atmosphäre werden ein paar frenetisch jubelnde Fan-Statisten an der Bühne platziert und dann wird ein Wahnsinnsgeld für die Show ausgegeben.

Ich verfolge dem Zirkus nicht aktiv, aber an der Austauschbarkeit der Gesichter lässt sich erahnen, wie kurzlebig viele der präsentierten Künstler sein werden. Aber keine Sorge, der Nachwuchs wackelt bestimmt schon bei Disney mit dem Popo und der Abstieg der Prominenz lässt sich in seinen verschiedenen Stufen wunderbar noch in den unterschiedlichen Fernsehformaten nachvollziehen. Zynismus ist immer für ein Publikum gut. Und auch in Deutschland hat man gelernt, wenn der Trubel zu sehr drückt und auch die intimsten Abhängigkeits-Problematiken zu offen zu Tage treten, dann lassen sich damit noch ein paar Tränchen und Euros pressen. Die Puppenspieler freuts und so wird der Zoo bunt glitzernd durch die Manege getrieben, bis es wieder in den teuren Käfig geht.

Und dank des bunten Spektakels weiß seit dieser Woche nun wohl auch jeder was Twerking ist.

Wer sich noch in schützende Unwissenheit hüllt und Stärke besitzt, Fremdschämen auszuhalten und der industriell gefertigten Vorstellung von Unterhaltung ins Auge zu blicken, der kann sich einen Ausschnitt Miley Cyrus antun.

Und nein, nicht merken. Dieser Name taugt höchstens für intellektuell geprägten Party Flachschnack, wenn man ihn in Sätze einbindet, die das Entsetzen angesichts des kulturellen Niedergangs in Worte fassen. Nur so viel sei gesagt: Ein Disney Kinder-Star, man sollte sagen einer mehr, der in aller Öffentlichkeit das Erwachsenwerden vollzieht. Wobei Erwachsenwerden dann einmal mehr missverstanden wird, als bemühte Provokation und eine seltsam beschämende, öffentliche Sexualisierung der eigenen Person, die alle Klischees erfüllt und dann noch als selbstbewusst verkauft wird. Es tut einem weh und leid und trotzdem taucht es heute hier auf, weil es mir förmlich ins Gesicht sprang auf zig Seiten.

Ich finde, auch auf der Bühne gehört der Hintern einer 20-Jährigen nicht am Schoss eines 36-Jährigen gerieben (oder tue ich dem anderen Künstler da Unrecht?) oder sagen wir nicht so. Es ist so anstrengend aufreizend, dass es sich schon wieder selbst widerspricht. Ich finde es nur traurig, wenn ich mir überlege wie viele viel zu junge Hintern jetzt daheim das Wackeln üben – bitte nicht!

Das war meine heutiger Ausflug in die Bilderwelt des Glitzer-Biz…das reicht. Ich lehne mich lieber wieder zurück und  pflege ein ganz einfaches Verständnis von Unterhaltung und Kultur, das nicht um jeden Preis die Provokation als dann sinnentleertes Thema wählt.

Zum Musik hören mit sich und auch zum Buch passt Süßkartoffel-Kuchen sehr gut. Denn, auch wenn der Sommer tagsüber noch kämpft, riechen die Abende bald schon nach Herbst und es wird Zeit für die warmen Gewürze, die einem zumindest ein inneres Wohlbehagen schenken.

Mein Rezept

2 mittlere Süßkartoffeln
80 Gramm Mandelmehl oder gemahlene Mandeln (schmeckt mit beidem, finde ich)
60 Gramm Butter + 1 Esslöffel
2 große Eier
Zimt
Vanille
Xucker
Salz
Natron
Lebkuchengewürz
100 Gramm ganze Mandeln

  • Die Süßkartoffeln mehrfach mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad ca. 50-60 Minuten im Ofen rösten, bis die Haut schrumpelig und die Süßkartoffel weich ist.
  • Die Eier mit 60 Gramm Butter und 4 Esslöffeln Xucker sowie den geschälten Süßkartoffeln mit dem Handmixer glattrühren.
  • Das Mandelmehl, eine Prise Salz, 1 Teelöffel Zimt, 1 Teelöffel Lebkuchengewürz, 1 Teelöffel Vanille und einen 1 Teelöffel Natron unterrühren.
  • Die Mandeln in einer Pfanne anrösten bis sie leicht duften. Nun einen Esslöffel Butter und zwei Esslöffel Xucker sowie eine Prise Salz und etwas Zimt dazu geben und schön karamellisieren lassen. Dabei gut rühren und vom Herd nehmen, bevor Karamell und Mandeln zu dunkel werden.
  • Nun die Mandeln mit dem Karamell in den Teig geben und unterrühren.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und bei 200 grad ca. 25-30 Minuten in den Ofen geben, bis der Rand sich leicht vom Rand gelöst hat.

Schmeckt auch warm köstlich und spendet innere Wärme in finsteren Zeiten.

Guten Appetit!

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Ein Gedanke zu “Pop-Massaker oder (Süßkartoffel) Kuchen-Kultur

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