Ruhig bleiben – Tee trinken – Bulletproof, zumindest der Tee

Bullettproof TeeDa ich ja nicht wählen gehe, habe ich meine freie Zeit auch nicht darauf verwandt, mir ein Kanzlerduell im Fernsehen zu geben, das von vorneherein völlig sinnentleert  konzipiert sein muss um ein Publikum am Bildschirm zu halten – würde es hier 90 Minuten um harte Fakten und nicht um populistische Sympathie-PR gehen, würden die meisten doch wegschalten. So bleiben viele dran und sind dann wieder auf der Höhe der Zeit der Konserven-Diskussionen des Alltags.

Wie richtig die Entscheidung zur Verweigerung war, zeigte mir der morgendliche Blick in bunte Welt den Medien: Wow, die Kanzlerin trägt eine Kette, die irgendwelchen Idioten einen Twitter-Account und eine Facebook-Seite wert ist… Ganz groß, wirklich…

Da wurde der Griff um den morgendlichen Becher Bulletproof Kaffee schon verkrampfter. Dann schob mir der liebe Mensch noch einen Link zu einem Video rüber, in dem sich wirklich herzzerreißend die Frustration einer Amerikanerin angesichts des absehbaren Syrien- Kurses des Präsidenten zeigt. Ein aufrüttelnd persönlicher und ehrlicher Ausdruck von Frustration, den ich nur zu gut nachvollziehen kann. Ja, den Skeptikern und Politik –Verstehern und Vertrauern mag das nur wie emotional-hysterisches Geschwafel erscheinen. Ich finde es mutig und zolle der Geste Respekt – wie groß muss die Wut der Machtlosigkeit sein, wenn sie solchen Mut zur offenen Rede weckt?

Und wenn man schon beim Stöbern auf Youtube ist, empfehle ich auch die 10 Minuten zu investieren und sich Obamas Syrien-Rede im Original anzutun und genau hinzuhören.

Das ist Zynismus im politischen Friedensmantel. So schamlos, dass ich fast wegschalten möchte. Der Commander in Chief, wie er nicht umhin kommt zu betonen, ist sich auch nicht zu schade, immer wieder auf getötete Kinder in Syrien zu sprechen zu kommen. Man möchte den ernsten Herrn kurz in seinem gewohnt amerikanisch-patriotisch Verantwortungs-gefärbtem Sermon unterbrechen und ihm eine Statistik der zivilen Opfer der US-Dronen-Schläge in Pakistan vorlegen, nur mal  so als kleine Ermahnung, vielleicht weniger auf die Tränendrüse zu drücken in der Argumentation.

Tatsächlich ist die ganze Rede wunderbarer Ausdruck politischer Arroganz, denn es gibt sie, die Stimmen gegen militärische Maßnahmen in Syrien, aber die  zählen nicht, die Stimmen, solange die weltbewegenden Interessen das Sagen haben. Interessant ist auch eine Interview, dass Carla del Ponte im Mai gab und wo sie die Verbindung der syrischen Rebellen zum Westen aufzeigt und dass diese chemische Waffen gegen Zivilisten eingesetzt hätten.  Nur mal so, für das ganze Bild…

Ich bin nun wahrhaftig kein Nahost-Experte, aber die einseitige Berichterstattung der Medien und das scheinheilige Repertoire an Reden zum Thema Bedrohung aus dem Nahen Osten machen mich krank.

Das eine Familie, die Präsidententitel de facto vererbt, nicht gerade das Sinnbild einer demokratischen Ordnung ist, steht außer Frage, aber passiert da nicht vieles einfach zu perfekt so, dass es Strippenziehern in die Hände spielt und ein Obama sich mit seriös verkrampften Kinn hinstellt und mal eben so bekannt gibt, dass für ihn keine UN-Resolution für einen militärischen  Schlag (ich weiß gerade keinen plüschigen Euphemismus) nötig ist? Er ist bereit. Ich bin sprachlos….

Und erinnere mich nur zu gut an die Friedens-und Verteidigungs-Argumentation vor dem Einmarsch in den Irak…Ob diesmal wieder blaue Luftballons mit schönen Tauben durch die Straßen wehen werden?

Und das ist ja doch wieder nur ein Steinchen, das mich drückt in der täglichen Auseinandersetzung mit der wunderbaren, modernen Welt in der wir leben und in der es uns soviel besser geht… Ach übrigens, die liebe Generation unserer Eltern, die uns so viel Freies und Kritisches ermöglicht hat, die hat 68 auch hinter sich gelassen und sitzt an den Hebeln der Politik, die da gemacht wird. Darüber sollte man sich auch nochmal unterhalten.

Aber das führt vielleicht zu weit. Genauso wie Lecks in den Wassertanks von Fukushima – falls sich noch jemand an die Angst vorm GAU in Japan erinnert, was habe ich mich gesorgt, all die aufklärerische Literatur der 80er hat ihre Spuren hinterlassen.

Aber der Hintern von Miley Cyrus füllte das Netz und auch ich kam nicht dran vorbei. Japan ist ja auch weit weg und Syrien im Grunde auch.

Aber manchmal fühlt es sich verdammt nahe an. Nur, ich lasse mir nicht meinen Optimismus nehmen. Das wäre ja noch schöner. Ich weiß ja nicht mit Sicherheit, ob ich am Ausgang noch ein solches Leben überreicht bekomme. Ich mache mir Luft und bleibe nicht still, aber ich bleibe auch realistisch und nutze das, was ich habe.

Und wenn ich Zeit habe, dann lese ich, mache die Augen auf und fresse Informationen und Bücher und koche und trinke Tee – gerne kugelsicher, wer weiß…zumindest gut für die Nerven.

Mein Rezept (für zwei Tassen) Bulletproof Chai

Schwarz Tee nach Wahl
Zimt
Vanille
Kardamom
Kokosöl
Weidebutter

  • Zwei Tassen Earl Grey mit etwas Zimt, Vanille und vier zerbrochenen Kardamomkapseln ca. 5 Minuten ziehen lassen.
  • Parallel 70 Gramm Weidebutter mit zwei Esslöffeln Kokosöl sachte erhitzen, den Tee in das Öl sieben und alles mit dem Pürierstab schön mixen.

Fertig. Nervennahrung: Fettig, warm und tröstlich.

Guten Appetit!

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2 Gedanken zu “Ruhig bleiben – Tee trinken – Bulletproof, zumindest der Tee

  1. Hallo Maie-Brit,
    da ich kein Kaffeetrinker bin von mir VIELEN DANK für deine „bulletproof“ Variante mit Tee!!!! Ich starte seit einigen Monaten jeden Morgen damit in den Tag und wollte Dir jetzt mal eine Rückmeldung zukommen lasse. Mein „Standard“ ist mit der Zeit geringfügig anders geworden, als dein Rezept:
    700 ml schwarzer Tee
    1 Prise Salz
    1/2 TL gemahlene Vanille
    25g Weidebutter
    25g Kokosöl
    reicht aber aus, damit ich mir bis mittags keine Gedanken über Essen mache =))))
    DANKESCHÖN,
    viele Grüße und
    einen schönen restlichen Sonntag wünscht Dir
    ManuEla.

    • Hallo Manuela,
      lieben Dank für die Rückmeldung. Die Prise Salz klingt super! Das werde ich mal ausprobieren – ich versuche mich seit einigen Tagen auch im Nicht-Kaffee-trinken und so langsam klärt sich der Kopf. 🙂 Tee ist vielleicht langfristig echt die beste Lösung für den Start in den Tag. Einen schönen Sonntag trotz Grau!
      Maie-Brit

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