Sonntägliches Wohlbehagen, Lesestunden und Herbststimmung in Gläsern: Pflaumen-Chutney

Pflaumen ChutneyNein, ich muss da nicht raus. Ich darf auch mal einfach ganz faul drinnen bleiben und den grauen Himmel grau sein lassen. Der Schweinehund schnurrt und lässt sich den Bauch kraulen. Ein Tag nach seinem Geschmack. Keine Tritte von meinem Motivations-Motor, sondern zelebriertes Faulsein und die Früchte der gestrigen Küchen-Wirbelei genießen.

Denn jetzt ist endlich die Zeit angebrochen meine Pläne der großangelegten Bevorraterei für die dunklen Monate in die Tat umzusetzen. Die Bäume am Wegesrand hängen voller Pflaumen, Birnen und Äpfel, die Kürbisse wachsen und auch auf Quitten darf man hoffen – nein, kein Neid: nicht im eigenen Garten, ich habe einen ins Schwarze tendierenden Daumen, aber einfach mal geschaut, wer selbst zu Faul ist, sein Obst zu verarbeiten und ansonsten regional gekauft.

Und dann sollen in der Küche in den nächsten Wochen regalbretterweise Chutneys, Kompott und eingelegter Kürbis entstehen. Das ist der Plan. Schauen wir mal. Auf jeden Fall mag ich es, Selbstgekochtes zu verschenken und bin selber großer Freund von Gläsern, die einem schnell das einfachste Essen noch spannender machen. Also muss wohl einiges produziert werden, damit alle Pläne auch in die Tat umgesetzt werden können.

Ganz nebenbei befriedigen diese ganze Einkocherei und Hantiererei mit Gewürzen ja auch so tief vergrabene Landhaus-Idyllen-Phantasien, die ich sonst abstreite. Aber eine Auswahl an Gläsern mit krakelig geschriebenen Etiketten (denn ich werde nicht noch dem Zeitgeist verfallen, gefällige Etiketten mit putzigen Namen zu produzieren) muten immer so Klischee-Geschichten-Haarknoten-Großmutter-Blumenschürzen-mäßig an. Meine Oma habe ich nie einkochen sehen, aber ich wurde mit genug Kinderliteratur und medialen Stereotypen geimpft um empfänglich zu sein für diese Wohlfühl-Klischees. Muss auch mal sein. Ich bin mir dessen bewusst.

Und da die erste Fuhre Pflaumen gestern schon einmal probeweise in den Topf wanderte und das Haus heute noch so lecker nach Gewürzen riecht, hat der Schweinehund Glück gehabt. Er sollte es sich nur nicht zu bequem machen.

Also gute Voraussetzungen für so einen Tag mit viel Tee und dem völligen Abtauchen in geschriebene Welten.

Meine eigentliche Lektüre im Moment ist  eher verstörend endzeitlicher Natur und so fantastisch geschrieben, dass ich sie nur widerstrebend aus der Hand lege, aber ich habe heute das unbestimmte Verlangen etwas auf etwas Berührendes. Oder zumindest etwas, das einen kurz verschnaufen lässt, angesichts der gnadenlos mahlenden Mühlen des Weltgeschehens. Eine Art bewusster, zeitlich begrenzter Eskapismus ohne fiese Verdrängungsmechanismen.  Das sollte man sich durchaus regelmäßig gönnen.

Und da passt eine andere Lektüre viel besser. Ein Buch, an das ich seit der Lektüre immer mal wieder denken muss: Die Geschichte der Liebe von Nicole Krauss.

Zuerst tat ich mich schwer mit dem Titel und ja, auch mit der Umschlaggestaltung. Ich glaube am liebsten sind mir Bucheinbände neutralerer Natur, aber ich weiß auch, dass das kein Bewertungskriterium sein sollte.

Auf jeden Fall sollte es einen nicht davon abhalten dieses zarte Buch zu lesen! Ich habe es im Gehen zu Bahn, in der U-Bahn und einfach überall gelesen. Habe beim Frisör gesessen und fast geweint vor Rührung, habe Seiten zurück geblättert und Sätze wieder und wieder gelesen um ihre Schönheit festzuhalten.  Habe mein Lesetempo verflucht um so lange wie möglich dabei sein zu können und habe wieder und wieder geblättert und immer wieder dem besonderen Menschen Passagen vorgelesen um zu Teilen, was dieses Buch an Zauber schafft. Ganz sachte wachsen einem die Protagonisten ans Herz und die schicksalshaften Verknüpfen, die alles zusammenfügen, nehmen einen auf Schönste gefangen.

Ja, ich bin total anfällig für emotionale Inszenierungen und habe schnell mal einen Klops im Hals. Aber hier war es anders. Die Geschichte der Liebe ist eines der seltenen Bücher, für die man noch lange Zeit unendlich dankbar ist.  Dankbar dafür, dass man aufrichtig emotional erschüttert wurde und dankbar, dass dort draußen Menschen ihre Schweinehunde bekämpfen und mit ihrer Sprache Geschichtenkonstrukte erschaffen, die ein Gefühl von Ehrfurcht auslösen. So oft trifft man diese Bücher nicht.
Und wer sich nicht vor einem heimlichen Tränchen scheut, dem kann ich Die Geschichte der Liebe nur an Herz legen. Und zwar genau dorthin.

Und weil man neben dem Lesen auch essen muss:

Pflaumen Chutney

Ca. 2,5 Kilo reife Pflaumen
400 Gramm rote Zwiebeln
5-6 mittlere Knoblauchzehen
120 Gramm Xucker
150-200ml Apfelessig
1 großes Stück Ingwer (ca. 7 cm)
4 Lorbeerblätter
6 Lorbeeren
8 Nelken
3 Esslöffel Senfkörner
3- 4 mittelscharfe Chilischoten

Gläser mit Schraubdeckel

  • Die Pflaumen waschen und vierteln.
  • Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch schälen und fein hacken.
  • Denn Xucker in einem Topf mit etwas Fett schmelzen, dann Zwiebeln. Knoblauch und Ingwer darin karamellisieren.
  • Alle anderen Gewürze dazu geben. Dann die Pflaumen und den Essig, erst einmal 150 ml und dann noch einmal nach 10 Minuten abschmecken und entsprechend mit etwas Xucker oder Essig nachwürzen.
  • Alles 30-40 Minuten köcheln lassen, bis im Mus noch Stücke erkennbar sind.
  • Die Gläser und Deckel mit kochendem Wasser spülen, abtrocknen und bis einen Fingerbreit unter dem Rand befüllen. Denn  Rand mit einem Tuch säubern, die Deckel festschrauben und die Gläser auf den Kopf gestellt abkühlen lassen. Sie knacken dann beim ersten Öffnen und halten sich monatelang – aber bis dahin ist es hier leer…

Passt hervorragend zu Braten, Lamm-Koteletts, Schinken, Omelette mit Speck……..

Guten Appetit!

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3 Gedanken zu “Sonntägliches Wohlbehagen, Lesestunden und Herbststimmung in Gläsern: Pflaumen-Chutney

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