Rezepte für das Leben oder Fertigmischung

Rezepte fürs LebenIch  habe mir wohl oft genug gewünscht, an irgendeinem Punkt in meinem Leben hätte mir mal jemand eine Gebrauchsanleitung in die Hand gedrückt. Oder besser noch: Ein einfaches Rezept. Überschaubare Zutaten und klar definierte Handlungsschritte und tatataa: ein Ergebnis. Aber das wäre wohl auch nicht das Wahre. Die ganzen Irrungen und Wirrungen, in die wir uns Tag für Tag wieder stürzen, gehören wohl dazu. Wobei ich den Verdacht nicht los werde, dass es Menschen gibt, die sich einfach eingerichtet haben und sich nicht stören lassen in diesem selbstgesetzten Rahmen. Ein solcher Lebensentwurf wird ja auch wunderbar unterstützt in unserer Gesellschaft. Dir geht es nicht gut? Lies einen der gefühlten 10 000 Ratgeber und kauf direkt den Folgeband dazu und wenn das nicht hilft, mach ne entspannte Reise oder kauf dir was Schönes. Immer noch nicht genug? Such Dir Ablenkung, erfülle Deine sozialen Pflichten, bilde Dich weiter, achte auf Dich, mach dich hübsch, mach ne Detox-Kur, meditier, geh aus, schlaf regelmäßig, trink weniger Alkohol und mehr Wasser, iss vernünftig und gesünder… Du möchtest tiefer vordringen? Dann such Dir nen Coach – Therapeuten sind so was von gestern, töpfer oder mal was, sing oder tanz, tu Gutes und und und….

Wie kriege ich alles unter einen Hut, was mir da so an Möglichkeiten geboten wird und wie zur Hölle geht das eigentlich mit dem berühmten eigenen Weg?  Selbstfindung – so ein wahres Wort und leider mit Klischees überladen. Ob das Zufall ist? Finden, sprich Suchen, erfordert Konzentration. Wo finde ich die in dem Hin und Her und den Anforderungen von mir und anderen an mich? Und warum geht alles immer schneller?

Ich finde, man kann sich ganz wunderbar selbst in einen Gedankenstrudel hinein schrauben, der am Ende total unproduktiv und destruktiv ist. Ich weiß aber auch, wie schnell so etwas gehen kann. Wie es quasi in unserem westlich-modernen Erwerbs-Lebensentwurf angelegt ist, sich immer mal wieder zu verlieren. Und dann probiert man all die Wege aus, die der Mode der Zeit entsprechend gerade durch den Mainstream geistern, oder man ist mutiger und sucht am Rande, auf die Gefahr hin belächelt zu werden,  wenn man mit spirituellen Lösungsansätzen daher kommt. Nein, nein – weg damit.

Ein Rezept also. Und zwar bitte frühzeitig, dann kann man seinen Weg gehen ohne das ein oder andere rückblickend unnötige Drama. Ein Rezept, das einen etwas mehr zu sich selbst führt und entspannter werden lässt inmitten von Anforderungen, Bildern und Projektionen, die jeden Aspekt des Lebens in den Krallen halten. Denn es gibt sie nicht umsonst, die Rama-Familie,  die Erfolgsstories, die Vorher-Nachher-Styling-Geschichten, die Beschwörung von Beziehungsidealen mit ihren öffentlichen Traumpaaren, das Bild der Geselligkeit inmitten anderer gutgelaunter attraktiver Menschen – es kostet eine unglaubliche Anstrengung, sie abzustreifen, diese eingeimpften Bilder. Und ja, auch wer nun die Brauen runzelt und sich frei von Manipulation wähnt, wird seine Fallen finden. Und sei es dem Schönheitsversprechen der Kosmetik zu glauben oder beim Klamottenkauf den Bauch einzuziehen….oder vielleicht doch im Gespräch mit anderen die ein oder andere Leistung noch etwas hervorzuheben…man gehört ja dazu und funktioniert. Ein Kampf gegen Windmühlen. Und da jeder ihn führt, liegt eine Lösung vielleicht in den Menschen.

Jeder hat seine kleinen Kämpfe und Ticks und Marotten und das soll auch nicht anders sein… Aber jeder geht damit anders um und ich bin einfach der festen Überzeugung, dass nicht jeder Mensch mit unschuldigen Ambitionen durch die Welt läuft. Wer kennt sie nicht, die kleinen Sticheleien unter Freunden. Man kennt sich so gut, eine kleine Spitze verpackt als Witz  – wir haben doch Humor! Ein Gespräch über Personen in deren Abwesenheit, natürlich ganz im Vertrauen und mit den besten Absichten – das macht so viel Spaß, ich weiß. Ein Spielchen mit den Gefühlen anderer. Nicht immer bewusst, aber manchmal schon, wenn man merkt, was man tun muss um zu kriegen was man will. Das klappt als heulende Dreijährige ebenso gut wie als sturer Vierzigjähriger oder als exaltierte Zwanzigjährige. Wenn man mal ganz ganz ehrlich ist, kennt jeder solche Menschen, zumindest einen – sich selber… Und wer da jetzt nein sagt, ist ein besonders heißer Kandidat! Aber das Gute ist ja, dass wir die Fähigkeit zur Reflexion haben, wir können unsere Handlungen reflektieren, wir haben emotionale und moralische Maßstäbe. Wir besitzen Empathie. Psychopathen nun einmal ausgenommen. Wir haben selbst in der Hand unser Verhalten zu ändern und wir können uns mit Menschen umgeben, die genauso denken wie wir, die unsere Wertvorstellungen teilen, die uns Gutes wollen und ehrlich sind in dem, was sie uns spiegeln. Die Freundschaften, die wir pflegen und das Gespinst an Dynamiken, die diese bedeuten, sagen viel über uns aus. Eine neue Liebe? Dann ist der beste Freund, die beste Freundin eigentlich das  herausforderndere Treffen als das mit den Eltern… Und  weil das mit den Menschen unter einander nicht immer ganz einfach ist, denn auch wenn man versucht der Welt mit Respekt zu begegnen, bekommt man diesen nicht immer zurück, hat man auch hier die Wahl: Man darf Menschen aus seinem Leben verabschieden, wenn sie einem nicht gut tun. Wenn sie einen nicht wachsen lassen, oder die Treffen und Gespräche zu oft ein seltsames Gefühl der Unsicherheit oder des Unbehagens hinterlassen.  Das fällt so schwer zu sehen und sich einzugestehen, aber es gibt sie viel zu oft, die destruktiven Mechanismen, die uns Energie kosten. Die Menschen, die uns ausbremsen und zurechtstutzen, Neid hinter falschen Komplimenten verstecken oder leere Versprechen auftürmen… egal ob in Freundschaften oder anderen Beziehungen. Wir dürfen kritisch sein, wenn wir es zu allererst uns selbst gegenüber sind.  Da ist das Schwerste von allem.

Und weil das alles so kompliziert ist, ist er da, der Wunsch nach dem Patent-Rezept. Ich weiß nicht was anderen so schmeckt in dieser Hinsicht, aber für mich hat sich eine kleine Lösung aufgetan. Simpel aber klar. Ein Mensch, der sich obsessiv mit dem Thema Essen beschäftigt, sollte vielleicht beginnen Analogien zwischen den Bereichen des Lebens zu bilden. Denn letztlich hängt es alles tatsächlich zusammen.

Warum nicht die Grundsätze und Anforderungen, die ich an mein Essen stelle, auch an die Gefühlsnahrung stellen.

Keine Zusätze, keine unverständlichen und schädlichen Zusatzstoffe, keine künstlichen Farbstoffe und Geschmacksverstärker. Was schlecht ist, kommt weg. Und hinschauen, ob man erkennen kann, was man sieht. Ehrlich, mit gutem Geschmack, Substanz und voller guter Nährstoffe…vielleicht ist das ein erster Schritt, einen weiteren Faden etwas zu entwirren in diesem seltsamen Gespinst, in dem man so steckt.

Guten Appetit!

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