Das mit dem Brautkleid und dem Blaukraut

Rotkohl SalatEs ist schon etwas seltsam, mitten im Taunus zu sitzen und daran zu denken, dass heute eine sehr gute Freundin im fernen Mexico heiratet.
Lange Jahre haben wir uns durch das Erwachsenwerden in der großen Stadt Berlin begleitet, haben Sonnenaufgänge geteilt und seltsame Dinge durch die Stadt geschleppt. Klamotten getauscht und die Welt besprochen.
Sie war meine Trauzeugin und hat mich sehr bestärkt, als ich mich in Bewegung setzte, die Stadt zu verlassen. Und während es bei mir in Richtung Dorf ging, zog es sie, des Herzens wegen, nach Mexico City.

Das ist ganz schön weit weg. Und das macht es manchmal ganz schön schwer, da man sich nicht so einfach treffen kann und auch feststellt, dass sich Beziehungen verändern, weil jeder einen neuen Lebensrhythmus hat, mit ganz eigenen Wichtig- und Nichtigkeiten.
Natürlich passiert so etwas nicht über die Nacht, ich kann da nur für Mädchenfreundschaften sprechen, aber sicher gibt es da Grundsätzlichkeiten, die auch Männer erleben.
Es ist ein großes Geschenk, wenn man Freundschaften lebt, die einen durch wichtige Zeiten begleiten, in denen man all die kleinen und großen Verrücktheiten und besonderen Momente erlebt, die noch Jahre später für eine Geschichte gut sind und die Augen zum Glitzern bringen – Partners in Crime oder wenigstens beim Großwerden.

Verändern tut sich dann schon etwas, wenn einer oder beide plötzlich noch eine (Liebes-)Beziehung  in ihr Leben lassen. Dann verschieben sich die Gewichtungen und Rollen werden neu definiert.
Das ist nicht immer einfach und schmerzfrei, aber es gehört wohl dazu. Mitunter ist es auch aufreibend, irgendwie sind wir ja auch geprägt von Bildern, die uns suggerieren, dass wir uns ständig mit vielen Menschen umgeben sollen, unsere Beliebtheit offen vor uns her tragen sollen und somit zeigen, dass wir dem Bild entsprechen und konforme Gesellschaftstiere sind. Je mehr Leute einen mögen, desto sicherer kann man ja sein, dass man nicht aneckt und alles richtig macht.

Ich mag Menschen, sogar sehr. Auch wenn ich vieles, was sie tun, nur schwer nachvollziehen kann. Und ich weiß um den Wert echter Freundschaften. Aber ich habe für mich auch gelernt, dass mir eine kleine Gruppe wahrer Freunde wichtiger ist als eine immer größer werdende Schar von Freunden, deren Bekanntschaft sich auf lange Nächte an der Bar beschränkt und wo das Bindeglied der Taumel des Stadtlebens ist und wenig mehr. Klingt blöd, ist aber so. Und man muss nur einmal aus der Stadt wegziehen und man wird schnell merken, welche Kontakte mitwachsen und wo anscheinend die Verbindung einschläft. Und das ist völlig ok. Trifft man sich dann durch Zufall, ist es nett aber zeigt auch, dass man seine begrenzte Energie auch auf bestimmte Menschen konzentrieren darf und nicht wie Smarties damit um sich schmeißen soll. Smarties sind eh Mist und außerdem musste ich die  in Kindertagen (und darüber hinaus) immer zwanghaft nach Farben sortieren… aber egal.
Nein, Freundschaften sollte man eben so weise und mit Bedacht wählen, wie die Konflikte, auf die man sich einlässt.

Nun habe ich mich allein schon durch die Entscheidung, mein Leben umzukrempeln, räumlich sehr aus allem zurück gezogen, das schafft automatisch eine Distanz und erlaubt auch andere Perspektiven. Aber es hat auch schöne neue Türen geöffnet und Freundschaften neu definiert, wie das in dem letztlich immer gleichen Umfeld der großen Stadt wohl nicht passiert wäre. Wenn mich jemand fragt, ob ich mich einsam fühle – kein Stück. Und ob das nicht zu nah ist, so arbeiten und leben und lieben mit ein und demselben Menschen. Dann muss ich mich wundern, wenn ich mir mit diesem Menschen nicht alles hätte vorstellen können, hätte ich ihn nicht geheiratet. Und ja, da steckt auch Arbeit drin. Wie in jeder Beziehung und wer da den Kopf schüttelt und sagt bei mir ist alles Eierkuchen, da erlaube ich mir ein Stirnrunzeln. Menschen mit ihren Besonderheiten, persönlichen Geschichten, Verletzungen, Ticks und Ängsten, bedeuten immer auch etwas Arbeit, wenn man sie zusammen steckt.  Und meist sind es Ehrlichkeit und Austausch, die hier den Weg ebnen und es ermöglichen, dass man sich auf einer Ebene begegnet, die ermüdende (Macht-)Spielchen und frustrierende Projektionen vermeidet. Und damit spart sich gleich eine ganze Menge der Dramen, die in vielen Beziehungen so häufig passieren und mitunter noch als Leidenschaft gedeutet werden, dann braucht man nicht so genau hinzuschauen.

Meiner lieben Freundin in der Ferne wünsche ich, dass sie diesen Menschen gefunden hat, der ihr Herz sieht und der weiß, wer sie ist, welch kostbarer und besonderer Mensch. Ich wünsche ihr von Herzen alles Glück und alle Energie, die es vielleicht auch manchmal braucht und einen ganz besonderen Tag. Eines weiß ich mit Sicherheit: Egal wie das Brautkleid aussieht, sie wird besonders schön sein.
Und so werde ich in wenigen Stunden ganz fest in die Ferne denken, mit einem Rührungsklops, weil ich so unheimlich sentimental bin und wir so viel erlebt haben. Und ich weiß nicht, was sie dann essen werden an diesem besonderen Tag im fernen Mexiko.
Ich werde mir einen Rotkohlsalat machen, weil es schnell geht und mehr Zeit für Rührung bleibt und weil ich die Farbe so mag.

Orangen-Rotkohl-Salat mit Walnüssen

Einen halben Rotkohl (oder einen ganzen kleinen)
1 große Orange
2 Handvoll Walnüsse
Apfelessig
Olivenöl
Kürbiskernöl
Salz
Pfeffer

  • Den Rotkohl mit einem Messerin feinde Streifen schneiden und gut durchwaschen.
  • Die Orange filetieren und in kleine Stücke schneiden.
  • Die Walnüsse klein brechen in der Pfanne anrösten.
  • Den Rotkohl mit Apfelessig, Olivenöl, Kürbiskernöl, Salz und Pfeffer anmachen. Ruhig großzügig sein mit dem Kürbiskern Öl, der Geschmack passt so gut.
  • Die Orange und die Nüsse unterheben und alles gut durchziehen lassen (1-2 Stunden).

Ein schöner knackiger Salat zu Fleisch oder auch einfach mit gerösteten Speckwürfen. Hält sich wunderbar ein paar Tage im Kühlschrank, wenn man zu viel gemacht hat. Wer mag kann ihn sich dann immer neu verfeinern und noch einen Apfel rein schneiden.

Guten Appetit!

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Ein Gedanke zu “Das mit dem Brautkleid und dem Blaukraut

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