Kindergarten-Leber-Alpträume aufarbeiten

Lecker Leber Super FoodSo, es kehrt wieder Ruhe ein und auch die lieben Menschen aus dem Umfeld, die einen in einem temporären Anfall besessen-moralischer Bürgerpflichtsverkörperung in den letzten zwei Tagen noch den Untergang der Demokratie in die Schuhe geschoben haben, dürften sich mittlerweile wieder etwas stabilisieren und den gerechten Empörungspuls herunterfahren.
Und ich freue mich auf spannende vier Jahre Politikbetrachtung und hoffe, ich zeige genug Größe, den einen oder die andere nicht etwas zu piesacken, wenn nach dem Brennen für die Wahl das Interesse am politischen Tagesgeschehen wieder einschläft. Ich bin auch nur ein Mensch und arbeite an den kleinen Fehlern. Nein, ich bin, glaube ich, nicht nicht so der Ätsch-Typ. Eher beredtes Blicken und leichtes Schnauben, wenn es denn schon sein muss.

Aber egal. Kreuzchen, ähm, Häkchen hinter dieses Thema. Vorerst.
Stattdessen eine kleine Exkursion in Kindertage, in denen ich in regelmäßigen Abständen gezwungen war im Kindergarten zu Mittag zu essen. Wenn ich es richtig erinnere, bekamen wir das Essen geliefert, das sonst als Essen auf Rädern an arme wehrlose Senioren verteilt wurde, die nichts getan haben um kulinarisch so abgestraft zu werden!
Und der ganz besondere Alptraum, neben dem zwangsverordneten Mittagsschläfchen, war der Tag, an dem es immer Leber gab. Ich kann mir den Geruch bis heute in Erinnerung rufen. Fast weißer Instant-Kartoffelbrei (es gab eine Zeit, da habe ich Kartoffelbrei aus der Tüte geliebt und in knappen Studentenzeiten schien das Preis-Leistungs-Verhältnis ok, noch etwas Butter und Muskatnuss…habe ich erwähnt, dass ich dann irgendwann zu kämpfen hatte?) mit einer graubraunen Soße in der kleine Stückchen schwammen. Leber und irgendein Gemüse…. Es würgt… Ich war sicher nicht das einzige Kind, dass es zu einer gewissen Kunstfertigkeit darin gebracht hat, sich Soße ohne Stückchen auf den Kartoffelbrei zu giessen. Und dann Daumen gedrückt, dass keiner was merkt. Sonst gab es nämlich extra viele Leberstückchen. Weil die so gesund sind.

Das stimmt im Grunde ja auch. Leber ist eines dieser Super Foods.  Mit einem beeindruckenden Gehalt an Vitaminen und Mineralien wie Zink, Magnesium, Vitamin A, D…. Wenn, ja auch hier wieder ein Wenn, die Tiere aus einer artgerechten Haltung mit entsprechender Fütterung stammen. Und das glaube ich beim Essen auf Rädern nicht. Das ist schade. So wird das althergebrachte Wissen, dass Leber gesund ist und gegessen werden sollte, ins Gegenteil verkehrt und man serviert eine Portion Schadstoffe, wenn es sich um Leber aus konventioneller Massentierhaltung handelt.

Das Argument, dass Leber so belastet ist, hat mich jahrelang vor dem Verzehr ebendieser gerettet. Aber mit dem Wissen, wie gesund Innereien sind und mit der richtigen Fleischquelle, habe ich mich überreden lassen…Und habe überlebt. Nun sind wir noch keine dicken Freunde, die Leber und ich, aber ich beginne zu erkennen, was sie so beliebt macht. Noch esse ich mit spitzen Zähnchen und habe lieber noch schnell ein paar Birnen zur Sicherheit als Beilage eingelegt, um im Zweifel die Leber durch den Birnengeschmack überdecken zu können (noch so eine Taktik von früher), aber es ging. Tatsächlich. Es war gar nicht übel und wir werden unser Verhältnis vertiefen.

Aber im Zuge dieser Kopfarbeit im Vorfeld des Leber-Verzehrs musste ich noch einmal an die zum großen Teil miese Lage in Sachen Essen in öffentlichen Einrichtungen nachdenken.
Natürlich, es ist eine Frage des Budgets, aber vielleicht sind grundsätzlich Prioritäten falsch gesetzt? Ich bin noch um die Ganztagsschule herum gekommen und muss zum Glück nicht die entsprechenden Themen mit Lehrern und Erziehern diskutieren, denen entweder die Hände gebunden werden, oder die fest an das Evangelium der industriegeprägten Ernährungspyramide glauben. Wer an diese Front kämpft, der verdient den größten Respekt, denn gerade auch auf den Tellern werden Weichen gestellt. Den einzigen kleinen Ausschnitt, den ich als Einblick habe, verdanke ich meiner Mutter, die seit langen Jahren mit Herzblut Erzieherin ist (ich würde mir manchmal wünschen, sie würde niederschreiben, was sie aus bald 40 Jahren in diesem Beruf zu erzählen hat…). Nun isst meine Mutter nicht Paleo-konform. Sieht aber ein warum wir das tun und interessiert sich für das Thema Ernährung. Ihr Kindergarten hatte immer schon eine Hauswirtschafterin und Köchin, die lange Jahre selber das Mittagessen gekocht hat. Dann wuchs der Kindergarten und nun wird regelmäßig Convenience-Mist angeliefert, der dann nur fertig gegart werden muss und ansonsten unterscheiden sich die Tage in solche mit brauner oder weißer Soße und Fisch und Fleisch-Klein-Klein in Panade zu lustigen Dingen geformt…Ein Graus. Da wird aus Kostengründen die Gelegenheit verspielt, Kinder an Essen heranzuführen. Denn Fakt ist nun einmal, dass dies nicht mehr in allen Familien geleistet werden kann. Und man die Schuld daran nicht den Eltern, sondern zuerst der Politik in die Schuhe schieben sollte.

Nein, keine Politik heute. Irgendwie schon, aber nicht explizit. Wie geht man damit um als Eltern, wenn man sein Kind vor diesem Essen schützen möchte? Man möchte seine Kinder ja sicherlich nicht ausgrenzen und Untersuchungen haben gezeigt, dass Erzieherinnen genauso beeinflussbar sind wie alle anderen Bevölkerungsgruppen. Wenn Kinder also gut gepflegt, hübsch angezogen und mir einem soliden Grundwortschatz in den Kindergarten kommen, werden sie automatisch anders wahrgenommen als jene Kinder, die weniger privilegiert aufwachsen. Und dasselbe gilt wohl auch für die Wahrnehmung der Eltern und ich würde mal frech behaupten, dass man es mitunter den lieben Kleinen nicht einfacher macht, wenn man seine Überzeugungen jenseits des Mainstreams vertritt. Wir Menschen tun uns einfach schwer im rationalen Abwägen von Argumenten und der objektiven Beurteilung anderer. Ich schließe mich da ein.

Aber ich merke immer mehr, dass ich mich  daran störe, wie sehr Essen auch ausgrenzen und schlimmstenfalls Chancen verschlechtern kann. Ich glaube schon, dass wir noch ein winziges Stück besser sind als etwa unser westlicher Partner USA.  Dort sind die Schulkantinen längst unter den großen Softdrink-Anbietern aufgeteilt und was dort serviert wird, kann nicht förderlich sein. Als neulich eine Fotoserie online ging, die  Bilder der trostlosen Essensituation zeigte, bekam ich Kopfschmerzen vom anschauen. Wie sollen Kinder mit diesem Essen aufmerksam sein und lernen?  Und wer sich nun beklagt, das wären erste Welt Probleme und irgendwo anders gäbe es gar nichts zu essen, der sei noch einmal darauf hingewiesen, dass viel von dem Dreck, der den Kindern  in westlichen Nationen serviert wird, in Ländern angebaut wird, denen dank dieser West-Exporte die Ressourcen wie Wasser und Ackerfläche für die lokalen Anbaumethoden entzogen werden. Ein Teufelskreis.

Essen ist ein Thema, das die Gemüter bewegt und zu wahren Glaubenskriegen am Essenstisch führen kann und deshalb sollte man ganz genau hinschauen und wenn man kleine Lichtblicke oder vernünftige Projekte findet, kann man etwas tun! Spenden oder sich engagieren!
So ist der Convenience-Fraß aus meinem Leben verschwunden und die Leber schleicht sich wieder. Das ist ok. Darf sie.

Rinder Leber mit Apfel und Zwiebel

500 Gramm Leber
2 säuerliche Äpfel
2 mittlere Zwiebeln
Rotwein
Pfeffer
Salz

  1. Die Leber abwaschen, von der Haut befreien und in zarte Streifen schneiden. Diese ca. eine Stunde in einem Rotwein nach Wahl ziehen lassen.
  2. Zwiebeln schälen und in Ringe schneiden, Apfel schälen und in Spalten schneiden. Beides in ordentlich Butter mit etwas Salz anbraten, bis die Zwiebeln golden werden. Dann zur Seite stellen und warm halten.
  3. Die Leber abgießen und gut abtropfen lassen. In Butter kurz scharf anbraten und ordentlich pfeffern. Danach noch weiter köcheln lassen. Bis alles noch zart, aber durch ist. Erst zum Schluss salzen!

Dazu passt auch gut Chutney oder eingelegtes Obst oder ein Rotkohlsalat!

Guten Appetit!

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