Bücher für die anderen, Rituale und zwei schnelle Freuden (herzhaft und süß)

Lesen und EssenLesen. Wenn mich jemand fragt, womit ich mich, neben der gedanklichen und praktischen Auseinandersetzung mit Essen, am liebsten beschäftige, dann ist die Antwort eindeutig für mich: lesen.
Bücher sind mein liebster Ort neben dem schönen Zuhause, wenn die Sonne durchs Fenster scheint, die Katze schnurrt, der besondere Mensch anwesend ist und alles für den Moment so schön ist, dass man kurz die Luft anhält, damit es nicht weg geht. Oh, ich schweife ab in Freitags-Harmonie.

Als Kind habe ich allabendlich darum gebettelt, dass die Vorlesezeit ausgeweitet wird und kaum ordneten sich die Buchstaben des Alphabets für mich zu Worten, habe ich selber angefangen Bücher zu verschlingen. Und dann konnte es schon mal vorkommen, dass meine Mutter mich beim blöden Blockflöten-Unterricht wähnte (das einzige was mir daran gefiel war, dass ich zum Vorspiel Rüschensocken durchsetzen konnte), während ich in Wahrheit vergessen hatte loszugehen und auf dem Boden lag und las.  Und diese Faszination für geschriebene Welten zieht sich durch mein Leben, wobei ich dabei einige Wandel durchgemacht habe. Als Kind habe ich viel zu früh auch immer mal in das elterliche Bücherregal gegriffen und Sachen gelesen, die sich meinem Erfahrungshorizont entzogen und deren Schnipsel mir heute manchmal noch einfallen. Da war ein Buch über ein Gehirn in einem Tank in einem Labor…ich weiß es nicht, aber das war es, was es mich immer fasziniert hat: dass Bücher einem Bekanntes ganz neu und Unbekanntes ganz vertraut zeigen können. Sie geben Antworten oder hinterlassen Fragen und treiben einen so an sich mit bestimmten Themen weiter auseinander zu setzten und aufs ganz Wunderbarste wächst man so an seiner Lektüre.

Und ja, das hängt natürlich auch von der Lektüre ab. Und das meine ich jetzt nicht mit intellektuell-bildungsbürgerlich erhobenem Umblätter-Zeigefinger, der mahnend auf den Kanon der 100 wichtigsten Bücher verweist, die einem bekannte Leitmedien in regelmäßigen Abständen immer wieder zusammenstellen und dabei am Besten noch den Untergang aller Kultur proklamieren, wenn die Jugend die literarischen Pappenheimer nicht mehr aus dem Effeff zitieren kann. Davon halte ich nicht viel. Zu lesen, was man gemeinhin halt lesen sollte, nur um zu sagen, dass man es gelesen hat, ist sinnlos. Ich glaube nicht, dass dann viel hängen bleibt. Neugier ist der wohl schönste Motor, der einen in der Büchervielfalt vorantreiben kann.

Neugier, Interesse und eine offene Einstellung. Dann können einem ganz wunderbare Begegnungen mit Büchern passieren und es werden einem Geschichten geschenkt, die berühren, denn auch wenn es kitschig klingt: Es liest halt mehr als nur der Kopf. Und manche Bücher bleiben bei einem, weil ihre Geschichte so wundervoll ist oder ihre Sprache so besonders und fesselnd. Leider gibt es da aber auch Unmengen von Büchern, die sind wie Fernsehen an einem Nachmittag unter der Woche. Nach einem Baukastenprinzip an der Zielgruppe ausgerichtet. Auf Spannung, Voyeurismus und  Ersatzbefriedigung, Betäubung ausgelegt. Das sind Bücher, die man wohl kein zweites Mal in die Hand nimmt, die die falsche Form von Abtauchen bringen und den Leser auch etwas unbefriedigt zurücklassen. Beispiele kennt wohl jeder: schnell gestrickte Krimis, peinliche Romantik- ,Erotik- oder Historienschmonzetten… Jeder hat doch Buchleichen in der nicht so auffälligen Ecke seines Regal versteckt. Ja, ich stehe jetzt einfach mal dazu. Ich habe eine Zeitlang gerne skandinavische Krimis (und da gibt es sehr gute, aber nicht nur) und auch mal einen Baukasten Stephen King gelesen.

Und, als Studentin der Geisteswissenschaften und einem gewissen intellektuellen Druck verspürend, lagen diese Bücher nicht ganz so offensichtlich rum wie die französische Ausgabe der Monde Diplomatique. Die ich natürlich im Original lesen konnte. Und mit dieser Verschleierungs- und Gaukel-Taktik stand ich sicherlich nicht allein da. Gerade in der großen Stadt Berlin wird nicht nur darauf geachtet, was Du trägst, sondern auch das Buch, das während der U-Bahnfahrt gezückt und  mit angemessen attraktiv geknautschter Stirn gelesen wird, ist ein Statement, das Gleichgesinnten zuzwinkerte „Hey, ich gehöre auch dazu!“ und Anderslesenden das geschriebene Brauenrümpfen zeigte. Rückblickend tut es mir leid, dass ich mich von diesem betont intellektuellen Getue, in das man als Student allzu schnell gerät, so habe hinreißen lassen.  Traurig, dass das nötig war und viele bleiben darin verhaftet, da wird dann mit Namen um sich geschmissen, die man dem letzten Wochenend-Feuilleton entnommen hat und die Spielregeln sehen vor, nicht zu genau nachzufragen. Denn Vorsicht: Nicht jedes beeindruckend gefüllte Buchregal wurde auch gelesen! Und wenn man dann in ehrlich gemeinter Bewunderung als Gast vor dem Regal steht und Interesse äußert, das über Bewunderung hinausgeht, ist der arme Gastgeber vielleicht genötigt leise vor sich hin zu grummeln, dass man das Buch noch nicht gelesen hat, oder ihm nichts abgewinnen konnte. Das ist nicht gut und sorgt für unangenehme kleine Momente. So sollte es nicht sein! Ich würde mich freuen, wenn mir dann mal jemand sagen würde: „Ganz ehrlich, ich dachte dass muss man haben und fand es so unverständlich und pfurztrocken im Vorwort, dass ich es nicht gelesen habe.“ Das wäre schön und eine Erleichterung und ich würde dieser Ehrlichkeit tiefsten Respekt zollen, ich würde es auch sagen. Mittlerweile, aber das war auch ein Prozess. Heimlich „Schund“ lesen – ein schlimmes Laster, nicht wahr? Nein, durchaus verzeihbar.
Die Lesegewohnheiten haben sich mittlerweile geändert. Belletristik und Krimis müssen mich heute deutlicher überzeugen als früher. Immer öfter greife ich nach Sachbüchern, da es einfach so vieles gibt, was ich wissen, lernen und verstehen möchte.

Das mit schönste Lesen für mich aber ist das Vorlesen. Ein Ritual, das sich vor gut zwei Jahren eingeschlichen hat und immer mehr Raum einnahm. Es ist so ein schöner Moment, Geschichten mit jemanden teilen zu können und über Bücher zu reden und im Lesen einfach eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, in Geschichten einzutauchen und diese in der Erinnerung zu teilen, wie einen gemeinsam verbrachten Urlaub. Ich kann nur für viel mehr Vorlesen plädieren!

Und beim Vorlesen wird noch einmal ganz neu auf die Auswahl der Lektüre geblickt. Geschichten und Erzählkunst stehen hier im Vordergrund. Wer vorlesen möchte, dem kann ich als Einstieg nur Michael Ende oder Rafik Schami  empfehlen.  Allein das Erlebnis, einen Kindheitsbegleiter wie Momo noch einmal zu lesen, jetzt wo man in der Welt der erwachsenen grauen Herren angekommen ist – es lohnt jeden Buchstaben.
Und manchmal verfliegt dann so viel Zeit mit den Büchern, dass es mit dem Essen ganz schnell gehen muss. Deshalb ein Abendessen und etwas nur halbvernünftiges Süsses für zwischendurch zum Lesetee.

Bohnen mit Speck (Eine bereits erwähnte Beilage, die mit mehr Speck eine Hauptrolle verdient hat)

500 Gramm grüne Bohnen
Schmalz
2 mittelgroße Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
150-200 Gramm Speck in Würfeln
Salz
Pfeffer
Rotweinessig

  • Zwiebeln und Knoblauch schälen und würfeln.
  • Mit dem Speck in großzügig Schmalz andünsten, bis der Speck knusprig wird.
  • Nun die Bohnen dazugeben, guten salzen und pfeffern und etwa 12-15 Minuten knackig dünsten.
  • Zum Ende noch einen Schuss Essig dazu: Fertig.

Ganz wunderbar schmecken die Bohnen auch lauwarm bis kalt,  mit noch etwas extra Olivenöl und einem Löffel Chutney …Oder zu Fleisch.

Aprikosen-Kokos-Konfekt (ganz köstliche kleine Kugeln, aber bitte nicht zur Gewohnheit werden lassen! Ich stehe dem massiven Fruchtzucker kritisch gegenüber, aber ab und zu und wohl dosiert…..)

200 Gramm getrocknete, unbehandelte Aprikosen
75 Gramm Kokoschips
1 Teelöffel reineVanille
Kakaopulver
Kokosraspeln

  • Die Aprikosen zwei – drei Stunden in lauwarmen Wasser einweichen (sonst fängt der Pürierstab schon mal an zu qualmen..).
  • Die Aprikosen abgießen und mit den Kokoschips und der Vanille schön mit dem Pürierstab bearbeiten, bis die Stücke immer feiner werden und sich aus der Masse schöne Kugeln formen lassen.
  • Diese nun einfach pur belassen oder wahlweise in Kokosflocken oder Kakao wälzen.

Guten Appetit!

 

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2 Gedanken zu “Bücher für die anderen, Rituale und zwei schnelle Freuden (herzhaft und süß)

  1. Eine wunderschöne Liebeserklärung ans Lesen, der ich mich gerne anschließen möchte. Ich liebe es – wie heute – auf der Terasse in der Sonne zu sitzen und zu lesen (momentan „Der große Gatsby“). Oder bei Kerzenschein und mit einem leckeren Tee. Wunderbar. Das Studium der Geisteswissenschaften liegt bei mir schon etwas zurück und ich kann mich GsD nicht an solch ein Gebaren erinnern, hatte aber auch eher mit dem Fahrrad als mit der Bahn zu fahren.

    Ich schaue gerne bei dir vorbei, weil ich mich auch seit 1,5 Jahren Paleo/Primal (nur Schafs-oder Ziehenkäse) ernähre.

    Ein wunderschönes Wochenende wünsche ich dir.

    Haike

    • Liebe Haike,
      lieben Dank für das schöne Feedback! Ganz neugierig habe ich mir bei Dir direkt ein paar Lesetipps für die langen dunklen Abende geholt.Auch Dir ein hoffentlich sonniges Herbstwochenende!
      Maie-Brit

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