Herbstsonntage, Buchstaben-Familien und Frittierfreuden

Paleo Familienessen am SonntagUnbedingt raus da. Also in den sonnigen Herbst da draußen, wenn die Sonne einem beim Spaziergang nochmal schön den Rücken wärmt, während der Wind von vorne knisterkalt um die Ohren weht und der Himmel unfassbar klar ist. Ein wenig Sonntags-Schwärmerei ist da mehr als angebracht. Ein bisschen freue ich mich, in dieser Woche haben wir es immerhin auf zwei längere Spaziergänge inmitten von Feldern und Herbst und unverschämt üppigen Obstbäumen am Wegesrand gebracht. Eigentlich sollten es noch viel mehr sein, aber irgendwie kommen da immer noch die Anforderungen des Lebens dazwischen. Ich arbeite daran.

Und wenn man dann die widerstrebenden ersten 200 Meter hinter sich gebracht hat und die Häuser hinter einem liegen, wird die Lust am Gehen größer und der Schritt regelmäßiger und irgendwann ist man dann im Fluss. Im Gehen und in den Gedanken.  Und auch im Sprechen und währen da diese kühle Sonne die dunkle Jahreszeit nochmal etwas nach hinten geschoben hat im Kopf, haben die Gedanken den Spielraum genutzt und haben sich irgendwie  an der Familie aufgehängt. Nicht an meiner Familie im Besonderen, sondern eher allgemein an diesem speziellen Konstrukt, in das wir verwoben sind. Wir werden in einen Zusammenschluss von Menschen geboren, die wir vielleicht niemals getroffen hätten, wenn eben nicht über die Ebene der Blutsverwandtschaft. Und wir stehen zu all diesen Menschen in ganz vielfältigen Beziehungen, als Kinder, Eltern, Enkel, Onkel, Cousinen, …. Und die Menschen unter einander ja auch wieder. Nicht nur mit uns, sondern auch, wenn wir uns ausklammern würden. Da erscheint  vor meinem inneren Auge gleich ein furchtbar kompliziertes Muster an Verflechtungen…. Zusätzlich zu den Konstrukten, in denen wir uns dann noch selbstgewählt mit Freunden, Bekannten, Partnern und Kollegen bewegen… Da möchte man stehen bleiben um nicht über Fallstricke zu stolpern.

Und nicht nur diese familiär verzweigten Verbindungen machen dieses Geflecht so delikat, es sind vor allem die vielen Geschichten und Gefühle, die da mit hinein spielen: Das Verhältnis unserer Eltern zu ihren Eltern, unsere Geschichte mit unseren Eltern, unsere Geschwister mit den Großeltern und uns und und und..schwindelig…Es schwirrt, nicht nur der Kopf, wenn ich mir Familie als abstrahiertes Modell vorstelle, sondern auch dieses Modell, vor Dynamiken und Energien. Und alle stecken wir drin. Und das macht es so kompliziert, innerhalb dieses Systems etwas zu ändern. Innerhalb der vielen Rollen, die man innehat, möchte man ja niemanden weh tun, wobei, es gibt leider auch die Menschen, die sich innerhalb dieses Geflechts gekonnt bewegen und sicherstellen, dass ihre Bedürfnisse gestillt werden, ohne Rücksicht auf die Auswirkungen auf andere.

Es ist also nicht ganz einfach.  Aber es ist eine heilige Kuh und diese tumben Viecher werden nicht angerührt. Sollte man aber und vielleicht die ein oder andere auch einmal schlachten. Wir mögen innerhalb von Familien nur ungern kritisch gegenüber anderen Familienmitgliedern sein, also den ganz engen, die zweite Reihe Onkels und Tanten ist dann immer wieder gut für Geschichten und kleine verbindende Hetzkampagnen – wir Menschen sind streng genommen schon ein illoyales Pack. Und von außen sollte sich eh niemand anmaßen sich genötigt zu fühlen einen, vielleicht durchaus hilfreichen, Kommentar zuzusteuern. Das Rudel wird verteidigt und Kritik weggebissen. Situationen kennt jeder, jeder ist ja in irgendein spezielles Familiengeflecht verwoben. Und auch wenn man die Maschen ganz locker hält, kann es sein, dass einen das ein oder andere Thema oder Moment im Familienkontext plötzlich zusetzten. Aber wo setzt man mit dem Entwirren. Einfach wäre die Heckenschere, aber das bringt nichts, wer etwas ändern will, will sich ja nicht abschneiden. Wie bei den Freundschaften auch darf man aber Maschen fallen lassen oder Fäden ins Leere laufen lassen, man kann sie wieder aufgreifen, wenn man möchte, aber man muss nicht. Das sagt einem aber keiner. Familie ist irgendwie gesetzt und wir plötzlich geplagt von blinden Flecken.

Ich finde Familienkonstrukte auf jeden Fall hochspannend. Nicht in dem Sinne, dass ich alle Menschen meines Umfelds ausfrage, Onkel Erwin und Tante Friede sind mir ehrlich recht egal, wenn ich sie nicht kenne, aber der Stoff Familie gibt so viel her. Und deshalb liebe ich Bücher, die Familien zum Thema haben. Im allerbesten Falle geben sie einem etwas mit auf dem Weg: Verständnis , einen veränderten Blickwinkel oder Freude. Im beklemmenden Fall lassen sie einen seltsam verwirrt und bedrückt zurück und man sollte dann das Warnlicht nutzen zu schauen, was einen da so aufgewühlt hat. Und ganz nebenbei kann man sich als unsichtbarer Voyeur in die (Un-)Tiefen anderer Leute Verstrickungen begeben, ohne selbst handeln zu müssen.

Eine ganz fantastische Familiengeschichte hat Jonathan Franzen geschrieben. Diese eine heißt Freiheit. Wobei Freiheit nicht das ist, was dem Leser während der Lektüre durch den Kopf geht. Es ist ein eher beklemmendes Familienportrait. Nicht geschmückt mit attraktiven Protagonisten, sondern verzweifelt bemühten Mittelklasse Charakteren, das Kopfschütteln ist vorprogrammiert. Aber es ist auch eine spannende Lektüre, herrlich nüchtern und schnörkellos – ein Portrait einer amerikanischen Familie und ihrer komplizierten Verflechtungen und emotionalen Verbindungen. Ganz ohne Weichzeichner und eher mal mit einer Falte und Augenringen behaftet. Das macht es neben der Spannung phasenweise echt bedrückend und deshalb liest man weiter und weiter, denn der  unerbittliche Blick macht die Geschichte so real.

Eine Familie, die man an den langen Herbstabenden gut einmal besuchen kann.

Und wenn man dann auch einmal ganz real mit der eigenen Familie zusammen sitzt und nicht das Porzellan zerschlägt, oder in redundante Diskussionen über die immer gleichen Themen verfällt und die immer selben  Handlungsmuster abspult, wenn man also ganz bescheiden das Beisammensein genießt, sollte man diesen Moment mit etwas Leckerem versehen und Genuss teilen.

Rouladen mit Rotkohl und  frittierter Süßkartoffel

4 Rouladen
12 Scheiben Speck (nicht zu dünn)
Chutney, Cornichons oder eingelegtes Obst nach Wahl
1 kleiner Kopf Rotkohl
5 mittlere Zwiebeln
4 Süßkartoffeln
2 Eier
Schmalz
Pfeilwurzelstärke
Salz
Pfeffer
Senf (Dijon ist mein Favorit aber scharf und körnig ist auch eine gute Wahl)
Rotwein
4 Lorbeerblätter

  • Die Rouladen abspülen und trocken tupfen.
  • Nun ausrollen und salzen, pfeffern und mit Senf bestreichen.
  • Jede Roulade mit drei Scheiben Speck belegen.
  • Für die Füllung, nach Geschmack , an einem Ende einen Klacks Chutney oder eine Cornichon auf den Speck legen, die Roulade nun um diese Füllung herum aufrollen und am Ende entweder einem Faden wickeln oder mit Zahnstochern feststecken.
  • Die Rouladen im Bräter von allen Seiten scharf anbraten.
  • Die Zwiebeln schälen und vierteln und zu den Rouladen geben.
  • Den Rotkohl vom Strunk befreien, vierteln und in breite Streifen schneiden und ebenfalls in den Bräter geben. Nun das Ganze mit einem großzügigen halben Liter Rotwein angießen, salzen, pfeffern und die Lorbeerblätter dazu geben. Deckel drauf und gut zwei Stunden köcheln lassen. Am besten schmecken sie, wenn man die Rouladen schon am Vortag vorbereitet und dann das Ganze noch einmal aufwärmt.
  • Die Süßkartoffeln schälen und wie klassische Pommes in schlanke Streifen schneiden.
  • Die beiden Eier gründlich verquirlen und Pfeilwurzelstärke (etwa 4-5 Esslöffel) unterrühren bis sich ein flüssiger Teig ohne Klümpchen gebildet hat. Diesen großzügig salzen und pfeffern.
  • In Ermangelung einer Fritteuse nun ein gutes Töpfchen Schmalz in einem kleineren Topf erhitzen und die Süßkartoffeln portionsweise im Teig wenden, abtropfen und im Schmalz frittieren bis sie gut goldbraun sind, dabei in Bewegung halten, damit sich nicht zusammenkleben.
  • Kurz auf Küchenkrepp abtropfen, damit sie nicht zu labbrig sind und mit etwas groben Salz mischen.

Eine Neuinterpretation von Fleisch mit Rotkohl und Pommes – super.

Guten Appetit!

 

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Ein Gedanke zu “Herbstsonntage, Buchstaben-Familien und Frittierfreuden

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