(K)ein Rezept, aber etwas Wahres über die Liebe

Liebe und GebenZu den großen Themen, die uns in unserem irdischen Dasein umher und antreiben, gehört auch und ganz besonders die Liebe. Und dies soll nun nicht die Überleitung zu der triefenden Betrachtung eines herzwärmenden und omnipräsenten Phänomens sein, sondern es ist die reine Freude, die ich immer dann empfinde, wenn ich in den Worten anderer über etwas stolpere, das mich selber umtreibt, aber um die passenden Worte ringen lässt. Liebe, das sind die wohl mit emotional überstrapaziertesten, kompliziertesten und missbrauchtesten fünf Buchstaben, die man sich vorstellen kann.  Und ein Wort, bei dem man um die Superlative nicht herum kommt.  Ich hatte schon recht früh denn Verdacht, dass das, was wir an Bildern von der Liebe und wie die auszusehen hat vorgesetzt bekommen, nur schwer mit den realen Begebenheiten in Einklang zu bringen ist. Und um mich nicht in den zugebenermaßen schon häufiger gewälzten Gedanken über die seltsamen Auswüchse des universellen Liebesstrebens zu verlieren, möchte ich jemanden zu Wort kommen lassen, der es einfach in wunderbare ehrliche Worte gefasst hat, die einem das Herz öffnen und den Verstand aus den Dämmerschlaf katapultieren..

Elaid Nehorai, Autor des Blogs Pop Chassid.  Ich habe mir die Freiheit genommen, seinen Post zu übersetzen.

Danke für diese Worte!

Ich habe meine Frau nicht geliebt zum Zeitpunkt unserer Hochzeit

Ich bin ein lächerlicher, emotionaler, über-sentimentaler Trottel. Ich schätze, deshalb habe ich meiner Frau bei unserer zweiten Verabredung gesagt, dass ich sie liebe.
Ich habe mich bis dahin ehrlich hart bemüht, es zurück zu halten. Ich wollte es ihr bei unserer ersten Verabredung sagen, aber ich wusste,  das könnte schräg wirken. Ich erinnere mich noch immer an ihre Reaktion.
Sie zeigte mir dieses halb-schüchterne, halb-amüsierte Lächeln. Dann hat sie genickt und in den Himmel geschaut.
Diese Reaktion hat mir nicht das Herz gebrochen. Ich denke, ein Teil von mir erkannte, dass sie viel schlauer und zurückhaltender war als ich. Aber im Laufe der Zeit erkannte ich, dass sie etwas wusste, das ich nicht sah.

Wie die meisten chassidischen Juden (wir wurden beide erst später in unseren Leben religiös), war unsere Dating-Phase sehr kurz. Nach zwei Monaten der Verabredungen waren wir verlobt. Drei Monate danach verheiratet. Und die ganze Zeit war ich am Schwärmen. Dieses Feuer brannte in mir, ein Feuer, das genauso brannte wie unsere zweite Verabredung: Ich liebte. Aber dann haben wir geheiratet und alles wurde anders.

Die Hochzeit, die schneller kam als ich bereit dafür war, war der Auslöser: Sie begann diese Gefühle aufzusaugen. Ich bemühte mich so sehr das Feuer am Leben zu erhalten, dieses Gefühl leuchten zu lassen, aber es wurde schwerer und schwerer.

Ich meine, wie kannst Du diese flammende Liebe verspüren, wenn Du am Tisch sitzt und diskutierst, wie die letzten zwanzig Dollar auf dem Konto genutzt werden sollen?
Wie kannst Du sie spüren, wenn Du in eine Auseinandersetzung gerätst? Wie kannst Du sie spüren, wenn es absolut Sinn macht, die Socken auf den Boden zu schmeißen, wenn sie getragen sind, sie aber diese verrückte Idee hat, dass sie in den Wäschekorb gehören.

Es gab keine Möglichkeit dieses Feuer der Verabredungen am Leben zu erhalten, als der Pragmatismus in unser Leben eindrang. Und zu Beginn machte mich das verrückt. Dieses Gefühl bedeutete Liebe! Diese Spannung zeigte mir, dass sie mir etwas bedeutete! Aber plötzlich war das Leben diese Plackerei. Sogar, wenn ich mit ihr zusammen war. Ganz besonders, wenn ich mit ihr zusammen war.

Und noch schlimmer, es schien, je härter ich mich bemühte gefühlsduselig zu sein und rumzuturteln, desto weniger wurde dies erwidert.
Aber es war nicht so, dass sie mir keine Liebe zeigte, sie schien nur in anderen Momenten zu kommen. Etwa, wenn ich anbot den Abwasch zu machen. Oder das Abendessen machte, wenn sie einen harten Tag hatte. Oder als ich, nachdem unsere Tochter geboren war, die Verantwortung mit übernahm, auf sie aufzupassen.
Ich denke, ich habe das eine Weile nicht bewusst wahrgenommen. Es passierte einfach. Aber ich denke es hatte eine Wirkung auf mich auf mich.
Denn als unsere Ehe sich entwickelte, merkte ich, wie ich mich mehr und mehr in den Haushalt einbrachte.
Und jedes Mal würde da dann dieser Blick von ihr kommen. Diesen Blick voll absoluter Liebe. Der so sanft und so schön war.
Es dauerte länger als ich zugeben mag, bis ich verstand, was passierte. Aber schließlich war es eindeutig.

Durch das Geben, dadurch, dass ich Dinge für meine Frau tat, trat dieses Gefühl ganz natürlich zutage, das ich so verzweifelt gesucht hatte.

Es war nichts, das ich steuern konnte, es war etwas, das über mein Geben kam. In anderen Worten, es war im Pragmatismus, dass ich die Liebe fand, die suchte.
Und was sogar noch interessanter war, ist, dass sobald ich dies auf einer bewussten Ebene wahrnahm und begann zusätzliche Gelegenheiten des Gebens zu finden, wir beide, nahezu intuitiv begannen herum zu turteln.

Und nun, da ich ein bisschen älter und ein bisschen erfahrener in dieser Beziehung bin, kann ich endlich etwas feststellen. Etwas, dass sich lange nicht zugeben wollte, das sich aber nicht verleugnen lässt.
Ich habe meine Frau nicht geliebt bei unserer zweiten Verabredung. Ich habe sie nicht geliebt, als wir uns verlobt haben. Ich habe sie nicht einmal geliebt, als wir geheiratet haben.

Denn Liebe ist keine Emotion. Das Feuer, das ich fühlte, war einfach das: Emotionales Feuer. Herrührend von der Spannung eine Frau zu treffen, von der ich fühlte, ich könnte sie heiraten.

Aber es war keine Liebe. Liebe ist keine Emotion und schon gar kein Substantiv.
Es ist ein Verb. Das sich besser beschreiben lässt mit Geben. Damit, die Bedürfnisse einer anderen Person über deine eigenen zu stellen.
Warum wurde mir keine Gefühlsduselei erwidert in der Anfangszeit unserer Ehe? Weil es dabei nicht um sie ging. Es ging um mich. Ein Gefühl, das ich in meiner Brust trug. Und auch als ich es heraus ließ, war es keine Liebe. Rührselig sein ist keine Liebe. Jemanden zu sagen, dass Du ihn liebst, bedeutet nicht, dass du es tust.
Und deshalb zeigte mir meine Frau dieses halbe Lächeln. Sie wusste, auch wenn ich es nicht tat, was Liebe wirklich ist. Und nun, wo ich versuche meinen Blick auf die Liebe zu ändern, bin ich geschockt von den Botschaften über Liebe, die mir mittgeteilt wurden, als ich jünger war.
Von Disney-Filmen über Lieblingsserien wie „The Office“ bis hin zu praktisch jedem Popsong wird uns Liebe konsequent als etwas verkauft, das wir fühlen, bevor wir heiraten.
Ein Gefühl, das einmal da, auf magische Weise für immer in der Ehe bestehen bleibt. Ich kann mir keine größere Lüge vorstellen. Und ich bin traurig, wenn ich mir vorstelle, wie lange diese Botschaft in meinem Kopf herum spukte.
Und wenn ich mir vorstelle, in wie vielen anderen Köpfe diese Botschaft ebenfalls herum spukt.
Ich denke, das könnte ein Grund sein, warum die Scheidungsrate in diesem Land so hoch ist. Stellt euch eine ganze Nation vor, die konstant den Gefühlen aus Verabredungen hinterher jagt.
Ein Land voller Menschen, die versuchen einen Disney Film zu leben.
Das ist ein Rezept für desaströse Ehen: Für ein Land mit einer Scheidungsrate von 50 Prozent;  für Ehebruch (der klassische Versuch, das Feuer wieder anzuheizen); für Menschen, die zusammenbleiben in rein pragmatischen, Liebes-entleerten Ehen.
Es ist traurig zu sehen, wie verbreitet, die oben aufgeführten Gründe sind. Zu sehen, wie viele Menschen Schmerzen erleiden, weil sie angelogen wurden.
Diese Menschen verdienen Besseres. Wir alle verdienen Besseres.
Es ist an der Zeit, dass wir das Gespräch über Liebe ändern. Es ist an der Zeit, dass wir sie umbenennen.
Denn bevor wir dies nicht tun, bleibt Ehebruch verbreitet. Liebesleere Ehen. Scheidung.
Wir leben Disney Filme in unseren Köpfen und Tragödien in unseren Leben.

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Ein Gedanke zu “(K)ein Rezept, aber etwas Wahres über die Liebe

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