Buchmessen, unpopuläre Entscheidungen und Süßkartoffelgnocchi

Paleo GnocchiS. ist geschätzte vier Jahre alt und wir treffen ihn in der Warteschlange eines Bio Supermarktes. S. darf einen dieser kleinen Kindereinkaufswagen schieben, die es dort für gibt und er sieht ein bisschen aus, wie man sich Michel aus Lönneberga im städtischen Kontext vorstellt. Ganz entzückend in seinen Ringelstrick-Pulli. Aber um direkt bei dieser Lindgren-Figur zu bleiben, die ich irgendwie als Kind nicht so gerne mochte, ich habe dann noch festgestellt, dass die beiden ein gewisses enervierendes Element teilen. In diesem Fall war der kleine S. mit einer ins Schrille driftenden Stimme gesegnet und rannte zwischen den beiden Warteschlangen hin und her und Leuten in die Knie und wollte seinen kleinen Einkaufswagen nicht holen und…und seine Mutter, die so einen leicht verbissenen Zug hatte und sich erst einmal in eine wenig fruchtende Diskussion mit S. stürzte, dem das ziemlich egal war und der lieber eine Packung Bio-Spaghetti am Einkaufswagenrand in Stück schlug… Auch mal Nein sagen und deutliche Grenzen setzen (ohne Rohrstock und so Schreckgeschichten)? Macht man das noch, oder behindert das den individuellen Ausdruck des kostbaren Kindes? Ich gebe es zu, ich habe keine Ahnung und darf zu dem Thema eh nichts sagen, ohne Kind. Mit Katze. Und Ich will jetzt nicht unnötig Klischees bedienen oder Gräben aufreißen, aber es gibt Mütter, die sind echt nicht ganz einfach zu ertragen in ihrer Rolle als Mutter. Und da darf man schon mal den Mund aufmachen. Die tun das ja auch, bzw. leben sich aus und was das mit der Umwelt macht, ist erst einmal egal. Man kann da bei manchen Müttern eine gewisse Anspruchshaltung an ihre Umwelt feststellen, die ich nicht immer ok finde und die sich auch nicht dadurch rechtfertigen lässt, dass sie im Gegenzug mit kinderfeindlichen Idioten klarkommen müssen. Die gibt es, die Kinder am liebsten unsichtbar und unhörbar haben wollen, das ist schlimm, aber es gibt eben auch diese wandelnden Bildungsklischees, die sich auf dem Ergebnis ihres Zeugungsaktes ausruhen, in dem Sinne, damit allen auf die Nerven zu gehen. Dafür können die Kinder nichts. Die sind meist zuckersüß, weil auch noch nett angezogen und mit einem  ordentlichen Grundvokabular ausgestattet.  Es sind diese speziellen Mütter (die oftmals auch wenig Verständnis für Kinderlosigkeit aufbringen, was man alles verpasst Erfüllung. …Und Bla…). In diesem Fall, ganz dreist ins Blaue geraten, würde ich schätzen, war die Mutter Anfang Vierzig, akademischer Hintergrund, das erste Kind. Eine akademische Spätgebärende also, zu denen ich ja auch zählen würde, wenn mich noch die großen Mutterglückswünsche packen würden, was ich irgendwie nicht denke. Und Menschen, die wissen wie alt ich bin, werden sich da so ihren Teil denken, dass es ja nun langsam mal Zeit wird. Da wir erst im letzten Jahr geheiratet haben, gebe ich uns noch etwas Schonfrist bevor es spannend wird zu sehen, welche Bemerkungen und Reaktionen an uns heran getragen werden. Denn es geht ja schon los und es geht mir auf die Nerven. Dass es den Menschen auch so gar nicht einzufallen scheint, dass man glücklich ist, so wie es ist. Und was ist mit den Menschen, die gerne Kinder möchten, aber es aus vielfältigsten Gründen nicht können? Denen wird dann jedes Mal wieder ein kleiner Schmerz aufgedrängt. Es ist ein wahnsinnig persönliches Thema, dass die Menschen trotzdem oftmals alle Grenzen der Privatsphäre übertreten lässt. Vielleicht liegt es daran, dass Kinderkriegen vom Prinzip her machbar und nicht kompliziert ist, dafür braucht es keine besondere Ausbildung und weil  theoretisch jeder dazu beitragen kann, hat auch jeder was dazu zu sagen. Ich mag Kinder wirklich. Nur halt nicht für mich und die nächsten 18 Jahre. Und nicht in dieser Welt mit ihren Problemen. Nicht weil ich irgendeinem Egoismus frönen will, sondern weil es nicht passt für mich, für uns. Und weil es eben nicht sein muss. Weil wir das große Glück der Wahl haben und das für mich selbstbestimmtes Leben ist, solche Entscheidungen zu treffen.

Zurück gebracht auf dieses Thema hat mich aber eigentlich nicht der kleine S., dem ich viele Pfützen für seine gelben Gummistiefel wünsche und weniger Anstehen-müssen im Supermarkt.
Ein Besuch auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt hat das Thema in den Vordergrund gerückt.  Lustigerweise, oder besser wunderbarerweise, sind wir uns so klar über unsere Lebensweise, dass das Thema tatsächlich immer nur von außen an den Tisch findet.

Wie ein kurzer Blick in die Regale der Buchmesse gezeigt hat, wird der Markt an Ratgebern für Eltern wohl nie versiegen. Eine wahre Schwemme. Und je nach Zielgruppe entsprechend gestaltet in Tonfall und Ästhetik. Das geht von viel Hochglanzbild und beruhigender Weichspül-Rhetorik bis hin zu denen, die den Eltern mit mehr Text und weniger Bild das sagen, was sie wohl seit der eigenen Kindheit vergessen haben, wie sehr sich die Kinder selber fördern können, wenn man sie in eine gesunde Umgebung setzt. Waldstunden statt der zweiten oder dritten frühkindlichen Förderungsbeschäftigung.

Letztere Ratgeber sind mir lieber, aber traurig ist es auch, dass sich in den Fragestellungen und Ratgebern manifestiert, wie sehr wir durch den Verlust eines sicheren Kontakts zu uns selbst auch eine Unsicherheit auf Kinder übertragen.

Mit so vielen Ratgeberbildern im Kopf habe ich dann auch ein Buch für Menschen wie mich entdeckt. Es heißt: „Ich will kein Kind. 13 Geschichten über eine unpopuläre Entscheidung.“  von Sonja Siegert und Anja Uhling.  Das ist bereits bestellt und ich bin gespannt, denn nicht nur Frauen ohne Kinderwunsch, sondern auch Männer die ebenso denken , schwul und heterosexuell, kommen darin zu Wort.

Wichtige Stimmen in einem oft sehr einseitig geführten Dialog.

Und da fühlt es sich schon ganz gut an zu sehen, dass man nicht alleine ist mit dieser Einstellung und auch kein egoistischerer Mensch als die Kinderkriegenden. Und zum Thema egoistische Eltern könnte man sicher noch etwas sagen, aber lieber sollen sich alle an einen  Tisch setzen, gerne auch mit Kindern. Für die gibt es auch tolle kindertaugliche Paleorezepte.  Und für die Großen gibt es Süßkartoffelgnocchi. Mit Bratwurst, den wir haben gerade so viele da und die sind so gut!

Süßkartoffelgnocchi mit Bratwurst, Zwiebeln und Birne

2 mittlere Süßkartoffeln
1 Ei, verquirlt
Ca. 80 Gramm Pfeilwurzelstärke
Ca. 4 Esslöffel Kokosmehl
Salz
Pfeffer
Curry
3 Bratwürste
2 kleine Zwiebeln
2 KleineBirnen
Butter

  • Die Süßkartoffeln schälen und in Stücke schneiden. In Wasser kochen bis sie richtig weich sind.
  • Die Kartoffeln abkühlen lassen und dann mit dem verquirlten Ei, der Pfeilwuzelstärke, dem Salz und dem Pfeffer schön verquirlen bis alle Klümpchen beseitig sind. Nun nach Geschmack einen kleinen halben Teelöffel Curry dazu geben.
  • Das Kokosmehl nach und nach unterrühren, bis der Teig eine gute klebrige Konsistenz hat und sich zu kleinen Rollen formen lässt.
  • Ein Backblech mit Papier auslegen und die Rollen in ca. 1 cm große Stücke schneiden, diese auf dem Blech verteilen und mit der Gabel flach drücken.
  • Das Blech für ca. 15 Minuten bei 200 Grad in den Ofen, bis die Konsistenz schön fest ist, etwas wie Gummi. Ein Blech hat für drei Mahlzeiten für Zwei gereicht.
  • Die Zwiebel und die Birnen würfeln, die Bratwürste in Scheiben schneiden und alles schön in Butter anbraten. Salzen und Pfeffern und für die letzten paar Minuten die Gnocchi mit braten.

Guten Appetit!

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4 Gedanken zu “Buchmessen, unpopuläre Entscheidungen und Süßkartoffelgnocchi

  1. Hallo,

    ein tolles Rezept!!! Ich habs bereits nachgekocht und war sehr begeistert. Allerdings wollte ich kurz fragen, wieviel Gramm ungefähr 2 mittlere Süßkartoffeln haben. Ich möchte die Gnocchi beim nächsten Mal mit Kürbis statt mit Süßkartoffeln zubereiten und weiß nun nicht, wieviel Gramm Kürbis ich für 3 Portionen Gnocchi bräuchte.

    Nochmal vielen Dank für deine Anregungen, die Kürbis-Quiche war auch zum Reinlegen.

    • Hallo Johanna,
      endlich komme ich zum antworten. Ich hoffe nicht zu spät. 🙂 Es waren gut 400 Gramm Süßkartoffeln. Beim Kürbis ist die Konsistenz ja leicht anders, da muss man vielleicht etwas experimentieren. Instinktiv würde ich etwas Kokosmehl nachrüsten, wenn der Teig zu weich ist. Es klingt nach einer super Variante!
      Guten Appetit!

  2. Hallo Maiebrit,

    vielen Dank für den Tipp. Genauso wars, ich brauchte einfach nur etwas Kokosmehl, und dann hats klasse geschmeckt. 🙂

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