Selbst und ständig und ein apfeliges Herbstschwein

Schweineschulter mit Cidre und IngwerJa, wenn man zuhause arbeitet, dann geht das ja auch mit dem Kochen. So oft wie wir uns das anhören müssen, ist es mal Zeit für ein dezentes leises Kragen platzen lassen.
Nein, liebe Leute. Damit macht Ihr es Euch verdammt einfach, oder seid ein wenig naiv in der Vorstellung davon, wie wir unser Leben gestalten. Manch einer denkt vielleicht, wir hätten nix zu tun. Arbeitszeit ist Arbeitszeit. Und die erste Lektion, die man sich im Falle eines Daheim-Büros  hinter die Ohren schreiben sollte, ist die, dass hier nichts vermischt werden darf. Mal eben 20 Minuten kochen, dann eine Wäsche anmachen, eine Pressemitteilung schreiben, Fenster putzen und im Zweifel abends noch mal an den Schreibtisch… Wer so anfängt, geht unter, sobald der Stress einsetzt.

Man sollte denken, als ob man sein eigener Arbeitgeber wäre und deshalb macht man mit sich einen Arbeitsbeginn aus und der wird eingehalten. Verspätungen, weil Stau im Badezimmer war, werden nur soweit toleriert, wie auch in anderen Arbeitsstellen und sollte der Abend auf dem Dorf mal zu spät werden, heißt es morgens Zähne zusammen beißen und Haltung zeigen. Ja und warum dann die Selbständigkeit?
Ha, das ist das Schmankerl fürs Fleißigsein: Wenn ich dann konzentriert meine anstehenden Punkte abgearbeitet habe, meine Akquiseliste weiter abgegrast habe (hier zählt Qualität statt Quantität), die Verwaltungsaufgaben auf den neuesten Stand gebracht habe, einen Überblick habe, was in den nächsten Tagen und Wochen ansteht, meine Finanzen überblicke und dann um 15 Uhr feststelle, dass ich heute richtig gut durch gekommen bin, dann kann ich zu meinem Privatleben übergehen und all die anderen Dinge tun. Noch ein, zweimal die Emails gecheckt und dann sollte das Büro auch zu sein. Denn es gibt die Abende, wo die Deadline einem ihren kalten Atem ins Ohr bläst und man weitermachen muss, aber wenn das gerade nicht der Fall ist, sollte man seine Zeit tunlichst gut nutzen. Sprich, sie bewusst genießen und gestalten. Dann ist sie das Gegengewicht zum Stress.
Das ist die Freiheit, die ich in den letzten Jahren vermisst habe: Die Arbeit an den wirklich anstehenden Aufgaben auszurichten und nicht stumpf jeden Tag neun Stunden und mehr am Schreibtisch sitzen zu müssen.

Ganz ehrlich, bei diesen Kopfarbeiten sind die Ergebnisse nach sechs bis sieben konzentrierten Stunden eh nicht mehr so unverbraucht wie am Morgen. Das Konzept ist nicht auf die Arbeitsleistenden zugeschnitten. Ich wette, dass die meisten Arbeitnehmer in diesen seltsamen Kopf-Schreibtisch-Jobs viel produktiver wären, wenn sie wüssten, dass sie frei werdende Zeit anders nutzen können. Sie wären sicherlich auch zufriedener. Und so schleicht sich aber weiter der ein oder andere Kaffee mit Kollegen ein, man liest doch noch einen Online-Artikel, der irgendwie zum Thema passt, checkt das Smartphone, schaut in den Email-Eingang, trinkt noch einen Kaffee und und und.. Diese Fremdbestimmung meiner Tage, wollte ich durchbrechen. Und selber verantwortlich sein.  Das heißt, ich muss selber schauen, dass Arbeit reinkommt, kann aber auch selber den Prozess gestalten. Ich muss meinem eigenem Qualitätsanspruch gerecht werden und sollte der Kunde mal murren, bin da nur ich (und der besondere Mensch, der der zweite Kopf des Büros ist) und ich kann nicht (nicht einmal unbewusst) die Verantwortung abwälzen.

Das ist sicherlich weniger Sicherheit im Finanziellen. Auch dafür ist man selber verantwortlich und muss immer auch für Zeiten mitplanen, in denen die Auftragslage vielleicht nicht so brummt. Das lässt einen anders und tatsächlich deutlich bewusster planen, wenn es um Anschaffungen oder längerfristige Dinge geht. Auf der anderen Seite, in starken Zeiten, kann man eben auch die Welle nutzen und sich einen Puffer aufbauen bzw.  kommt  heimlichen Wunschprojekten einen Schritt näher.

Ich hätte es früher nicht gedacht, aber ich mag diese vermeintliche Unsicherheit. Sie zwingt mich hinzusehen, genau zu sein. Nicht pedantisch, sondern verantwortlich. Ich fühle mich unabhängiger und empfinde das Mehr an Verantwortung auch als mehr Raum für Kreativität. Und ich kann diesen Raum auch nutzen, um anders mit den Menschen umzugehen, mit denen ich arbeite, denen ich begegne. Denn man sitzt nicht in einem Hierarchie-Kästchen fest und  muss, bewusst oder unbewusst, Reviere verteidigen oder Expertise unter Beweis stellen. Ich bin mir sicher, dass jeder in seiner beruflichen Laufbahn auf Kolleginnen oder Kollegen gestoßen ist, die die Arbeit durch diese energieziehenden Spielchen erschweren. Leider ist so etwas oft schwer zu greifen. Aber das wäre ein anderes Thema.
Ich weiß um mein Können und die Qualität meiner Arbeit und deshalb möchte ich, dass man mir mit dem Respekt begegnet, den ich anderen auch entgegenbringe. Und als mein eigener Chef kann ich eben auch entscheiden, wen ich mir nicht als Energiefresser ans Bein binden möchte.

Was ich aber eigentlich sagen wollte, ist, dass es Blödsinn ist zu denken, unsere Ernährungsweise wäre nur dem geschuldet, dass wir so viel Zeit haben, vermeintlich. Wir haben die Umstellung begonnen, als wir noch in festen Jobs mit zum Teil unregelmäßigen und langen Arbeitsphasen sowie vielen Reisen waren. Und… Tatataaa – es hat geklappt. Denn jeder macht sich doch etwas zu Essen im Lauf eines Tages… Oder kenne ich sonst nur Menschen, die sich dem Convinience-Glück verschrieben haben? Glaub ich nicht. Eher vielleicht müssen Berührungsängste mit einem Umdenken abgebaut und eine tief sitzende Bequemlichkeit überwunden werden, denn ein Umdenken oder eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Nahrung hätte für jeden vernünftig denkenden Menschen Konsequenzen. Und würde wohl auch den ein oder anderen kulinarischen Abschied bedeuten. Ich verstehe, dass das zögern lässt und weiß aus bester Erfahrung, dass eine solch radikal Umstellung, ein solcher Ausbruch aus tradierten Ernährungslehren nicht einfach ist. Aber welchen schöneren Grund kann es geben, als ein gesundes Leben. Und zwar bevor einen vielleicht eine Krankheit zum Umdenken zwingt. Jeder muss das für sich wissen. Aber bitte, hört auf mich voll zu nölen, dass das so kompliziert und umständlich ist und wir nur, weil und bei mir ist ja alles ganz anders und überhaupt…Wer nicht will, will nicht. Punkt. Das ist das Gute an den freien Entscheidungen. Sie müssen nicht zwangsweise weise sein, aber jeder kann, wie er will. Nur habt dann auch Verständnis, dass ich irgendwann keinen Bock mehr hab, die Fixierung auf das Thema Ernährung zu bedienen und hört auf, Leute, die anders essen und sich damit gut fühlen, gesund sind und, oje, sogar abnehmen, als Projektionsfläche zu nutzen für die eigenen Unsicherheiten oder Probleme beim Thema Essen.
So. Vielen Dank. Jetzt geht es mir besser.

Dazu beigetragen hat sicher auch das Herbstschwein.

Herbstlich geschmorte Schweineschulter mit Cidre, Apfel und Ingwer

Es gibt so wunderbar warm machende Gewürze, dass ich versuche so viele wie möglich davon einzubauen, sobald es kälter wird. Außerdem liebe ich den Duft von Ingwer , Zimt und warmen Äpfeln, das ist für mich so ein Inbegriff von Wohligkeit, dass mir ganz kitschig zumute wird.

1 kg Schweineschulter (hier  vom Hällischen Landschwein)
1 kleine Steckrübe
3 kleine Zwiebeln
2 kleine (Boskoop) Äpfel, oder andere säuerliche Exemplare
1 kleine Petersilienwurzel
1 Stück Ingwer (ca. 5 cm)
0,4 l herben Cidre
Die Samen aus drei Kardamom-Kapseln (oder gemahlenen Kardamom)
Eine halbe Zimtstange
Eine kleine scharfe Chilischote, gehackt
4 Lorbeerblätter
Pfeffer
Salz
Öl

  • Das Schulterstück abspülen, trockentupfen, salzen und pfeffern und von allen Seiten kurz scharf im Öl anbraten. So dass es ein schönes Brataroma gibt.
  • Die Zwiebeln vierteln, den Ingwer schälen und fein hacken und zusammen mit der Zwiebel, den Kardamomsamen und der Chilischote zum Fleisch geben.
  • Die Petersilienwurzel schälen und in feine Würfel schneiden. Die Steckrübe schälen und grob würfeln. Den Apfel waschen, entkernen und grob würfeln. Alles zu dem Fleisch hinzugeben.
  • Mit dem Cidre aufgießen, die Lorbeerblätter und die Zimtstange dazu und noch etwas salzen und würfeln. Deckel drauf und für 1,5- 2 Stunden schmoren.

Es riecht fantastisch und wärmt schön, ohne zu übersättigen.

Guten Appetit!

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