Bittersüße Plastik-Strandromantik und lernen aus Filmen

Plastik StrandMan schleppt etwas schwerer. Das ist der Preis, den ich gerne zahle. Denn neben dem eigentlichen Gepäck aus dem Kleiderschrank ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Unterwegsseinausrüstung die Vorratsdose geworden. Und spätestens seit ich vor einiger Zeit den Film Plastic Planet von Werner Boote gesehen habe, sind diese Dosen, wann immer möglich, aus Glas. Das nervt. Sage ich ehrlich. Ebenso wie die Glasflasche fürs Wasser. Sie sind schwer und zerbrechlich… Da sind kleine Katastrophen im Gepäck vorprogrammiert (toi, toi, toi).Und ja, wenn es sein muss, trinke ich auch aus Plastik bevor ich verdurste, alles andere wäre bescheuert, aber ich versuche tatsächlich den Berg an Plastik in unserem Haushalt wo immer möglich zu reduzieren. Dank der Ernährungsumstellung fallen tatsächlich viele der gängigen Umverpackungen weg und besonders das Ausmisten von unnützer Kosmetika und zu vielen nutzlosen, da nie gebrauchten Badezimmerprodukten hat noch einmal dazu beigetragen, dass nun weniger kunterbunte, weiche, harte, folienhafte und wie auch immer geartete Kunststoffe den Weg zu uns finden. Mitunter eine etwas komplizierte Wahl, denn wenn man anfängt einmal nach kunststofffreien Alternativen zu suchen, wird es mitunter sehr teuer oder die Suche läuft ins Leere. Plastik vermeiden ist ganz schön schwer. Wir haben uns abhängig gemacht von einem Stoff, der immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Wir setzen uns über das Essen, die Kleidung und alle möglichen Gebrauchsgegenstände einem gesundheitlichen Risiko aus, das wir Laien nicht beurteilen können und weil wir Menschen eben auch kleine Idioten sind, landet all zu viel von dem Zeug eben nicht in einem Recyclingkreislauf sondern in der Natur.

Und so habe ich kürzlich bei einem eigentlich schönen Spaziergang entlang eines dänischen Strandes statt schöner Muscheln (gibt es kaum noch, zumindest nicht die, an die ich mich noch aus Kinderurlauben zu erinnern meine) die besondere Ästhetik von Seetangnestern voller Plastikfetzen bestaunt und einzelne Schuhe gezählt. Und Flaschen.  Und mich geärgert. Geärgert, dass wir so dumm sind und auch geärgert darüber, warum man nicht einfach mal einen Müllbeutel dabei hat, um als kleine Wiedergutmachung für den verursachten Müll am Ende eines jeden Spaziergangs zumindest einen Teil der Hinterlassenschaften zurück in einen Müllkreislauf zu führen. Ich empfinde es eigentlich als gerechte Strafe, dass wir dann wieder Fische essen, die Plastik gefressen haben. Obwohl die Fische das natürlich nicht verdient haben und es auch so wahnsinnig kompliziert geworden ist, welchen (See-)Fisch man noch unbeschwert essen kann, da wir ja auch dabei sind munter die Meere leer zu fischen, wenn wir nicht schon Lebensräume zerstört haben.

Aber die gesundheitlichen Folgen des Plastiks, das da über unschuldige Parteien in unsere Nahrungskette gelangt, haben wir selber zu verantworten.

Neben Spaziergängen war Dänemark auch eine Zeit guter Gespräche und der Erkenntnis, dass einen das Leben in dieser Welt mit ihren Machtstrukturen und Mechanismen mitunter echt verzweifeln lässt, wenn man sich das intensive Nachdenken erlaubt. Ich gebe zu, ich war etwas vorbelastet. Die lange Zugfahrt in den Norden habe ich für die Lektüre unabhängigerer Magazine genutzt und neben dem ein oder anderen interessantem Artikel war auch da vor allem gut gemachte PR und die alte Konsummaschine am Werke, wenn auch etwas dezenter, für den vermeintlich intelligenteren Leser, der es nicht so mit der Holzkeule mag, sondern seine eigenen kleinen (Kauf-)Entdeckungen schätzt und wenn die dann noch nachhaltig, fair und überhaupt sind, gibt es den Heiligenschein für diesen Einkauf bestimmt direkt dazu geliefert. Aber es ist ja nicht nur schlimm, das alles, mit dem Leben. Man muss nur immer auch mal bewusst einen Schritt zurück tun, nicht vergessen oder die Augen zumachen, aber sich bewusst machen, das man sich selbst gegenüber eine Verantwortung hat und es einen nicht weiterbringt zu verbittern. Es ist vielleicht eine ziemlich große Aufgabe eine persönliche Balance zu bringen in die Ernüchterung, die sich immer häufiger einstellt und das Glück der Zufriedenheit, dass man für sich suchen sollte.
Also steht man irgendwo zwischen zauberhaftem Sonnenuntergang über dem Meer und knisternder Plastikfolie in den Dünen.
Ich arbeite an meinem Rezept.

Randerscheinungen, die den Appetit dämpfen, aber dennoch eine Beilage: Süßkartoffeln duchesse mit Speck

Süßkartoffel DuchesseMausetot. Eher fuchstot, denn es war ein wirklich schöner Fuchs, der einem da tot vom Straßenrand zu wedelte. Ziemlich makaber, der kleine Gruß mit dem buschigen Schwanz, verursacht durch die unaufhörlich vorbeiziehenden Autos. Auf beiden Seiten der Landstraße wunderschöner Wald – Fuchsgebiet sicherlich. Solche Anblicke machen mich traurig und begleiten mich dann immer noch ein Stück weit. Genauso wie Viehtransporter, die man immer mal wieder auf der Autobahn sieht. Arme Schweine. Wenn die sich da so an die Gitter pressen. Und von wegen lustiges Ringelschwänzchen – die haben sie sich im Stress längst gegenseitig abgekaut. Nicht vorzustellen, wie die armen Viecher die Fahrt, die Geräusche und den Gestank ertragen.

Schweine sind hochintelligente Tiere. Man weiß mittlerweile, dass sie sogar mehr Kommandos lernen können als Hunde und ja, auch wenn es irritierend klingen mag, ihre kognitiven Leistungen sind mit denen eines dreijährigen Kindes vergleichbar. Sie haben ein Ich-Bewusstsein.
Zudem sind sie für uns Fleischlieferant und Leder und Borsten kann man auch verwenden.

Und Schweine sind köstlich. Wenn sie richtig aufwachsen dürfen und ohne den Stress und die Entwürdigung der Schlachtbetriebe einen respektvolleren (Schlachtungs-)Tod erleiden.

Für mich stehen die Würdigung des Tieres und sein Verzehr in keinem Gegensatz. Ich finde es wichtig, mir darüber Gedanken zu machen, was da überhaupt auf meinem Teller landet. Und nicht nur meiner Gesundheit wegen, sondern auch aus Respekt den Tieren gegenüber finde ich sollte es eine Verantwortung dafür geben, sich eben Gedanken über die Aufzucht und das Sterben der Tiere zu machen, die man isst.  Wir sind mittlerweile so entfremdet von all diesen Dingen. Nahrungsmittel sind Konsumgüter, aber wir haben keinen direkten Bezug mehr zu den Herstellungsprozessen. Gerade bei den verarbeiteten Lebensmitteln ist es nicht mehr nachvollziehbar für den Laien, wie etwa aus dem saftigen Gemüse auf dem hübschen Foto das salzige Granulat werden konnte, das viele sich dann als Suppenbasis in den Topf schütten. Als ein willkürliches Beispiel. Oder die Tiefkühlgerichte, die einem das Fleisch in fertiger Panade und mit Füllung in die Pfanne bringen – was steckt dahinter und was ist da alles drin?

Immer wieder wird dann geheult, wenn der nächste Skandal aufgedeckt wird. Klar, niemand der Calamari gekauft hat, will Schweinedarm serviert bekommen.

Aber das überrascht doch bitte nicht wirklich noch jemanden, bei den Preisen, die wir uns immer noch leisten? Neulich meinte jemand beim gemeinsamen Abendessen, ein  sattes Volk bleibt ruhig, also warum sollte jemand Interesse haben an den Preisen etwas ändern? So deprimierend es ist, ich stimme dem zu. Wir sind gut erzogen von der Wirtschaft und die Politik packt zwischendurch den beschwichtigenden Staubwedel aus und räumt ein bisschen auf. Wie die Ergebnisse zeigen wohl eher halbherzig und pro forma, denn wieso sonst käme immer wieder ein neue Gruselgeschichte aus der Lebensmittelindustrie ans Licht. Mit viel Glück verlagert sich der Fokus dann eh wieder auf große globale Feindbilder wie Monsanto und dann erscheinen die Schweinereinen im eigenen Land ja verhältnismäßig harmlos.

Aber was da immer wieder zutage tritt (ich erinnere mich auch noch an Fleischskandale aus den 80ern, was wohl daran liegt, dass ich da anfangen konnte zu lesen), sind ja nie Einzelfälle. Immer und immer wieder wiederholt sich das Spektakel. Wer es sich leisten kann, entzieht sich dieser Gefahrenquelle und vertraut diversen Biosiegeln. Die, die es sich nicht leisten können, haben das Nachsehen oder sehen sich einem Mehr an Aufwand gegenüber um sich vor solchen  Ekligkeiten zu schützen.

In all diesen Skandalen zeigen Politik und Wirtschaft doch aber auch, wo sie den Verbraucher sehen, der als Zielgruppe für diese Nahrungsmittel identifiziert wurde.  Diese Verbraucher sind dann aber alle vier Jahre auch Publikum wahlkämpferischer Heilsversprechen. OK, nicht in so großem Stil, aber da zählt die Stimme der großen betäubten Mehrheit dann.

Das ist ein Gesamtbild, das mich in seinen zynischen Nuancen mitunter fast krank macht. Und ja, die Informationen zu diesen Themen und auch viele Lösungsansätze sind da draußen, aber den Menschen wird die Zeit und die Muße genommen, wirklich radikal umzudenken. Denn wer darauf angewiesen ist, dass der Dreck in den Regalen und Tiefkühltruhen weiterhin im Niedrigpreissegment verfügbar ist, der wird hart genug zu kämpfen zu haben, um über die Runden zu kommen. Da bleibt wenig Raum für anderes und das Andere, das dann erstmal bedient wird, sind die anderen Konsumgüter, die wir so brauchen – für das Dazugehören und für das gute Gefühl. Und das sind ganz oft die Gadgets der Unterhaltungselektronik, die den Kopf noch weiter lähmen, oder das neue Auto, das einen noch schneller am Fuchs vorbei oder auch mal drüber fährt. Also bleiben die zu ruhig, die Zugang zu den Informationen haben und für sich andere Wege suchen und sich über das Mehr an Geld entziehen und die tatsächlich Leidtragenden werden in einer Mühle gefangen gehalten, die noch zu gut läuft, als dass sich etwas ändern würde. Und dann immer der Einwand: Was ist den die Lösung? Sag doch mal…  Mit den Leuten rede ich nicht. Wer Patentlösungen präsentiert, ist mir suspekt. So geht das nicht. Es geht hier um gesellschaftliche Missstände, die nur aus ebendieser Gesellschaft heraus gelöst werden können. Aber die ist längst so segmentiert und mit ihren jeweiligen Problemen und (oftmals industriegefertigten) Lösungen beschäftigt, dass es wohl erst mal schön so weitergehen kann.

Ich sehe zu schwarz? Jeder ist frei sich ein paar solidarische Tintenfischringe warm zu machen. Uns geht es ja eigentlich auch richtig gut hier.

Wenn der Kopf dann nicht mehr pocht, muss man irgendwann wieder essen. Aber dann kann man selber kochen und entscheiden und wissen, was man da vor sich auf dem Teller hat.

Süßkartoffel duchesse mit Speck
Ja, ja, das heißt eigentlich Pomme duchesse aber hier ist die Herzogin nun einmal eine Süßkartoffel

1 große Süßkartoffel (diese war ca. 500 Gramm schwer)
1 großes Ei, gequirlt
100 Gramm Speck in Würfeln (der Speck war aus (ein Graus) und ich habe Mettenden genommen – super!)
1 Tasse Frühlingszwiebeln in Ringen
3-5 Esslöffel Kokosmehl
1 Teelöffel Natron
Salz
Pfeffer

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Die Süßkartoffel mit einer Gabel rundherum einstechen und dann im Ofen für ca. eine Stunde rösten, bis Haut schrumpelt und  sie auf Fingerdruck nachgibt.
  • Nun die Süßkartoffel pellen, pürieren und etwas abkühlen lassen. Nach und nach das Kokosmehl, das Ei und das Natron mit der Süßkartoffel vermengen. Nur so viel Kokosmehl zugeben, dass die Masse fest ist und sich mit dem Löffel formen lässt ohne zu verlaufen. Es soll nicht zu trocken werden.
  • Die Speckwürfel in der Pfanne auslassen und mit dem Bratenfett zur Süßkartoffel geben.
  • Die Frühlingszwiebeln unterheben und nun alles gründlich pfeffern und salzen (hier vorher testen wie salzig der Speck ist), die Süßkartoffel macht ihren Namen alle Ehre und die Süße verträgt etwas Schärfe.
  • Nun die Masse mit zwei Löffeln in Häufchen auf ein Backblech mit Backpapier setzen. Wer es richtig duchesse haben will, nimmt einen Spritzbeutel.  Bei mir waren es 9 Stück.
  • Das Backblech auf der mittleren Schiene für gute 30 Minuten in den Ofen geben. Die Oberfläche soll nicht zu dunkel bräunen, aber eine leicht weiche Kruste bilden.

Tipp: Ich werde die Süßkartoffeln demnächst so in ein Adventsessen einbinden, als Ersatz für klassische Kroketten.  Dazu dann Rouladen oder Schweinebraten und ein Rotkohlsalat… Wenn etwas übrig bleibt, kann man die Reste wunderbar mit etwas Schmalz in der Pfanne anbraten!

Guten Appetit!

Mini-Mes, Zirkusponys und Sellerie-Sauerkraut aus dem Ofen

Sellerie mit Sauerkraut aus dem OfenManchmal muss man ja in den Supermarkt. Lässt sich nicht verhindern. Zum Glück gibt es hier einen, der irgendwie einkaufspsychologisch so auf der Höhe der Zeit ist, dass ich nicht das Gefühl habe von zu vollen Regalen in zu engen Gängen erschlagen zu werden. Das Konzept geht auf wir kommen immer wieder. Wobei der Ehrgeiz gerade der ist, so sinnvoll einzukaufen und dann alles auch wirklich zu verbrauchen, dass man nur noch einmal in der Woche los muss. Unnötige Fahrerei sparen und Affektkäufe minimieren (ich bin da im Bereich Lebensmittel recht anfällig und denke mir gerne schnell noch ein paar Rezepte aus, um Argumente für bestimmte Nonsenskäufe zu finden.

Dafür ist man dann etwas länger in dem Laden und wird zwangsläufig Zeuge menschlichen Verhaltens. Schön finde ich immer Paare, die nur in Drei-bis-Fünf-Wort-Sätzen und im Befehlston miteinander reden. Und ich muss zugeben, neben den Frauen, die unter der vielbeschworenen emotionalen Legasthenie ihrer Männer zu leiden haben, gibt es Frauen, die den Ausdruck ihrer Zuneigung wohl auf dem Kasernenhof erlernt haben. Frauen beherrschen sie gut, die Missachtung und das abschätzige Sticheln.

Nett sind auch Szenen, in denen der stille Ehemann den Wagen schiebt, Frau und Pracht-Kinder diesen mit mehr oder weniger Gekeife füllen und der Mann dann nur noch dafür gut ist an der Kasse die EC-Karte zu zücken und dann den SUV heimzusteuern.

Und dann sind da noch die Mütter, die ihre kleinen Kinder als willkommene Verlängerung des eigenen Modekonsums sehen. Klar, auch kleine Kinder haben Vorstellungen davon, was sie am liebsten tragen oder eben nicht tragen wollen, aber der Großteil der Einkäufe liegt ja wohl in elterlicher Hand und die ganzen hübschen  kleinen Kleidungsstücke der gängigen  Marken sind ja auch so entzückend. Und natürlich wird da  geguckt, was gut zusammen aussieht. Und dann hat man da Frauen, die schon kleine Miniversionen von sich im Schlepptau haben und platzen vor Stolz, wenn die Arbeit am Kinderkleiderschrank gewürdigt wird. Was mich daran stört ist, dass Kindern so einfach schon zu früh eine falsche Wertigkeit von Mode aufgedrängt wird. Wenn man seine Mutter von klein auf im Gespräch über Kleidung von Marken redet hört,  prägt das und man bekommt automatisch ein andere markenbewusstere Vorstellung von Wert und Notwendigkeit vermittelt, die nicht unbedingt richtig und nicht nur gut ist. Und das geht über das natürliche Experimentieren und die spannenden Vorlieben der Kinder hinaus. Da wird gezeigt und der Weg zum Kindergarten zum Schaulaufen. Und nein, ich mache das nicht selber, aber netterweise habe ich Freundinnen, die mir die Geschichten über sich, die Kinder und andere Mütter erzählen. Und ganz ehrlich liebe Mütter, nicht alle, aber viele – das ist für mich keine gute Werbung für den Mutterstand. Es gibt natürlich andere Beispiele, die ich um mich herum beobachte und das sind meist sehr entspannte Eltern, mit sehr entspannten Kindern. Sehr süß und sehr eigen.

Als richtig gefährlich empfinde ich die Kinderanzieherei dann, wenn die Eltern dies als Inhalt für ihre Social Media Kanäle nutzen und aus einem kleinen Menschlein ein Zirkuspony wird. Manche Kinder lieben es fotografiert zu werden, aber wo ist die Grenze zwischen Spaß fürs Kind und dem eignen Drang zur Selbstdarstellung und hört man auch auf, wenn es keinen Spaß mehr macht, oder knipst man noch die fünf Minuten weiter für das perfekte Bild vom Kind? Mein Haus, meine Yacht, mein Auto, mein Vorzeige-Kleiderpüppchen… Die Kinder können das nicht abschätzen, sie sind darauf angewiesen, dass die Eltern die Grenzen kennen und klar abstecken. Die Kinder müssen sich ja früh genug (viel zu früh mittlerweile) mit ihrer Kompetenz im Bereich Kommunikationsgadgets auseinandersetzen. Klar, das geht spielerisch, aber macht es das besser? Ich meine mit diesem Zirkus auch nicht das Foto, das mal jemand voller Stolz auf Facebook postet. Aber regelmäßige Kinderoutfit-Posts finde ich persönlich fragwürdig und das Extrem sind dann Instagram-Accounts von so genannten Mini-Fashionistas, die weniger nach Spaß als nach einer Spielwiese der Eltern aussehen.

Das ist  zu viel. Aber der Druck ist groß da draußen und die Verlockung auch mal mitzumachen sicher groß. Wenn man doch  selber so verzückt ist von seinem kleinen Menschen. Ja, aber dieser Mensch gehört einem nicht. Man hat ihn gezeugt und trägt eine Verantwortung ihn zu lieben und zu fördern. Aber wer trägt Sorge dafür, dass Eltern nicht ihren eigenen Narzissmus über die Kinder ausleben? Dazu hört man zu wenig. Die bösen Egoisten sind dann ja eh die ohne Kinder, aber dazu und zu dem fantastischen Buch zum Thema ein anderes Mal mehr.

Wer übrigens keine Kinder hat oder wem das noch nicht genug ist, der kann sich Haustiere anschaffen. Die haben ihre eigenen Supermärkte und Boutiquen und Yogakurse und und und… Dann aber am besten einen Hund, den kann man auch mit rausnehmen in die Öffentlichkeit. Und ein süßer oder besonders schöner Hund ist ein Garant für einen Gesprächseinstieg. Allerdings sollte man nicht, wie eine Freundin von mir, mit großem Hund und Kinderwagen unterwegs sein, dann muss man sich wieder viele kluge Kommentare zum Kindeswohl anhören und die Zeit auf dem Spielplatz beginnt mit bösen Blicken und einem (in diesem Fall sehr lieben) Hund, der im Abseits wartet. Aber so was kleines Pelziges, das auch in die Handtasche passt, geht sicher und dann sieht das bestimmt extra süß aus zu den kleinen Kindern.

Zu hart? Es sind Beobachtungen, die ich mache. So wie andere Leute mich vielleicht etwas seltsam, verschroben oder was weiß ich nicht wie finden – das ist ok.

Und weil mich heute die Oberfläche so angestarrt hat, schnell noch ein Rezept, das total unspektakulär und wenig fancy daherkommt. Aber nach Winter schmeckt und was für alle Sauerkrautfans ist. Noch dazu macht man dort alles in einer Form. Das mag ich besonders.

Deftiges Sellerie-Sauerkraut aus dem Ofen

300 Gramm Sauerkraut (gibt es oft im Bioladen und auf dem Markt ohne irgendwelche Zusätze und handgemacht, die Eigenproduktion muss leider noch warten)
1 große Knollensellerie (ca. 400 Gramm)
400 Gramm Mettenden, Bratwürste, Bauchscheiben oder Speck  (hier kann man super Reste verwerten oder einfach nehmen, worauf man meisten Lust hat. Je herzhafter desto besser)
Schmalz (wahlweise Butter)
2-3 EsslöffelKümmel (nicht gemahlen)
Salz
Pfeffer
Wahlweise: ein Apfel oder getrocknete Aprikosen

  • Den Offen auf 200 Grad vorheizen.
  • Die Sellerie schälen und in gleichmäßige Würfel schneiden.
  • Das Fleisch, hier waren es geräucherte Mettenden und zwei Bauchscheiben, in Würfel schneiden.
  • In einer Auflaufform die Sellerie und das Sauerkraut mit großzügig Schmalz (vier-fünf Esslöffel), Salz, viel Pfeffer und dem Kümmel vermengen.
  • Wer eine süße Note mag, kann einen Apfel oder eine Handvoll Aprikosen kleinschneiden und drunter heben.
  • Nun das Fleisch drunter mengen. Geräucherte Stücke wie Mettenden und die Sauerkrautmasse rühren. Speck und Bauchscheiben oben drauf verteilen.
  • Nun für ca. 40 Minuten in den Ofen, bis die Selleriestücke gar sind und das Fleisch schön kross.

Guten Appetit!

Die Anderen sein lassen können und Haselnuss-Espresso-Makronen knuspern

Makronen und TretminenTretminen. Regelmäßig verwandelt sich das Thema Paleo-Ernährung dann doch wieder in eine Tretmine.  Auch wenn man versucht, die entsprechenden Diskussionen in schönen geselligen Momenten auf eine Minimum zu beschränken, ist es eben oft  ein Gegenüber,  dass das Thema nicht los lassen will und dann muss man sich kurz sortieren und überlegen, wie man das Ganze auflösen kann, wenn man merkt da ist eher Herbeireden von Stolpersteinen im Spiel, als ein neugieriges Interesse. Die Frage des gestrigen Abends war eigentlich recht interessant, denn sie zielte darauf ab, wie wir es denn mit der Ernährung halten würden, hätten wir Kinder… Das ist durchaus schon implizit Thema gewesen, zumeist in Form eines versteckten Vorwurfs, wenn uns gesagt wurde, ja  klar, wir können uns ja so ernähren, wir arbeiten zuhause und haben keine Kinder…

Und tatsächlich bleibt die Frage, wie wir es mit Kindern organisieren würden, das Essen, eine hypothetische. Kinder entwickeln letztlich ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, was sie essen möchten und was eklig ist. Ich mochte früher keinen Vollkornreis und von Brötchen habe ich mir am liebsten die weiche Mitte rausgepickt und in Spinat mit Kartoffeln und Spiegelei habe ich lustlos gestochert, Eier waren eh eklig, genauso wie warme Milch und der Fettrand am Fleisch. Trotzdem wurden mir nicht unbegrenzt Extras aufgetischt, sondern es gab einfach Dinge, die ich lieber mochte als andere und die eein oder andere emotionale Diskussion.  Das ist dann vielleicht das Beste, was man Kindern mitgeben kann: Freude am Essen und Neugier auf Neues.  Und ganz ehrlich, ich würde versuchen auch in der kindlichen Ernährung das Paleo-Prinzip durchzusetzen. Es gibt genug Blogs von Müttern, die da auf wenig Probleme stoßen. Beziehungsweise die Probleme fangen dann dort an, wo sich eine dritte Partei meint in die Ernährungsdebatte einmischen zu müssen. Sicher, das ist eine Herausforderung, die eigene Ernährungsweise, etwa mit der Versorgung im Kindergarten, oder der Schule, oder bei Geburtstagen unter einen Hut zu bringen – aber ein Lohn ist sicherlich, dass man mit der richtigen Ernährung dazu beitragen kann, ein Kind auf den richtigen Weg zu bringen und für gute Startbedingungen zu sorgen. Zu oft hört man ja auch die Geschichten von kleinen Kindern, die schon im zartesten Alter von Unverträglichkeiten gebeutelt werden. Spätestens in der Pubertät verliert man ja eh an Einfluss, aber man hat ein Bewusstsein geschaffen.

Aber eigentlich ist es auch müßig darüber zu spekulieren, denn für mich stellt sich die Frage nicht, bzw. bleibt  im Reich des Theoretischen. Und ganz ehrlich, ich werde mir zukünftig noch genauer überlegen, mit wem ich mich auf ein solch  tückisches Konversationsparkett begebe. Mit vielen Müttern geht es tatsächlich nicht. Wenn ich dann noch dazu sage, dass ich keine Kinder plane, oder will, dann ist für viele klar, dass ich keine Kinder mag und ich werde zur potentiellen Kinderquälerin, weil ich mir, so ganz theoretisch, anmaße zu wissen, was gut sein könnte. Dabei ist der andere Standpunkt nicht weniger anmaßend, ist er zwar erfahrungsgeprägt, aber eben auch mit subjektiven Scheuklappen versehen.
Aber es gibt so Themen, die wären interessant für erwachsene Diskussionen, sind aber schwer zu besprechen. Denn viel zu oft sind Diskussionen um solche Themen, die letztlich den eigenen Lebensentwurf betreffen, nicht sehr erwachsen. Wenn ich mit erwachsen eine Position meine, die auch mal nach rechts und links überlegt und nicht darauf versteift ist, den eigenen Standpunkt zu verteidigen.
Wähle ich einem Lebensentwurf, der etwas grundsätzlich anders macht, sei es eben über das Essen, die Kinderfrage, die Arbeitsform, die Beziehungsgestaltung, ist das eine persönliche Entscheidung, die in diesen Bereichen dann oftmals eine bewusst getroffene Entscheidung für etwas ist, nicht dagegen. Das heißt, als Transferleistung würden im Idealfall die Mitmenschen erkennen, dass ein Wunsch nach Kinderlosigkeit nicht automatisch heißt, dass man etwas gegen Kinder hat, dass eine Kritik an den Konsummustern unserer Gesellschaft nicht bedeutet, dass man jeden um sich herum verurteilt, der sich wohler fühlt mit dieser Maschinerie und das heißt auch nicht, dass man, wenn man sich dem Paleo-Prinzip gemäß ernährt, die Nase rümpft wenn sich jemand ein Brötchen schmiert, oder eine Pizza bestellt.
Auch diese Menschen gibt es, die den eigenen Lebensentwurf als Maßstab nehmen und  bewerten, wie sich das Umfeld so schlägt – das ist anmaßend. Kleinkariert und wenig produktiv.
Für mich persönlich hat sich aber tatsächlich gezeigt, dass ich bei Menschen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen etwas außerhalb dessen stehen, was man wohl allgemeinhin als Mainstream in all seinen Sinus-Milieu-Ausprägungen versteht, öfter auf ein ungetrübtes Interesse und auch auf Verständnis stoße. Und was ich ebenfalls denke ist, dass es traurig ist, dass der sich durchziehende, kommerzialisierte Individualismus in unserer Gesellschaft die Leute so gefangen nimmt und beschäftigt hält, dass dort, wo ein leise nagendes Gefühl spricht und den zarten Wunsch äußert, vielleicht etwas ändern zu wollen, dieser Wunsch oftmals betäubt wird durch die Sorgen, Ansprüche und Bedürfnisse, die einem der Lebensstil so aufzwängt. Und wenn man dann auf Menschen trifft, die etwas anders machen, kann dies eine Inspiration sein. Aber wenn die Angst vor Veränderungen zu groß, oder die Bequemlichkeit zu bequem ist, dann ist die Konfrontation mit anderen Lebensentwürfen ein Moment, indem man sich vielleicht selbst in Frage gestellt fühlt. Wobei man selber es ist, der sich dort in Frage stellt und kritisiert und dann beißt man zu, wo man vielleicht etwas hätte gewinnen können. Das ist nur allzu menschlich und nicht in diese Fallen zu tappen, erfordert eine Wachsamkeit den eigenen Gespenstern gegenüber und dem Mut, sich diese einmal ganz genau anzuschauen.

Oftmals sind es gar nicht die anderen, die uns enttäuschen, das sind wir nur zu oft selber, mit unseren Paketen an Erwartungen und Unsicherheiten. Das ist schade. Aber es kann einem helfen zu verstehen oder auch zu handeln, wenn man selber mit dieser Abwehr konfrontiert wird. Wir sind nicht verantwortlich für die Gedanken der anderen und dürfen dafür auch nicht bestraft werden. Kompliziert, diese Menschen. Merke ich tatsächlich immer öfter. Aber schön, dass so vieles möglich ist und man für sich immer wieder neue wundervolle menschliche Entdeckungen machen darf. Denn das ist nie schwarz und weiß, dazwischen ist ganz viel schönes unterschiedliches Grau. Gerne mit einer Note Flieder oder Blau.

Und wenn man sich manchmal mit sich oder der Welt versöhnen muss, dann ist ein Küchenabenteuer manchmal die perfekte Geste.

Haselnuss-Espresso-Makronen mit Schokocreme
Diese kleinen Dinger sind so unverschämt, dass ich sie tatsächlich eher als Dessert sehen, denn als Gebäck.

200 Gramm gemahlene, geröstete Haselnüsse
150 Gramm gehackte, geröstete Haselnüsse (einfach Haselnüsse im Ofen rösten und mit dem Pürierstab etwas zerkleinern)
3 Eiweiß
1 Tässchen starker Espresso
5-6 Esslöffel Xucker
50 Gramm möglichst bittere Schokolade (85% und mehr)
Ca. 40 Gramm Butter
Salz
Vanille

  • Denn Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schön steif schlagen. Während des Schlagens, nach und nach den Xucker einrieseln lassen. Die Masse ist dann am Ende schön weiß glänzend und fest.
  • Nun die Haselnüsse, 5 Esslöffel Espresso und einen Teelöffel Vanille vorsichtig unterziehen bis eine luftige, gleichmäßige, kompakte Nuss-Masse entsteht, je fester sie ist, desto weniger zerläuft sie im Ofen
  • Die Masse mit Löffeln zu Häufchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und auf der mittleren Schiene ca. 20 Minuten backen. Sie sollen nicht zu dunkel werden aber dürfen auch nicht zu weich sein.
  • Das Backpapier mit den Makronen vorsichtig auf einen Tisch ziehen und dort auskühlen lassen.
  • Während die Makronen backen, die Schokolade mit der Butter und drei Esslöffeln Espresso im Wasserbad schmelzen und gründlich vermengen.
  • Die Schokoladenmasse nun für ca. 40 Minuten in den Kühlschrank geben, bis sie sich gut in einen Spritzbeutel geben lässt.
  • Auf jede Makronen etwas Schokocreme geben und dann die Plätzchen ruhig noch einmal in den Kühlschrank stellen um die Creme auszuhärten.

Kaffee-Nougat lecker.

Guten Appetit!

Durchatmen, loslassen, bewegen – Entspannungsrezepte

Entspannung und PaleoDurchatmen. Hilft. Simpel. Wenn also die Welt nervt, die Arbeit fordert oder die Menschen zu viel sind, entspanne ich mich. Irgendwann habe ich nämlich beschlossen, mir meine Stimmung nicht mehr so stark beeinflussen zu lassen von Dingen, die sich so unverhofft in die Gedanken krallen und einen zum Grübeln bringen. Sich gedanklich mit etwas beschäftigen  – ja. Sich davon bestimmen lassen – nein.  Eine Strategie war überfällig. Denn wenn man die Tendenz zum grüblerischen Gedankenspaziergang hat, kann einen das, was da in der Welt um einen herum geschieht ganz schön beuteln und mitunter lässt es einen, fiese kichernd, mit dem Gefühl zurück, dass man ja doch nichts ändern kann. Dann freut sich die gedankliche Bleikugel und der Schweinehund streckt wohlig seufzend die Krallen aus.

Das lähmt. Und das ist mir eine Zeitlang öfter widerfahren, etwa als ich damit begonnen habe einen Weg zu finden, mich so zu ernähren, dass ich nicht das Gefühl habe damit weiter Strukturen zu tragen, die Mensch und Umwelt schaden oder dem großen Ganzen. (Und von vielen anderen politischen Debatten ganz zu schweigen.) Aber das Verzweifeln an den Umständen ändert nichts, es verhindert eher noch, wenigstens für sich selbst einen eigenen Weg zu finden, mit dem es sich in dem Gerausche unseres Alltags leben lässt.

Wenn ich nun also auf Themen oder Situationen stoße, die mich nachhaltig beschäftigen und mir Energie saugen, dann lasse ich sie kurz los und atme tief durch. So geraten sie oftmals in Bewegung, kleben mir nicht vor dem Blick sondern rücken in eine Ecke, in der ich sie besser überschauen kann und so bleibt der Blick frei um Lösungen zu entdecken. Manchmal verstecken sich diese eine Zeitlang effektiv, aber wer anfängt zu kramen, findet auch.  Und die simpelste Lösung liegt meistens erst einmal bei mir.  Ja, ich bin tatsächlich ein großer Fan, der allgemein sträflich vernachlässigten Selbstreflexion. Und nicht nur im Sinne vom sich selber auf die Schulter klopfen (was auch unbedingt wichtig und nötig ist), sondern auch der selbstkritischen Stimme, die einen ertappt und auch mal unangenehm klingt. Keine Selbstkasteiung, aber Selbstbeobachtung. Denn wir alle liegen nicht immer richtig, oder folgen dem subjektiven Wegabschnitt unserer ganz eigenen Scheuklappen.

Wenn es also kneift im Knopf dann Fenster auf und dreimal zehn tiefe, bewusste Atemzüge. Schön durch den Bauch, der sich ausdehnt beim Einatmen und einzieht beim Ausatmen. So sollten wir nämlich eigentlich atmen: Bauchatmung.
Machen wir aber nicht, da wir nicht zuletzt die Vorstellung eines einfach zufrieden ausgedehnten Bauches befremdlich finden. Also wird der brav eingezogen für das grazilere Erscheinungsbild  und das Resultat ist, dass man den Körper über die flache Atmung durch den Brustkorb in einem permanenten Zustand der Anspannung hält. Ein Stresssignal, konstant. Das kann nicht gut sein.

Also: Atmen lernen. Unbedingt! Sehr schön ist das auch draußen in der Natur, beim Spaziergang. Und wer die Möglichkeit hat einmal einen menschenleeren Strand entlang zu gehen, am besten bei unfreundlichen, windigen Wetter, dem empfehle ich den Moment der Einsamkeit zu nutzen, sich ans Wasser zu stellen und einfach mal schön ungehemmt zu Brüllen.  Das geht natürlich auch überall, aber irgendwie ist es eine beruhigende Vorstellung, dass das Wasser fortträgt, was man da von sich gegeben hat. Und mit Brüllen meine ich so richtig. Loslassen und sich nicht selbst kontrollieren, weil es seltsam klingt. Das ist ganz schön anstrengend, man merkt es körperlich, aber ich finde immer wieder, dass es ganz wunderbar Bewegung in den Kopf bringt. Leider ist die Gegend hier dicht besiedelt und es würde andere Spaziergänger wohl arg verstören, wenn ich anfangen würde durch den Taunus zu brüllen, aber ich freue mich, wann immer sich so eine Gelegenheit ergibt.  Zumal ich sonst nicht so sehr zu den Leuten gehöre, die laut werden.

Aber so groß muss es gar nicht immer sein. Manchmal reichen ein paar unauffällige Atemzüge, bewusst und durch den Bauch. Vor einer Präsentation, bei Nervosität,  in unangenehmen oder angespannten Gesprächssituationen oder einfach während eines stressigen Tages.

Und wenn der Stress zu tief sitzt oder die Anspannung einen nicht loslassen will, dann hilft immer der Weg über den Körper, wenn die Gedanken sich festkrallen und den Körper verspannen.  Für mich persönlich ist das dann Pilates. Weil ich dort so konzentriert bin richtig zu atmen und mein Powerhouse aktiviert zu halten, muss ich alle anderen Gedanken loslassen und während der Körper  bewegt wird, entspannt sich der Geist.  Andere Bewegungsabläufe, wie etwa Gehen, helfen mir hingegen immer dann, wenn ich meine Gedanken lösen möchte. Schwimmen hat eine ähnliche Wirkung. Im Fluss sein. Und wenn man einmal gemerkt hat, was einem wann gut tut, dann kann man auch bewusster schauen, wann ein steifer Nacken oder verspannte Schultern nicht vielleicht aus einer  intensiven Kopfarbeit resultieren.

Ich kann Pilates nur wärmstens empfehlen, ganz sanft und sehr effektiv, wird hier der ganze Körper bewegt. Gerade bei Leuten die, wie ich, die Tendenz haben angesichts der Welt gerne mal die Schultern hochziehen, um sich abzuschirmen von allem was da prasselt, wird der Unterschied in der Haltung schnell auffallen. Angefangen habe ich mit dem Pilates in einem Studio in Berlin. Ein halbes Jahr lang, zwei Mal die Woche, in kleinen Gruppen. Das war ein guter und wichtiger Einstieg um ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen und um die saubere Ausführung der Bewegungen zu lernen. Mittlerweile mache ich das Pilatestraining zuhause und merke, dass dies nicht minder anstrengend und fordernd ist. Da mir nur eine DVD zu wenig Abwechslung war, habe ich im Internet gesucht und bin bei einem Youtube-Kanal fündig geworden. Die Auswahl der Videos ist sehr breit und die Anleitung super. Nur von den teilweise sehr frauenmagazinmäßigen Titeln der Übungsserien sollte man sich frei machen, die sind sicher einer breiten Zielgruppe geschuldet und zeigen all zu deutlich, was die Leute an Körperbildern zu verwirklichen suchen.

Also, wenn man schon den Themen und Paketen, die einem die Welt und die Menschheit so auf die Schultern schnallen, nicht einfach so entgehen kann, so kann man ihnen doch Entspannung entgegensetzen. Und diese führt einen oftmals auch zu Wegen, wie man diesen Situationen begegnen, sie verlassen oder aber sie lösen kann.

Einen entspannten Abend wünsche ich.

Zwei: ganz schön viel und ganz schön schön. Und manchmal einfach schnell und fettig: Bauchscheiben mit Bohnen

Bauchscheiben mit BohnenDoppelpack. Meinte der nette Agenturpartner grinsend, als wir zusammensaßen, Projekte besprachen und noch einmal drauf zu sprechen kamen, was uns ins Rhein-Main-Gebiet getrieben hat und wie unser spezifisches Geschäftsmodell aussieht. Und er hatte vollkommen Recht. Der besondere Mensch und ich leben zusammen und arbeiten zusammen. Und da wir uns da besonders gut ergänzen, haben wir aus diesem Mehrwert ein Geschäftsmodell gemacht. Es funktioniert.
Das heißt aber auch, dass wir auf uns und unsere Beziehung Acht geben müssen. Privates gehört nicht ins Büro und fachliche Auseinandersetzungen dürfen nicht Stellvertreterscharmützel für tiefergehende Themen sein. Es funktioniert auch, weil wir eine Beziehung auf Augenhöhe führen, in der keine Spielchen gespielt werden und keine manipulativen Knöpfe gedrückt werden. Ohne Neid, wer was besser kann und ohne das Gefühl stehen zu bleiben, wenn der andere vorwärts geht.
So schön das ist, geschenkt gibt es das nicht.

Aber das Ergebnis ist es wert. Und da es nach ehrlichem Durchspielen des Gedankens tatsächlich verblüffend leicht war, neben dem Leben auch das Arbeiten zusammen zu legen, irritieren mich die Nachfragen, die wir doch öfter bekamen, ob das nicht zu eng sei und die Feststellung: „Ich würde das nicht wollen“. Beziehungen sind etwas Persönliches, ebenso die Entscheidung, wie man diese führt und ich kann nur für mich sprechen, aber ich fände es schade, wenn ich den Arbeitsplatz bräuchte um Zeit für mich zu haben. Hat man da ja auch nicht und wenn man so sehr raus muss aus dem Zusammensein, ist vielleicht die mitunter schmerzhafte Frage angebracht, was einen forttreibt.

Das man Dinge rein für sich und ohne den Partner tut, ist doch völlig klar, man ist ja glücklicherweise kein siamesischer Zwilling, aber tatsächlich geht es Beziehungen zu führen ohne ständig Kompensation zu brauchen. Wer mit einem Partner an seiner Seite dennoch immer wieder los zieht um sich Bestätigung für äußerliche Zuschreibungen wie Attraktivität, Leistungen oder etwas Abwechslung sucht, der macht sich das Leben unnötig kompliziert und sollte sich hinsetzen und überlegen, was er wirklich sucht und wen.  Wer ständig mit Freunden das Gespräch über den Partner führt und eine Liste von Kritikpunkten mit sich herumträgt, sollte mutig sein und mit der betroffenen Person sprechen und vielleicht auch mit sich selber. Wer das Gefühl hat zu stagnieren, ist gefragt sich hinzusetzen und zu überlegen, was man ändern kann und ob es in dem Beziehungsgeflecht möglich ist. Und man muss reden, den anderen mit ins Boot holen. Gedankenlesen bleibt schwer, auch wenn man sich sehr gut kennt und ich persönlich finde es fatal, wenn Menschen ihrem Umfeld mit der Haltung begegnen, die anderen müssten ihre Wünsche erraten und wenn sie dies nicht tun, ist man furchtbar verletzt und enttäuscht. Enttäuschung – das ist eh eines der Tretminen-Totschlag-Worte schlechthin. Wer enttäuscht ist und dieses so weitergibt, impliziert damit auch, dass er die Rollen und eventuellen Schuldzuweisungen schon verteilt hat. Ein Knopf wird da gedrückt, der mächtig wirken kann, denn niemand mit einem Mindestmaß an Empathie und Selbstreflexion enttäuscht gerne andere Menschen. Enttäuschung ist ein wahrer Diskussionskiller und mitunter  ist es lohnenswert, dann einfach still zu sein oder dieser Diskussion nicht zu folgen. Aber weil es so ein machtvolles Wort ist, wird es so häufig benutzt. Und der Empfänger sitzt da und im für ihn zumeist wenig lohnenswerten Fall des Bemühens, die Enttäuschung ungeschehen zu machen, wird man in ein Hamsterrad geschickt, das nur zu oft wieder bei der nächsten Enttäuschung stockt…und von vorne…Dann ist es vielleicht Zeit aufzuräumen, oder auszusteigen. Stilles Leiden, das kommt oft noch hinzu und lässt das Gegenüber ebenso ratlos zurück, im Versuch den Glitzerstatus wiederherzustellen. Es gibt so viele Mechanismen, wie man sich gegenseitig das Leben schwer machen und eine Beziehung in bewusste oder unbewusste Machtkämpfe oder Energiesaugorgien verwandeln kann. Die plötzlichen Stimmungswechsel, die am Horizont lauernden, abwertenden Bemerkungen, enervierender Tonfall, Respektlosigkeit, überzogene Anspruchshaltungen… eine endlose Liste an Manipulations- und Verteidigungsmöglichkeiten, die wir uns zurechtgelegt haben. Gepaart mit einer weit verbreiteten Wortlosigkeit, oder dem vermeintlich klärenden Gespräch, das oftmals nur zur Bühne der narzisstischen Anspruchshaltung eines oder aller Beteiligten wird.

Aber ist ja auch klar, im erwachsenen Alter begegnet man sich eben nicht mehr im Zustand emotionaler Unversehrtheit. Da wurden  Herzen, das eigene und das anderer, bereits verletzt. Hat man sich Taktiken angewöhnt und sucht. Und weil wir ja lernen nach außen hin zu suchen und nicht zuerst in uns selbst, scheint diese Suche nie zu enden. Und natürlich werden wir nur all zu oft enttäuscht. Und egal wie abgeklärt und aufgeklärt wir sind, sie sitzen irgendwo in unseren Hinterköpfen, die Stereotypen der perfekten, märchenhaften Beziehungen. Und die Ausdrucksformen, wie sich diese große Liebe ausdrücken lässt. Ganze Wirtschaftszweige laufen rund, dank  großer Träume vom vermeintlich großen Glück. Und während die meisten von uns sich mühsam eh bereits durch eine Suche quälen, nämlich die nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen und dem eignen Weg, der daraus resultiert, muss man sich noch durch diese zusätzlichen Berge wühlen, die einem den Blick darauf verstellen, dass man in allererster Linie für sich selbst der beste Partner sein sollte, bevor man es für jemand anders sein kann. Das ist nicht ohne. Mit mir selbst bin ich ja ununterbrochen zusammen und denke da kann mich nichts überraschen, aber mal genau hinzusehen und sich vielleicht mal selber kritisieren wo es angebracht ist, die Maßstäbe, die man bei anderen anlegt zu allererst bei sich selbst erfüllen – da kann einiges zutage kommen.  Muss nicht, aber wenn, muss das nicht das Schlechteste sein. Und ganz nebenbei wird auch der Blick auf andere ganz unverstellt und begegnet man sich neu. Und dann kann es ganz schön inspirierend sein zwei Leben zu teilen und muss keine lähmenden Kompromisse bedeuten.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls ein großer Fan von diesem speziellen Doppelpack und beobachte einfach mit Neugier, wohin der eine den anderen noch bringt.
Und wenn mir dann allzu glitzerbunt zumute ist, findet die Liebe den Weg eben ganz prosaisch durch den Magen. Und ich koche was. Mit Liebe. Und gutem Fett.

Ganz schnell aus einer Form: Bauchscheiben mit Bohnen
Denn manchmal soll es einfach nur schnell auf den Tisch und schön satt machen. Und manchmal braucht es gar nicht viel um gut zu sein.

400 Gramm Bauchscheiben vom Schwein (wobei die vom Lamm ebenso köstlich sind, wenn man sie bekommt)
300-400 Gramm grüne Bohnen
2 Knoblauchzehen, gehackt
Salz
Pfeffer
Schmalz oder Butter

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Bauchscheiben großzügig salzen und pfeffern und in eine Auflaufform legen.
  • Die Bohnen putzen und nach Geschmack zurecht schneiden, zu den Bauchscheiben geben und ebenfalls großzügig salzen und pfeffern, den gehackten Knoblauch auf den Bohnen verteilen und ein paar Teelöffel Schmalz oder Butter darauf geben.
  • Nun alles für rund 30-40 Minuten in den Ofen, bis die Bauchscheiben schön kross sind.

Guten Appetit!

Neue Bücher finden: Taiye Selasi. Altbewährtes essen: gefüllter Kürbis

Gefüllter Kürbis und LektüreZwischenzeitlich habe ich den Atem angehalten und wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Manchmal war da auch ein Klops und heimlich still, unbemerkt ein paar Tränchen. Diese Dinge geschehen nicht einfach so – war eines der Bücher, die über den Geburtstagstisch zu mir wanderten. Und ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartet, hatte noch nichts von der Autorin Taiye Selasi gehört und auch der Titel war mir kein Begriff. Nach den ersten Seiten war es dann um mich geschehen. Eine Familie. Sechs Charaktere, irgendwo für sich verloren gegangen zwischen Ghana, USA und Europa. Erfahrungsdimensionen, die mir fremd sind und dazwischen aber zarte Bande, die jeder kennt. Die Unaussprechlichkeit, die so viele Beziehungen innerhalb von Familien prägt. Das warme und das elende Gefühl. Liebe und Geborgenheit, ebenso wie Eifersucht, Schmerz und Verlust. Kalaidoskopartig breitet sich die Geschichte der Familie  vor dem Leser aus. Fragmentiert, denn jeder der Betroffenen kommt zu Wort, setzt sich die Geschichte dieser Familie nach und nach zusammen und hüllt den Leser ein, dumpf angesichts der persönlichen Tiefen, die die handelnden Personen, durchmachen. Die vielen verschiedenen Perspektiven, lassen die Wortlosigkeit nur noch deutlicher werden und man möchte ihnen gerne zurufen „Redet miteinander!“ Und man liest weiter und weiter, wie in der Hoffnung sie dadurch an einen Tisch zu bringen. Und mehr zu sagen, wäre zu viel zu verraten.  Auf jeden Fall verbirgt sich hinter dem fröhlichen Einband ein bewegendes Buch. Eines von der Sorte, die man nach dem Lesen noch einen Moment zugeklappt in der Hand hält, um die Stimmung festzuhalten.

Und wieder ein Buch, das einen Erfahrungshorizont nutzt, den jeder kennt: das Familiengeflecht. Und damit findet jeder sein Seitchen in dem Buch, sein Erkennen eines Gefühls, wenn er nur selbst mal mit etwas ((selbst-)kritischer) Distanz auf die Familie um sich herum geschaut hat. Und das ist immer wieder das faszinierende, das Bücher schaffen – einen mitzunehmen auf unbekanntes Gelände, um einen genau dort etwas Altbekanntes finden zu lassen. Das bewegt, bleibt hängen und setzt etwas in Bewegung. Egal wie klein der Gedanke ist, der sich nach der Lektüre formt: Es hat sich etwas verändert.

Und es wirkt noch nach und lässt mich weiter nachdenken, über dieses Konstrukt Familie und wie seltsam es doch ist, dass egal wohin man oftmals blickt, einen dieselben (Familien-) Dynamiken und emotionalen Stereotypen entgegenblicken. Ich weiß nur noch nicht ob ich diesen Gedanken beruhigend oder verstörend finden soll. Interessant ist er allemal. Und so lange wir so komplex emotionalen Wesen, mit all unseren Themen, Ängsten, Wünschen und Freuden uns zusammentun, solange wird immer wieder spannender Stoff entstehen. Ich freue mich schon auf weitere Lektüren.

Und gegen emotionale Achterbahnen literarischer Natur hilft ein vertrautes Essen:

Gefüllter Kürbis
Der wird auch nie langweilig.

1 Hokkaidokürbis (Ich nehme immer einen kleinen Kürbis (ca. 800-1000 Gramm für zwei Personen)
1 Bund Suppengrün
300-500 Gramm Hackfleisch (nach Größe des Kürbis)
1 mittlere Petersilienwurzel
2 Zwiebeln
Kokosöl
Salz
Pfeffer
1 scharfe Chilischote, gehackt
Curry
Cumin
Zimt

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Das Suppengrün, die Zwiebeln und die Petersilienwurzel pzuten und alles in kleine Würfel schneiden.
  • Das Gemüse in Kokosöl anbraten und großzügig würzen (Salz, Pfeffer, Curry, Chilischote, Cumin und eine Prise Zimt).
  • Den Kürbis waschen, halbieren und die Kerne entfernen.
  • Die Hälften salzen und pfeffern und auf ein Backblech legen.
  • Die Gemüsemischung mit dem Hackfleisch vermengen. Etwas salzen und pfeffern und nun die Füllung auf die Kürbishälften verteilen.
  • Für mindesten eine Stunde in den Ofen, bis der  Kürbis gar ist und die Füllung durchgebraten.

Für vegetarischen Besuch kann man das Hackfleisch einfach durch Schafskäse ersetzen. In jedem Fall schmeckt Chutney dazu!

Guten Appetit!