Neue Bücher finden: Taiye Selasi. Altbewährtes essen: gefüllter Kürbis

Gefüllter Kürbis und LektüreZwischenzeitlich habe ich den Atem angehalten und wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Manchmal war da auch ein Klops und heimlich still, unbemerkt ein paar Tränchen. Diese Dinge geschehen nicht einfach so – war eines der Bücher, die über den Geburtstagstisch zu mir wanderten. Und ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartet, hatte noch nichts von der Autorin Taiye Selasi gehört und auch der Titel war mir kein Begriff. Nach den ersten Seiten war es dann um mich geschehen. Eine Familie. Sechs Charaktere, irgendwo für sich verloren gegangen zwischen Ghana, USA und Europa. Erfahrungsdimensionen, die mir fremd sind und dazwischen aber zarte Bande, die jeder kennt. Die Unaussprechlichkeit, die so viele Beziehungen innerhalb von Familien prägt. Das warme und das elende Gefühl. Liebe und Geborgenheit, ebenso wie Eifersucht, Schmerz und Verlust. Kalaidoskopartig breitet sich die Geschichte der Familie  vor dem Leser aus. Fragmentiert, denn jeder der Betroffenen kommt zu Wort, setzt sich die Geschichte dieser Familie nach und nach zusammen und hüllt den Leser ein, dumpf angesichts der persönlichen Tiefen, die die handelnden Personen, durchmachen. Die vielen verschiedenen Perspektiven, lassen die Wortlosigkeit nur noch deutlicher werden und man möchte ihnen gerne zurufen „Redet miteinander!“ Und man liest weiter und weiter, wie in der Hoffnung sie dadurch an einen Tisch zu bringen. Und mehr zu sagen, wäre zu viel zu verraten.  Auf jeden Fall verbirgt sich hinter dem fröhlichen Einband ein bewegendes Buch. Eines von der Sorte, die man nach dem Lesen noch einen Moment zugeklappt in der Hand hält, um die Stimmung festzuhalten.

Und wieder ein Buch, das einen Erfahrungshorizont nutzt, den jeder kennt: das Familiengeflecht. Und damit findet jeder sein Seitchen in dem Buch, sein Erkennen eines Gefühls, wenn er nur selbst mal mit etwas ((selbst-)kritischer) Distanz auf die Familie um sich herum geschaut hat. Und das ist immer wieder das faszinierende, das Bücher schaffen – einen mitzunehmen auf unbekanntes Gelände, um einen genau dort etwas Altbekanntes finden zu lassen. Das bewegt, bleibt hängen und setzt etwas in Bewegung. Egal wie klein der Gedanke ist, der sich nach der Lektüre formt: Es hat sich etwas verändert.

Und es wirkt noch nach und lässt mich weiter nachdenken, über dieses Konstrukt Familie und wie seltsam es doch ist, dass egal wohin man oftmals blickt, einen dieselben (Familien-) Dynamiken und emotionalen Stereotypen entgegenblicken. Ich weiß nur noch nicht ob ich diesen Gedanken beruhigend oder verstörend finden soll. Interessant ist er allemal. Und so lange wir so komplex emotionalen Wesen, mit all unseren Themen, Ängsten, Wünschen und Freuden uns zusammentun, solange wird immer wieder spannender Stoff entstehen. Ich freue mich schon auf weitere Lektüren.

Und gegen emotionale Achterbahnen literarischer Natur hilft ein vertrautes Essen:

Gefüllter Kürbis
Der wird auch nie langweilig.

1 Hokkaidokürbis (Ich nehme immer einen kleinen Kürbis (ca. 800-1000 Gramm für zwei Personen)
1 Bund Suppengrün
300-500 Gramm Hackfleisch (nach Größe des Kürbis)
1 mittlere Petersilienwurzel
2 Zwiebeln
Kokosöl
Salz
Pfeffer
1 scharfe Chilischote, gehackt
Curry
Cumin
Zimt

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Das Suppengrün, die Zwiebeln und die Petersilienwurzel pzuten und alles in kleine Würfel schneiden.
  • Das Gemüse in Kokosöl anbraten und großzügig würzen (Salz, Pfeffer, Curry, Chilischote, Cumin und eine Prise Zimt).
  • Den Kürbis waschen, halbieren und die Kerne entfernen.
  • Die Hälften salzen und pfeffern und auf ein Backblech legen.
  • Die Gemüsemischung mit dem Hackfleisch vermengen. Etwas salzen und pfeffern und nun die Füllung auf die Kürbishälften verteilen.
  • Für mindesten eine Stunde in den Ofen, bis der  Kürbis gar ist und die Füllung durchgebraten.

Für vegetarischen Besuch kann man das Hackfleisch einfach durch Schafskäse ersetzen. In jedem Fall schmeckt Chutney dazu!

Guten Appetit!

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3 Gedanken zu “Neue Bücher finden: Taiye Selasi. Altbewährtes essen: gefüllter Kürbis

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