Durchatmen, loslassen, bewegen – Entspannungsrezepte

Entspannung und PaleoDurchatmen. Hilft. Simpel. Wenn also die Welt nervt, die Arbeit fordert oder die Menschen zu viel sind, entspanne ich mich. Irgendwann habe ich nämlich beschlossen, mir meine Stimmung nicht mehr so stark beeinflussen zu lassen von Dingen, die sich so unverhofft in die Gedanken krallen und einen zum Grübeln bringen. Sich gedanklich mit etwas beschäftigen  – ja. Sich davon bestimmen lassen – nein.  Eine Strategie war überfällig. Denn wenn man die Tendenz zum grüblerischen Gedankenspaziergang hat, kann einen das, was da in der Welt um einen herum geschieht ganz schön beuteln und mitunter lässt es einen, fiese kichernd, mit dem Gefühl zurück, dass man ja doch nichts ändern kann. Dann freut sich die gedankliche Bleikugel und der Schweinehund streckt wohlig seufzend die Krallen aus.

Das lähmt. Und das ist mir eine Zeitlang öfter widerfahren, etwa als ich damit begonnen habe einen Weg zu finden, mich so zu ernähren, dass ich nicht das Gefühl habe damit weiter Strukturen zu tragen, die Mensch und Umwelt schaden oder dem großen Ganzen. (Und von vielen anderen politischen Debatten ganz zu schweigen.) Aber das Verzweifeln an den Umständen ändert nichts, es verhindert eher noch, wenigstens für sich selbst einen eigenen Weg zu finden, mit dem es sich in dem Gerausche unseres Alltags leben lässt.

Wenn ich nun also auf Themen oder Situationen stoße, die mich nachhaltig beschäftigen und mir Energie saugen, dann lasse ich sie kurz los und atme tief durch. So geraten sie oftmals in Bewegung, kleben mir nicht vor dem Blick sondern rücken in eine Ecke, in der ich sie besser überschauen kann und so bleibt der Blick frei um Lösungen zu entdecken. Manchmal verstecken sich diese eine Zeitlang effektiv, aber wer anfängt zu kramen, findet auch.  Und die simpelste Lösung liegt meistens erst einmal bei mir.  Ja, ich bin tatsächlich ein großer Fan, der allgemein sträflich vernachlässigten Selbstreflexion. Und nicht nur im Sinne vom sich selber auf die Schulter klopfen (was auch unbedingt wichtig und nötig ist), sondern auch der selbstkritischen Stimme, die einen ertappt und auch mal unangenehm klingt. Keine Selbstkasteiung, aber Selbstbeobachtung. Denn wir alle liegen nicht immer richtig, oder folgen dem subjektiven Wegabschnitt unserer ganz eigenen Scheuklappen.

Wenn es also kneift im Knopf dann Fenster auf und dreimal zehn tiefe, bewusste Atemzüge. Schön durch den Bauch, der sich ausdehnt beim Einatmen und einzieht beim Ausatmen. So sollten wir nämlich eigentlich atmen: Bauchatmung.
Machen wir aber nicht, da wir nicht zuletzt die Vorstellung eines einfach zufrieden ausgedehnten Bauches befremdlich finden. Also wird der brav eingezogen für das grazilere Erscheinungsbild  und das Resultat ist, dass man den Körper über die flache Atmung durch den Brustkorb in einem permanenten Zustand der Anspannung hält. Ein Stresssignal, konstant. Das kann nicht gut sein.

Also: Atmen lernen. Unbedingt! Sehr schön ist das auch draußen in der Natur, beim Spaziergang. Und wer die Möglichkeit hat einmal einen menschenleeren Strand entlang zu gehen, am besten bei unfreundlichen, windigen Wetter, dem empfehle ich den Moment der Einsamkeit zu nutzen, sich ans Wasser zu stellen und einfach mal schön ungehemmt zu Brüllen.  Das geht natürlich auch überall, aber irgendwie ist es eine beruhigende Vorstellung, dass das Wasser fortträgt, was man da von sich gegeben hat. Und mit Brüllen meine ich so richtig. Loslassen und sich nicht selbst kontrollieren, weil es seltsam klingt. Das ist ganz schön anstrengend, man merkt es körperlich, aber ich finde immer wieder, dass es ganz wunderbar Bewegung in den Kopf bringt. Leider ist die Gegend hier dicht besiedelt und es würde andere Spaziergänger wohl arg verstören, wenn ich anfangen würde durch den Taunus zu brüllen, aber ich freue mich, wann immer sich so eine Gelegenheit ergibt.  Zumal ich sonst nicht so sehr zu den Leuten gehöre, die laut werden.

Aber so groß muss es gar nicht immer sein. Manchmal reichen ein paar unauffällige Atemzüge, bewusst und durch den Bauch. Vor einer Präsentation, bei Nervosität,  in unangenehmen oder angespannten Gesprächssituationen oder einfach während eines stressigen Tages.

Und wenn der Stress zu tief sitzt oder die Anspannung einen nicht loslassen will, dann hilft immer der Weg über den Körper, wenn die Gedanken sich festkrallen und den Körper verspannen.  Für mich persönlich ist das dann Pilates. Weil ich dort so konzentriert bin richtig zu atmen und mein Powerhouse aktiviert zu halten, muss ich alle anderen Gedanken loslassen und während der Körper  bewegt wird, entspannt sich der Geist.  Andere Bewegungsabläufe, wie etwa Gehen, helfen mir hingegen immer dann, wenn ich meine Gedanken lösen möchte. Schwimmen hat eine ähnliche Wirkung. Im Fluss sein. Und wenn man einmal gemerkt hat, was einem wann gut tut, dann kann man auch bewusster schauen, wann ein steifer Nacken oder verspannte Schultern nicht vielleicht aus einer  intensiven Kopfarbeit resultieren.

Ich kann Pilates nur wärmstens empfehlen, ganz sanft und sehr effektiv, wird hier der ganze Körper bewegt. Gerade bei Leuten die, wie ich, die Tendenz haben angesichts der Welt gerne mal die Schultern hochziehen, um sich abzuschirmen von allem was da prasselt, wird der Unterschied in der Haltung schnell auffallen. Angefangen habe ich mit dem Pilates in einem Studio in Berlin. Ein halbes Jahr lang, zwei Mal die Woche, in kleinen Gruppen. Das war ein guter und wichtiger Einstieg um ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen und um die saubere Ausführung der Bewegungen zu lernen. Mittlerweile mache ich das Pilatestraining zuhause und merke, dass dies nicht minder anstrengend und fordernd ist. Da mir nur eine DVD zu wenig Abwechslung war, habe ich im Internet gesucht und bin bei einem Youtube-Kanal fündig geworden. Die Auswahl der Videos ist sehr breit und die Anleitung super. Nur von den teilweise sehr frauenmagazinmäßigen Titeln der Übungsserien sollte man sich frei machen, die sind sicher einer breiten Zielgruppe geschuldet und zeigen all zu deutlich, was die Leute an Körperbildern zu verwirklichen suchen.

Also, wenn man schon den Themen und Paketen, die einem die Welt und die Menschheit so auf die Schultern schnallen, nicht einfach so entgehen kann, so kann man ihnen doch Entspannung entgegensetzen. Und diese führt einen oftmals auch zu Wegen, wie man diesen Situationen begegnen, sie verlassen oder aber sie lösen kann.

Einen entspannten Abend wünsche ich.

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