Die Anderen sein lassen können und Haselnuss-Espresso-Makronen knuspern

Makronen und TretminenTretminen. Regelmäßig verwandelt sich das Thema Paleo-Ernährung dann doch wieder in eine Tretmine.  Auch wenn man versucht, die entsprechenden Diskussionen in schönen geselligen Momenten auf eine Minimum zu beschränken, ist es eben oft  ein Gegenüber,  dass das Thema nicht los lassen will und dann muss man sich kurz sortieren und überlegen, wie man das Ganze auflösen kann, wenn man merkt da ist eher Herbeireden von Stolpersteinen im Spiel, als ein neugieriges Interesse. Die Frage des gestrigen Abends war eigentlich recht interessant, denn sie zielte darauf ab, wie wir es denn mit der Ernährung halten würden, hätten wir Kinder… Das ist durchaus schon implizit Thema gewesen, zumeist in Form eines versteckten Vorwurfs, wenn uns gesagt wurde, ja  klar, wir können uns ja so ernähren, wir arbeiten zuhause und haben keine Kinder…

Und tatsächlich bleibt die Frage, wie wir es mit Kindern organisieren würden, das Essen, eine hypothetische. Kinder entwickeln letztlich ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, was sie essen möchten und was eklig ist. Ich mochte früher keinen Vollkornreis und von Brötchen habe ich mir am liebsten die weiche Mitte rausgepickt und in Spinat mit Kartoffeln und Spiegelei habe ich lustlos gestochert, Eier waren eh eklig, genauso wie warme Milch und der Fettrand am Fleisch. Trotzdem wurden mir nicht unbegrenzt Extras aufgetischt, sondern es gab einfach Dinge, die ich lieber mochte als andere und die eein oder andere emotionale Diskussion.  Das ist dann vielleicht das Beste, was man Kindern mitgeben kann: Freude am Essen und Neugier auf Neues.  Und ganz ehrlich, ich würde versuchen auch in der kindlichen Ernährung das Paleo-Prinzip durchzusetzen. Es gibt genug Blogs von Müttern, die da auf wenig Probleme stoßen. Beziehungsweise die Probleme fangen dann dort an, wo sich eine dritte Partei meint in die Ernährungsdebatte einmischen zu müssen. Sicher, das ist eine Herausforderung, die eigene Ernährungsweise, etwa mit der Versorgung im Kindergarten, oder der Schule, oder bei Geburtstagen unter einen Hut zu bringen – aber ein Lohn ist sicherlich, dass man mit der richtigen Ernährung dazu beitragen kann, ein Kind auf den richtigen Weg zu bringen und für gute Startbedingungen zu sorgen. Zu oft hört man ja auch die Geschichten von kleinen Kindern, die schon im zartesten Alter von Unverträglichkeiten gebeutelt werden. Spätestens in der Pubertät verliert man ja eh an Einfluss, aber man hat ein Bewusstsein geschaffen.

Aber eigentlich ist es auch müßig darüber zu spekulieren, denn für mich stellt sich die Frage nicht, bzw. bleibt  im Reich des Theoretischen. Und ganz ehrlich, ich werde mir zukünftig noch genauer überlegen, mit wem ich mich auf ein solch  tückisches Konversationsparkett begebe. Mit vielen Müttern geht es tatsächlich nicht. Wenn ich dann noch dazu sage, dass ich keine Kinder plane, oder will, dann ist für viele klar, dass ich keine Kinder mag und ich werde zur potentiellen Kinderquälerin, weil ich mir, so ganz theoretisch, anmaße zu wissen, was gut sein könnte. Dabei ist der andere Standpunkt nicht weniger anmaßend, ist er zwar erfahrungsgeprägt, aber eben auch mit subjektiven Scheuklappen versehen.
Aber es gibt so Themen, die wären interessant für erwachsene Diskussionen, sind aber schwer zu besprechen. Denn viel zu oft sind Diskussionen um solche Themen, die letztlich den eigenen Lebensentwurf betreffen, nicht sehr erwachsen. Wenn ich mit erwachsen eine Position meine, die auch mal nach rechts und links überlegt und nicht darauf versteift ist, den eigenen Standpunkt zu verteidigen.
Wähle ich einem Lebensentwurf, der etwas grundsätzlich anders macht, sei es eben über das Essen, die Kinderfrage, die Arbeitsform, die Beziehungsgestaltung, ist das eine persönliche Entscheidung, die in diesen Bereichen dann oftmals eine bewusst getroffene Entscheidung für etwas ist, nicht dagegen. Das heißt, als Transferleistung würden im Idealfall die Mitmenschen erkennen, dass ein Wunsch nach Kinderlosigkeit nicht automatisch heißt, dass man etwas gegen Kinder hat, dass eine Kritik an den Konsummustern unserer Gesellschaft nicht bedeutet, dass man jeden um sich herum verurteilt, der sich wohler fühlt mit dieser Maschinerie und das heißt auch nicht, dass man, wenn man sich dem Paleo-Prinzip gemäß ernährt, die Nase rümpft wenn sich jemand ein Brötchen schmiert, oder eine Pizza bestellt.
Auch diese Menschen gibt es, die den eigenen Lebensentwurf als Maßstab nehmen und  bewerten, wie sich das Umfeld so schlägt – das ist anmaßend. Kleinkariert und wenig produktiv.
Für mich persönlich hat sich aber tatsächlich gezeigt, dass ich bei Menschen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen etwas außerhalb dessen stehen, was man wohl allgemeinhin als Mainstream in all seinen Sinus-Milieu-Ausprägungen versteht, öfter auf ein ungetrübtes Interesse und auch auf Verständnis stoße. Und was ich ebenfalls denke ist, dass es traurig ist, dass der sich durchziehende, kommerzialisierte Individualismus in unserer Gesellschaft die Leute so gefangen nimmt und beschäftigt hält, dass dort, wo ein leise nagendes Gefühl spricht und den zarten Wunsch äußert, vielleicht etwas ändern zu wollen, dieser Wunsch oftmals betäubt wird durch die Sorgen, Ansprüche und Bedürfnisse, die einem der Lebensstil so aufzwängt. Und wenn man dann auf Menschen trifft, die etwas anders machen, kann dies eine Inspiration sein. Aber wenn die Angst vor Veränderungen zu groß, oder die Bequemlichkeit zu bequem ist, dann ist die Konfrontation mit anderen Lebensentwürfen ein Moment, indem man sich vielleicht selbst in Frage gestellt fühlt. Wobei man selber es ist, der sich dort in Frage stellt und kritisiert und dann beißt man zu, wo man vielleicht etwas hätte gewinnen können. Das ist nur allzu menschlich und nicht in diese Fallen zu tappen, erfordert eine Wachsamkeit den eigenen Gespenstern gegenüber und dem Mut, sich diese einmal ganz genau anzuschauen.

Oftmals sind es gar nicht die anderen, die uns enttäuschen, das sind wir nur zu oft selber, mit unseren Paketen an Erwartungen und Unsicherheiten. Das ist schade. Aber es kann einem helfen zu verstehen oder auch zu handeln, wenn man selber mit dieser Abwehr konfrontiert wird. Wir sind nicht verantwortlich für die Gedanken der anderen und dürfen dafür auch nicht bestraft werden. Kompliziert, diese Menschen. Merke ich tatsächlich immer öfter. Aber schön, dass so vieles möglich ist und man für sich immer wieder neue wundervolle menschliche Entdeckungen machen darf. Denn das ist nie schwarz und weiß, dazwischen ist ganz viel schönes unterschiedliches Grau. Gerne mit einer Note Flieder oder Blau.

Und wenn man sich manchmal mit sich oder der Welt versöhnen muss, dann ist ein Küchenabenteuer manchmal die perfekte Geste.

Haselnuss-Espresso-Makronen mit Schokocreme
Diese kleinen Dinger sind so unverschämt, dass ich sie tatsächlich eher als Dessert sehen, denn als Gebäck.

200 Gramm gemahlene, geröstete Haselnüsse
150 Gramm gehackte, geröstete Haselnüsse (einfach Haselnüsse im Ofen rösten und mit dem Pürierstab etwas zerkleinern)
3 Eiweiß
1 Tässchen starker Espresso
5-6 Esslöffel Xucker
50 Gramm möglichst bittere Schokolade (85% und mehr)
Ca. 40 Gramm Butter
Salz
Vanille

  • Denn Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schön steif schlagen. Während des Schlagens, nach und nach den Xucker einrieseln lassen. Die Masse ist dann am Ende schön weiß glänzend und fest.
  • Nun die Haselnüsse, 5 Esslöffel Espresso und einen Teelöffel Vanille vorsichtig unterziehen bis eine luftige, gleichmäßige, kompakte Nuss-Masse entsteht, je fester sie ist, desto weniger zerläuft sie im Ofen
  • Die Masse mit Löffeln zu Häufchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und auf der mittleren Schiene ca. 20 Minuten backen. Sie sollen nicht zu dunkel werden aber dürfen auch nicht zu weich sein.
  • Das Backpapier mit den Makronen vorsichtig auf einen Tisch ziehen und dort auskühlen lassen.
  • Während die Makronen backen, die Schokolade mit der Butter und drei Esslöffeln Espresso im Wasserbad schmelzen und gründlich vermengen.
  • Die Schokoladenmasse nun für ca. 40 Minuten in den Kühlschrank geben, bis sie sich gut in einen Spritzbeutel geben lässt.
  • Auf jede Makronen etwas Schokocreme geben und dann die Plätzchen ruhig noch einmal in den Kühlschrank stellen um die Creme auszuhärten.

Kaffee-Nougat lecker.

Guten Appetit!

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3 Gedanken zu “Die Anderen sein lassen können und Haselnuss-Espresso-Makronen knuspern

  1. Auf leicht beunruhigende Art faszinierend ist, dass in unserer so nach vordergründiger Toleranz verlangenden Gesellschaft jedes abweichende Lebenskonzept sofort mit großem Misstrauen, Ablehnung oder Unverständnis kommentiert wird. Das passt zwar schlecht zusammen, ist aber immer wieder so. Umgekehrt wird von jedem Abweichler, der da in die Kritik gerät, grenzenlose Toleranz gegenüber seinen Kritikern erwartet.
    Ich tröste mich damit, dass andere mir in solchen Momenten offenbar mehr innere Größe zutrauen als sich selbst 😉 Wie du schon anfangs festgestellt hast, am besten der Situation aus dem Weg gehen. Ist nur Energieverschwendung.

    • Ganz lieben Dank für diesen wertvollen Kommentar, der ein Dilemma auf den Punkt bringt, das unglaublich schwer zu diskutieren ist. Bleibt nur, die beste Lösung für sich selbst zu suchen und die ist wohl wirklich der Ansatz sich so zu verhalten, dass man danach zufrieden mit sich ist. Und die anderen einfach mit sich sein zu lassen.

  2. Ich hätte nicht gedacht, dass euer neues Leben so viel Gegenwind entfacht. Das überrascht mich und ist schade. Ich wünsch euch ganz viel Gelassenheit und verspreche, keine Debatte um Ernährung, Kinder und ähnliche Tretminen zu entfachen 😉

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