Mini-Mes, Zirkusponys und Sellerie-Sauerkraut aus dem Ofen

Sellerie mit Sauerkraut aus dem OfenManchmal muss man ja in den Supermarkt. Lässt sich nicht verhindern. Zum Glück gibt es hier einen, der irgendwie einkaufspsychologisch so auf der Höhe der Zeit ist, dass ich nicht das Gefühl habe von zu vollen Regalen in zu engen Gängen erschlagen zu werden. Das Konzept geht auf wir kommen immer wieder. Wobei der Ehrgeiz gerade der ist, so sinnvoll einzukaufen und dann alles auch wirklich zu verbrauchen, dass man nur noch einmal in der Woche los muss. Unnötige Fahrerei sparen und Affektkäufe minimieren (ich bin da im Bereich Lebensmittel recht anfällig und denke mir gerne schnell noch ein paar Rezepte aus, um Argumente für bestimmte Nonsenskäufe zu finden.

Dafür ist man dann etwas länger in dem Laden und wird zwangsläufig Zeuge menschlichen Verhaltens. Schön finde ich immer Paare, die nur in Drei-bis-Fünf-Wort-Sätzen und im Befehlston miteinander reden. Und ich muss zugeben, neben den Frauen, die unter der vielbeschworenen emotionalen Legasthenie ihrer Männer zu leiden haben, gibt es Frauen, die den Ausdruck ihrer Zuneigung wohl auf dem Kasernenhof erlernt haben. Frauen beherrschen sie gut, die Missachtung und das abschätzige Sticheln.

Nett sind auch Szenen, in denen der stille Ehemann den Wagen schiebt, Frau und Pracht-Kinder diesen mit mehr oder weniger Gekeife füllen und der Mann dann nur noch dafür gut ist an der Kasse die EC-Karte zu zücken und dann den SUV heimzusteuern.

Und dann sind da noch die Mütter, die ihre kleinen Kinder als willkommene Verlängerung des eigenen Modekonsums sehen. Klar, auch kleine Kinder haben Vorstellungen davon, was sie am liebsten tragen oder eben nicht tragen wollen, aber der Großteil der Einkäufe liegt ja wohl in elterlicher Hand und die ganzen hübschen  kleinen Kleidungsstücke der gängigen  Marken sind ja auch so entzückend. Und natürlich wird da  geguckt, was gut zusammen aussieht. Und dann hat man da Frauen, die schon kleine Miniversionen von sich im Schlepptau haben und platzen vor Stolz, wenn die Arbeit am Kinderkleiderschrank gewürdigt wird. Was mich daran stört ist, dass Kindern so einfach schon zu früh eine falsche Wertigkeit von Mode aufgedrängt wird. Wenn man seine Mutter von klein auf im Gespräch über Kleidung von Marken redet hört,  prägt das und man bekommt automatisch ein andere markenbewusstere Vorstellung von Wert und Notwendigkeit vermittelt, die nicht unbedingt richtig und nicht nur gut ist. Und das geht über das natürliche Experimentieren und die spannenden Vorlieben der Kinder hinaus. Da wird gezeigt und der Weg zum Kindergarten zum Schaulaufen. Und nein, ich mache das nicht selber, aber netterweise habe ich Freundinnen, die mir die Geschichten über sich, die Kinder und andere Mütter erzählen. Und ganz ehrlich liebe Mütter, nicht alle, aber viele – das ist für mich keine gute Werbung für den Mutterstand. Es gibt natürlich andere Beispiele, die ich um mich herum beobachte und das sind meist sehr entspannte Eltern, mit sehr entspannten Kindern. Sehr süß und sehr eigen.

Als richtig gefährlich empfinde ich die Kinderanzieherei dann, wenn die Eltern dies als Inhalt für ihre Social Media Kanäle nutzen und aus einem kleinen Menschlein ein Zirkuspony wird. Manche Kinder lieben es fotografiert zu werden, aber wo ist die Grenze zwischen Spaß fürs Kind und dem eignen Drang zur Selbstdarstellung und hört man auch auf, wenn es keinen Spaß mehr macht, oder knipst man noch die fünf Minuten weiter für das perfekte Bild vom Kind? Mein Haus, meine Yacht, mein Auto, mein Vorzeige-Kleiderpüppchen… Die Kinder können das nicht abschätzen, sie sind darauf angewiesen, dass die Eltern die Grenzen kennen und klar abstecken. Die Kinder müssen sich ja früh genug (viel zu früh mittlerweile) mit ihrer Kompetenz im Bereich Kommunikationsgadgets auseinandersetzen. Klar, das geht spielerisch, aber macht es das besser? Ich meine mit diesem Zirkus auch nicht das Foto, das mal jemand voller Stolz auf Facebook postet. Aber regelmäßige Kinderoutfit-Posts finde ich persönlich fragwürdig und das Extrem sind dann Instagram-Accounts von so genannten Mini-Fashionistas, die weniger nach Spaß als nach einer Spielwiese der Eltern aussehen.

Das ist  zu viel. Aber der Druck ist groß da draußen und die Verlockung auch mal mitzumachen sicher groß. Wenn man doch  selber so verzückt ist von seinem kleinen Menschen. Ja, aber dieser Mensch gehört einem nicht. Man hat ihn gezeugt und trägt eine Verantwortung ihn zu lieben und zu fördern. Aber wer trägt Sorge dafür, dass Eltern nicht ihren eigenen Narzissmus über die Kinder ausleben? Dazu hört man zu wenig. Die bösen Egoisten sind dann ja eh die ohne Kinder, aber dazu und zu dem fantastischen Buch zum Thema ein anderes Mal mehr.

Wer übrigens keine Kinder hat oder wem das noch nicht genug ist, der kann sich Haustiere anschaffen. Die haben ihre eigenen Supermärkte und Boutiquen und Yogakurse und und und… Dann aber am besten einen Hund, den kann man auch mit rausnehmen in die Öffentlichkeit. Und ein süßer oder besonders schöner Hund ist ein Garant für einen Gesprächseinstieg. Allerdings sollte man nicht, wie eine Freundin von mir, mit großem Hund und Kinderwagen unterwegs sein, dann muss man sich wieder viele kluge Kommentare zum Kindeswohl anhören und die Zeit auf dem Spielplatz beginnt mit bösen Blicken und einem (in diesem Fall sehr lieben) Hund, der im Abseits wartet. Aber so was kleines Pelziges, das auch in die Handtasche passt, geht sicher und dann sieht das bestimmt extra süß aus zu den kleinen Kindern.

Zu hart? Es sind Beobachtungen, die ich mache. So wie andere Leute mich vielleicht etwas seltsam, verschroben oder was weiß ich nicht wie finden – das ist ok.

Und weil mich heute die Oberfläche so angestarrt hat, schnell noch ein Rezept, das total unspektakulär und wenig fancy daherkommt. Aber nach Winter schmeckt und was für alle Sauerkrautfans ist. Noch dazu macht man dort alles in einer Form. Das mag ich besonders.

Deftiges Sellerie-Sauerkraut aus dem Ofen

300 Gramm Sauerkraut (gibt es oft im Bioladen und auf dem Markt ohne irgendwelche Zusätze und handgemacht, die Eigenproduktion muss leider noch warten)
1 große Knollensellerie (ca. 400 Gramm)
400 Gramm Mettenden, Bratwürste, Bauchscheiben oder Speck  (hier kann man super Reste verwerten oder einfach nehmen, worauf man meisten Lust hat. Je herzhafter desto besser)
Schmalz (wahlweise Butter)
2-3 EsslöffelKümmel (nicht gemahlen)
Salz
Pfeffer
Wahlweise: ein Apfel oder getrocknete Aprikosen

  • Den Offen auf 200 Grad vorheizen.
  • Die Sellerie schälen und in gleichmäßige Würfel schneiden.
  • Das Fleisch, hier waren es geräucherte Mettenden und zwei Bauchscheiben, in Würfel schneiden.
  • In einer Auflaufform die Sellerie und das Sauerkraut mit großzügig Schmalz (vier-fünf Esslöffel), Salz, viel Pfeffer und dem Kümmel vermengen.
  • Wer eine süße Note mag, kann einen Apfel oder eine Handvoll Aprikosen kleinschneiden und drunter heben.
  • Nun das Fleisch drunter mengen. Geräucherte Stücke wie Mettenden und die Sauerkrautmasse rühren. Speck und Bauchscheiben oben drauf verteilen.
  • Nun für ca. 40 Minuten in den Ofen, bis die Selleriestücke gar sind und das Fleisch schön kross.

Guten Appetit!

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2 Gedanken zu “Mini-Mes, Zirkusponys und Sellerie-Sauerkraut aus dem Ofen

  1. Hallo maiebrit,

    eine wundersame Veränderung am Ende der Zubereitung wo aus
    Knollensellerie dann Kohlrabi wird – oder habe ich etwas überlesen ?

    Grüße Paul

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