Bittersüße Plastik-Strandromantik und lernen aus Filmen

Plastik StrandMan schleppt etwas schwerer. Das ist der Preis, den ich gerne zahle. Denn neben dem eigentlichen Gepäck aus dem Kleiderschrank ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Unterwegsseinausrüstung die Vorratsdose geworden. Und spätestens seit ich vor einiger Zeit den Film Plastic Planet von Werner Boote gesehen habe, sind diese Dosen, wann immer möglich, aus Glas. Das nervt. Sage ich ehrlich. Ebenso wie die Glasflasche fürs Wasser. Sie sind schwer und zerbrechlich… Da sind kleine Katastrophen im Gepäck vorprogrammiert (toi, toi, toi).Und ja, wenn es sein muss, trinke ich auch aus Plastik bevor ich verdurste, alles andere wäre bescheuert, aber ich versuche tatsächlich den Berg an Plastik in unserem Haushalt wo immer möglich zu reduzieren. Dank der Ernährungsumstellung fallen tatsächlich viele der gängigen Umverpackungen weg und besonders das Ausmisten von unnützer Kosmetika und zu vielen nutzlosen, da nie gebrauchten Badezimmerprodukten hat noch einmal dazu beigetragen, dass nun weniger kunterbunte, weiche, harte, folienhafte und wie auch immer geartete Kunststoffe den Weg zu uns finden. Mitunter eine etwas komplizierte Wahl, denn wenn man anfängt einmal nach kunststofffreien Alternativen zu suchen, wird es mitunter sehr teuer oder die Suche läuft ins Leere. Plastik vermeiden ist ganz schön schwer. Wir haben uns abhängig gemacht von einem Stoff, der immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Wir setzen uns über das Essen, die Kleidung und alle möglichen Gebrauchsgegenstände einem gesundheitlichen Risiko aus, das wir Laien nicht beurteilen können und weil wir Menschen eben auch kleine Idioten sind, landet all zu viel von dem Zeug eben nicht in einem Recyclingkreislauf sondern in der Natur.

Und so habe ich kürzlich bei einem eigentlich schönen Spaziergang entlang eines dänischen Strandes statt schöner Muscheln (gibt es kaum noch, zumindest nicht die, an die ich mich noch aus Kinderurlauben zu erinnern meine) die besondere Ästhetik von Seetangnestern voller Plastikfetzen bestaunt und einzelne Schuhe gezählt. Und Flaschen.  Und mich geärgert. Geärgert, dass wir so dumm sind und auch geärgert darüber, warum man nicht einfach mal einen Müllbeutel dabei hat, um als kleine Wiedergutmachung für den verursachten Müll am Ende eines jeden Spaziergangs zumindest einen Teil der Hinterlassenschaften zurück in einen Müllkreislauf zu führen. Ich empfinde es eigentlich als gerechte Strafe, dass wir dann wieder Fische essen, die Plastik gefressen haben. Obwohl die Fische das natürlich nicht verdient haben und es auch so wahnsinnig kompliziert geworden ist, welchen (See-)Fisch man noch unbeschwert essen kann, da wir ja auch dabei sind munter die Meere leer zu fischen, wenn wir nicht schon Lebensräume zerstört haben.

Aber die gesundheitlichen Folgen des Plastiks, das da über unschuldige Parteien in unsere Nahrungskette gelangt, haben wir selber zu verantworten.

Neben Spaziergängen war Dänemark auch eine Zeit guter Gespräche und der Erkenntnis, dass einen das Leben in dieser Welt mit ihren Machtstrukturen und Mechanismen mitunter echt verzweifeln lässt, wenn man sich das intensive Nachdenken erlaubt. Ich gebe zu, ich war etwas vorbelastet. Die lange Zugfahrt in den Norden habe ich für die Lektüre unabhängigerer Magazine genutzt und neben dem ein oder anderen interessantem Artikel war auch da vor allem gut gemachte PR und die alte Konsummaschine am Werke, wenn auch etwas dezenter, für den vermeintlich intelligenteren Leser, der es nicht so mit der Holzkeule mag, sondern seine eigenen kleinen (Kauf-)Entdeckungen schätzt und wenn die dann noch nachhaltig, fair und überhaupt sind, gibt es den Heiligenschein für diesen Einkauf bestimmt direkt dazu geliefert. Aber es ist ja nicht nur schlimm, das alles, mit dem Leben. Man muss nur immer auch mal bewusst einen Schritt zurück tun, nicht vergessen oder die Augen zumachen, aber sich bewusst machen, das man sich selbst gegenüber eine Verantwortung hat und es einen nicht weiterbringt zu verbittern. Es ist vielleicht eine ziemlich große Aufgabe eine persönliche Balance zu bringen in die Ernüchterung, die sich immer häufiger einstellt und das Glück der Zufriedenheit, dass man für sich suchen sollte.
Also steht man irgendwo zwischen zauberhaftem Sonnenuntergang über dem Meer und knisternder Plastikfolie in den Dünen.
Ich arbeite an meinem Rezept.

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2 Gedanken zu “Bittersüße Plastik-Strandromantik und lernen aus Filmen

  1. Nicht nur diese großen Kunststoffteile sind das Problem, sondern diese kleinen
    Plastikkügelchen aus Kosmetik, Zahnpasta usw. werden von Fischen, Muscheln
    und Seevögeln als Nahrung verwechselt und gefressen. Somit landen diese Teile
    wieder in unserere Nahrungskette und sind mittlerweile auch im Menschen
    nachweisbar!
    Gruß Paul

    • Hallo Paul,
      das stimmt. Man kann sich nur an den Kopf fassen, dass niemand sich lauter darüber aufregt. Aber es tut wohl noch nicht genug weh und es scheint, trotz wissenschaftlicher Befunde, immer noch zu weit weg. Es bleibt der eigne Spielraum um Dinge anders zu tun.
      Gruß,
      maiebrit

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