Alle Jahre wieder: Adventsmassaker und Kürbis-Quiche zum Wohlfühlen

AdventsmassakerFrost glitzert auf den Dächern… Aber bevor ich mich jetzt in einer kitschigen Vorweihnachtssentimentalität verliere, es ist ja so die Zeit wo allerorten verkitschte Behaglichkeitsbilder beschworen werden, greife ich nach dem Taschentuch und mache mir die nächste Tasse Ingwertee.  So wunderbar knackig kalt die Sonne da draußen strahlt, merke ich, dass es auch die perfekte Zeit für Erkältungen ist. Und obwohl ordentlich eingepackt, hat einen dann schnell so eine Abgeschlagenheit im Griff.

Es  mag auch daran liegen, dass ich in den letzten zehn Tagen einige Tausend Kilometer im Auto verbracht habe und irgendwie aus dem Tritt geraten bin, zwischen netten Begegnungen und zu viel Unterwegssein. Also wird das Pensum etwas zurück geschraubt, was mir eher nicht so leicht fällt, ich will zu viel machen. Die Nähmaschine rattern hören, neue Rezepte testen, aufräumen, umräumen, ausmisten und daneben Energie in die Arbeit stecken. Zum Ende des Jahres setzt bei mir das Bedürfnis ein, einen runden Abschluss zu schaffen. Also Dinge zu erledigen, die ich vielleicht vor mir her geschoben habe. Das Bedürfnis nach innen zu horchen, was einen gestört hat, an sich selbst und im Umfeld, wo man anders handeln möchte. Eine grüblerische Tendenz zur Selbstreflexion begleitet mich ja unabhängig von Jahreszeiten, aber wenn andernorts die Adventsstimmungsmaschinerie in Gang gesetzt wird, beschleicht mich neben der dezenten Sehnsucht nach Tannengeruch eine etwas ausgeprägtere gewisse Melancholie.  So ein wenig in Gedanken zu schweben, finde ich durchaus angenehm. Das passt zu kurzen Tagen und schönen Wintersonnenuntergängen und langen Morgendämmerungen. Das ist ein bisschen so wie der Geruch nach Holzfeuer, der den Winter über durch das Haus zieht – eine grüblerische Note zur Tagesform.

Bilanz ziehen – dieses Jahr möchte ich das mal so richtig machen und habe mich entschlossen alles einmal festzuhalten. Für mich, aber auch gemeinsam mit dem besonderen Menschen: Wo war man überall, was hat man erlebt, was hat mich besonders gefreut oder belastet, was war schön und was war traurig, welche Ideen sind Realität geworden, welche wabern weiter durch den Kopf, haben sich total verändert oder sind verschwunden.  Eine Art Großputz in der Gedankenkammer. Und diesmal habe ich das Gefühl, herrscht gar nicht so ein Chaos wie in manch anderem Jahr. Anscheinend klappt es immer besser, das innerliche Sortieren zwischendurch, dann kann sich gar nicht so viel ansammeln und man muss nicht in so vielen verschiedenen Erinnerungskisten wühlen und übersieht dabei die Hälfte.

Und natürlich darf es auch wenig adventlich sein. Wobei ich ja kein Freund aufwendiger Dekorationsinszenierungen bin, sondern mag, was sich schnell so ergibt. Das war schon immer so. Zuviel und zu betont, verursacht mir die Adventsdekoration ein leichtes Unbehagen. Denn wie lässt sich dieser unglaubliche Vorfreude-Spannungsbogen dann aufrechterhalten?
Jeder Supermarktbesuch in den nächsten drei Wochen wird zur aggressiven Stimmungsmache mit Hilfe gängiger Weihnachtsmusik-Konserven. Die  Weihnachtskekse liegen schon seit Wochen auf den Sonderverkaufsflächen aus, jetzt wird aber noch einmal nachgerüstet und überall blinkt es und stinkt und leuchtet und will besinnlich sein?! Auch innerstädtische Weihnachtsmärkte haben sich größtenteils in Glühwein-Saufmeilen mit Ramschangebot verwandelt. Ein bisschen billiger Glanz – zu viel, zu hell, zu grell.  Das, so wird es den Leuten verkauft, ist Weihnachten. Für den dezenteren Geschmack gibt es durchaus immer wieder kleine Weihnachtsmarktperlen, hier findet sich dann schönes Kunsthandwerk und Biokinderpunsch. Doch sind und bleiben sie alle Märkte und laden uns wieder zum Konsum ein.

Und wen da manchmal ein schlechtes Gewissen befällt, weil man vielleicht nicht so überlegt gekauft hat, wie man es sich vorgenommen hat, der hat vielleicht den 30. November  genutzt und sich am Kauf-Nix-Tag beteiligt. Bei uns ist dieser Tag noch nicht so verbreitet, entstammt er doch eher der Tradition eines amerikanischen Konsumkalenders. Und auch wenn er sich durchsetzt, hat das Datum eigentlich einen leichten Nebengeschmack – einen Tag bevor dann der Advents-Countdownmit all seinen Besorgungen startet, einen Tag lang den Konsum verweigern…  Das empfinde ich als Gewissenberuhigung, dann ich ja wieder, habe  ja gestern nicht… Das ist wie Konsum mit gutem Gewissen, weil etwas nachhaltig, grün, öko, regional, fair oder was auch immer ist. Verkannt wird, dass das Konsumverhalten an sich die Wurzel ist.
Es ist schade, wie wir so zunehmend durch (in der Regel PR-)  gesteuerte Initiativen auf Dinge aufmerksam gemacht werden, die dem menschlichen Verstand auch so auffallen sollten. Aber so ist es ja einfach: Heute ist Dingsbums-Tag, alle sind wir heute ganz betroffen, die Zeitungen schreiben ihre so tiefsinnigen Sonderartikel und dann machen wir weiter wie bisher. Kinder, Frauen, Flüchtlinge, AIDS, Brustkrebs, Essstörungen, gestörte Selbstbilder, der Wald, Robben… – unsere gesellschaftlichen Themen und Probleme werden immer wieder zum Zugpferd für umtriebige Marketingabteilungen, die dann einem Unternehmen den Anstrich gesellschaftlicher Verantwortung verpassen und Zuständigkeiten umverteilen und neu besetzen. Weiter gedacht ist dies eine Entwicklung, die mir persönlich Sorge macht und ich empfinde es als Entmündigung, wenn wir in unserer Bequemlichkeit zulassen, dass uns die Verantwortung immer noch ein Stückchen mehr aus den Händen genommen wird und von Strukturen vereinnahmt wird, die wir nicht überschauen können.

Und die  so viel beschworene Adventszeit mit ihren blinkenden Verlockungen ist längst eine der Lieblingszeiten der Wirtschaft. Und wehe die Kaufprognosen fallen nicht positiv genug aus, dann wird ein finsteres Szenario ausgemalt, stattdessen sollte man sagen: Gut so, lasst es sein. So viele von uns haben immer weniger und das wollen wir nicht noch der Industrie in den Rachen schmeißen.
So wirklich frei fühle ich mich manchmal nicht in meinem Handlungsspielraum, zu viel prasselt auf einen ein an Anregungen, Einflüssen und Aufforderungen. Und von vielen Seiten hört man kurz vor Weihnachten eher ein Aufstöhnen und die Hoffnungsäußerung, dass es ja bald überstanden ist und man die Kekse nicht mehr sehen kann und einen die Lieder aggressiv machen und man hätte so was tolles Gebasteltes gesehen, aber man weiß nicht, wann man das noch schaffen soll… Und eigentlich sollte man noch drei Sorten Kekse backen… und… Und so verzieht sich die Vorfreude geknickt in eine stille Ecke und hofft auf ihren Moment und stattdessen  wanzt sich hartnäckiger Stress heran, der nach Glühwein und sozialen Verpflichtungen und festlicher Stimmung duftet… Und mit ganz viel Glück entlädt sich der Stress der Adventszeit dann unter dem hübschen Baum, der noch in letzter Minute schön gemacht werden wollte, dann wird das Essen nicht gelobt, die Deko kriegt keinen Auftritt und die Geschenke sind zu einfallslos oder eh selbst ausgesucht oder zu schnell ausgepackt… Dann hilft mehr Glühwein für den Moment und ein schwerer Kopf schleppt sich durch die Feiertage und die Besinnlichkeit, die auf ihren großen Auftritt zum Jahresende wartet, hat schon keine Lust mehr, sondern hofft auf weitere Ablenkung zu Sylvester. Nächstes Jahr, so der gute Vorsatz, wird dann wirklich alles anders gemacht.

Zu schwarze Gedanken in dieser hell glitzernden Zeit? Vielleicht, aber nicht nur. Wer gibt schon gerne zu, dass das Weihnachtsfest emotional ein Minenfeld sein kann und die Feiertage mitunter nicht nur schön, sondern auch herausgeputzt mit alten Spannungen sind?

Vielleicht deshalb, weil es eben nicht nur mildes Kerzenlicht und Bratapfelduft zum Fest der Feste gibt, macht sich das Bedürfnis breit aufzuräumen.
Und dabei kommt dann auch die Kiste mit den schönen Weihnachtserinnerungen ans Licht und in der raschelt es vielversprechend und  ich freue mich aufs Auspacken.

Und weil es nicht nur Kekse geben kann, etwas anderes, Herzhaftes aus dem Ofen.

Kürbis-Chorizo-Quiche

Für den Teig
200 Gramm Mandelmehl (wahlweise kann man 50 Gramm auch durch Walnussmehl ersetzen für eine andere Note)
1 großes Ei
50 weiche Gramm Butter
Salz
Pfeffer
Cayenne Pfeffer

Für den Belag
ca. 400 Gramm Hokkaido Kürbis in Spalten
2 mittlere Zwiebeln
150 Gramm Chorizo in Scheiben (ersatzweise eine andere scharfe Salami oder Speck)
2 Eier
Curry
Cayenne Pfeffer
Zimt
Salz
Pfeffer
Kokosöl

  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen
  • Das Mandelmehl mit der weichen Butter, dem Ei, einer Prise Salz, Cayenne Peffer und Pfeffer zu einem kompakten, klebrigen Teig kneten.
  • Eine Quicheform mit Butter einfetten, den Teig gleichmäßig dünn in der Form verteilen und am Rand leicht hochziehen, gleichmäßig mit der Gabel einstechen und für 15 Minuten bei mittlerer Schiene vorbacken.
  • Die Zwiebeln grob würfeln und mit den Kürbisspalten in etwas Kokosöl oder Butter anbraten, bis die Zwiebeln glasig sind und der Kürbis etwas weicher. Vom Herd nehmen und großzügig salzen, pfeffern und mit Curry würzen
  • Nun den Kürbis, die Zwiebeln und die Chorizo auf dem Quiche-Boden verteilen.
  • Die Eier verquirlen, salzen, pfeffern und mit einer Prise Zimt sowie Cayenne-Pfeffer würzen.
  • Die Eimasse gleichmäßig über den Kürbis auf die Quiche gießen.
  • Die Quiche für ca. 30 Minuten in den Ofen, bis das Ei gestockt, der Rand aber nicht zu dunkel ist.

Dazu passt sehr gut ein schlichter Feldsalat mit Apfel und Walnüssen.

Guten Appetit!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s