Sylvester kurz und knapp

SylvesterabendKeine langen Listen mit guten Vorsätzen, keine zu vielen Pläne. Auch keine Knaller und kein Getöse. Kein verkaterter 1. Januar. Eher ruhig und bewusst genießen. Ganz weit weg von all dem Rummel, so möchte ich mein Sylvester. Er macht mich nicht mehr zappelig der letzte Abend des Jahres. Als müsste man hier noch einmal mit dem Sylvester-Programm alles nachholen, was man über das Jahr vermeintlich versäumt hat. Ganz ehrlich, ich war noch nie ein großer Freund von Sylvester-Partys. Ich will nicht mitten in der Nacht durch Böller Wurfschneisen hüpfen und irgendwie liegt mir die alkoholverklärte Aufgekratztheit nicht mehr. Sie ist etwas anderem gewichen. Dem Bedürfnis noch einmal mehr durchzuatmen. Keine Anforderungen und Ansprüche an den letzten Abend des Jahres stellen. Ich erinnere mich an mehr als eine anstrengende Diskussion, weil niemand sich festlegen will auf eine Sylvesteraktivität, es könnte ja noch etwas Großes um die Ecke kommen… Am schönsten tatsächlich waren immer die Abende mit netten Menschen und gutem Essen und einer gewissen Unaufgeregtheit.

Aber auch hier werden wir ja schon seit Wochen ordentlich weichgekocht von den Medien. Na, schon ein neues besonderes Kleid für die Sylvesternacht im Schrank?

Ich will die Wanderschuhe einpacken und weg von der unvermeidlichen Knaller- und Böllerflut. Keine rosa Marzipanschweine, fettige Krapfen. Bleigießen, das mag ich gerne. Aber vor allem möchte ich etwas Raum im Kopf zum Witerdenken.
Denn für das neue Jahr ist da einfach nur der Wunsch weiter im Fluss zu bleiben, mit dem was sich so ergibt auf dem Weg. Den Mut wünsche ich uns allen.

Und besser als der hoch verehrte Herr Kästner kann man die sinnlose Selbstkasteiung in Form guter Vorsätze gar nicht in Worte fassen:

 

Spruch in der Silvesternacht
Man soll das Jahr nicht mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,
um so verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,
und schließlich hat man den Salat!

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß,
sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!

(Erich Kästner)

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