Die hellen Tage im Grau mit Zsuzsa Bánk und die perfekte Beilage in neuer Form: Hasselback Süßkartoffel

Süßkartoffel_HasselbackTaschen packen will ich gerade erst einmal nicht. Auch wenn das Grau vor dem Fenster einen mitunter sehnsüchtig in Richtung Sonne blicken lässt, irgendwie mag ich es auch, dieses trübe Grau. Gegen winterliches Weiß und ordentliche Kälte wäre auch nichts einzuwenden, ich bin ein großer Freund unser mitunter sehr verschrobenen Jahreszeiten. Frühlingsgrün, Sommersonnengeruch, Herbstgold und Winterklar… Ich möchte sie nicht missen und all die vielen Zwischentöne, die sich da verstecken.

Und was wären Gespräche ohne endlose Wetterbetrachtungen? Und das Klima verleiht einem Ort seinen ganz spezifischen Duft. Die Atlantikküste riecht für mich nach staubig warmen Pinienwäldern, die Vogesen und auch die Bretagne riechen noch im Nebel nach Honigginster und Heu, der Taunus riecht würzig klar nach feuchter Erde und Dänemark wird für mich immer nach Ferienhaus und Holzofen riechen. Berlin hat lange nach Kohlenofen-Realismus gerochen und in London hatte es oft etwas seltsam weiches Müffeliges… Mein Kopf scheint manchmal voller kleiner Glasflakons, in denen die Erinnerungen an Orte in Form von Gerüchen lagern. Situationen erinnere ich meistens in Zusammenhang mit Essen, zusammen genommen bleiben dann recht präsente liebe (Sinnes-)Eindrücke in den Kammern des persönlichen Erinnerungsarchivs haften.

Gerüche beeinflussen mich auch maßgeblich bei Menschen und an Orten. Starkes Parfüm oder dominante Gerüche verursachen mir Kopfschmerzen. Der Geruch neuer Autos, frisch renovierter, noch nicht lange belebter Wohnungen und ein Gang in die Parfümerie – da muss sich der Kopf einschalten und den Sinneseindruck erst einmal ausschalten um sich auf die Situation einzulassen. Damit zusammen hängt auch meine Abneigung gegen die ganzen Transportkisten, mit denen wir so unterwegs sind: lange Autofahrten, im Zug oder Flugzeug… Das alles verursacht mir eine Dumpfheit im Kopf und die Sehnsucht nach frischer Luft wächst.

Es lässt sich nicht immer ändern, aber ich bin bis heute kein Freund von langen Wegen für geschäftliche Treffen oder private, das bringt mich aus dem Tritt. Mal kurz nach Paris, Kopenhagen oder Düsseldorf für die Arbeit, das fand ich nie cool und wichtig, sondern immer eine Herausforderung für den Körper und eine Übung im Balance finden. Dann noch eine kurze Nacht in irgendeinem Hotel – das ist nicht meins. Ich mag einfach keine Hotels, egal wie einfach oder aufgehübscht oder durchgestylt – Hotels sind für mich kein Ort um wieder in die Balance zu kommen. Komischerweise gelingt mir das in Ferienwohnungen besser. Da packe ich alles aus, egal wie kurz ich da bin, breite mich aus und kann zumindest temporär ankommen. Und kann mich kurz dem Gedankenspiel hingeben, wie es wäre an dem Ort, an dem ich gerade bin, zu wohnen. Jeden Morgen aus der Wohnung auf diese Straße zu treten und diese Gerüche zu atmen und dieses Licht zu spüren und diese Nachbarn zu hören. Das sind immer wunderbare kleine intime Einblicke in den jeweiligen Aufenthaltsort. Die Nachbarin in Italien, die morgens um 9 Uhr das Fenster aufmacht und von da an nicht mehr den Mund hält, nur unterbrochen von der Espressokanne auf dem Herd – das wird immer einen netten kleinen Platz im Erinnerungsalbum haben…

Und dann ist da noch der praktische Aspekt – die Verpflegung. Mit dem Frühstück im Hotel kann ich nicht mehr viel anfangen und ich mag es dann die Möglichkeit zu haben, mich selber in meinem Sinne zu verpflegen. Durch fremde Supermärkte und Märkte zu streifen und improvisierte Neuigkeiten zu kochen oder ein Picknick zu machen. Wenn sich ein passendes Restaurant findet, fein, aber es ist nicht zwingend notwendig und es ist einfach schön neue Orte nicht nur durch die Konsumentenbrille zu erkunden.

Aber momentan bin ich einfach nur beschäftigt, die vielen Eindrücke dieses noch jungen Jahres zu sortieren und habe ein großes Bedürfnis einfach nur daheim zu sein.  Bitte gerade nicht unterwegs sein! Und bitte keine komischen Menschen, die einem Energie saugen. Die Zeit ist kostbar, auch hier auf dem Lande. Und ich bin froh, dass der Kopf nicht durch zu viele Sinneseindrücke betäubt wird, sondern in der momentan knappen Zeit zur Ruhe kommen kann.

Und langsamer kreist… Und sich erinnert… Etwa an ein bestimmtes Buch, das ich schon vor längerem gelesen habe und seitdem nicht müde werde zu verschenken: Die hellen Tage, von Zsuzsa Bánk.  Ein ganz seltsam schönes Buch über Freundschaft, die Liebe, Mütter und die Bänder, die alles verbinden. Seltsam deshalb, weil das Buch in der Erinnerung selbst so ein heller Tag ist. So ein Tag, an dem die Sonne so intensiv strahlt, dass man gar nicht genau hinschauen kann und alles ein bisschen undefiniert bleibt, unwirklich.  So wie der Schein, der die Dinge umgibt, wenn man im Gegenlicht die Augen zusammenkneift. Und seltsam auch, weil es sich nicht sofort erschlossen hat,  ich habe hier tatsächlich mal zwei Anläufe gebraucht. Beim ersten Mal passte der Moment wohl nicht, denn das Buch wanderte zurück auf den Bücherstapel und da lag es dann, bis ich wieder drüber stolperte und dann wollte ich es einfach nicht enden lassen. Ein so stimmungsvolles Buch, dass sich die Erinnerung daran beinahe einreiht in die eigenen, persönlichen Erinnerungen und der Gedanke daran fast wie mit Gerüchen unterlegt ist. Ein ganz besonderes Buch und ein helles, in diesen grauen Tagen.

Und für die guten Gerüche und das damit verbundene Wohlbehagen kann man zum Glück etwas tun. Etwa Kochen…

Süßkartoffel Hasselback
Ein wunderbares Rezept, das ich auf dem netten Blog „A Boy from Stoneage“ fand, der immer wieder gute Inspirationen für neue Rezepte bietet, ohne den Leser mit zu viel Chi Chi zu überfordern.

Einziger Unterschied, ich habe in diesem Falle den Knoblauch weggelassen, weil ich eine neutralere Grundlage haben wollte.

2 mittelgroße Süßkartoffeln (ca. 400 Gramm)
2 Teelöffel gehackten Thymian
Salz
Olivenöl

  • Den Backofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Die Süßkartoffeln gründlich waschen und in feine, gleichmäßige Scheiben (ca. 2 Millimeter) anschneiden. Das heißt: Nicht komplett durchschneiden, sondern sie sollen unten verbunden bleiben.
  • Nun den Thymian und das Salz in die Spalten streuen und alles mit Olivenöl beträufeln.
  • Dann für 45-55 Minuten in den Ofen, bis die Süßkartoffel gar ist. Auf der Hälfte der Zeit die Scheiben etwas auffächern. Sieht schöner aus und man sieht besser ob sie durch sind.
  • Eine perfekte Beilage, die auch gut zu Pastete oder Ähnlichem passt.

Guten Appetit!

Neofeudalismus zum Wochenende und ein Glücksschwein mit Ingwer und Orange

Schwein mit Ingwer und OrangeZurück aus dem Tritt. Die viele Unterwegsseierei bringt mich ins Stolpern. Dasselbe passiert mir aber auch, wenn ich auf menschliche Wesen treffe, die sich soweit abseits meines eignen Wertesystems und Verständnisses bewegen, dass ich hart kämpfen muss, verständnisvoll zu bleiben. In diesem speziellen Falle bin ich tatsächlich einfach mal der festen Überzeugung mich in einem gesünderen Rahmen zu bewegen, mit dem was mich antreibt, wie ich anderen Menschen begegne und was mich beeinflusst bestimmte Entscheidungen zu treffen.

Der Einblick in den Abgrund war selbst gewählt. Im Rahmen eines Projektes, in dem wir uns engagieren, hatten wir das zweifelsohne zweifelhafte Vergnügen an der Netzwerkveranstaltung einer größeren Stiftung teilzunehmen. All das in der bayerischen Hauptstadt.

Diese elegant spießige Schickeria-Perle unter den Landeshauptstädten, die ich immer nur im Rahmen der Arbeit besucht habe und dabei Eindrucksfetzen eingesammelt habe, die mich privat nicht wiederkommen ließen. Sicher zu unrecht, aber manchmal geht es so – man wird nicht warm und trifft sich immer im falschen Moment, auf dem falschen Fuß, das setzt sich fest.

Also ab gen Süden, emotional weit entfernt liegt dieser mittlerweile deutlich näher als die Hauptstadt, ein Fakt, über den ich noch immer stolpere. Die geographische Wahrnehmung hatte sich emotional verzerrt während der langen Jahre im gefühlten Dreh- und Angelpunkt Berlin.

Während meiner Zeit in der Hauptstadt und im nervenzehrenden Prozess, nach der Uni einen Fuß auf den unebenen Boden der Berufstätigkeit zu bekommen, gab es eine Zeit, in der ich dachte, es wäre erstrebenswert dazu zu gehören. Zu den besagten Netzwerken. Denn auch im Dunstkreis von Politik und Wirtschaft merkt man schnell, dass die richtigen Kontakte und Seilschaften ein Karriere-Antrieb sein können, der in der Wirkung recht konkurrenzlos ist.  Hat man sie nicht, strampelt man sich dann jahrelang im gutbezahlten Mittelbau ab, betraut mit vermeintlicher Verantwortung und wichtigen Aufgaben, aber über eine bestimmte Linie wird man ihn nur schwer heben können, den Kopf. Mit der Erkenntnis, dass das erfolgreich beendete Studium und die richtige Auswahl an Nebentätigkeiten eben nicht alles ist, setzte erst einmal ein tiefes Gefühl der Ungerechtigkeit ein. Wie unfair! So wird das nichts… Die anderen… Und schon haben sie einen da, wo man uns haben will. In der 50-60 Stundenwoche. In der jede Gehaltsverhandlung unseren Wert bemisst und das berufliche Vorankommen sich vor allem daran bemisst, dass die Gegenstände um einen herum immer kostspieliger werden. Wir haben uns das jetzt verdient, arbeiten hart und konsumieren mit ruhigem Gewissen. Und mit jedem Paar Schuhe, das preislich eine neue Kategorie aufmacht (nur eine Ausnahme, Belohnung,…) und jeder neuen Tasche fürs Büro und jedem Gadget, das zeigen soll, wer wir sind und wo wir stehen, werden wir unbeweglicher und unflexibler… Denn wer möchte das aufgeben? Das definiert doch ganz stark, wie weit wir gekommen sind, was sollen die anderen denken, unsere finanzielle Sicherheit ist tatsächlich ein Verwobensein in Abhängigkeiten. Und so wird weiter gebuckelt und nur all zu viele werden zu bereitwilligen Stiefelleckern, für ein paar Krumen Status, die man vor sich hertragen kann. Wir können gar nicht anders. Wir gehören dazu. Vor allem in den Städten, in denen Politik und Wirtschaft, die Elite unseres neofeudalistischen Systems, ihre Bühnen haben.

Die Akteure, die diese Bühnen bevölkern, konnten wir nun ausgiebigst und ganz unverblümt am Wochenende erleben. Führungspersönlichkeiten sind sie und sie dürfen sich auch noch mit dem Attribut der vorbildhaften Verantwortlichkeit schmücken. Wenn das unsere gesellschaftlichen Leitfiguren sein sollen, ach ja, sie sind es bereits. Dann gibt es mehr als genug Grund zum Gruseln. Auch Gäste waren anwesend, Fach und Führungskräfte und alle unter der inhaltlichen Klammer, jungen Projekten mit gesellschaftlichem Mehrwert auf die Beine zu helfen. Damit auch klar ist, dass starke Ideen gleich in der richtigen Ecke stehen. So viele erfolgreiche Menschen, von wem möchte ich lernen? Dem Berater, der freudestrahlend erzählt, wie er den Privatisierungsgeier durch deutsche Landschaften jagte?  Ach ja, nach 60.000 innerdeutschen Flugmeilen weiß man ja erst so richtig, was man geleistet hat… Oder vielleicht lässt man sich vom blaublütigen Schmierblattpersonal noch mal etwas mehr über Demokratieverständnis, Volksparteien und Verantwortung erzählen, der deutsche Adel ist ja bekannt für seine historische Bedeutung als Rückgrat der Demokratie (verdammt, was hätte man ohne eine positive Stauffenberg-Rezeption bloß getan). Oder hänge ich mich an den Wirtschaftspsychologen, der  mit kalten Augen lachend erzählt, sein Spezialgebiet wären Verhandlungen und Manipulation. Oder doch die Marketingverantworliche des Saatgutherstellers, der ein Gewissen fremd sein dürfte und wenn doch etwas piekst, wandert eben die nächste namhafte Tasche ins Regal und menschliche Regungen werden in Marketing-Floskeln aufgelöst. Und überhaupt, man ist ja jetzt hier und bringt sich ein… Herzlichen Dank auch, ich gehe beruhigt schlafen, wenn ich solch sympathisch narzisstische Persönlichkeiten an gesellschaftlichen Schaltstellen weiß. Und wenn dazwischen noch grünlich schillernde Politikhoffnungen den Stiefellecker geben und Jungunternehmer ihre Arbeitnehmer in Ressourcen denken, während sie sich gelangweilt die Rolex ums Handgelenk drehen und so mancher Teilnehmer leise die Hoffnung äußert, die Teilnahme wäre der erste Schritt zur Aufnahme ins erlauchte Netzwerk. Nein, da möchte ich nicht dazugehören. Nicht, dass man von Interesse wäre, die Leute haben gelernt über Körpersprache in Gesprächsrunden schnell deutlich zu machen wer interessant ist, hofiert wird, und wer nicht von Belang isr. Das kratzt mich nicht. Aber das unhöfliche Benehmen stößt mir auf, ebenso wie die dezent versteckten Witze, die nur die machen können, die wissen, dass sie nicht fallen werden und denen es auch weiterhin gut gehen wird, weil sie dafür sorgen.

Und wenn es einen innerlich dann fast explodieren lässt, denn so viel Scheinheiligkeit, Kaltschnäuzigkeit und Menschenverachtung in einem Raum sind schwer auszuhalten, wenn man es zulässt darüber nachzudenken, dann bleibt die Flucht vor die Tür und ein kleiner Zigarettenmoment.

Dann bliebe dieser Moment, stünde man nicht gerade vor einem der traditionsreichen Hotels der Stadt, dessen Nachtclub die Schickeria anzieht. Und statt durchzuatmen und dem Kopf einen Moment der Flucht zu erlauben, bleibt der Blick ungläubig an schmierlappigen, aufgedunsenen Männern Ende 40 hängen, denen es quasi aus der Nase staubt und deren austauschbaren kleinen Freundinnen, die auf höchsten Hacken ihr Revier verteidigen und sich gegenseitig  schonungslos vermessen. Zu welchen Zugeständnissen bringt einen die Aussicht auf eine gewisse Sorglosigkeit? Und sehen die nicht die Austauschbarkeit ihrer Rolle? Aber in  traditionsreichen Hallen findet dann eben zusammen, was zusammengehört, Männer, an denen nichts attraktiv scheint (Charme, Intelligenz und eine positive Ausstrahlung sind hier nur sehr versteckt anzutreffen) außer einem gewissen Spielraum und dem Ausblick auf die nächste Designerhandtasche und die Perspektive Ski-Urlaub in angemessenem Rahmen und als Gegenstück die zurecht gemachten Weibchen, die sich an das Vergänglichste klammern, was sie haben, das Äußere, und deren teures Parfüm nicht ankommt gegen die Aura des inhaltsleeren Abziehbilds mit eisernem Willen.

Und als der Kopf dann nicht mehr wollte und die Höflichkeit es erlaubte, wurde der Rückzug angetreten und der bedeutete eine große Prise willkommener Realitätscheck. Dank umfassender Ortsunkenntnis befand sich die Ferienwohnung für das Wochenende im Münchener Osten und dort in dem, was wohl Münchner Sozialbau entspricht. Gepflegt, aber eben 35 Einzimmerapartments auf einem Flur. Kleine Kaninchenställe, Heimat von Menschen und nicht immer nur einem. Bonjour Tristesse, das heißt es für die Bewohner bei jedem Gang vor die Tür und jeder Heimkehr nach einem Arbeitstag. Da bleibt kein Platz sich in den eigenen vier Wänden auszuleben. Da herrscht ein Mangel an Raum und es bleibt der Blick aus dem einen Fenster, das zu jeder dieser Wohnungen gehört.  Mir fällt es schwer in solchen Moment ein Argument dafür zu finden, warum ich mehr Raum verdient haben sollte als all diese Menschen. (Habe ich nicht.) Und ich weiß, dass nur allzu viele Menschen sich solche Fragen gar nicht erst stellen. Mehr, mehr, mehr … zuallererst für sich und dann irgendwann der Blick über den Tellerrand (natürlich im Rahmen), denn der gehört ja dazu. Architektonisch bewandert, würde  dieser fragwürdige Bau, der Wohnstatt erschreckend vieler Menschen ist, dann noch einer bestimmten architektonischen Schule zugeordnet werden. Ein interessierter Blick von der unberührten Metaebene und zurück in die eigene Behaglichkeit.

Das fällt mir schwer nach solchen Eindrücken. Umso wichtiger finde ich es solche Dinge immer wieder einmal zu erleben. Wach zu bleiben. Und es mir nicht zu bequem zu machen hinter den Scheuklappen der Behaglichkeit.

Wenn der Kopf dann wieder aufnehmen kann, und sich der Knoten etwas gelöst hat, heißt es nicht stagnieren und sich nicht lähmen lassen, sondern es weiter und anders machen und neue Wege finden.

Und manchmal reicht so eine herzerfrischende Kleinigkeit wie ein Essen mit lieben Menschen, um aus dem Stolpern zu kommen.

Glückliches Ingwer-Orangen-Schwein mit Weißwein
Ich habe lange Zeit kein Schwein gegessen. Zu oft war da dieser unangenehme Beigeschmack und Geruch. Das war Haltung und Schlachtung geschuldet. Glückliche Schweine hingegen waren eine echte Wiederentdeckung. Stressfrei geschlachtet, mit sozialen Kontakten und Bewegungsmöglichkeiten. Und vor allem einer entspannten Aufzucht ohne Kraftfutter und Wachstumshormone, die einfach nur für schnelle Fleischberge sorgen. Aber für den Geschmack und für die Verantwortung den Tieren  gegenüber und auch aus Respekt vor den Bauern, lohnt es sich zu suchen (auf Märkten und im Internet) und sich eine vertrauenswürdige Quelle zu suchen.

1 Kilo Schweineschulter
Ein großes Stück Ingwer (7 Zentimeter)
3-4 Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch, gehackt
4-5 große Lorbeerblätter
2 Teelöffel Senfkörner
2 Teelöffel Koriandersamen
Saft von zwei Orangen
0,5 Liter trockenen Riesling 
Salz
Pfeffer
Eine halbe getrocknete Chilischote
Kokosöl

  • Das Fleisch salzen und Pfeffern und im heißen Kokosöl im Bräter von allen Seiten scharf anbraten.
  • Die Zwiebeln vierteln und den Ingwer und den Knoblauch fein hacken und mit den Zwiebeln ins heiße Öl zum Fleisch geben und anbraten, bis die Zwiebeln leicht glasig sind.
  • Nun mit dem Weißwein ablöschen, den Orangensaft dazugeben, sowie die Lorbeerblätter, den Koriander und die Senfkörner. Noch etwas pfeffern und salzen und eine halbe Chilischote dazu.
  • Denn Deckel auf den Bräter und gute zwei Stunden schmoren passen.

Dazu passen Petersilienwurzeln und Möhren mit Thymian aus dem Ofen und ein schlichter Feldsalat.

Guten Appetit!

Mutiges Kapital, menschliches Kapital – Sehnsucht nach Wald und endlich wieder Ketchup

ketchup_collageMir ist heute so Wald. Ich möchte raus in das Grau und zwischen hohen Stämmen im Nebel verschwinden und den Geruch nach nassem Laub und Wintererde genießen. Bis der Kopf sich etwas entspannt hat. Der rotiert nämlich. Und ist zu viel unterwegs. Das Unterwegs hat seinen Reiz, keine Frage, aber ich bin so gerne daheim.  In meiner vertrauten Umgebung, mit Dingen, mit denen ich mich beschäftigen mag und kleinen Glanzlichtern, wie gutem Essen, einem Buch oder Spaziergang… Ich hetze mich nicht gerne. Obwohl ich immer pünktlich sein mag und dann leider andere hetze… Ich arbeite dran. Aber ich kann nichts dafür, ich finde eine gewisse Pünktlichkeit sehr nett und respektvoll, aber manchmal muss ich auch bewusst die Liste im Kopf abschalten. Es gibt ein Zuviel des Zeitmanagements. Ich bin da ja eh immer skeptisch, jeder hat da so seine Tipps von einschlägigen Vorträgen, aber man muss doch selber testen, was für einen passt… Aber das sind so die beliebten Säue, die durch die Dörfer der Management Techniken gehetzt werden. Mal sind wir alle ein großes Orchester, dann wieder sollen wir gemeinsam Kochen, oder nur unsere Zeit anders organisieren für ein besseres, sprich in Zahlen messbar effektiveres Miteinander-Aneinandervorbei-Arbeiten. Es schein alles unterliegt gewissen Moden. Auch der Umgang mit dem Humankapital…. Denn wir sind mittlerweile Ressource. Aber so richtig stört sich keiner dran.
Es schüttelt mich innerlich, wenn ich dem immer neu verdrehten Fachjargon lausche und sie innerlich die Hände reiben sehen, die gut bezahlten Optimierer und Mediatorenköpfe, die mit all ihren Systemen und Wortschöpfungen doch nicht vorbei kommen an der menschlichen Natur und nur Pflaster kleben im reibungsreichen Miteinander. Die nächste Mode wird es richten. Die nächste wirkungsvolle Grinse-Initiative, die zeigt, wie sehr man sich oben um die Ressourcen weiter unten bemüht.  Ganz weg bin ich nicht davon. Berufsbedingt und weil ich finde, dass es wichtig ist zu verstehen, was uns alles aufgetischt wird.  Denn wenn immer mehr initiiert und möglich gemacht wird und man sich umhört und doch wieder auf viel Erschöpfung trifft, dann scheint die Lösung weiter verkannt, nicht in Sicht, nicht von Interesse, weggeschlossen… Wer weiß das schon.

Mal sollten es die High Potentials sein, das ist jetzt aber irgendwie fast schon wieder so Anfang 2000, jetzt sollen sie gefälligst einen sozialen Mehrwert schaffen, die neuen Jungen.
Jedenfalls wird wieder und wieder jede neue Generation vermessen und mit Attributen versehen und bekommt ihre Techniken und Lösungsmodelle offeriert, meist in den mehr oder weniger subtilen Verlockungen eines bestimmten Lebensgefühls und Stils. Alle werden wir eingefangen früher oder später, bekommen unsere kleinen Austobeflächen, wo wir persönliche Freiheit zelebrieren und bewussten Konsum und persönlichen Stil als Mittel der Abgrenzung, individuellen Ausdruck und uns einzig möglich scheinenden Widerstand sehen. Raffiniert. Kaufen mit gutem Gewissen… solange wir nur kaufen. Und wenn das nicht reicht, dann müssen wir, oder besser die neuen Jungen, zu gänzlich neuen Unternehmern werden und in Engagement und gesellschaftlichem Umgestaltungs-Willen aufgehen. Und da werden sie geschluckt, viele von den guten Ideen, in Förder-Initiativen und Institutionen, die eben auch nicht frei von politischer Agenda sind, wenn man den Schritt zurück tut und schaut, wer wo beteiligt ist, fördert, unterstützt. Es ist wichtig, dass Gelder für Innovationen zur Verfügung stehen, mutiges Kapital. Und ich streite auch nicht ab, dass es wahre Philanthropen mit hehren Motiven gibt. Aber wenn das Geld für gute Ideen – und auch diese brauchen oftmals Kapital – in der Mehrzahl von Konzernen kommt, dann wurde da eine Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aufgegeben, die wir nicht zurückbekommen. Das darf aber keine Entschuldigung sein, sich nicht zu engagieren. Wenn ich kein Geld geben kann, dann doch zumindest etwas anderes, wovon ich vielleicht mehr habe als andere. Sei es Zeit, oder Ideen, oder eine bestimmte Expertise. Und dann kann ich mich auf der Ebene einbringen und eine Wirkung erzielen, die Sinn macht – im direkten Kontakt mit Menschen. Statt nur wieder darüber zu lesen und zu erzählen. Dann habe ich vielleicht einmal die Woche noch weniger Zeit für mich, aber habe mich als Ressource auch einmal selbstbestimmt eingesetzt.  Es wird einem schwer gemacht. Selbst die Diskussion um Ehrenamt und persönliches Engagement scheint vergiftet, wie kritisch soll man sein in der Wahl der Träger und Organisationen? Wer treibt sich mit den Bösen rum, wer ist so richtig echt? Und zack, wieder weniger Bereitschaft, oder Bereitschaft kanalisiert in den Mainstream. Ich habe einen ziemlichen Respekt vor dem, was viele Menschen da mit viel Herzblut auf die Beine stellen, weil sie einen Bedarf sehen, weil sie persönlich betroffen sind, weil sie bestimmte Werte leben und nicht nur predigen… Ohne an den eigenen Vorteil zu denken, was bringt mir das, sondern was kann ich tun. Und dann kommt immer jemand daher, der es besser weiß, der sich profilieren muss, der ein zartes Pflänzchen des gemeinsamen Tuns unbedingt in eine Bühne für das Selbst umbauen muss… Aber so sind wir kleingeistigen Menschlein. Reizend und manchmal zum Kotzen, aber abschrecken darf es uns nicht, nur besonders selbstbezogene Exemplare darf man auch ruhigen Gewissens ins Leere laufen lassen und einfach weitermachen. Wie das Wasser sein, oder das grüne Gras. Einfach in der Sonne strahlen, ohne Tamtam. Da sein und tun.

Und zur Belohnung dann doch mal böse Speisen nachbauen…

Ketchup (Vorrat)

400 Gramm Tomatenmark
Wasser
Apfelessig
Xucker
Salz
1 Schalotte, sehr fein gehackt
1 Zehe Knoblauch, sehr fein gehackt
kräftiges Currypulver

Das Tomatenmark mit Wasser glatt rühren, bis es dickflüssig ist (ca. 120 ml) und mit der wirklich sehr sehr fein gehackten Schalotte (bis sie fast püriert ist) und dem entsprechend feinen Knoblauch und 1-2 Teelöffeln verrühren. Eine Prise Salz dazu und zwei Esslöffel Apfelessig, sowie 2-3 Esslöffel Xucker und 1-2 Esslöffel Curry

Die Mischung aufkochen und unter gelegentlichem Rühren ca. 10 Minuten einköcheln lassen. Dann probieren und den Geschmack  nach Belieben verfeinern. Mancher mag mehr Xucker, der andere mehr Essig oder noch etwas Chili zum Curry – ausprobieren!

Noch weitere 10 Minuten köcheln lassen.  Und in Gläser füllen, abkühlen lassen und in den Kühlschrank.

Perfekt zu Fleischfondue, Omelette, Merguez, Chips….. 

Guten Appetit

Berlin – eine angerostete Liebe, die nach Bier riecht und nach Chips schreit (orientalische Topinambur und Süßkartoffel Chips)

Paleo ChipsIch bin jetzt also wieder Tourist. Es scheint, ich habe die unsichtbare Grenze zwischen einstiger Bewohnerin der großen Stadt Berlin und gelegentlicher Besucherin nun wieder zurück in Richtung Tourist überschritten. Verdammt, all die Anstrengungen umsonst… Nein, aber deutlich wahrzunehmen, wie anders ich die Leute in Cafés und Geschäften wahrnehme. Oder vielleicht sind es nicht die Leute, sondern ich selber… Vielleicht hetze ich nicht mehr zielstrebig durch Berlin und bewege mich nicht mehr mit der hart erarbeiteten Selbstverständlichkeit durch Menschenmengen auf Bahnsteigen und an latent genervtem Bar- und Ladenpersonal vorbei. Das Tempo ist wieder langsamer. Ich will zwar wohin, aber ich schaue auch wieder mehr. Habe plötzlich Lust auf Ecken von Berlin, in die ich in über 14 Jahren selten einen Fuß gesetzt habe. Berlin hat so viele Inseln, auf denen man es sich schön einrichten kann, ohne das große Ganze im Blick, hier findet jedes Tierchen sein Plaisierchen und man kann einen stadtteilbezogenen Lokalpatriotismus bestaunen, wie man ihn in der (vielfach) kleinstädtischen Heimat mit Grausen abgelehnt hat. Ich könne doch nicht so schlecht von Berlin sprechen, sagte mir einmal ein lieber Mensch. Tue ich das denn? Es ist eher eine Verschiebung der Wahrnehmung und der persönlichen Prioritäten. Und ich finde es eher erschreckend, wenn ich mit dem Wegzug aus Berlin das Recht auf eine Meinung zur Stadt verloren hätte. Nachdem man sie so lange heiß und innig geliebt, verflucht, aber doch immer verteidigt hat. Berlin, diese treulose Seele, der es Wurst ist, wer sie gerade belagert, bewohnt und formen will. Berlin, selbst so eine ehemalige Pomeranze, die heute verwischten Kajal statt rosiger Apfelbäckchen trägt. Es ist keine Abrechnung mit dem Ort, an dem ich irgendwie erwachsen geworden bin, auch wenn die Stadt eine wahre Oase der sorglosen Lebensgestaltung sein kann. Berlin war Zuhause und ist noch immer der Ort, an dem so viele liebe Menschen wohnen, dass jeder Besuch in der alten Heimat zu einem Termin-Jonglier-Akt wird.

Aber wie in so mancher Beziehung haben die Stadt und ich unsere heiße Phase hinter uns und ich bin gegangen, bevor die Nörgeleien des Beziehungsalltags den Blick verstellten. Und unverstellter ist er nun, der Blick, und ich habe das Gefühl, Berlin hat beim Wegzug noch schnell die rosarote Brille eingehalten, denn irgendwie strengt sie mich an, die schäbige Grande Dame mit dem kreativen Bauchgefühl, dem verschwindenden und oft nur  künstlich herbei geredeten Charme der  Arbeiterin mit der politischen Gesinnung und den Schwielen vom Kohletragen in den vierten Hinterhof… Berlin, die Heimat und Station so vieler schreibender Köpfe war, dass jeder sich mit Berlin-Zitaten und Beschwörungen zudecken kann, ohne einmal einen eigenen Gedanken zur Stadt zu äußern. Berlin, die in Beton und Stein gegossene Geschichte eines Landes. Eine städebauliche Kuriosiät, ein Kaleidoskop der jüngsten Geschichte, das Raum für neue Ideen bot und durch dessen  gebildete Wohnzimmer das Gespenst der Gentrifizierung zieht. Ist man jung, braucht man die billigen Mieten, wird man älter, soll das Kind dann doch woanders (besser) in die Schule gehen – ein wenig Zerrissenheit und Schizophrenität prägen wohl nicht nur der Geist der Stadt, sie übertragen sich auch auf ihre Bewohner.

Berlin, das sind auch ewige Baustellen und nicht mehr enden wollende Touristenströme. Das ist ganz viel warmes Gefühl im Bauch, wenn die Sonne aufgeht und miese Laune, wenn der Winterwind durch die Straßen fegt. Berlin, das ist ganz viel Leben, das man einsaugen möchte und es kann einen allein und einsam ausspucken, wenn man nicht mehr kann, oder traurig ist. Unter den Freundinnen ist Berlin wohl die, die als schlechter Einfluss gilt. Die, mit der man irgendwelche Wahnsinnstaten unternimmt und sich unheimlich lebendig fühlt, die einen aber lässig grinsend mit Rechnung sitzen lässt, sich den alten Nagellack vom Finger zupft und dem nächsten schöne Augen macht. Und dann kommt der Punkt, an dem Berlin für einen eben nicht mehr Sommersprossen trägt, sondern Falten und Spuren einer verlebten Dame. Das hat auch seinen Reiz. Aber manche alte Menschen sind sonderlich und man sieht sie lieber nicht zu häufig. So geht es mir. Und so bin ich aus dem Lager der Berlin-Enthusiasten gewechselt, in das Lager derer, die runter wollen von der urbanen Insel mit ihren Abenteuern und ihren eben auch vielen leeren Versprechungen.  Und ja, auch ich verspüre einen viel stärkeren Drang, mir öfter die Hände zu waschen, wenn ich einen Tag in Berlin unterwegs bin… Und ich habe ein Verständnis entwickelt für Leute, die sagen, Berlin muss nicht sein, oder nicht zum Leben, oder , oder… ich sehe jetzt ein, dass man nicht in Berlin gewesen sein muss. Aber man kann. Und  dann kann man darüber nachdenken und schmunzeln, dass die Lebedame einen nie ganz loslassen wird. Sie nimmt nur einen anderen Stellenwert ein.

Und das wäre dann ein guter Moment für ein Bier. Wenn man Bier trinkt. Ein bisschen gut-schlechtes Fastfood tut es aber auch… Chips.

Orientalische Topinambur und Süßkartoffelchips

Für eine große Schale rechne ich mit entweder 600 Gramm Topinambur und/oder Süßkartoffeln
Kokosöl
Salz
Chiliflocken
Gemahlene Nelken
Gemahlener Kreuzkümmel
Zimt

  • Die Knollen unter fließendem Wasser gründlich schrubben und von Stellen befreien aber nicht schälen. Dann in feine dünne Scheiben schneiden. Möglichst gleichmäßig in der Dicke.
  • In einem Top Kokosöl erhitzen (etwa drei Zentimeter hoch haben bei mir gereicht), bis es richtig siedet, wenn man ein Stück Gemüse reinhält.
  • Nun nacheinander das Gemüse in Portionen frittieren, so das immer alles gut mit Öl bedeckt ist. Bis die Scheiben bräunen und sich leicht wellen. Chips-Esser erkennen den Zeitpunkt! Dann schnell raus damit, bevor sie zu dunkel werden und auf Küchenkrepp abtropfen lassen und in einer Schale sammeln.
  • Nun die Chips großzügig salzen und mit Chiliflocken, zwei Prisen Nelkenpulver, etwas Zimt und Kreuzkümmel würzen.

Dazu passt gut ein bisschen Pâtè, Rillettes  oder ein Auberginen-Dip….

Guten Appetit!

Loslegen und zarte Zitronen-Forellen

Paleo ins neue JahrSchon gemerkt? Fühlt sich gar nicht neu und anders an. Momentan nur sehr entspannt. Das Tempo ist noch zurückgeschraubt, trotz sich drängelnder Termine. Der Kopf steckt noch voller Schneeverwehungen und frischer Luft, aber der Alltag steht schon in der Tür und  wird die Schüchternheit wohl allzu schnell abgelegt haben.

Statt Kommunikationskonzepte zu durchdenken, möchte der Kopf gerade lieber noch um gutes Essen und jene Bücher kreisen, die wunderbarerweise die Urlaubstage unberührt überstanden haben – dann bleibt wohl noch was für die kommenden dunklen Abende, die zwischen jetzt und dem Hell stehen. So viele gute Bücher, da steht mir das Schlafbedürfnis manchmal im Weg. Aber alles zu seiner Zeit.

Auch wenn das manchmal nicht leicht fällt, wenn man Zeuge eines Gespräches wird, in dem sich voller Stolz der volle Tagesplan mit den zig Freizeitvorlieben und Betätigungen um die Ohren gehauen wir.
Sollte ich doch vielleicht, nur eine Stunde noch, so einen total durchgeplanten Tag mit Arbeit, Schreiben, Lesen, Nähen, Sport und und und… Da möchte ich manchmal gerne fragen, was an Raum bleibt. Raum um sich einzulassen, zuzuhören und etwas reinzugeben. Raum auch für Leerlauf, den besten Motor für Kreativität, wenn man den Leerlauf positiv besetzt und nicht als Makel sieht.  Oftmals habe ich mich gelähmt gefühlt, wenn mir jemand erzählt hat, was alles möglich ist und ich dann feststellen musste, dass ich vor allem damit beschäftigt war, mich selber unter einen Hut zu kriegen. Mittlerweile habe ich all diese Teile vom Ich ganz gut zusammengefügt und es bleibt der Raum für vieles anderes, aber plötzlich ist es mir nicht mehr so wichtig, so viel zu machen. Was vielleicht daran liegt, dass es mir bei den Dingen, die ich tue, tatsächlich um mich geht. Niemand muss mögen, was ich koche, niemand ist gezwungen zu lesen, was ich schreibe, meine Hobbys spielen sich im Privaten ab. Mach ich ja auch so bei anderen. Wäre ja sonst auch kaum auszuhalten. Ich glaube, wir sind es uns selbst schuldig genau zu schauen, welchen der ständig strömenden Sinneseindrücke wir uns aussetzen und uns entsprechend auch zu entziehen. Nicht durch Verdrängung oder Augenverschließen, aber durch gelegentliches geflissentliches Ignorieren. Tut gut. Und tut niemandem weh. Und wenn es jemandem weh tut, dann ist das, nur zu oft, das Problem der anderen.

Tatsächlich, der Jahreswechsel war keine Zäsur, auch wenn das einem gerne so eingeredet wird, als ob man in der Neujahrsnacht alles auf null zurückdrehen und plötzlich anders machen könnte. Das geht tatsächlich jeden Tag, das Ändern. Und so unbequem es manchmal sein mag, ziehe ich es vor das zu leben, was ich sage. Ich sehe mich nicht als moralische Instanz, die beurteilen darf und kann, wie andere sich aufführen sollten, das wäre furchtbar und unglaublich anstrengend in einer Gesellschaft wie der unseren, aber mit offenen Augen und einem Hang zur gesunden Reflexion wird doch deutlich, wie vieles im Zwischenmenschlichen im Argen liegt und wie oft der Schlüssel dort liegt, im Umgang mit unseren tatsächlichen Nächsten und nicht auf einer wohlklingenden Metaebene, die uns reden, aber nicht entsprechend handeln lässt. Und so wurde so manches persönliche neue Jahr sicherlich mit hehren Vorsätzen und Zielen überfrachtet und der Weg hin zum Sich-unter-Druck-setzen und eventuellen Enttäuschungen ist vorgezeichnet.

Aber im Grunde wäre jeder frei, diese Entscheidungen jederzeit zu treffen und auch umzusetzen. Der freiwillige Neujahres-Selbstbetrug (ja, jetzt wird alles anders, besser, langsamer, aktiver, bewusster, leichter, netter, kreativer, blablabla…) zeigt schon sein wahres Gesicht. Die sozialen Netzwerke zeigen wie viel Menschen jetzt schon Scherze über gute Vorsätze machen und sich wappnen, nach innen und außen, wenn es dann nicht so klappen sollte, wie man sich das selbst im Stillen versprochen hat. Es geht nicht darum zu verstummen und alles für sich zu behalten, aber manchmal denke ich, wir sind heimlich still und leise in die Überzeugung gedrängt worden, dass es unserer Motivation unheimlich förderlich ist, wenn wir alle guten Absichten nur möglichst laut äußern, ebenso wie alles was wir tun gut sichtbar vor uns herzutragen. Und letztlich setzen wir uns (und auch andere) nur selbst unter Druck und strampeln und versuchen dem laut hinausgeschrienem Bild zu entsprechen und trauen uns nicht die Tür zu knallen und zu sagen, dass das Mist ist. Dass es verdammt nochmal nicht so einfach ist, wie es aussehen mag. Dass Nähen nicht nur ein Spaß sondern auch ein Nähte auftrennen und Kleinklein sein kann, dass ein vergeigtes Rezept einfach scheiße schmecken kann, dass das nach außen strahlende sichere Selbstbild so flüchtig wie ein Spiegelbild im Wasser sein kann, dass man nicht immer alles machen kann, weil man seinen Schlaf braucht, dass man nicht alle Menschen mag, sondern manche ziemlich fies und schädlich findet und und und…

Sich aufregen wäre so einfach, Themen gibt es genug. Aber dann motzt man ja. Oder rechtfertigt sich, oder ist so negativ. Und negativ sind wir ja nicht. Wir suchen ja die Balance in allem… und scheitern immer wieder an den Hürden, die wir selber gesetzt haben.

Also nicht zurück auf Los, sondern weiter gehen und nach interessanten Abzweigen schauen, auch mal mittendrin umkehren, vor allem aber die Augen offenhalten. Und den Geist.

Und nicht vergessen gut zu essen. Für die Energie.

Zitronenforellen mit Thymian
Paleo_ForelleWer die Möglichkeit hat an frische Forellen heranzukommen, sollte sich das nicht entgehen lassen. Denn eine frische Forelle hat einen so zarten Geschmack, dass es gar nicht viel braucht um sie in ein feines schnelles Essen zu verwandeln.

Für die Planung: die Anzahl der Forellen hängt ab von der Größe der Fische. Ich rechne mit 2 bei einer mittelkleinen Größe. Denn viel bleibt nicht an Fleisch.

6 Forellen (am besten beim Händler ausnehmen lassen)
2 Zitronen, schälen und in Stücke schneiden
getrockneter Thymian
Salz
Pfeffer
Butter

  • Die Forellen gründlich spülen und trocken tupfen. Nun mit einigen Zitronenstücken, je einem knappen halben Teelöffel getrocknetem Thymian und etwas Salz und Pfeffer füllen.
  • Großzügig Butter in der Pfanne erhitzen und die Forelle darin 5-10 Minuten (nach Größe des Fisches) von jeder Seite braten. Dabei aufpassen, dass man den Fisch rechtzeitig wendet, damit nicht das zarte Fleisch von den Gräten fällt.

Dazu reicht ein grüner Salat mit Avocado, Tomate und einem knackigen Dressing mit Rotisseur-Senf und feingehackten Charlotten…

Guten Appetit!