Berlin – eine angerostete Liebe, die nach Bier riecht und nach Chips schreit (orientalische Topinambur und Süßkartoffel Chips)

Paleo ChipsIch bin jetzt also wieder Tourist. Es scheint, ich habe die unsichtbare Grenze zwischen einstiger Bewohnerin der großen Stadt Berlin und gelegentlicher Besucherin nun wieder zurück in Richtung Tourist überschritten. Verdammt, all die Anstrengungen umsonst… Nein, aber deutlich wahrzunehmen, wie anders ich die Leute in Cafés und Geschäften wahrnehme. Oder vielleicht sind es nicht die Leute, sondern ich selber… Vielleicht hetze ich nicht mehr zielstrebig durch Berlin und bewege mich nicht mehr mit der hart erarbeiteten Selbstverständlichkeit durch Menschenmengen auf Bahnsteigen und an latent genervtem Bar- und Ladenpersonal vorbei. Das Tempo ist wieder langsamer. Ich will zwar wohin, aber ich schaue auch wieder mehr. Habe plötzlich Lust auf Ecken von Berlin, in die ich in über 14 Jahren selten einen Fuß gesetzt habe. Berlin hat so viele Inseln, auf denen man es sich schön einrichten kann, ohne das große Ganze im Blick, hier findet jedes Tierchen sein Plaisierchen und man kann einen stadtteilbezogenen Lokalpatriotismus bestaunen, wie man ihn in der (vielfach) kleinstädtischen Heimat mit Grausen abgelehnt hat. Ich könne doch nicht so schlecht von Berlin sprechen, sagte mir einmal ein lieber Mensch. Tue ich das denn? Es ist eher eine Verschiebung der Wahrnehmung und der persönlichen Prioritäten. Und ich finde es eher erschreckend, wenn ich mit dem Wegzug aus Berlin das Recht auf eine Meinung zur Stadt verloren hätte. Nachdem man sie so lange heiß und innig geliebt, verflucht, aber doch immer verteidigt hat. Berlin, diese treulose Seele, der es Wurst ist, wer sie gerade belagert, bewohnt und formen will. Berlin, selbst so eine ehemalige Pomeranze, die heute verwischten Kajal statt rosiger Apfelbäckchen trägt. Es ist keine Abrechnung mit dem Ort, an dem ich irgendwie erwachsen geworden bin, auch wenn die Stadt eine wahre Oase der sorglosen Lebensgestaltung sein kann. Berlin war Zuhause und ist noch immer der Ort, an dem so viele liebe Menschen wohnen, dass jeder Besuch in der alten Heimat zu einem Termin-Jonglier-Akt wird.

Aber wie in so mancher Beziehung haben die Stadt und ich unsere heiße Phase hinter uns und ich bin gegangen, bevor die Nörgeleien des Beziehungsalltags den Blick verstellten. Und unverstellter ist er nun, der Blick, und ich habe das Gefühl, Berlin hat beim Wegzug noch schnell die rosarote Brille eingehalten, denn irgendwie strengt sie mich an, die schäbige Grande Dame mit dem kreativen Bauchgefühl, dem verschwindenden und oft nur  künstlich herbei geredeten Charme der  Arbeiterin mit der politischen Gesinnung und den Schwielen vom Kohletragen in den vierten Hinterhof… Berlin, die Heimat und Station so vieler schreibender Köpfe war, dass jeder sich mit Berlin-Zitaten und Beschwörungen zudecken kann, ohne einmal einen eigenen Gedanken zur Stadt zu äußern. Berlin, die in Beton und Stein gegossene Geschichte eines Landes. Eine städebauliche Kuriosiät, ein Kaleidoskop der jüngsten Geschichte, das Raum für neue Ideen bot und durch dessen  gebildete Wohnzimmer das Gespenst der Gentrifizierung zieht. Ist man jung, braucht man die billigen Mieten, wird man älter, soll das Kind dann doch woanders (besser) in die Schule gehen – ein wenig Zerrissenheit und Schizophrenität prägen wohl nicht nur der Geist der Stadt, sie übertragen sich auch auf ihre Bewohner.

Berlin, das sind auch ewige Baustellen und nicht mehr enden wollende Touristenströme. Das ist ganz viel warmes Gefühl im Bauch, wenn die Sonne aufgeht und miese Laune, wenn der Winterwind durch die Straßen fegt. Berlin, das ist ganz viel Leben, das man einsaugen möchte und es kann einen allein und einsam ausspucken, wenn man nicht mehr kann, oder traurig ist. Unter den Freundinnen ist Berlin wohl die, die als schlechter Einfluss gilt. Die, mit der man irgendwelche Wahnsinnstaten unternimmt und sich unheimlich lebendig fühlt, die einen aber lässig grinsend mit Rechnung sitzen lässt, sich den alten Nagellack vom Finger zupft und dem nächsten schöne Augen macht. Und dann kommt der Punkt, an dem Berlin für einen eben nicht mehr Sommersprossen trägt, sondern Falten und Spuren einer verlebten Dame. Das hat auch seinen Reiz. Aber manche alte Menschen sind sonderlich und man sieht sie lieber nicht zu häufig. So geht es mir. Und so bin ich aus dem Lager der Berlin-Enthusiasten gewechselt, in das Lager derer, die runter wollen von der urbanen Insel mit ihren Abenteuern und ihren eben auch vielen leeren Versprechungen.  Und ja, auch ich verspüre einen viel stärkeren Drang, mir öfter die Hände zu waschen, wenn ich einen Tag in Berlin unterwegs bin… Und ich habe ein Verständnis entwickelt für Leute, die sagen, Berlin muss nicht sein, oder nicht zum Leben, oder , oder… ich sehe jetzt ein, dass man nicht in Berlin gewesen sein muss. Aber man kann. Und  dann kann man darüber nachdenken und schmunzeln, dass die Lebedame einen nie ganz loslassen wird. Sie nimmt nur einen anderen Stellenwert ein.

Und das wäre dann ein guter Moment für ein Bier. Wenn man Bier trinkt. Ein bisschen gut-schlechtes Fastfood tut es aber auch… Chips.

Orientalische Topinambur und Süßkartoffelchips

Für eine große Schale rechne ich mit entweder 600 Gramm Topinambur und/oder Süßkartoffeln
Kokosöl
Salz
Chiliflocken
Gemahlene Nelken
Gemahlener Kreuzkümmel
Zimt

  • Die Knollen unter fließendem Wasser gründlich schrubben und von Stellen befreien aber nicht schälen. Dann in feine dünne Scheiben schneiden. Möglichst gleichmäßig in der Dicke.
  • In einem Top Kokosöl erhitzen (etwa drei Zentimeter hoch haben bei mir gereicht), bis es richtig siedet, wenn man ein Stück Gemüse reinhält.
  • Nun nacheinander das Gemüse in Portionen frittieren, so das immer alles gut mit Öl bedeckt ist. Bis die Scheiben bräunen und sich leicht wellen. Chips-Esser erkennen den Zeitpunkt! Dann schnell raus damit, bevor sie zu dunkel werden und auf Küchenkrepp abtropfen lassen und in einer Schale sammeln.
  • Nun die Chips großzügig salzen und mit Chiliflocken, zwei Prisen Nelkenpulver, etwas Zimt und Kreuzkümmel würzen.

Dazu passt gut ein bisschen Pâtè, Rillettes  oder ein Auberginen-Dip….

Guten Appetit!

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Ein Gedanke zu “Berlin – eine angerostete Liebe, die nach Bier riecht und nach Chips schreit (orientalische Topinambur und Süßkartoffel Chips)

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