Mutiges Kapital, menschliches Kapital – Sehnsucht nach Wald und endlich wieder Ketchup

ketchup_collageMir ist heute so Wald. Ich möchte raus in das Grau und zwischen hohen Stämmen im Nebel verschwinden und den Geruch nach nassem Laub und Wintererde genießen. Bis der Kopf sich etwas entspannt hat. Der rotiert nämlich. Und ist zu viel unterwegs. Das Unterwegs hat seinen Reiz, keine Frage, aber ich bin so gerne daheim.  In meiner vertrauten Umgebung, mit Dingen, mit denen ich mich beschäftigen mag und kleinen Glanzlichtern, wie gutem Essen, einem Buch oder Spaziergang… Ich hetze mich nicht gerne. Obwohl ich immer pünktlich sein mag und dann leider andere hetze… Ich arbeite dran. Aber ich kann nichts dafür, ich finde eine gewisse Pünktlichkeit sehr nett und respektvoll, aber manchmal muss ich auch bewusst die Liste im Kopf abschalten. Es gibt ein Zuviel des Zeitmanagements. Ich bin da ja eh immer skeptisch, jeder hat da so seine Tipps von einschlägigen Vorträgen, aber man muss doch selber testen, was für einen passt… Aber das sind so die beliebten Säue, die durch die Dörfer der Management Techniken gehetzt werden. Mal sind wir alle ein großes Orchester, dann wieder sollen wir gemeinsam Kochen, oder nur unsere Zeit anders organisieren für ein besseres, sprich in Zahlen messbar effektiveres Miteinander-Aneinandervorbei-Arbeiten. Es schein alles unterliegt gewissen Moden. Auch der Umgang mit dem Humankapital…. Denn wir sind mittlerweile Ressource. Aber so richtig stört sich keiner dran.
Es schüttelt mich innerlich, wenn ich dem immer neu verdrehten Fachjargon lausche und sie innerlich die Hände reiben sehen, die gut bezahlten Optimierer und Mediatorenköpfe, die mit all ihren Systemen und Wortschöpfungen doch nicht vorbei kommen an der menschlichen Natur und nur Pflaster kleben im reibungsreichen Miteinander. Die nächste Mode wird es richten. Die nächste wirkungsvolle Grinse-Initiative, die zeigt, wie sehr man sich oben um die Ressourcen weiter unten bemüht.  Ganz weg bin ich nicht davon. Berufsbedingt und weil ich finde, dass es wichtig ist zu verstehen, was uns alles aufgetischt wird.  Denn wenn immer mehr initiiert und möglich gemacht wird und man sich umhört und doch wieder auf viel Erschöpfung trifft, dann scheint die Lösung weiter verkannt, nicht in Sicht, nicht von Interesse, weggeschlossen… Wer weiß das schon.

Mal sollten es die High Potentials sein, das ist jetzt aber irgendwie fast schon wieder so Anfang 2000, jetzt sollen sie gefälligst einen sozialen Mehrwert schaffen, die neuen Jungen.
Jedenfalls wird wieder und wieder jede neue Generation vermessen und mit Attributen versehen und bekommt ihre Techniken und Lösungsmodelle offeriert, meist in den mehr oder weniger subtilen Verlockungen eines bestimmten Lebensgefühls und Stils. Alle werden wir eingefangen früher oder später, bekommen unsere kleinen Austobeflächen, wo wir persönliche Freiheit zelebrieren und bewussten Konsum und persönlichen Stil als Mittel der Abgrenzung, individuellen Ausdruck und uns einzig möglich scheinenden Widerstand sehen. Raffiniert. Kaufen mit gutem Gewissen… solange wir nur kaufen. Und wenn das nicht reicht, dann müssen wir, oder besser die neuen Jungen, zu gänzlich neuen Unternehmern werden und in Engagement und gesellschaftlichem Umgestaltungs-Willen aufgehen. Und da werden sie geschluckt, viele von den guten Ideen, in Förder-Initiativen und Institutionen, die eben auch nicht frei von politischer Agenda sind, wenn man den Schritt zurück tut und schaut, wer wo beteiligt ist, fördert, unterstützt. Es ist wichtig, dass Gelder für Innovationen zur Verfügung stehen, mutiges Kapital. Und ich streite auch nicht ab, dass es wahre Philanthropen mit hehren Motiven gibt. Aber wenn das Geld für gute Ideen – und auch diese brauchen oftmals Kapital – in der Mehrzahl von Konzernen kommt, dann wurde da eine Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aufgegeben, die wir nicht zurückbekommen. Das darf aber keine Entschuldigung sein, sich nicht zu engagieren. Wenn ich kein Geld geben kann, dann doch zumindest etwas anderes, wovon ich vielleicht mehr habe als andere. Sei es Zeit, oder Ideen, oder eine bestimmte Expertise. Und dann kann ich mich auf der Ebene einbringen und eine Wirkung erzielen, die Sinn macht – im direkten Kontakt mit Menschen. Statt nur wieder darüber zu lesen und zu erzählen. Dann habe ich vielleicht einmal die Woche noch weniger Zeit für mich, aber habe mich als Ressource auch einmal selbstbestimmt eingesetzt.  Es wird einem schwer gemacht. Selbst die Diskussion um Ehrenamt und persönliches Engagement scheint vergiftet, wie kritisch soll man sein in der Wahl der Träger und Organisationen? Wer treibt sich mit den Bösen rum, wer ist so richtig echt? Und zack, wieder weniger Bereitschaft, oder Bereitschaft kanalisiert in den Mainstream. Ich habe einen ziemlichen Respekt vor dem, was viele Menschen da mit viel Herzblut auf die Beine stellen, weil sie einen Bedarf sehen, weil sie persönlich betroffen sind, weil sie bestimmte Werte leben und nicht nur predigen… Ohne an den eigenen Vorteil zu denken, was bringt mir das, sondern was kann ich tun. Und dann kommt immer jemand daher, der es besser weiß, der sich profilieren muss, der ein zartes Pflänzchen des gemeinsamen Tuns unbedingt in eine Bühne für das Selbst umbauen muss… Aber so sind wir kleingeistigen Menschlein. Reizend und manchmal zum Kotzen, aber abschrecken darf es uns nicht, nur besonders selbstbezogene Exemplare darf man auch ruhigen Gewissens ins Leere laufen lassen und einfach weitermachen. Wie das Wasser sein, oder das grüne Gras. Einfach in der Sonne strahlen, ohne Tamtam. Da sein und tun.

Und zur Belohnung dann doch mal böse Speisen nachbauen…

Ketchup (Vorrat)

400 Gramm Tomatenmark
Wasser
Apfelessig
Xucker
Salz
1 Schalotte, sehr fein gehackt
1 Zehe Knoblauch, sehr fein gehackt
kräftiges Currypulver

Das Tomatenmark mit Wasser glatt rühren, bis es dickflüssig ist (ca. 120 ml) und mit der wirklich sehr sehr fein gehackten Schalotte (bis sie fast püriert ist) und dem entsprechend feinen Knoblauch und 1-2 Teelöffeln verrühren. Eine Prise Salz dazu und zwei Esslöffel Apfelessig, sowie 2-3 Esslöffel Xucker und 1-2 Esslöffel Curry

Die Mischung aufkochen und unter gelegentlichem Rühren ca. 10 Minuten einköcheln lassen. Dann probieren und den Geschmack  nach Belieben verfeinern. Mancher mag mehr Xucker, der andere mehr Essig oder noch etwas Chili zum Curry – ausprobieren!

Noch weitere 10 Minuten köcheln lassen.  Und in Gläser füllen, abkühlen lassen und in den Kühlschrank.

Perfekt zu Fleischfondue, Omelette, Merguez, Chips….. 

Guten Appetit

Advertisements

2 Gedanken zu “Mutiges Kapital, menschliches Kapital – Sehnsucht nach Wald und endlich wieder Ketchup

  1. Hallo!

    Ich wollte dich mal fragen, wie es dir beim Miterleben mancher Typ Mensch so geht. Ich habe zeitweise einen richtigen Hass, wenn ich das so sagen darf, auf Menschen die ich so erlebe und mit ihrem Verhalten. Wie geht es dir damit? Wie begegnest du dem innerlich dass du sagen wir mal auch angefressen bist vl auf solche Menschen die nur sich sehen und auf keinen Acht nehmen. Ich hab leider auch so ein abgeschwächtes Exemplar davon in meiner Familie.
    Würde mich über eine Antwort freuen.

    LG Christoph

    • Hallo Christoph,
      wenn man mal ehrlich um sich herum schaut, hat wohl jeder diese negativen Menschenexemplare um sich herum. Egal ob Familie oder Freunde.
      Ich denke am wichtigsten ist es sich nicht von der Negativität anstecken zu lassen, die das Verhalten rücksichtsloserer und ich-bezogener Zeitgenossen bei einem auslöst. Wenn Du merkst, dass sich Wut aufbaut, diese in etwas Positives umzuwandeln, statt sich auf eine destruktive, lähmende Ebene ziehen zu lassen. Man kann schauen, wo man sich noch anders verhalten kann um mit einem besseren Gefühl aus solchen Begegnungen zu gehen. Und man darf sich abgrenzen. das geht ja auch, ohne andere vor den Kopf zu stossen und in deren Muster zu verfallen.
      Ganz persönlich halte ich es mit Bruce Lee: „Be like water.“ Weiterfließen und nicht trüben lassen und ruhig unauffällig bleiben. Das schützt einen selber vor Energiesaugern und man kann klarer schauen. Das ist nicht immer einfach, aber ich finde es eine gute Übung, dann einfach nicht zu viel von sich preis zu geben und einfach in die Rolle des Beobachters zu gehen.
      Ich arbeite selbst immer wieder daran, aber es wird immer leichter. Denn ich sehe nicht ein, mich da durch andere Menschen belasten zu lassen. Ich denke eh so viel nach und ändern kann man sie meist nicht. Und dann darf man sich zurückziehen.
      Dafür wünsche ich Dir Energie!
      LG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s