Die hellen Tage im Grau mit Zsuzsa Bánk und die perfekte Beilage in neuer Form: Hasselback Süßkartoffel

Süßkartoffel_HasselbackTaschen packen will ich gerade erst einmal nicht. Auch wenn das Grau vor dem Fenster einen mitunter sehnsüchtig in Richtung Sonne blicken lässt, irgendwie mag ich es auch, dieses trübe Grau. Gegen winterliches Weiß und ordentliche Kälte wäre auch nichts einzuwenden, ich bin ein großer Freund unser mitunter sehr verschrobenen Jahreszeiten. Frühlingsgrün, Sommersonnengeruch, Herbstgold und Winterklar… Ich möchte sie nicht missen und all die vielen Zwischentöne, die sich da verstecken.

Und was wären Gespräche ohne endlose Wetterbetrachtungen? Und das Klima verleiht einem Ort seinen ganz spezifischen Duft. Die Atlantikküste riecht für mich nach staubig warmen Pinienwäldern, die Vogesen und auch die Bretagne riechen noch im Nebel nach Honigginster und Heu, der Taunus riecht würzig klar nach feuchter Erde und Dänemark wird für mich immer nach Ferienhaus und Holzofen riechen. Berlin hat lange nach Kohlenofen-Realismus gerochen und in London hatte es oft etwas seltsam weiches Müffeliges… Mein Kopf scheint manchmal voller kleiner Glasflakons, in denen die Erinnerungen an Orte in Form von Gerüchen lagern. Situationen erinnere ich meistens in Zusammenhang mit Essen, zusammen genommen bleiben dann recht präsente liebe (Sinnes-)Eindrücke in den Kammern des persönlichen Erinnerungsarchivs haften.

Gerüche beeinflussen mich auch maßgeblich bei Menschen und an Orten. Starkes Parfüm oder dominante Gerüche verursachen mir Kopfschmerzen. Der Geruch neuer Autos, frisch renovierter, noch nicht lange belebter Wohnungen und ein Gang in die Parfümerie – da muss sich der Kopf einschalten und den Sinneseindruck erst einmal ausschalten um sich auf die Situation einzulassen. Damit zusammen hängt auch meine Abneigung gegen die ganzen Transportkisten, mit denen wir so unterwegs sind: lange Autofahrten, im Zug oder Flugzeug… Das alles verursacht mir eine Dumpfheit im Kopf und die Sehnsucht nach frischer Luft wächst.

Es lässt sich nicht immer ändern, aber ich bin bis heute kein Freund von langen Wegen für geschäftliche Treffen oder private, das bringt mich aus dem Tritt. Mal kurz nach Paris, Kopenhagen oder Düsseldorf für die Arbeit, das fand ich nie cool und wichtig, sondern immer eine Herausforderung für den Körper und eine Übung im Balance finden. Dann noch eine kurze Nacht in irgendeinem Hotel – das ist nicht meins. Ich mag einfach keine Hotels, egal wie einfach oder aufgehübscht oder durchgestylt – Hotels sind für mich kein Ort um wieder in die Balance zu kommen. Komischerweise gelingt mir das in Ferienwohnungen besser. Da packe ich alles aus, egal wie kurz ich da bin, breite mich aus und kann zumindest temporär ankommen. Und kann mich kurz dem Gedankenspiel hingeben, wie es wäre an dem Ort, an dem ich gerade bin, zu wohnen. Jeden Morgen aus der Wohnung auf diese Straße zu treten und diese Gerüche zu atmen und dieses Licht zu spüren und diese Nachbarn zu hören. Das sind immer wunderbare kleine intime Einblicke in den jeweiligen Aufenthaltsort. Die Nachbarin in Italien, die morgens um 9 Uhr das Fenster aufmacht und von da an nicht mehr den Mund hält, nur unterbrochen von der Espressokanne auf dem Herd – das wird immer einen netten kleinen Platz im Erinnerungsalbum haben…

Und dann ist da noch der praktische Aspekt – die Verpflegung. Mit dem Frühstück im Hotel kann ich nicht mehr viel anfangen und ich mag es dann die Möglichkeit zu haben, mich selber in meinem Sinne zu verpflegen. Durch fremde Supermärkte und Märkte zu streifen und improvisierte Neuigkeiten zu kochen oder ein Picknick zu machen. Wenn sich ein passendes Restaurant findet, fein, aber es ist nicht zwingend notwendig und es ist einfach schön neue Orte nicht nur durch die Konsumentenbrille zu erkunden.

Aber momentan bin ich einfach nur beschäftigt, die vielen Eindrücke dieses noch jungen Jahres zu sortieren und habe ein großes Bedürfnis einfach nur daheim zu sein.  Bitte gerade nicht unterwegs sein! Und bitte keine komischen Menschen, die einem Energie saugen. Die Zeit ist kostbar, auch hier auf dem Lande. Und ich bin froh, dass der Kopf nicht durch zu viele Sinneseindrücke betäubt wird, sondern in der momentan knappen Zeit zur Ruhe kommen kann.

Und langsamer kreist… Und sich erinnert… Etwa an ein bestimmtes Buch, das ich schon vor längerem gelesen habe und seitdem nicht müde werde zu verschenken: Die hellen Tage, von Zsuzsa Bánk.  Ein ganz seltsam schönes Buch über Freundschaft, die Liebe, Mütter und die Bänder, die alles verbinden. Seltsam deshalb, weil das Buch in der Erinnerung selbst so ein heller Tag ist. So ein Tag, an dem die Sonne so intensiv strahlt, dass man gar nicht genau hinschauen kann und alles ein bisschen undefiniert bleibt, unwirklich.  So wie der Schein, der die Dinge umgibt, wenn man im Gegenlicht die Augen zusammenkneift. Und seltsam auch, weil es sich nicht sofort erschlossen hat,  ich habe hier tatsächlich mal zwei Anläufe gebraucht. Beim ersten Mal passte der Moment wohl nicht, denn das Buch wanderte zurück auf den Bücherstapel und da lag es dann, bis ich wieder drüber stolperte und dann wollte ich es einfach nicht enden lassen. Ein so stimmungsvolles Buch, dass sich die Erinnerung daran beinahe einreiht in die eigenen, persönlichen Erinnerungen und der Gedanke daran fast wie mit Gerüchen unterlegt ist. Ein ganz besonderes Buch und ein helles, in diesen grauen Tagen.

Und für die guten Gerüche und das damit verbundene Wohlbehagen kann man zum Glück etwas tun. Etwa Kochen…

Süßkartoffel Hasselback
Ein wunderbares Rezept, das ich auf dem netten Blog „A Boy from Stoneage“ fand, der immer wieder gute Inspirationen für neue Rezepte bietet, ohne den Leser mit zu viel Chi Chi zu überfordern.

Einziger Unterschied, ich habe in diesem Falle den Knoblauch weggelassen, weil ich eine neutralere Grundlage haben wollte.

2 mittelgroße Süßkartoffeln (ca. 400 Gramm)
2 Teelöffel gehackten Thymian
Salz
Olivenöl

  • Den Backofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Die Süßkartoffeln gründlich waschen und in feine, gleichmäßige Scheiben (ca. 2 Millimeter) anschneiden. Das heißt: Nicht komplett durchschneiden, sondern sie sollen unten verbunden bleiben.
  • Nun den Thymian und das Salz in die Spalten streuen und alles mit Olivenöl beträufeln.
  • Dann für 45-55 Minuten in den Ofen, bis die Süßkartoffel gar ist. Auf der Hälfte der Zeit die Scheiben etwas auffächern. Sieht schöner aus und man sieht besser ob sie durch sind.
  • Eine perfekte Beilage, die auch gut zu Pastete oder Ähnlichem passt.

Guten Appetit!

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