Liebster Discover Blog: Warum und wie mache ich das oder mein persönliches Blogger-Rezept

Discovery_BlogCaro, von  „Carola wird fit“, hat mir die Nachricht mit einer  Nominierung für den „Liebsten Discover Blog“ hinterlassen. Das freut mich natürlich und ich sage ganz herzlichen Dank, Caro! Und statt nur immer ehrfurchtsvoll auf ihr beeindruckendes Sportpensum zu schielen und mit Vergnügen ihren trockenen und ehrlichen Kommentaren zum Leben mit und um den Sport und dem ein oder anderen wunderbaren Aufreger zu folgen, nehme ich den Fragekatalog gerne auf und beantworte einmal Fragen ganz anderer Art. Einen Schritt zurück getreten: Warum ich das eigentlich mache, das Bloggen. Da hängt doch eine ganze Menge dran. Ein schöner Anlass zur Reflexion. Und ich gebe meinen Fragenkatalog gerne weiter. An einige kleinere Blogs, die ich bereits länger verfolge oder über die ich kürzlich gestolpert bin und die Anregungen ganz unterschiedlicher Art boten. Es ist schwer plötzlich eine Auswahl treffen zu müssen, diese ist also aus dem Moment heraus und könnte morgen ganz anders aussehen. In der Informationsflut des Internets fröne ich einem impulsiven Leseverhalten, das offen ist für Zufälle und oft bestimmt wird von den Themen, die mich interessieren und an denen ich gerade knabbre.

Eines vorweg: Wem angesichts von Fragebögen der Angstschweiß auf die Stirn und die Unlust in die tippenden Finger fährt – niemand muss. Ich freue mich einfach über jeden, der mitmacht und hoffe auf weitere spannende Entdeckungen feiner Blogs, die ich noch nicht kenne. Eine bunte Mischung folgt hier (ja, es sind keine 11):

http://konsumpf.de
http://ben83ian.wordpress.com
http://aboyfromstoneage.at
http://www.schlichte-gerichte.de
http://literatourismus.net
http://saetzeundschaetze.com
http://haifischchen.blogspot.de
http://langsamerleben.wordpress.com
http://kleinekleinigkeiten.wordpress.com

Liebe nominierte Blogger, solltet ihr die Kette fortsetzen wollen, sind das die Spielregeln:
Verlinkt die Person, die euch nominiert hat.
Beantwortet die 11 Fragen, die die Person euch gestellt hat.
Sucht euch 11 Blogger, die unter 200 Follower haben und nominiert sie (Das finde ich nicht immer eindeutig, ich habe einfach eine Auswahl getroffen und wer nur drei nennen mag, das finde ich auch ok).
Überlegt euch selbst Fragen für eure Nominierten. Meine Fragen findet ihr am Ende dieses Posts.

Warum hast du angefangen zu Bloggen?
Angefangen hat es für mich als kleine Schreibübung im Privaten. Ich texte beruflich im Auftrag für Kunden und wollte mein Lieblingsmedium Wort auch einmal wieder für mich nutzen und nicht im Rahmen einer beauftragen Kommunikationsstrategie. Praktischer Aufhänger waren dann Rezepte. Seit wir  die Ernährung vor fast zwei Jahren umgestellt haben und nach Paleo-Grundsätzen kochen, habe ich überlegt, wie ich all die Rezeptfundstücke, Inspirationen und Selbstversuche festhalten kann. Ein Blog bot sich an. Zumal ich dann nicht immer wieder Rezepte abschreiben und durch die Welt schicken muss.

Welches sind deine Lieblingsthemen?
Die thematische Klammer ist das Leben, das sich durch die Ernährungsumstellung grundlegend geändert hat. Es ist ein bisschen das Ventil, das nötig wurde bei dem Versuch ein Leben zu führen, das umsetzt woran ich glaube und was ich für mich als grundlegende Werte formuliert habe. Der Bedarf nach einem Ventil kam mit neuen Denkansätzen und Impulsen: Wer beginnt für sich nach sauberen Quellen für Lebensmittel zu suchen und sich intensiv mit dem Thema Nahrung und der daran angehängten Produktionskette zu beschäftigen, kann sich entweder Scheuklappen aufsetzen und sich oberflächlich wirkende Beruhigungsstrategien überlegen oder aber man muss in die Tiefe gehen und auch mal ehrlich zu sich selber sein und da mit dem Nach- und Umdenken ansetzen, wo man durch sein (Konsum-)Verhalten ein System mitträgt und legitimiert, das dem Menschen und dem Planeten, der unser Lebensraum ist, schon zu lange zu wenig Respekt entgegen bringt. An dem Punkt angelangt, haben sich die Themen für mich von alleine ergeben. Ergänzt werden sie durch schöne literarische Fundstücke und natürlich gutes Essen.

Woher kamen Deine ersten Leser?  
Die ersten Leser kamen aus der immer größer werdenden deutschsprachigen Paleo-Community. Die mit Facebookgruppen und Linksammlungen einen guten Einstieg in das Thema bietet. Um aktiver in einen Austausch einsteigen zu können, habe ich mich dort angehängt. Mittlerweile würde ich sagen, dass sich die Leser aber in zwei Gruppen unterscheiden lasen: Die Rezeptsucher, denen ich dankbar bin für Interesse an meiner recht schnörkellosen, laienhaften Kochpassion und den netten Köpfen, die mir durch ihr Feedback und ihre fleißigen Besuche auf meinem Blog zeigen, dass es viele gibt, die umdenken und nicht nur glücklich sind in der Welt, wie sie uns gestaltet wurde, und die nach Impulsen und Denkanstößen suchen. Er läuft mittlerweile einfach so vor sich hin, mein Blog. Und ich muss sagen, ich verfolge keine bestimmten Absichten, was Leserzahlen betrifft. Ich nehme es aber als eine wunderschöne Motivation zu sehen, dass sich immer neue Leser finden und viele auch wiederkehren.

Welche Blogs liest du am liebsten?
Das ist tatsächlich recht zufällig. Ich bin immer wie ein kleines Trüffelschwein, wenn mich ein Thema interessiert oder aufregt oder ich mehr wissen möchte, fange ich an mich durch das Unterholz des Internets zu wühlen und mache dabei wunderschöne und weniger schöne Entdeckungen. Grundsätzlich könnte man sagen, dass mich Substanz interessiert. Und was mich eher irritiert und mir mitunter echt negativ aufstößt ist zu sehen, wie sehr die Blogs als individuelle Plattformen der Kommerzialisierung anheimfallen und gerade im Bereich Mode, Einrichtung und Schnick-Schnack einem Materialismus frönen, den ich schade finde. Was früher als Weg zu Demokratisierung und Transparenz gefeiert wurde, ist mittlerweile in vielen Bereichen dankbares Instrument einer zeitgemäßen Marketingmaschinerie geworden. So wunderbar es ist, sich über Blogs auszutauschen, sind es natürlich auch Bühnen für Selbstdarsteller, es gibt so einen menschlichen Zug einfach herzeigen zu müssen, was man hat. Und das ist das Einfallstor für Marketingabteilungen. Da finde ich persönlich keine Themen, beobachte es nur aufmerksam, zumal ich lange selber auf Marketingseite so gearbeitet habe. Wenn ich merke, ein Blogger beginnt auf seine Zahlen zu schielen, finde ich, geht ein wenig die Unschuld verloren, da weicht das Herzblut etwas dem Schweiß des Ehrgeizes.

Schreibst du noch für weitere Blogs?
Berufsbedingt ja. Aber privat bin ich zufrieden, so wie es ist. In meinem Kopf zaudert das zarte Pflänzchen eines zweiten Projekts, aber ich möchte mich nicht überfrachten. Zu viele Dinge interessieren mich und vieles davon soll in der realen Welt verbleiben und ich möchte nicht in einer Schleife gefangen werden, die alles, was ich tue in Content übersetzt, um neue Posts zu schreiben. Nein, im Moment schreibe ich als Privatperson nur meine Teilstücke.

Wie gehst du mit fiesen Kommentaren um?
Die gab es bisher tatsächlich kaum. Wenn,dann würde ich mich damit auseinandersetzen und schauen, was mich stört an dem Kommentar, ob da wirklich berechtigte Kritik am Werke ist (die müsste dann ja aber nicht fies sein) und dann würde ich freuen, etwas gelernt zu haben und das auch offen kommunizieren. Wenn ich aber merke, dass da jemand seinen persönlichen Film fährt und eigene Themen auf mich projiziert, nehme ich mir die Freiheit nicht auf einem solchen Niveau einzusteigen – don’t feed the troll…. Manche Diskussionen sind nicht zielführend und wollen keine Klärung, sondern es gibt Menschen, die schmeißen einfach gerne mal ein Bömbchen, für die eigene narzisstische Befriedigung. Die Lektion habe ich gelernt.

Worüber würdest du niemals bloggen?
Ich glaube, thematisch würde ich über alles bloggen, was mich interessiert. Die Herangehensweise oder Motivation ist vielleicht entscheidend. Ich würde nicht über etwas bloggen um zu beweisen, dass ich etwas total gut kann oder um einen Materialismus zu zelebrieren. Oder um ein bestimmtes Bild von mir zu erzeugen. Ich würde somit nicht kommerziell bloggen.  Ich würde allerdings über die Kommerzialisierung des Bloggens schreiben. Aber bei mir braucht keine PR-Abteilung anzufragen. Daran habe ich kein Interesse – aber glücklicherweise bin ich dafür thematisch auch keine Zielgruppe.

Wie hat das Bloggen deinen Alltag beeinflusst?
Das Bloggen hat meinen Alltag sehr bereichert. Es ist schön, seine Gedanken einmal schriftlich zu sortieren und festzuhalten. Und es tut einfach gut über die Öffentlichkeit des Blogs auf ähnlich denkende Köpfe zu stoßen, denen man sonst nicht begegnen würde. Ich bin ein Kopfmensch, ich wälze Themen und Gedanken meist mehrgleisig und wusste bei vielen Themensträngen oftmals nicht so recht wohin damit, das Bloggen hat mich ruhiger gemacht, mir gezeigt, dass viele Themen, die mich umtreiben, zusammengehören.

Was hat sich seit dem du das Blog gestartet hast verändert?
Ich bin mutiger geworden im Schreiben. Waren es anfangs vor allem die Rezepte, ist die Gedankenpalette nun viel breiter und ich habe gemerkt, dass es mir tatsächlich egal sein kann, was andere Menschen von mir denken. Ich habe gemerkt, dass ich mit manchen Gedanken, so wie ich sie formuliere, bei anderen an Themen rührt, mit denen sie selbst nicht so ganz im Reinen sind. Ich will aber niemanden angreifen, das wäre anmaßend und deshalb ist es mir wichtig zu wissen, dass ich nicht schreibe um andere Menschen anzugreifen oder um mich in irgendeiner Form als überlegen zu positionieren. Ich bin keine moralische Instanz. Ich bin nur sehr aufmerksam geworden, was viele Themen im Alltag und im Zwischenmenschlichen betrifft. Das hat meinen Blick, gerade auch selbstkritisch auf mich selbst, stark verändert. Und es hat mich unabhängig gemacht.

Welche Entwicklung wünschst du dir für dein Blog?
Ich wünsche mir einfach, dass die eigene Firma mir weiterhin die Luft zum Schreiben lässt, dass der Schweinehund sich nicht zu breit macht auf der Tastatur und dass ich mir die Unabhängigkeit vom Bloggen erhalten kann. Sprich zu schreiben, wenn es passt und nicht weil ich denke ich müsste.

Diese Fragen möchte ich gerne weiter geben:
Was hat dich zum Bloggen gebracht?
Seit wann gibt es deinen Blog und wie hat er sich im Lauf der Zeit entwickelt?
Wie pflegst du deinen Blog (schreibst du spontan oder mit Redaktionsplan?)?
Welche Blogs interessieren dich thematisch als Leser?
Wie wichtig sind dir persönlich Blogs als Informationsquelle?
Weiß dein Umfeld, dass du bloggst, wie geht es damit um?
Hast du Pläne, wohin die Bloggerreise für dich noch gehen soll?
Hat sich durch das Bloggen etwas für dich verändert, und wenn ja, was?

Ganz herzlichen Dank!

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Obsoleszenz im Überfluss, neue Netzwerke bilden und winterliche Begleiter: Rosenkohl aus der Pfanne mit Knoblauch

Rosenkohl mit KnoblauchMan kann dann gar nicht anders, als sich kurz dem Wutknoten hinzugeben. Wohlwissend, dass das so ziemlich das unproduktivste Verhalten ist, aber für einen kurzen Moment darf das Überhand nehmen.  So geht es mir zumindest immer, wenn ich irgendwo auf engagierte Menschen stoße, die mit ihrer Arbeit, seien es Artikel, Dokumentationen oder Bücher, doch erschreckend ungehört bleiben im ausdauernd rieselnden Strom der Informationshäppchen, die uns um die Ohren geweht werden. Klug gemacht, nicht wahr? Es ist alles da, aber es wird uns im Alltags-Hamsterrad zunehmend erschwert, die kleinen schwierig aufzufindenden Wahrheitstrüffel von den vielen Gedankenstücken zu trennen, die uns wie Brotkrumen hingeworfen werden, um uns zu informieren oder eher um uns anzuleiten in der Meinungsbildung und der vermeintlich so freien Sicht auf die Welt.

So vieles liegt auf der Hand und doch nehmen wir lieber in Kauf, ein Auge zu zudrücken, wenn es drauf ankommt. Oh, was können wir klug diskutieren am Esstisch unter Freunden und Kollegen, Bücher, Studien und aktuelle Artikel von großen Tagesblättern mit Anspruch zitieren, ohne dabei einen einzigen eigenen Gedanken zu formulieren. Wir merken das nicht einmal. Wer hierzulande ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert hat, lernt es ja auch nicht anders. Belegstellen, Zitate und Definitionen, die beweisen, untermauern und unsere Aussage legitimieren sollen. Das Ganze noch geschmiert mit ein bisschen Eitelkeit und ganz schnell ist man drin in der intellektuellen Nabelschau, der geistigen Selbstdarstellung, führt einen Diskurs anstelle eines Gespräches – kaum auszuhalten. Was dabei verschwindet und sich lieber in die stille Ecke drückt, ist das unbedarfte Argumentieren aus dem Bauch heraus, das Ausdruck eines gesunden Menschenverstandes ist.  So richtig auftauen und unverstellt die eigene Meinung sagen, tun die wenigsten. Bei so manchen Themen scheint das Risiko zu hoch in eine seltsame Schublade gesteckt zu werden, und das will ja keiner. Also macht sich auch in den Diskussionen allzu oft ein Argumentationsspektrum breit, das auf Dauer so interessant wie trockener Toast ist und keine Risiken eingeht.  Für unbequeme oder abweichende Meinungen gibt es auch das schnell bereit gestellte Kästchen der Verschwörungstheorien, dazu ein kleines Zusatzetikett auf dem steht: Spinner, Miesmacher, Schwarzseher.
Und meist findet sich irgendwer in der Runde, der dem mutigen Menschen, der sich da vielleicht argumentativ aus der Ecke getraut hat, den intellektuellen Genickschuss gibt,  indem noch schnell eine Belegstelle herbeigezaubert wird, die den vorsichtigen Bauchgedanken in seine Schranken verweisen soll. Leider ist das keine Diskussionskultur, auch wenn die praktizierenden Köpfe sicherlich anders denken werden, meinen sie doch die Geisteskultur hinter sich versammelt zu wissen, mit all ihren gängigen Quellen und Argumenten. Nein, da wird sich nicht ausgetauscht, da wird die Keule geschwungen und niedergemäht, was nicht passt.
Entweder, weil es die eigene Meinung in Frage stellt (was sich ja durchaus auch als Bereicherung herausstellen könnte, aber gewisse Unabwägbarkeiten beinhaltet, die zu unbequem sind) oder aber, weil das eigene Ego einmal mehr mit einem durchgeht und die Diskussion als Bühne braucht, um den eigenen Verstand in den Mittelpunkt zu stellen. So ist es. Viel zu oft. Man ist ja letztlich unter Menschen. Fast immer gibt es einen in der Runde, der den Ton angeben muss und alle anderen an den Rand spielt. Manchmal sind es auch mehrere Köpfe, die da das vermeintliche Publikum genießen und zu Höchstformen auflaufen und ohne jedes Bewusstsein für das Drumherum so manche spannende Diskussion ersticken und die Lust nehmen, weiterzureden.

Und so fallen viele Themen unter den Tisch oder werden einseitig diskutiert. Und einseitig heißt nur allzu oft, im Sinne der vielfach politischen oder wirtschaftlichen Agenda unserer Meinungsbildner im Hintergrund. Das betrifft so ziemlich alle Bereiche unseres Lebens.
Wo es mich immer wieder echt wie der Schlag trifft, ist, wenn es um das weite Feld des Konsums geht. Dass Unternehmen und Wirtschaft Politik bestimmen, kann man mittlerweile ja in so mancher Runde durchaus äußern, aber man kriegt doch immer mal wieder ein mitleidiges Lächeln, das Etikett des Schwarzseher und Spinners verpasst oder trifft auf Menschen, die zwar Dinge sehen und wahrnehmen, aber einfach nicht in der Lage sind, für ihr eigenes Leben Entscheidungen zu treffen und etwas zu ändern.
Ein Film, der mir das wieder deutlich vor Augen geführt hat, ist die Dokumentation „Kaufen für die Müllhalde“ von Cosima Dannoritzer, die sich um die geplante Obsoleszenz dreht.

Auch wer die Augen ganz fest zukneift, um nicht in seiner einfachen Vorstellung unserer Welt gestört zu werden, wird sich schon einmal Gedanken über die fragwürde Lebensdauer von Konsumgütern gemacht haben. Da geht es dem Konsumenten ja mal direkt an den Geldbeutel. Da tut es schon mal weh.

Aber ändern tut sich nichts oder viel zu wenig. Wir wollen doch immer wieder das Neue, denn das zeigt, dass wir uns das leisten können und dass wir wissen, was das Neueste ist. Wir wollen kein altes Auto, wir wollen neue technische Gadgets, wir wollen aktuelle Mode und Einrichtungsgegenstände. Was kaputt geht, ersetzen wir. Wir haben ja gar nicht mehr die Fähigkeiten, die es braucht Dinge zu reparieren. Und wo wir gerne selbst Hand anlegen würden, sind die betreffenden Güter heutzutage derart gestaltet, dass wir nicht mehr selber ran können. Man muss nur mal einem älteren Auto unter die Motorhaube schauen und einem Neuwagen – mit Schrauben in der Freizeit ist da nicht mehr viel.  Und dann ist da kurz der Ärger über die kurzen Lebensspannen vieler Dinge, aber wir ziehen nicht die richtigen Schlüsse und konsumieren weiter.  Das gibt ja auch so eine schöne kleine Befriedigung, wenn da etwas neu Glitzerndes Einzug hält in unser Leben.

Noch schöner kann es aber sein, zu überlegen, wie man etwas ändern kann. Was kann ich? Und sei es nur die Hose zu stopfen und selber zu kürzen statt sie wegzutun. Und wenn ich das gut kann, dann kann ich es auch für andere tun. Und die können vielleicht im Gegenzug einen Stecker an meinem alten Küchengadget austauschen oder haben andere Fähigkeiten. Das geht schon in ganz kleinem Maßstab. Man kann im engen Umfeld anfangen und lernt ganz nebenbei etwas Spannendes über die Menschen, mit denen man sich austauscht und über sich selber. Und man erobert sich ein kleines Stück Unabhängigkeit zurück. Und dann vielleicht noch eines und noch eines und…

Eines meiner Wunschprojekte ist eines Tages ein kleiner Gemüsegarten, da fehlen mir echt noch die Fähigkeiten und der entsprechende Boden. Aber der Plan ist da und wenn es soweit ist, werde ich mich nicht scheuen, mir kluge und patente Menschen zu suchen, die mir Tipps geben können. Auch die Bepflanzung steht fest. Ein ganz kleiner Nutzgarten, so wie man sie im ländlichen Raum oft sieht, mit einer Bepflanzung und Fruchtfolge, die das ganze Jahr abdeckt. Ein kleines Stück Unabhängigkeit, die Arbeit bedeutet aber Ergebnisse schenkt.

Und tatsächlich würde ich auch Rosenkohl pflanzen. Mochte ich früher nie, aber man darf sich ja neu begegnen. Es geht nämlich auch anders als in Form weich verkochter Kugeln…

Beilage: Gebratener Rosenkohl mit Knoblauch
500 Gramm Rosenkohl
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
Kokosöl oder Schmalz
Salz
Pfeffer
Butter

  • Den Rosenkohl vom Strunk befreien und die einzelnen Blätter ablösen (die mühselige Arbeit wird durch den Geschmack belohnt) und dann gründlich waschen.
  • Die Kohlblätter blanchieren und dann in einem Sieb gut abtropfen lassen.
  • Das Fett der Wahl (Schmalz für eine deftigere Note, Kokosöl, wer es feiner mag) in einer Pfanne gut erhitzen, den Knoblauch zart anbräunen und dann für zwei bis drei Minuten die Rosenkohlblätter hinzugeben und kurz anbraten.
  • Zum Abschluss salzen, pfeffern und noch ein Stück Butter unterrühren.
  • Dazu passt sehr gut ein Stück Kassler oder eine deftige Rinderbratwurst…

Guten Appetit!

K(l)eine Liebesdienste und ein Favorit aus dem Ofen: Beinscheibe mit Ingwer

Beinscheibe mit IngwerSo, da der klebrige Valentinstagszuckerguss nun vom Tisch ist, stört man ja niemanden mehr in seinen rosaroten Befindlichkeiten.  Ich kann mir immer nicht helfen, ich finde, dieser Tag mit seinen absolut kommerzialisierten und fremdbestimmten Ritualen läuft all dem zuwider, wofür die Gefühle eigentlich stehen, die uns Einzelhandel und Werbung da so fleißig mit großen Sehnsüchten und materiellen Wünschen unterfüttern und aufblasen, bis wir sie glauben und ihm nachzueifern suchen, dem Bild davon, wie sie aussieht, die große Liebe.  Und ein erschreckendes Rollenverhalten zeigt sich da: er schenkt Blumen, Nippes, Schokolade und zahlt fürs Essen, sie macht sich hübsch, klappert artig dankbar mit den Wimpern und zahlt mit Sex… überspitzt vielleicht, aber darauf lässt es sich doch irgendwie reduzieren. Wer das dann romantisch findet und als Ausdruck tiefer Emotionen sieht (stimmt, tiefe, echte Emotionen sind in solchen vorgegeben Konstruktionen ja nicht vorgesehen, sie könnten emotional emanzipieren…),  dem kann man ein Aufwachen wünschen, aber der Großteil der Menschen scheint ja gerne in der Bequemlichkeit des Dauerschlafes verhaftet zu bleiben und führt dann entsprechende Beziehungen. Und  die funktionieren eben über die großen Gesten an Ego und Eitelkeit und die schnelle Befriedigung des eigenen Egos. Der Schritt darüber hinaus, das ist die Kür und das bedeutet Arbeit.  Und überhaupt – die, die gerade allein dastehen, mitten im Wirbelwind öffentlicher zelebrierter Zweisamkeit… Ja, die einsamen Herzen dürfen sich ein bisschen schlecht fühlen, müssen aber zumindest ein wildes Singleleben führen. Anleitung dazu und zum niemals an die wahren Gefühle herankommen bietet die gängige Medienlandschaft zu Genüge. Aber Vorsicht, gerade Frauen ab einem bestimmten Alter (das bestimmte Alter beginnt wohl etwa mit der 30, regional kann es aber auch früher sein…) geraten schnell  in Generalverdacht, da könne was nicht stimmen – wohingegen Mann sich weiter aufführen darf wie er mag. Wer es geschafft hat und das Leben mit den Jahren in die vorgesehenen Bahnen gelenkt hat, dem sind unendliche Möglichkeiten gegeben, die selbstgerechte Zufriedenheit des Erfolges öffentlich zu zelebrieren. Und so manch einer fühlt sich angepikst und der Neid zwackt ihn und er strampelt sich noch mehr ab um auch so zu sein, um noch ne Schippe oben drauf legen zu können.

Man könnte meinen wir seien weit gekommen, aber der Wettbewerb ist noch derselbe, wie ihn die Hausfrauen der 50er schon in adrett gestalteten Vorgärten ausgetragen haben, wo man sich unter leichtem Seufzen dazu hinreißen ließ die neueste Errungenschaft für den Haushalt ins Gespräch einfließen zu lassen oder die geplante Italienreise,  und die Männer mit ihrer beruflichen Sicherheit, dem Auto und dem streng hierarchischen Leben in so manch westdeutschem Verein…

Wie wunderbar, dass wir uns heute noch viel schamloser darstellen können, es ist ja im Zweifel die eigene kreative Ader und gelebte Individualität und wer bitte möchte da so kleinliche Hintergedanken haben und Narzissmus und Geltungssucht unterstellen. Ne, ist ja klar. Und völlig normal, dass wir plötzlich jedem ins Wohn-, Schlaf-, Esszimmer gucken können, durch den Kleiderschrank geführt werden und das hübsch inszenierte Essen bewundern dürfen. Food Styling, so machen das die ambitionierten unter den Essensbloggern, da wo das nette Rezept leider verschwindet hinter der inszenierten Bilderflut des kreativen Genies, das dort am Werke war.

Es ist im Grunde ziemlich erbärmlich, wie wir so beharrlich vorhersehbar ticken. Dank unserer Eitelkeiten und Ängste immer wieder offen für die Verlockungen, die uns da draußen das große Glück und eine Erfüllung versprechen.  Niemand ist wohl frei davon. Ich nehme mich da nicht aus. Aber einmal Augen aufgemacht und hingeschaut, ist es alles so viel Schein und Gestrampel und so wenig interessant. Und es sorgt für ein konstantes Rauschen, einen Strom von Eindrücken, der auf uns einprasselt, dass die kleinen hoffnungsvollen Lichter, die wirklich menschlichen Erlebnisse, darin fast untergehen.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Herausforderungen, zu lernen, auszublenden und in neue Richtungen zu schauen, damit man nicht vorbeigeht an den Schätzen am Wegesrand?  Auch wenn sie nicht immer so stark leuchten wie das aufgeblasene, substanzentleerte Wabern drum herum.

Und wenn dennoch die Sorge quält, den V-Day nicht genutzt zu haben, dem hilft vielleicht die simple Wahrheit, dass das Jahr 365 Tage hat und jeder dieser Tage unzählige Momente umfasst… da sollte sich doch eine Möglichkeit ergeben, dem Ausdruck zu verleihen, was da in einem strahlt?

Und das kann die Tasse Kaffee sein, die man morgens ans Bett bringt. Oder ein Abendessen nach einem anstrengenden Tag.

Das hat der besondere Mensch die Woche getan und die beste Beinscheibe der Welt gezaubert, so dass ich immer noch hin und weg und schwer verliebt bin…

Beinscheibe aus dem Ofen mit Ingwer
2 Beinscheiben (ca. 600 Gramm)
4 Zwiebeln, geviertelt
2 Möhren, in Scheiben
4-5 Zentimeter Ingwer
1 Zehe Knoblauch, gewürfelt
Rotwein
Thymian
Salz
Pfeffer
Schmalz

  • Die Beinscheiben salzen und pfeffern und in heißem Schmalz von beiden Seiten anbraten und in eine Auflaufform geben.
  • Die Zwiebeln, Möhren, den Ingwer und den Knoblauch im Bratensud kräftig anbraten, salzen, mit Thymian würzen und mit Rotwein angießen, so dass das Gemüse schwimmt.
  • Das Gemüse mit dem Wein zu den Beinscheiben in die Auflaufform geben und das ganze bei 180 Grad für ca. 2 Stunden im Ofen garen. Wer mag nimmt einen Bräter mit Deckel. Ich liebe krosses Fleisch und deshalb war die Auflaufform perfekt.

Dazu passt ein Feldsalat.

Guten Appetit

Eine Perle aus dem Zettelkasten zum Wochenanfang und ein Lieblings Wintersalat: Feldsalat mit Apfel, Sellerie und Walnüssen

Genieanwärter und FeldsalatEine Perle aus dem Zettelkasten zum Wochenanfang und ein Lieblings Wintersalat: Feldsalat mit Apfel, Sellerie und Walnüssen.
Manche Dinge sezieren die Wahrheit auf so charmant gnadenlose Art, dass man sie am besten so stehen lässt. Sie sprechen zeitlos für sich und vieles.

Ratgeber für künstlerische Genieanwärter

Wenn Du in der gegenwärtigen Kulturszene möglichst rasch zu Publizität und Marktwert bringen willst, mußt du vor allem folgende drei Regeln beachten:

  1. Denke immer daran, daß wir in einer Mediengesellschaft leben. Ehe du dich also entscheidest, auf welchem gebiet der Kunst du als Genie fungieren willst, bedenke dein Outfit – und bedenke es gründlich! Du wirst es jahrelang und womöglich sogar bei Tag und Nacht tragen müssen. Es dient dir als Markenzeichen, und so etwas ist bei dem Überangebot an Originalität heutzutage absolut notwendig. Doch laß dich nicht entmutigen: Fast alles kann dazu dienen, z. B. Turnschuhe, die du immer, auch zum Smoking trägst, oder irgendein blödes Mützchen oder eine Unterwasserbrille oder auch einfach Kleidung in einer einzigen Farbe, alles – aber wirklich alles! – in Violett oder in Pink, ein Schnürleibchen, oder… Genug, du mußt es schon selber kreieren. Wenigstens das. Wichtig ist dabei allerdings in jedem Fall, daß dein Outfit irgendwie „garstig“ wirkt, um Himmels willen nicht gefällig! Durch diese Garstigkeit zeigst du, daß du eine ernstzunehmende Persönlichkeit bist, die alle bürgerlichen Konventionen verachtet und die das Elend der Welt kennt und selbst erleidet. Am bestem läßt du dich frierend vor umgestürzten Mülltonnen fotografieren oder eben im Gegenteil – provokativ – bei einem Festgelage mit goldenen Tellern voller Austern und Wildbret. Gelingt dir die Lösung des Outfit-Problems überdurchschnittlich gut, so kannst du die nächsten beiden Punkte weitgehend vernachlässigen, doch wirst du dich dann entschließen müssen, dich ab und zu öffentlich als Verrückter aufzuführen. Das ist sicherlich ein wenig mühsam, aber bedenke, daß dir als Lohn die Aufmerksamkeit der Medien zuteil wird.
  2. Du mußt einen gewissen Aufwand an kunst- oder kulturtheoretischer Absichtserklärung treiben. Merke: Wichtiger als das, was du machst, sind die Argumente, die du dafür lieferst. Denn nur über diese kann öffentlich diskutiert werden. Deine „statements“ sollen kurz und handlich sein, damit sie im Dreiminuten-Take einer kulturellen Funk- oder Fernsehsendung abgefragt werden können; dennoch müssen sie so beschaffen sein, daß sie den Horizont eines durchschnittlichen Bildungsbürgers ein klein wenig übersteigen. Je mehr er nämlich versteht, was du sagst, um so geringer wird er dich achten. Vermeide es also, dich allzu klar auszudrücken. Dein Vokabular soll deinen Zuhörer oder Gesprächspartner einschüchtern, ihm aber gleichzeitig Begriffe wie „progressiv“ oder „kritisch“ suggerieren. Das hört sich schwieriger an, als es ist – also verzage nicht. Fast jeder kann es, also wird es auch dir gelingen. Es gibt geeignete Literatur in Hülle und Fülle. Im Grunde genügt es, die Feuilletonseite einer großen Tageszeitung zwei, drei Wochen lang aufmerksam zu studieren, dann hast du alles zusammen, was du brauchst.
  3. Ganz ohne jedes „Werk“ geht es leider nicht, schon allein deshalb, weil ja irgend etwas von dir Geschaffenes auf dem Kunstmarkt Preise machen soll. Aber in diesem Punkt solltest du dir die geringsten Sorgen machen. Was zuvor gesagt wurde, gilt hier erst recht: Alles, aber auch wirklich alles, kann als Zeugnis deiner Kreativität dienen, angefangen von deinen alten zerrissenen Unterhosen, über deinen kaputten Kühlschrank, bis zu deinen abgeschnittenen Zehennägeln. Wichtig ist nur eines: Es muß in den zehn Sekunden, die dein Werk anfangs in den Fernsehsendungen zu sehen sein wird, auf irgendeine Weise „show“ machen, also den Charakter einer schrillen Schaufensterdekoration, eines Blickfangs haben. Werbung, die für sich selber wirbt! Sei dabei nicht zimperlich, Fragen des Geschmacks oder gar des Niveaus dürfen für dich als genialen Künstler keine Bedeutung haben.

Zugegeben, der allererste Anfang deiner Karriere erfordert eine gewisse Anstrengung. Du mußt es, wie auch immer, fertigbringen, daß du selbst oder dein Werk mindestens zehnmal von einem der Massenmedien beachtet wird – doch da die Medien ihrerseits auf alles aus sind, was „show“ macht, wird es dir sicherlich gelingen. Danach tritt eine Art von Selbstzeugungsprozeß ein: Du oder deine Werke werden gezeigt, weil du oder deine Werke gezeigt worden sind. Damit hast du’s im Grunde schon geschafft und kannst den Rest der Entwicklung getrost abwarten. Bald werden sich die ersten Käufer einstellen, denn es gibt ja genügend betuchte Leute, die ihren Lebenssinn darin sehen, „in“ zu sein. Das wiederum bedeutet, daß der Kunsthandel sich für dich interessieren wird. Von ihm beauftragt, werden kluge Leute Artikel, Essays und schließlich Monographien über dich verfassen. Und schließlich werden sich dadurch die Museumsdirektoren davon überzeugen lassen, daß du ein „wichtiger Vertreter der Gegenwartskunst“ bist. Jede staatliche Galerie wird nicht umhinkönnen, eines deiner Werke zu erwerben, die inzwischen zu Höchstpreisen international gehandelt werden. Du hast ausgesorgt.  (Michael Ende, Zettelkasten. Skizzen & Notizen)

Und während der erschreckend aktuell-gültige Eindruck verdaut wird, noch eine Lieblingsbeilage oder Vorspeise.

Feldsalat mit Apfel, Stangensellerie und Walnüssen

Feldsalat (hier für drei Personen eine Schale mit 250 Gramm)
1 großen festen, säuerlichen Apfel (Elstar, Boskop..)
3 Stangen Sellerie
100 Gramm grob gehackte Walnüsse
Kürbsikernöl
Rotweinessig
Olivenöl
Salz und Pfeffer

  • Die Walnüsse ohne Öl in einer Pfanne anrösten bis sie duften. Dabei darauf achten, dass sie nicht anbrennen, das geht dann plötzlich sehr schnell.
  • Den Feldsalat putzen und waschen und richtig trocknen, am besten in der Salatschleuder, und zur Seite stellen.
  • Die Selleriestangen waschen und in schmale Stücke schneiden (so etwa 0,5 Zentimeter oder weniger), den Apfel waschen und in Stücke schneiden.
  • In einer Salatschüssel das Dressing anrühren. Dafür Kürbiskernöl, Olivenöl und Essig im Verhältnis 3:2:2 (großzügige Esslöffel) verrühren. Etwas Salz und Pfeffer dazu und dann die Sellerie, den Apfel und die Walnüsse unterrühren.
  • Den Feldsalat erst kurz vor dem Servieren unterheben. Die Salatqualität, die man so bekommt, hat ja leider die Tendenz total weich zu werden im Dressing.

Guten Appetit!

Hasenweich, der Zettelkasten von Michael Ende und eine Kuchenlieben-Variation: Orangenkuchen

Paleo Orangenkuchen mit Michael EndeKeine Zeit, zu spät, zu spät…  Momentan bin ich voll im Modus des weißen Kaninchens aus Alice im Wunderland. Eine Lektüre, die ich Erwachsenen nur ans Herz legen kann! Der Kontakt  mit dem Disney Spielfilm brachte meine Eltern in die Bedrängnis, mir ein Kaninchen zu schenken, ich wollte einfach nicht mehr Ruhe geben. Weiß gab es nicht, dafür schwarz und hasenweich ist definitiv eine feststehende Messeinheit für die Flauschigkeit von Dingen.

Aber nicht immer ist das Leben hasenweich, dann würde man sich vor wohlbehaglicher Trägheit kaum rühren. Gerade ist es umtriebig. Der quasi Beamtenjob unter den Texter-Aufträgen, der Einsatz auf Unternehmensseite, treibt mich für die Dauer eines Projektes regelmäßig in die 80er Jahre Kälte einer Ansammlung steriler Frankfurter Bürobauten. Pendler-Alltag, den ich gerade nur überstehe, weil er temporär ist. Und dann denke ich, dass das Jammern auf zu hohem Niveau ist. Immerhin können wir vom Texten leben und haben es schon ganz schön.  Und so wird tief durchgeatmet, die Zeit daheim zwischen den Hügeln genutzt, auch wenn das Schreiben etwas kurz kommt. Aber ich habe mir von Anfang an vorgenommen, mich niemals treiben zu lassen von dieser privaten Beschäftigung. Also läuft es so, wie der Fluss des Lebens es gerade hergibt.

Und dieser Lebensfluss hat mich gerade mitten in die Gefilde der grauen Herren gespült.  So geht es mir, wenn ich morgens in Frankfurt den Massen ausweiche, die nur keinen Schritt ausweichen wollen um auf kürzestem Weg in die weiterführende S-Bahn zu gelangen. Zeit sparen, effizient ein, den Blick aufs Smartphone oder energisch nach vorne gerichtet. Keine Zeit für ein freundliches Lächeln nach rechts oder links. Schade, wenn man bedenkt, dass der Spruch doch stimmt: Das Lächeln, das Du aussendest kehrt stets zu Dir zurück. Ich versuche mich darin zu üben, die Menschen um mich herum bewusst wahrzunehmen, was tatsächlich dadurch erschwert wird, dass die meisten damit beschäftigt sind, sich hinter ihren Mausern und Masken zu verstecken. Wie oft erlebt man direkte Blickkontakte? Die fühlen sich schon befremdlich an. Wie schade. Die zu vielen Männer in dunklen Geschäftsanzügen, die mehr oder weniger fit das Tempo durchziehen, das signalisieren soll: Hier kommt ein Macher. Die Frauen, weniger im Kostüm, aber dafür öfter auf Absätzen. Wobei Schuh und Absatzhöhe so einiges über das Selbstbild oder die eingenommene Rolle der Schuhträgerin zeigen. Besonders schwierig, die resoluten Frauen mit Biss, die der Welt zeigen, dass sie dazu gehören und ihre Kompetenz unter den Füssen zu tragen scheinen und mitunter schwer daran tragen, wie es aussieht. Das sind die Schritte, die man schon aus der Entfernung durch Flure hallen hört, die aufdringlich die Räume betreten und wahrgenommen werden wollen.

All diese Menschen verteilen sich dann morgens hinter spiegelnden Scheiben, die so wirken als wollten sie den Himmel draußen halten und ihn nicht hineinlassen, in ihre immer sterilen und leblosen Flure, egal wie viel persönlichen Krempel die Kollegin hortet und egal, ob das Unternehmen kreative Spielräume und Ruhezonen oder Sitzinseln integriert. Es bleibt  Arbeitsraum. Raum, der den Großteil des Tages schluckt und uns irgendwann wieder entlässt in die verbleibenden freien Stunden. Die Schritte sind dann  ebenfalls schnell, es geht mit der Bahn ins nächste Kästchen,  Zuhause genannt, aber weniger Energie schwingt mit.  Der Nachhauseweg ist die Zeit, die der Metamorphose vom Arbeitstier-Lohnsklaven zum Privatmenschen gehört.

Nicht immer muss es so sein, aber viel zu oft ist es so.  Und ich habe da keine Lust mehr drauf und mache es anders. Aber der temporäre Einblick in die Alltagsrealität so vieler Büros ist doch immer wieder lehrreich. Und lässt mich dankbar sein.

Und der Gedanke an die grauen Herren lässt mich zurück daheim nach einem anderen Buch von Michael Ende greifen: Seinem Zettelkasten. Kein weiterer Roman, aber eine Sammlung von Stoffen, Skizzen und Notizen, die voller Wahrheiten stecken und das Bild eines Autors und Menschen zeichnen, der ganz genau hingeschaut und verstanden hat. Nicht immer mit dem Strom geschwommen ist und in seiner verzaubernden feinen Sprache einen Ausdruck gefunden hat, der nicht aufmerksamkeitsheischend daherkommt, sondern durch die Wahrhaftigkeit, den klaren Blick und die reiche Fantasie so berührt und bewegt.

Ein Zettelkasten, der so reich ist, dass ich wohl noch öfter hineingreifen werde.

Hier ein kleiner Gedanke, den ich sehr groß finde und der mir aus der Seele spricht in seiner Sicht auf die Schreiber dieser Welt, die uns als Publikum suchen:

Stilistische Mätzchen

Bei manchen Autoren kann ich den Eindruck nicht loswerden, dass sie beim Schreiben ständig den kleinen Finger abspreizen und ein feines Mündchen machen. Meist werden sie von der Kritik als bedeutende Stilisten gefeiert. Mich verärgert das eher. Wenn sich mir beim Lesen immer wieder das Gefühl aufdrängt, dass der Autor mich durch seine Zeilen hindurch mit hochgezogenen Augenbrauen anblickt, als wolle er fragen: „Hast du auch gemerkt, wie ungewöhnlich und feinsinnig ich das wieder formuliert habe?“, dann verliere ich jede Lust und klappe das Buch zu. (Michael Ende)

Recht hat er. Und leider finden sich diese Mätzchen ja nicht nur unter den Autoren.

Aber neben den Autoren, die man, wenn man könnte gerne mal am Tisch sitzen hätte, gibt es ja auch noch andere menschliche Lichtblicke und denen sollte man ab und zu einen Kuchen backen.

Aus Lemon Bread wird Orangenkuchen

Als Lemon Bread hat der Kuchen mitunter unseren Frühstückstisch bereichert.  In Ermangelung von Zitronen sind in diese Version Orangen gewandert.

Zu Recht.

Teig

6 Eier
40 Gramm geschmolzene Butter
Zesten von zwei (ungespritzten) Orangen
Saft von 1,5 Orangen plus Flüssigkeit nach Wahl (Wasser, Kokosmilch) um auf ca. 220 ml zu kommen
2 Teelöffel Vanille
5-6 Esslöffel Zucker
ca. 80-100  Gramm Kokosmehl

Glasur
3 großzügige Teelöffel Butter
3 großzügige Teelöffel Xucker
Zesten und Saft von einer halbe Orange
1 Teelöffel Vanille

  • Ofen auf 18o Grad vorheizen.
  • Eier, Butter und Xucker schaumig schlagen.
  • Orangen-Zesten, Orangensaft, die Butter sowie Flüssigkeit und Vanille dazugeben und mit dem Xucker verquirlen. Es entsteht eine leicht cremige Konsistenz, die aber noch läuft.
  • Das Kokosmehl dazu geben und quirlen. Mit dem Kokosmehl ruhig eher geizig sein. Der Teig sollte eine cremige Konsistenz haben, nicht zu trocken sein. Wenn er zu krümelig wird, etwas Flüssigkeit nachgießen.
  • Den Teig in eine gebutterte Kastenform geben und im Ofen ca. 40 Minuten backen, bis der Kuchen an der Oberfläche schön gebräunt ist.
  • In der Zwischenzeit die Zutaten für die Glasur in einem kleinen Topf erhitzen, bis der Xucker mit der Butter verschmolzen ist.
  • Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen, dann die Glasur verteilen und den Kuchen in das Gefrierfach (wenn es schnell gehen soll) oder in den Kühlschrank stellen, bis er komplett gut abgekühlt ist und die Glasur angezogen hat.

Tipp: Den Kuchen abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren.

Guten Appetit!

Ein Jahr, Auge in Auge mit dem Schweinehund und Abschied von der Avocadocreme

Avocado KritikEs ist genau ein Jahr.  Ein Jahr her, dass die netten Menschen vom seltsamen Umzugsunternehmen in Windeseile ihren Laster entluden und uns mit diversen Kistenhaufen und einer ziemlichen Ungewissheit auf dem Dorf zurückließen und selbst zurück in Richtung Berlin fuhren.

Ich gebe zu, als wir selber am gleichen Tag die große Stadt verließen, kullerten bei mir kurz ein paar Tränen, so etwas wie die plötzliche Furcht vor der eigenen Courage, aber diese unbestimmte  kleine Sorge und die Ungewissheit, die am ersten Abend mit uns im Kistenchaos saßen, wichen ganz schnell der Freude am Neuen und der Entdecker-Lust.

Ein Jahr später sind alle Kisten ausgepackt und das alte Leben in der großen Stadt steht in einem anderen, schön-spannend-durchwachsenen Kapitel.  Es fühlt sich sehr abgeschlossen und entrückt an. Was davon bleibt sind vor allem die lieben Menschen, die einen weiter begleiten und der Stolz, es gewagt und geschafft zu haben. Ja, es sieht gerade ziemlich gut aus. Und der Mittagsspaziergang durch die Sonne rund ums Dorf hat den Kopf kurz ganz sachte warm gestreichelt und einen bestärkt in der Richtigkeit der eigenen Entscheidung.

Ich  war mir dessen nicht wirklich bewusst, bevor wir uns entschieden haben etwas grundlegend zu ändern, ich habe nur zunehmend angespannt reagiert auf jede der vielen Geschichten, die einem die unterschiedlichen Medien über mutige Lebens-Richtungs-Wechsel und Neuanfänge servieren.  Ich wollte nicht die Erfolgsgeschichten anderer Leute wiederkäuen und beklatschen (auch wenn viele eine Menge Respekt verdient haben), ich wollte selber ein kleines Abenteuer erleben. Nur zu leicht kann man sich ja auch ein wenig einschüchtern lassen, wenn ein Lebensmodell da medial aufbereitet wird. Denn das klingt ja immer nach ein bisschen mehr als nur Job und Sicherheit aufgegeben und sich örtlich verändern. Nein, das sind dann meist gleich großartig klingende Projekte, die im Zusammenhang mit dem Wechsel aus der Taufe gehoben wurden. Oder kleine Unternehmen (ok, das sind wir tatsächlich auch), aber dann immer mit einem Zeitgeist-gemäßen ästhetisch-intellektuellen Aufhänger und mit einer entsprechenden Bildersprache.  Das war mir persönlich zu viel. Dort wird nur allzu oft einem Ego geschmeichelt, das sich da lang und breit in Szene setzen lässt. Und viel zu selten wird mal erwähnt, dass es auch klein und leise geht. Ohne großes Kapital, ohne  Plan B. Man kann sein Leben ändern, raus aufs Land – das muss nicht gleich das ambitionierte Hofprojekt sein. Oder an einen anderen Ort.  Das muss gar nicht zum Herzeigen sein, aber gelebt werden sollte es. So ganz und mit Überzeugung und dann wird Ungewissheit auch belohnt. Übermütig werden lässt mich das nicht. Tief drinnen habe ich uns all das zugetraut, aber man weiß vorher nie was kommt. Das weiß ich auch jetzt noch nicht. Ich weiß nur, dass wir uns bemüht haben und eine neue Bescheidenheit gelernt haben und diese Veränderung belohnt immer wieder. Vor allem mit dem Gefühl, bei mir angekommen zu sein. Und das ist eine ganz wunderbare Ausgangsbasis für neue Abenteuer… Wird es immer der Taunus sein? Was für andere Modelle des Arbeitens stehen uns noch offen? Welche schönen Dinge möchte ich noch tun, von denen ich noch gar nichts weiß? Es sind nämlich nicht immer nur die anderen, die irgendwie vom Glück geküsst, mit besseren Startbedingungen, mehr Talent, mehr Zeit, mehr Kreativität,… Nein, die Veranlagung hat zum Glück jeder. Nur wie wir sie nutzen, das ist mitunter traurig anzusehen. Und den Mut trägt auch jeder in sich, nur wird er allzu oft betäubt und vergraben oder kompensiert durch Ersatzlösungen und Kompromisse. Und die sind tatsächlich allzu oft materieller Natur.

Ich fand das auch recht angenehm, in der großen Stadt, mit einem festen Gehalt und als Ausgleich zum Arbeitsstress oder zu besonderen Anlässen habe ich mich selbst belohnt. Allerdings oberflächlich. Die neue Hose hätte dann immer gerne noch ein paar neue Schuhe dazu bekommen, der fünfte Nagellack möchte nicht der letzte in der Sammlung sein und das zweite Glas Wein lässt einen weiter bestellen, wir schauen mal nicht so genau hin und suchen lieber noch neue schöne Gläser zum Wein. Das ist in einem gewissen Rahmen ja völlig verständlich und ok. Aber es ist vielerorts doch eine gewisse Maßlosigkeit eingezogen. Ich stehe heute vor meinem Schrank und frage mich, was ich mit 10 Paar Sneakern soll. Wann ziehe ich die an? Nun verschenke ich, was ich kann um mich herum und gebe den Rest weiter. Ich habe immer noch mehr als genug. Einiges davon bleibt auch gerne hier, ich will weniger Neues einziehen lassen. Ich halte auch die diversen Simplify-Ratgeber für Nonsens, die Dir beibringen wollen, welche 10 Dinge Dir reichen für das Leben. Am besten dann mit Weiterleitung zum Renovierungs-Ratgeber und Einkaufsberater, damit jede Oberfläche an und um einen Reduzierung schreit. So funktioniert es eher nicht. Das muss schon jeder selber für sich herausfinden, und vor allem den persönlichen Bereich identifizieren, in dem entrümpelt werden sollte. Es muss und soll auch nicht in der totalen Askese enden, sondern es geht um ein Bewusstsein für sich und das eigene Leben und die Menschen um einen herum. Auch wenn das furchtbar nach Mainstream-verseuchten Eso-Müll klingt. Da wurde ja auch gute Arbeit geleistet. Viele kluge Gedanken sind längst in die Form von Redensarten gegossen und langsam aber sicher in der Ecke der hohlen oder verspinnerten Phrasen platziert worden. So dass man seltsam klingen muss, wenn man anfangen möchte sich bewusst zu äußern.

Neulich sagte jemand, es liegt ein ganzes Stück Weg zwischen dem Fakt, dass man etwa die enorm liest und der tatsächlichen Umsetzung eines nachhaltigen Lebensmodells (im Sozialen, Materiellen und letztlich auch Spirituellen). Es ist sicher ein Anfang, sich mit bestimmten Themen intensiver auseinander zu setzen, aber nur allzu selten wird der Schritt von der intellektuell verbauten Meta-Ebene wirklich hinein ins Praktische vollzogen.

Das ist nämlich recht anstrengend. Ich bin weit davon entfernt mein Leben als abgeschlossenes Modell zu betrachten. Das soll es niemals sein. Es steckt nur so voller Überraschungen und zeigt mir gerade in den letzten Monaten immer öfter, was möglich ist, wenn man sich traut. Manchmal habe ich auch keine Lust und denke, es wäre einfacher wieder konventionell zu konsumieren und bei den Menschen nicht so genau hinzuschauen und wieder auf eine oberflächlichere Ebene einzusteigen und Spielchen mitzuspielen, weil es vermeintlich schneller geht. Aber ich weiß, dass ich mir damit keinen Gefallen tue und dass ich dieses schöne Gefühl der entspannten Zufriedenheit nicht anders hätte erreichen können. Und ein wenig stolz bin ich auch, auf das was wir in einem Jahr auf die Beine gestellt haben, auf dem Dorf, im Privaten, mit der eigenen Firma und auch hier, auf diesen persönlichen, virtuellen Seiten. Denn nicht nur ein Jahr ist es, dass wir hier sind, 100 Einträge sind es nun auch, seit ich begonnen habe den Schweinehund wegzutreten, der sich an meine große Lust am Wort geklammert hat und jeden Gedanken an das Schreiben, jenseits der Arbeit, lange verscheucht hat. Lange dachte ich auch so ein Blog, das endet immer in einer narzisstischen Nabelschau und das ist das letzte was ich will. Aber dem muss gar nicht so sein. Davon gibt es viele Beispiele, sicher. Die Bühne ist ja wunderbar bereitet. Aber es gibt so viele stille Perlen, die in den Untiefen der Blogwelt leuchten und ich freue mich immer wieder, wenn ich neue entdecke und bin ehrlich bewegt, wenn ich sehe, wie eifrig meine Gedanken gelesen werden. Das ist eine schöne Motivation den Schweinehund weiter zu treten und weiter nachzudenken und weiter zu suchen nach den vielen schönen Gedanken und Anregungen, die so viele mutige Schreiber in die Welt setzen.

Und kleine Meilensteine kriegen dann doch manchmal eine Belohnung. Das war gerne mal eine Koriander-Avocadocreme. Wobei ich echt keine Avocados mehr kaufen kann seit ich jetzt für diesen Eintrag recherchiert habe. Avocadobäume brauchen täglich 50 Liter Grundwasser und werden für den Export zumeist in Regionen angebaut, die nicht eben bekannt sind für Wasserreichtum, etwa Peru, Israel. Und auch die Bio-Variante löst das Wasserproblem nicht. Also ist dies ein Abschiedsgesang auf einen köstlichen Vertreter der Beeren-Familie. Ein Superfood, das einen Preis hat.

Tschüss, Avocado.