Hasenweich, der Zettelkasten von Michael Ende und eine Kuchenlieben-Variation: Orangenkuchen

Paleo Orangenkuchen mit Michael EndeKeine Zeit, zu spät, zu spät…  Momentan bin ich voll im Modus des weißen Kaninchens aus Alice im Wunderland. Eine Lektüre, die ich Erwachsenen nur ans Herz legen kann! Der Kontakt  mit dem Disney Spielfilm brachte meine Eltern in die Bedrängnis, mir ein Kaninchen zu schenken, ich wollte einfach nicht mehr Ruhe geben. Weiß gab es nicht, dafür schwarz und hasenweich ist definitiv eine feststehende Messeinheit für die Flauschigkeit von Dingen.

Aber nicht immer ist das Leben hasenweich, dann würde man sich vor wohlbehaglicher Trägheit kaum rühren. Gerade ist es umtriebig. Der quasi Beamtenjob unter den Texter-Aufträgen, der Einsatz auf Unternehmensseite, treibt mich für die Dauer eines Projektes regelmäßig in die 80er Jahre Kälte einer Ansammlung steriler Frankfurter Bürobauten. Pendler-Alltag, den ich gerade nur überstehe, weil er temporär ist. Und dann denke ich, dass das Jammern auf zu hohem Niveau ist. Immerhin können wir vom Texten leben und haben es schon ganz schön.  Und so wird tief durchgeatmet, die Zeit daheim zwischen den Hügeln genutzt, auch wenn das Schreiben etwas kurz kommt. Aber ich habe mir von Anfang an vorgenommen, mich niemals treiben zu lassen von dieser privaten Beschäftigung. Also läuft es so, wie der Fluss des Lebens es gerade hergibt.

Und dieser Lebensfluss hat mich gerade mitten in die Gefilde der grauen Herren gespült.  So geht es mir, wenn ich morgens in Frankfurt den Massen ausweiche, die nur keinen Schritt ausweichen wollen um auf kürzestem Weg in die weiterführende S-Bahn zu gelangen. Zeit sparen, effizient ein, den Blick aufs Smartphone oder energisch nach vorne gerichtet. Keine Zeit für ein freundliches Lächeln nach rechts oder links. Schade, wenn man bedenkt, dass der Spruch doch stimmt: Das Lächeln, das Du aussendest kehrt stets zu Dir zurück. Ich versuche mich darin zu üben, die Menschen um mich herum bewusst wahrzunehmen, was tatsächlich dadurch erschwert wird, dass die meisten damit beschäftigt sind, sich hinter ihren Mausern und Masken zu verstecken. Wie oft erlebt man direkte Blickkontakte? Die fühlen sich schon befremdlich an. Wie schade. Die zu vielen Männer in dunklen Geschäftsanzügen, die mehr oder weniger fit das Tempo durchziehen, das signalisieren soll: Hier kommt ein Macher. Die Frauen, weniger im Kostüm, aber dafür öfter auf Absätzen. Wobei Schuh und Absatzhöhe so einiges über das Selbstbild oder die eingenommene Rolle der Schuhträgerin zeigen. Besonders schwierig, die resoluten Frauen mit Biss, die der Welt zeigen, dass sie dazu gehören und ihre Kompetenz unter den Füssen zu tragen scheinen und mitunter schwer daran tragen, wie es aussieht. Das sind die Schritte, die man schon aus der Entfernung durch Flure hallen hört, die aufdringlich die Räume betreten und wahrgenommen werden wollen.

All diese Menschen verteilen sich dann morgens hinter spiegelnden Scheiben, die so wirken als wollten sie den Himmel draußen halten und ihn nicht hineinlassen, in ihre immer sterilen und leblosen Flure, egal wie viel persönlichen Krempel die Kollegin hortet und egal, ob das Unternehmen kreative Spielräume und Ruhezonen oder Sitzinseln integriert. Es bleibt  Arbeitsraum. Raum, der den Großteil des Tages schluckt und uns irgendwann wieder entlässt in die verbleibenden freien Stunden. Die Schritte sind dann  ebenfalls schnell, es geht mit der Bahn ins nächste Kästchen,  Zuhause genannt, aber weniger Energie schwingt mit.  Der Nachhauseweg ist die Zeit, die der Metamorphose vom Arbeitstier-Lohnsklaven zum Privatmenschen gehört.

Nicht immer muss es so sein, aber viel zu oft ist es so.  Und ich habe da keine Lust mehr drauf und mache es anders. Aber der temporäre Einblick in die Alltagsrealität so vieler Büros ist doch immer wieder lehrreich. Und lässt mich dankbar sein.

Und der Gedanke an die grauen Herren lässt mich zurück daheim nach einem anderen Buch von Michael Ende greifen: Seinem Zettelkasten. Kein weiterer Roman, aber eine Sammlung von Stoffen, Skizzen und Notizen, die voller Wahrheiten stecken und das Bild eines Autors und Menschen zeichnen, der ganz genau hingeschaut und verstanden hat. Nicht immer mit dem Strom geschwommen ist und in seiner verzaubernden feinen Sprache einen Ausdruck gefunden hat, der nicht aufmerksamkeitsheischend daherkommt, sondern durch die Wahrhaftigkeit, den klaren Blick und die reiche Fantasie so berührt und bewegt.

Ein Zettelkasten, der so reich ist, dass ich wohl noch öfter hineingreifen werde.

Hier ein kleiner Gedanke, den ich sehr groß finde und der mir aus der Seele spricht in seiner Sicht auf die Schreiber dieser Welt, die uns als Publikum suchen:

Stilistische Mätzchen

Bei manchen Autoren kann ich den Eindruck nicht loswerden, dass sie beim Schreiben ständig den kleinen Finger abspreizen und ein feines Mündchen machen. Meist werden sie von der Kritik als bedeutende Stilisten gefeiert. Mich verärgert das eher. Wenn sich mir beim Lesen immer wieder das Gefühl aufdrängt, dass der Autor mich durch seine Zeilen hindurch mit hochgezogenen Augenbrauen anblickt, als wolle er fragen: „Hast du auch gemerkt, wie ungewöhnlich und feinsinnig ich das wieder formuliert habe?“, dann verliere ich jede Lust und klappe das Buch zu. (Michael Ende)

Recht hat er. Und leider finden sich diese Mätzchen ja nicht nur unter den Autoren.

Aber neben den Autoren, die man, wenn man könnte gerne mal am Tisch sitzen hätte, gibt es ja auch noch andere menschliche Lichtblicke und denen sollte man ab und zu einen Kuchen backen.

Aus Lemon Bread wird Orangenkuchen

Als Lemon Bread hat der Kuchen mitunter unseren Frühstückstisch bereichert.  In Ermangelung von Zitronen sind in diese Version Orangen gewandert.

Zu Recht.

Teig

6 Eier
40 Gramm geschmolzene Butter
Zesten von zwei (ungespritzten) Orangen
Saft von 1,5 Orangen plus Flüssigkeit nach Wahl (Wasser, Kokosmilch) um auf ca. 220 ml zu kommen
2 Teelöffel Vanille
5-6 Esslöffel Zucker
ca. 80-100  Gramm Kokosmehl

Glasur
3 großzügige Teelöffel Butter
3 großzügige Teelöffel Xucker
Zesten und Saft von einer halbe Orange
1 Teelöffel Vanille

  • Ofen auf 18o Grad vorheizen.
  • Eier, Butter und Xucker schaumig schlagen.
  • Orangen-Zesten, Orangensaft, die Butter sowie Flüssigkeit und Vanille dazugeben und mit dem Xucker verquirlen. Es entsteht eine leicht cremige Konsistenz, die aber noch läuft.
  • Das Kokosmehl dazu geben und quirlen. Mit dem Kokosmehl ruhig eher geizig sein. Der Teig sollte eine cremige Konsistenz haben, nicht zu trocken sein. Wenn er zu krümelig wird, etwas Flüssigkeit nachgießen.
  • Den Teig in eine gebutterte Kastenform geben und im Ofen ca. 40 Minuten backen, bis der Kuchen an der Oberfläche schön gebräunt ist.
  • In der Zwischenzeit die Zutaten für die Glasur in einem kleinen Topf erhitzen, bis der Xucker mit der Butter verschmolzen ist.
  • Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen, dann die Glasur verteilen und den Kuchen in das Gefrierfach (wenn es schnell gehen soll) oder in den Kühlschrank stellen, bis er komplett gut abgekühlt ist und die Glasur angezogen hat.

Tipp: Den Kuchen abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren.

Guten Appetit!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s