Obsoleszenz im Überfluss, neue Netzwerke bilden und winterliche Begleiter: Rosenkohl aus der Pfanne mit Knoblauch

Rosenkohl mit KnoblauchMan kann dann gar nicht anders, als sich kurz dem Wutknoten hinzugeben. Wohlwissend, dass das so ziemlich das unproduktivste Verhalten ist, aber für einen kurzen Moment darf das Überhand nehmen.  So geht es mir zumindest immer, wenn ich irgendwo auf engagierte Menschen stoße, die mit ihrer Arbeit, seien es Artikel, Dokumentationen oder Bücher, doch erschreckend ungehört bleiben im ausdauernd rieselnden Strom der Informationshäppchen, die uns um die Ohren geweht werden. Klug gemacht, nicht wahr? Es ist alles da, aber es wird uns im Alltags-Hamsterrad zunehmend erschwert, die kleinen schwierig aufzufindenden Wahrheitstrüffel von den vielen Gedankenstücken zu trennen, die uns wie Brotkrumen hingeworfen werden, um uns zu informieren oder eher um uns anzuleiten in der Meinungsbildung und der vermeintlich so freien Sicht auf die Welt.

So vieles liegt auf der Hand und doch nehmen wir lieber in Kauf, ein Auge zu zudrücken, wenn es drauf ankommt. Oh, was können wir klug diskutieren am Esstisch unter Freunden und Kollegen, Bücher, Studien und aktuelle Artikel von großen Tagesblättern mit Anspruch zitieren, ohne dabei einen einzigen eigenen Gedanken zu formulieren. Wir merken das nicht einmal. Wer hierzulande ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert hat, lernt es ja auch nicht anders. Belegstellen, Zitate und Definitionen, die beweisen, untermauern und unsere Aussage legitimieren sollen. Das Ganze noch geschmiert mit ein bisschen Eitelkeit und ganz schnell ist man drin in der intellektuellen Nabelschau, der geistigen Selbstdarstellung, führt einen Diskurs anstelle eines Gespräches – kaum auszuhalten. Was dabei verschwindet und sich lieber in die stille Ecke drückt, ist das unbedarfte Argumentieren aus dem Bauch heraus, das Ausdruck eines gesunden Menschenverstandes ist.  So richtig auftauen und unverstellt die eigene Meinung sagen, tun die wenigsten. Bei so manchen Themen scheint das Risiko zu hoch in eine seltsame Schublade gesteckt zu werden, und das will ja keiner. Also macht sich auch in den Diskussionen allzu oft ein Argumentationsspektrum breit, das auf Dauer so interessant wie trockener Toast ist und keine Risiken eingeht.  Für unbequeme oder abweichende Meinungen gibt es auch das schnell bereit gestellte Kästchen der Verschwörungstheorien, dazu ein kleines Zusatzetikett auf dem steht: Spinner, Miesmacher, Schwarzseher.
Und meist findet sich irgendwer in der Runde, der dem mutigen Menschen, der sich da vielleicht argumentativ aus der Ecke getraut hat, den intellektuellen Genickschuss gibt,  indem noch schnell eine Belegstelle herbeigezaubert wird, die den vorsichtigen Bauchgedanken in seine Schranken verweisen soll. Leider ist das keine Diskussionskultur, auch wenn die praktizierenden Köpfe sicherlich anders denken werden, meinen sie doch die Geisteskultur hinter sich versammelt zu wissen, mit all ihren gängigen Quellen und Argumenten. Nein, da wird sich nicht ausgetauscht, da wird die Keule geschwungen und niedergemäht, was nicht passt.
Entweder, weil es die eigene Meinung in Frage stellt (was sich ja durchaus auch als Bereicherung herausstellen könnte, aber gewisse Unabwägbarkeiten beinhaltet, die zu unbequem sind) oder aber, weil das eigene Ego einmal mehr mit einem durchgeht und die Diskussion als Bühne braucht, um den eigenen Verstand in den Mittelpunkt zu stellen. So ist es. Viel zu oft. Man ist ja letztlich unter Menschen. Fast immer gibt es einen in der Runde, der den Ton angeben muss und alle anderen an den Rand spielt. Manchmal sind es auch mehrere Köpfe, die da das vermeintliche Publikum genießen und zu Höchstformen auflaufen und ohne jedes Bewusstsein für das Drumherum so manche spannende Diskussion ersticken und die Lust nehmen, weiterzureden.

Und so fallen viele Themen unter den Tisch oder werden einseitig diskutiert. Und einseitig heißt nur allzu oft, im Sinne der vielfach politischen oder wirtschaftlichen Agenda unserer Meinungsbildner im Hintergrund. Das betrifft so ziemlich alle Bereiche unseres Lebens.
Wo es mich immer wieder echt wie der Schlag trifft, ist, wenn es um das weite Feld des Konsums geht. Dass Unternehmen und Wirtschaft Politik bestimmen, kann man mittlerweile ja in so mancher Runde durchaus äußern, aber man kriegt doch immer mal wieder ein mitleidiges Lächeln, das Etikett des Schwarzseher und Spinners verpasst oder trifft auf Menschen, die zwar Dinge sehen und wahrnehmen, aber einfach nicht in der Lage sind, für ihr eigenes Leben Entscheidungen zu treffen und etwas zu ändern.
Ein Film, der mir das wieder deutlich vor Augen geführt hat, ist die Dokumentation „Kaufen für die Müllhalde“ von Cosima Dannoritzer, die sich um die geplante Obsoleszenz dreht.

Auch wer die Augen ganz fest zukneift, um nicht in seiner einfachen Vorstellung unserer Welt gestört zu werden, wird sich schon einmal Gedanken über die fragwürde Lebensdauer von Konsumgütern gemacht haben. Da geht es dem Konsumenten ja mal direkt an den Geldbeutel. Da tut es schon mal weh.

Aber ändern tut sich nichts oder viel zu wenig. Wir wollen doch immer wieder das Neue, denn das zeigt, dass wir uns das leisten können und dass wir wissen, was das Neueste ist. Wir wollen kein altes Auto, wir wollen neue technische Gadgets, wir wollen aktuelle Mode und Einrichtungsgegenstände. Was kaputt geht, ersetzen wir. Wir haben ja gar nicht mehr die Fähigkeiten, die es braucht Dinge zu reparieren. Und wo wir gerne selbst Hand anlegen würden, sind die betreffenden Güter heutzutage derart gestaltet, dass wir nicht mehr selber ran können. Man muss nur mal einem älteren Auto unter die Motorhaube schauen und einem Neuwagen – mit Schrauben in der Freizeit ist da nicht mehr viel.  Und dann ist da kurz der Ärger über die kurzen Lebensspannen vieler Dinge, aber wir ziehen nicht die richtigen Schlüsse und konsumieren weiter.  Das gibt ja auch so eine schöne kleine Befriedigung, wenn da etwas neu Glitzerndes Einzug hält in unser Leben.

Noch schöner kann es aber sein, zu überlegen, wie man etwas ändern kann. Was kann ich? Und sei es nur die Hose zu stopfen und selber zu kürzen statt sie wegzutun. Und wenn ich das gut kann, dann kann ich es auch für andere tun. Und die können vielleicht im Gegenzug einen Stecker an meinem alten Küchengadget austauschen oder haben andere Fähigkeiten. Das geht schon in ganz kleinem Maßstab. Man kann im engen Umfeld anfangen und lernt ganz nebenbei etwas Spannendes über die Menschen, mit denen man sich austauscht und über sich selber. Und man erobert sich ein kleines Stück Unabhängigkeit zurück. Und dann vielleicht noch eines und noch eines und…

Eines meiner Wunschprojekte ist eines Tages ein kleiner Gemüsegarten, da fehlen mir echt noch die Fähigkeiten und der entsprechende Boden. Aber der Plan ist da und wenn es soweit ist, werde ich mich nicht scheuen, mir kluge und patente Menschen zu suchen, die mir Tipps geben können. Auch die Bepflanzung steht fest. Ein ganz kleiner Nutzgarten, so wie man sie im ländlichen Raum oft sieht, mit einer Bepflanzung und Fruchtfolge, die das ganze Jahr abdeckt. Ein kleines Stück Unabhängigkeit, die Arbeit bedeutet aber Ergebnisse schenkt.

Und tatsächlich würde ich auch Rosenkohl pflanzen. Mochte ich früher nie, aber man darf sich ja neu begegnen. Es geht nämlich auch anders als in Form weich verkochter Kugeln…

Beilage: Gebratener Rosenkohl mit Knoblauch
500 Gramm Rosenkohl
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
Kokosöl oder Schmalz
Salz
Pfeffer
Butter

  • Den Rosenkohl vom Strunk befreien und die einzelnen Blätter ablösen (die mühselige Arbeit wird durch den Geschmack belohnt) und dann gründlich waschen.
  • Die Kohlblätter blanchieren und dann in einem Sieb gut abtropfen lassen.
  • Das Fett der Wahl (Schmalz für eine deftigere Note, Kokosöl, wer es feiner mag) in einer Pfanne gut erhitzen, den Knoblauch zart anbräunen und dann für zwei bis drei Minuten die Rosenkohlblätter hinzugeben und kurz anbraten.
  • Zum Abschluss salzen, pfeffern und noch ein Stück Butter unterrühren.
  • Dazu passt sehr gut ein Stück Kassler oder eine deftige Rinderbratwurst…

Guten Appetit!

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2 Gedanken zu “Obsoleszenz im Überfluss, neue Netzwerke bilden und winterliche Begleiter: Rosenkohl aus der Pfanne mit Knoblauch

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