Kleine Rückzüge, Sonnenflecken und Küchenmomente: Kokos-Blumenkohl-Curry

Paleo-Kokos-Blumenkohl-Curry

Paleo-Kokos-BlumenkohlCurry mit Sonnenflecken

Sonnenflecken. Das ist das erste, was mir einfällt, wenn ich überlege, welche kleinen Beobachtungen des Alltags mir immer wieder Glücksmomente bescheren. Und  Sonnenflecken meint in diesem Fall nicht das hell strahlende Zentrum unseres Sonnensystems, sondern diese kleinen schüchternen Flecken Helligkeit, die sich mit dem fortschreitenden Frühjahr wieder unverhofft durch das Fenster über den Boden schieben und den Dingen für einen Moment einen ganz einzigartigen Zauber verleihen. Dann kann man kurz ganz still innehalten, die Nase in den Sonnenschein halten und sich freuen, dass sie wiederkehren, die langen lichten Tage, an denen die Sonne nicht mehr eine ferne kühle Scheibe ist, sondern einen einhüllt in die fast greifbare Wärme. Und je weiter es geht in Richtung Sommer, desto mehr Gold liegt auf den Sonnenflecken und am liebsten möchte ich es der Katze nachmachen und mir einen Fleck suchen und einfach ruhig sein und die Wärme genießen bis es prickelt.

Das macht mich glücklich.  Und dank wunderbarer Frühlingssonnentage, die in den Feldern schon die Ahnung von Sommergeruch wecken und die Bäume zum Blühen bringen, ist das Glücksgefühl dieser Tage recht ausgeprägt.

Allem Grübeln zum Trotz, denn irgendwie ist etwas in Bewegung geraten und viele Revisionen ziehen ihre gedanklichen Bahnen: Wenn ich all meine Essgewohnheiten und gelernten Nahrungsweisheiten überprüfen muss und es mir damit besser geht, was muss ich dann noch neu denken und anders betrachten, was ich lange nicht hinterfragt habe? Plötzlich hat sich ein ganzer Katalog von Themen aufgetan, die nach meiner Aufmerksamkeit heischen und an eingefahrenen gedanklichen Gerüsten rütteln. Sie bekommen ihren Platz und ihre Zeit. Gerade genieße ich die Lust am Kochen, die das intensive Nachdenken freisetzt und sammle Sonnenflecken, die tun mir gut. Bei Stress, Schwere und akuter Grübelei.
Beinahe Sonnengelb ist das neue Lieblingsessen:

Kokos-Blumenkohl-Curry (dazu gebratenes Lamm oder krosser Speck)

1 Blumenkohl waschen und in kleine Röschen teilen
1 große Zwiebel achteln
3-4 Zentimeter Ingwer fein hacken
2 Knoblauchzehen fein hacken
1 Dose Kokosmilch (je höher der Koksanteil, desto cremiger und Hände weg von fiesen E’s und Bindemitteln!)
2 Teelöffel schwarze/braune Senfkörner
1 Teelöffel fein gehackte Curryblätter
2 Teelöffel Kurkuma
Chilischoten nach Wahl , fein gehackt (ich mag es scharf und in Ermangelung frischer Schoten, war es eine fiese kleine getrocknete Chili)
Salz
Pfeffer
Kokosöl

Nach Wahl: Speck in Scheiben, kross gebraten oder am besten: Lammfleisch, in feinen Würfeln in Kokosöl scharf angebraten mit Ingwer, Chili und Salz!!!

  • Den Blumenkohl blanchieren.
  • 2-3 Esslöffel Kokosöl in einer Pfanne erhitzen, die Senfkörner darin erhitzen bis sie knistern.
  • Nun die Zwiebel, die Chili, den Knoblauch, den Ingwer, die Curryblätter und die Blumenkohlröschen in die Pfanne geben und anbraten, bis die Zwiebeln schön glasig sind.
  • Mit der Kokosmilch aufgießen, salzen, pfeffern und das Kurkumapulver dazugeben.
  • Ein wenig köcheln lasse, wer den Blumenkohl auch knackig mag, dem reichen 5-10 Minuten.

Guten Appetit! Mich hat es geschmacklich umgehauen und ich bin einer lieben Freundin sehr dankbar, die mir ihr Curry-Grundrezept verraten hat, mit dem ich dann improvisiert habe.

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Mehr geht vielleicht nicht, anders und ein Anisplätzchen

Paleo Anis PlätzchenLernen, lernen, lernen….. das Thema für die nächsten zwölf Monate steht fest, die Anmeldung liegt ausgefüllt vor mir und dann heißt es bald jeden Samstag acht Stunden lernen für den Jagdschein. Eine gewisse Faszination hat das Jagen schon immer auf mich ausgeübt,  in den fast zwei Jahren, die wir jetzt schon mit der Paleo-Ernährung leben, wurden die Gedanken rund um den Jagdschein immer konkreter und auch der Wegzug aus der großen Stadt war beeinflusst von dem Gedanken, andere Möglichkeiten zu nutzen. Klar, einen Jagdschein kann man überall machen, aber mit dem Wald vor der Tür und einer großen Jägergemeinschaft im ländlichen Umfeld ist es einfach nochmal etwas anderes.

Und nach vielem Reden und sich einlesen war der Infotag im örtlichen Jagdclub die Gelegenheit, mal zu schauen, wie nah Vorstellung und Wirklichkeit beieinander liegen. Weder der besondere Mensch noch ich können auf familiäre Anknüpfungspunkte zur Jagd zurückgreifen, wir stolpern da einfach ähnlich unbedarft rein wie von der Stadt aufs Dorf – eine Einstellung, die sich bisher als recht reibungslos erwiesen hat. Es ist immer wieder spannend, durch neue Hobbies oder Tätigkeiten treffen wir hier Menschen, denen wir so sonst nicht begegnet wären. Recht vielfältig ist sie, die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet, da die nächste Großstadt nie so wirklich weit weg ist, ist man hier gefühlt gar nicht so sehr auf dem Lande wie vielleicht anderswo, wo dem städtischen Bewohner ein nostalgischer Hauch um die Nase weht und neben den Wochenendhaus-Phantasien auch die leise Angst mitschwingt, ob es nicht furchtbar miefig und rückständig ist, das Leben auf dem Dorf. Nein, ich bin einfach nur positiv überrascht, natürlich gibt es hier eine gewachsene dörfliche Struktur und einen harten Kern alteingesessener Familien, aber die Geschichte des Dorfes profitiert auch von den Zugezogenen, die sich rund um den Dorfkern ausgebreitet haben.
Meist zieht es mich raus aus dem Dorf, in die Felder und in den Wald, aber wenn ich dann im Sonnenschein durch den Ort zur Post laufe, nimmt mich die Stimmung doch immer wieder gefangen, ich habe das Gefühl in einer Sonnenstaub-warmen Erinnerungsblase zu wohnen, sobald ich aus dem Hof trete. Ruhig ist es, entspannt und wer sich auf der Straße trifft und kennt, nimmt sich Zeit und wer sich nicht kennt, nimmt sich zumindest wahr und grüßt freundlich. Und arbeitsam ist man, das ganze Jahr über sieht man die Menschen am Haus, im Garten, in den Feldern, beim Holz, auf dem Dach…. es gibt was zu tun und  es wird getan. Das fühlt sich irgendwie gut an. Und nach der ersten Eingewöhnung habe ich festgestellt, mir macht das Spaß, das umtriebig sein. In der großen Stadt habe ich mich lange immer nach freier Zeit gesehnt, ohne eine konkrete Vorstellung zu haben, wie ich diese dann füllen möchte. Meist war das Ergebnis kurzweiliger Natur, so langsam hat sich aber der Kopf vom vielen Ballast befreit und ich  fange an, Pläne anders zu schmieden.
Es ist immer noch zu viel, was ich gerne täte, aber statt tausend Dinge anzureißen, möchte ich gerne ein paar Dinge richtig machen und können. Für mich. Um weiter zu kommen. Mit mir und dadurch auch mit anderen. Und ich möchte gerne mehr praktische Dinge machen, ich verbringe den Großteil meines Tages vor dem Rechner und werde für Kopfleistungen bezahlt – im Endeffekt ist mir das aber zu wenig. Und auch wenn ich selber in dem Bereich arbeite – die Kommunikations- und Beratungsbranche ist mir oftmals suspekt. Zuviel Geschwurbel und ein sich selbst und seine Arbeit zu wichtig nehmen, künstlich konstruierte Sprachmonstereien, die exklusiv wirken und oftmals der Fähigkeit des verständlichen Erklärens zu wenig Wert beimessen. Nein, wer drin ist konzentriert sich auf die low hanging Fruits, sucht den quick Return, hat die Benefits immer im Blick und lean sollte der Ansatz auf jeden Fall sein – immer im Dialog, immer innovativ – die Trends im Blick. Es schüttelt mich.  Da hat sich ein ganzer Arbeitsbereich selbst geschaffen und bläst sich immer weiter auf. Am Ende des Tages sind das tatsächlich die Stellen, die wir vielleicht am wenigsten brauchen. Die Denkerstübchen, die da in intellektuellen Wattewölkchensphären schweben und die Bodenhaftung verloren haben.  Vielleicht bin  ich zu wenig objektiv, aber mir sind einfach zu viele Beispiele untergekommen, in denen die Selbstbeweihräucherung einfach unverhältnismäßig war. Nicht nur, aber oftmals. Warum dann weiter arbeiten in einem solchen Feld? Weil wir es gut können und weil man immer die Chance hat, es anders zu machen. Und es funktioniert und wir merken ganz stark, dass wir einen bestimmten Schlag Menschen als Kunden und Partner anziehen. Allen gemein ist Professionalität, Substanz und die herrlich realistische Einschätzung der eigenen Bedeutung – keine Schaumschläger. Die sollen auch bitte woanders hin gehen.
Aber ich schweife ab, oder nein, es ist eine Erklärung – durch die Arbeit bewegen wir uns in einem fest gesetzten Kontext, der Kreis wird dann erweitert durch Freunde und Bekannte, die man an anderen Schnittstellen wie Uni, Ausbildung oder Hobby kennengelernt hat. Meist ohne große Überraschung. Wenn ich in Neukölln zum Yoga gegangen bin oder in Kreuzberg zum Pilates, konnte ich davon ausgehen dort einem bestimmten Schlag Menschen zu begegnen. Natürlich, wir suchen uns Orte, an denen wir uns wohl fühlen. Auch im Neuen wird irgendwie nach dem Vertrautem gesucht. Als Sicherheit und Orientierungswert. Davon ist einiges weggebrochen mit dem Wegzug aus der Stadt. Wir sind im Gesamtbild des Dorfes ein bisschen anders. Und irgendwann hat bei mir das Verständnis eingesetzt, dass es völlig unangemessen ist zu denken, die sind so anders, sondern vielleicht sind die sich alle vertraut und ich bin hier gerade die Belastung, weil ich verunsichert bin, weil ich andere Runden gewöhnt bin, und doch ziemlich festgefahrene Bewertungsmaßstäbe habe, dafür, dass ich mich immer für recht flexibel gehalten habe.
Wir erliegen da einer Illusion. Gerade in Großstädten wird sich ja gerne automatisch eine Weltoffenheit und –gewandtheit auf die Fahnen geschrieben, die dann auch eigentlich nie einem echten Realitätcheck unterzogen werden muss. Wir sind aufgeschlossen. Punkt. Nicht engstirnig, nicht spießig. Und suchen uns, aufgeschlossene Spießer, die wir sind, dann doch immer das Vertraute, das Gefällige. Aber im Grunde ziemlich anmaßend, wie ich rückblickend sagenmuss. Was macht meinen Bewertungsrahmen zu dem richtigen? Ich  nehme mich da nicht aus. Ich bin im Grunde ein schüchterner Mensch, ich möchte mich erst einmal umschauen, wenn ich irgendwo neu bin. Dann entscheiden, ob und wie ich mich einbringe. Eine Haltung, die nicht ganz passt, wenn einem die ständige Demonstration von Selbstbewusstsein und Kompetenz eingeimpft wird. Konterproduktiv ist das, denn in ihrer Unsicherheit überspielen viele ihre Schüchternheit oder ruhige Art allzu oft mit lautem Getöse, der aggressiven Demonstration von Kompetenz, einer unangreifbaren glatten Oberfläche oder einem unsozialen Gehabe, das im Mantel der sympathischen sozialen Gewandtheit, Rollen zuschreibt, Reviere absteckt, Konkurrenz im Griff behält. Anstrengend sind solche Menschen. Ich habe für mich lange den Weg des Kaspers genommen, schnelle Witze machen, sympathisch auftreten, flüssig reden können und wenig einschüchternd wirken. Hach, schön, kein Grund mich zu beißen.  Aber so lässt es sich nicht gut Widerstand leisten.
Jetzt bin ich lieber ruhig und genieße es.  Und es ist lustig zu beobachten, wer ruhig ist rückt in die zweite Reihe der Wahrnehmung, wird vielleicht erst einmal unter nicht wo wichtig eingeordnet – ich will nichts schönreden, ich habe oft genug selbst so gedacht und mich dann gerne vom Gegenteil überraschen lassen. Aber er ist spannend, der Blick in die zweite Reihe und wenn dann der ein oder andere ruhigere Kopf sich in einer Runde äußert, ist das oftmals auf den Punkt, überlegt und ohne die Selbstdarstellerei der Leute, die denken, sie müssten durch die ausdauernde Führungsrolle im Gespräch etwas beweisen. Halt nein, sie wissen es ja halt einfach besser. Menschen. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, 15 ganz verschiedene Menschen saßen da beim Auftakt im Jagdclub. Das wird nicht nur das Lernen eines Handwerks, das wir auch das Lernen mit Menschen. Ich kann es kaum erwarten und werde derweil schon einmal das Bestimmungsbuch bemühen, damit ich nicht ganz bei Minus 10 in Sachen Wald, Flora und Fauna anfangen muss. Es dämmert mir nämlich so langsam, wie wenig ich eigentlich weiß über die Landschaft, in der ich so gerne lebe…. Also steht das Programm fest und jetzt muss der Kopf nur noch ein wenig loslassen, nicht alles wird möglich sein in den nächsten Monaten, wenn ich das Jungjäger-werden ernst nehmen will. Vielleicht ist das nicht der richtige Zeitpunkt für die erträumte Reitbeteiligung,   werde ich nicht die geplanten Kostüme nähen und auch nicht die vielen Fotoideen umsetzen, aber vielleicht werde ich dafür belohnt mit neuem Wissen und Können. Solide und nicht nur schnell-schnell, weil es gerade passt. Für manches muss man wohl einen längeren Atem haben….

Aber das Kochen, das hört nicht auf. Im Gegenteil – ich freue mich schon auf frisches Wildbret. Bis dahin duften andere Dinge durchs Haus:

Mandel-Walnuss-Anis-Kekse
(ich habe jetzt ziemlich lange nicht mehr gebacken, ich wollte Abstand nehmen, von zu viel versteckten Belohnungsmechanismen, aber manchmal passt er gut zum Frühlingssamstagsgrau, der Duft nach Keksen)

250 Gramm gemahlene Mandeln
80 Gramm weiche Butter
100 Gramm gehakte Walnüsse
2 gestrichene Teelöffel gehakten  Anis
Prise Salz
4 Esslöffel Xucker
Frischhaltefolie 

  • Die weiche Butter mit dem Anis, Salz und dem Xucker aufschlagen, dann die Mandeln und Walnüsse untermixen bis ein klebriger Teig entsteht.
  • Den Teig auf der Frischhaltefolie zu einer Rolle formen (ca. 3 cm Durchmesser) in die Folie einschlagen und für eine Stunde in das Tiefkühlfach legen.
  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen, die Teigrolle in Scheiben schneiden (gute 0,5 cm dick) und auf ein Backblech mit Backpapier geben. Etwas Abstand lassen, da sie noch in die Breite gehen,
  • Dann 10-15 Minuten backen, bis die Ränder Farbe zeigen, dann noch für 10 Minuten im angeschalteten Backofen lassen.

Dazu ein Earl Grey……Wochenende…

Guten Appetit!

Ein gedanklicher Nachschlag und solides Futter für die Seele: Zwiebelstampf-Omelette mit Rillettes und Apfelmus

Paleo Zwiebelstampf-OmelettesAnders Denken wird abgestraft. Ja, klar, die Schwarzseherin. Nein, das ist, was ich gerade auf Facebook verfolge. Und es macht mich etwas sprachlos und zeigt mir, dass das soziale Netzwerk kein Raum für Diskussionen ist. Der Austausch, den dieser Ort im Netz befeuert, ist eher ein  Wett-Posten in Fakten, ein Gegenüberstellen von Argumenten und manchmal ist da erschreckend wenig Grau zwischen dem Meinungsschwarz und -weiß.

Wir befinden uns aktuell politisch in einer Situation, die nicht gerade das Beste in vielen von uns zum Vorschein bringt. Ich beobachte bei ganz unterschiedlichen Menschen, wie auf verschiedenen Niveaus (das lasse ich jetzt mal wertfrei als Kategorie so stehen) die Diskussion um die Entwicklungen in der Ukraine respektive zwischen den USA und Russland weiterverhandelt wird. Der politische Kabarettist Volker Pispers  sagte in seinem Programm einmal über die Deutschen, dass mit den Ereignissen vom 11. September eine Nation von 80 Millionen Fußballkennern und potentiellen Bundestrainern (denn anlässlich internationaler Meisterschaften mutiert noch der Fußballfernste  mit Verve zum kundigen Leser des Geschehens auf dem grünen Rasen…) zu einem Land der Nahostexperten und geostrategischer Sicherheitsanalysten wurde. Ja, jeder hatte plötzlich etwas dazu zu sagen, hatte eine Einschätzung, nur die wenigsten haben sich selber auf den Hintern gesetzt und tiefer gegraben. Ich habe damals den Versuch im Rahmen meines Geschichtsstudiums gewagt und einmal mehr muss ich sagen: Wer für geopolitische Konflikte mit Masterlösungen daherkommt, ist mir zutiefst verdächtig. Dazu muss gesagt werden, als Historiker und Geisteswissenschaftler hat man ja auch eh gar keine eigene Meinung, sondern verschanzt den Hauch der Einschätzung hinter einem ideologischen Bollwerk, denn die akademischen Denkschulen, die mit der Mode der Zeit zerpflückt oder eben bemüht werden, funktionieren ähnlich identifikationsfreudig wie politische Ideologien. Was sie zwangsläufig müssen, sind sie doch zumeist die schwanzwedelnden Kinder ihrer Zeit. Es scheint, wir sind bedürftig, wenn es um den Rechtfertigungsrahmen für unsere Meinung geht. Und so kann man nun auf Facebook verfolgen, wie entweder freudig eine  gefällig gestaltete Konflikt-Visualisierung immer weiter gepostet wird, eben Youtube-Impressionen aus der Ukraine kritiklos verlinkt oder Artikel aus Leitmedien ins Felde geführt werden. Es ist kaum auszuhalten, aber wichtig zu beobachten. Wer einmal abseits des Tagesmeinungsbildes gerät, wird sofort als prorussisch in Grund und Boden gepostet. Es lässt sich so einige lernen über die Menschen in diesem Zusammenhang. Prorussisch – so, traut sich wer damit raus auf die Straße oder in ins Gespräch übers Tagesgeschehen? Was mich an diesem Beißreflex so massiv irritiert: Wer sagt, ihn stört die Berichterstattung zu den Geschehnissen in der Ukraine, etwa weil Zweifel bestehen an der Art der Darstellung oder auch andere Fragen, wie nach Interessen, Gewinnern und Strategien gehört werden wollen, der sagt damit nicht automatisch, dass er ein Verfechter russischer Politik ist. Aber bevor man soweit argumentieren kann, sind die Scheuklappen eng gestellt und es geht zum Angriff, äh, nein zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie. Ein bisschen einfach, oder? Oder mitten drin im Unbehagen, das in mir wächst. Erinnert sich noch jemand an Zeiten, in denen prorussisch ebenfalls gleichbedeutend war mit dem Joch der Unterdrückung demokratischer Ideen? Ist noch nicht lange her, nicht wahr? Eilt Euch schnell, dann könnt Ihr Euch noch ein paar spitzen Zitate bei den Politköpfen der kalten Zeiten einsammeln.

Man hätte meinen können, als globalisierte Weltbürger läge solch ideologisches Kleinklein eiserner Vorhangszeiten hinter uns. Weit gefehlt. Mir ist das Bild, das da an vielen Stellen gut sichtbar gezeichnet wird, zu einseitig.  Und es verunsichert mich, wenn ein Konflikt in der Ukraine in den Medien plötzlich nur noch aus amerikanisch-russischen Positionen zu bestehen schient. Wobei uns einmal mehr eigentlich nur die eine Seite gezeigt wird, denn in den  großen Kanälen wird ja wieder einmal eine Aggression in Richtung Osten zelebriert, die mich frösteln lässt. Wo bleiben dabei eigentlich die Menschen in Ukraine? Kennt einer von uns dieses Land mit seiner Geschichte und seinen Konflikten? Jetzt mal abgesehen von den kleinen Faktensammlungen, die man in Zeit und FAZ serviert bekommt und die nur zeigen, was sie zeigen wollen.

Es wird nicht einfacher, je weiter man denkt und je genauer man hinschaut, aber das entschuldigt das Wegschauen nicht, wer Zweifel hat und seinen Mund hält, macht sich mitschuldig. Es geht nicht um das große Plakateschwingen auf der Straße, das dann auf Facebook zur Konstruktion des Selbstbildes beiträgt, oder dem Istagram-Account so was bisschen Revoluzzermäßiges gibt. Es geht darum, konstruktive Diskussionen zu führen und offen zu bleiben, damit man mehr sieht als nur den kleinen Ausschnitt und in diesem Prozess finden sich wunderbarerweise automatisch Gleichgesinnte und es wird etwas in Bewegung gesetzt. Wohin das führen mag, wird sich zeigen.

Aber es ist höchste Zeit, damit uns Politiker nicht weiterhin dummdreist ins Gesicht Lügen dürfen, gestützt von den Medien, die sich unsere Meinungsbildung auf die Fahnen geschrieben haben.  Damit die wirklichen Skandale zur Sprache kommen, anders als  im geleakten  Nuland-Telefonat und Zitate wie das vom US-Außenminister John Kerry nicht nur belächelt werden:
„Im 21. Jahrhundert benimmt man sich nicht einfach wie im 19. Jahrhundert und marschiert unter einem erfundenen Vorwand in ein anderes Land ein“. Das ist kein Scherz, mit dem Wissen um die Ereignisse in Irak und Afghanistan, ist das der Blick auf das zynische Gesicht hinter der aalglatten Politikermaske. Wem da nicht das Kotzen kommt… 

Aber dem eigenen Unbehagen Ausdruck zu verleihen fällt schwer, wenn jeder vorsichtige Gedankenansatz sofort niedergewalzt wird. Die Menschen möchten nicht aus ihrem bequem eingerichteten Weltsichtsystem gescheucht werden, das könnte bedeuten, dass sich etwas ändern muss. Also wird niedergebissen, was sich in andere Richtungen bewegt im Meinungsfluss. Ja, da überlegt man sich zurecht zweimal, wann man den Mund aufmacht und wann nicht. Ganz ehrlich, nicht jeder lohnt für einen Austausch. Aber erschreckend ist es schon wie wenig flexibel wir doch sind in der Diskussion. Wir sitzen gut verstaut in unseren Kästchen, sortiert nach politischer Auffassung, Lebensstil, quatsch Lifestyle, intellektueller Interessensneigung und Kaufkraft. Und wer sich aus dem Kästchen kämpft, für den steht ein anderes, besonders hübsches bereit, extra für Querdenker, Fantasten, Spinner, Verschwörungsseher, Schwarzmaler, Unbequeme,… Dieses Kästchen soll den braven Kästchenkaspern zeigen, wer da drin sitzt, ist nicht ernst zu nehmen. Und aktuell klebt auch noch das Etikett prorussisch mit auf dem Deckel. 

Es rumort und tatsächlich schieben diese Gedanken für mich so manches in den Hintergrund, so klein erscheint vieles im Vergleich. So aufgezwängt, die künstlich geschaffenen Probleme, die ablenken vom Denken. Also, wenn jetzt allerorts das Rennen auf die Bikinifigur beginnt und das Frühjahr mit dem großen neuen Detox-Rausch eingeläutet wird und jeder sich an seinen Entschlackungssaft klammert oder durch 40 Tage ohne was auch immer quält, brauche ich keine neue Frühjahrskollektion, sondern was solides im Magen, um nicht die Leichtigkeit zu verlieren.

Zwiebelstampf-Omelettes mit Rillettes und Apfelmus

Für die Omelettes (4 Stück):
1 Stange Lauch
4 mittlere Zwiebeln
5 Eier
Butter
Pfeffer und Salz

Für die Füllung:
Rillettes, Leberwurst oder Streichwurst nach Wahl

Für das Apfelmus:
2 säuerliche Äpfel (Boskoop)
Zimt
Wasser

  • Den Lauch und die Zwiebeln in Stücke schneiden und in großzügig Butter anbräunen bis sie weich sind. Nun salzen und pfeffern und die Zwiebelmasse pürieren.
  • Die Eier verquirlen und mit dem Mixer unter die Zwiebelmasse rühren, bis es eine dickflüssige Masse gibt, bei Bedarf etwas Kokosmilch oder Wasser als Flüssigkeit hinzugeben.
  • Nun in Butter vier Omelettes backen. Die erste Seite ruhig länger durchbacken, damit das Wenden keinen Schaden verursacht.
  • Die Omelettes fein mit Senf bestreichen, je 3-4 Esslöffel Rillette darauf verteilen und einrollen. Sie schmecken warm und kalt köstlich
  • Für das Apfelmus schnell zwei Äpfel kleinschneiden und mit etwas Zimt und 4 Esslöffeln Wasser weich köcheln und pürieren.

Tipp: Am besten schmeckt es wenn entweder die Omeletterollen oder das Apfelmus warm sind. Also entweder warmes Omelette mit kaltem Apfel, muss oder andersrum. 

Guten Appetit! 

Der Blick nach Osten und zurück und vielleicht ein Rezept zur Meinungsbildung mit Buch und Film

baumManchmal verursacht der Lauf des Weltgeschehens einen solchen Frustrationsknoten, dass ich am liebsten gar nichts damit zu tun habe möchte, oder wünschte ich könnte zumindest das Nachdenken abstellen und mich in den Ersatzbefriedigungen unserer Zeit verlieren, statt ohnmächtig nach einem Ventil zu suchen.
Ich habe es mit einem ausgiebigen Spaziergang versucht, hat nicht geholfen. Also lasse ich mir nun schriftlich den Kragen platzen.
Und vielleicht sollten das ganz dringend noch viel mehr Menschen viel öfter tun! Ich maße mir nicht an, eine Expertin für ukrainische und russische Politik zu sein. Ich denke, so richtig kann das niemand von uns durch die westlich geprägte Medienbrille beurteilen.

Aber ich weiß, dass ich gerade nicht mit den Menschen in der Ukraine tauschen möchte, ich hoffe für sie, aus tiefstem Herzen. Und ich weiß, dass ich einfach nicht mehr schlucken möchte, was uns einmal mehr als Einheitsinformationsbrei vorgesetzt wird.

Erinnert sich jemand an das geleakte Telefongespräch, in dem Victoria Nuland die EU mit dem bösen „F…“ bedacht hat? Oh, was wurde sich echauffiert, über dieses unentschuldbare Entgleisen. Hallo? Es glaubt doch nicht ernsthaft jemand, dass wir uns aus amerikanischer Perspektive auf Augenhöhe bewegen? Aber die europäischen Polit-Schoßhündchen stellen sich brav auf die Hinterbeine… Ich persönlich finde es ja immer erfrischend, wenn man weiß, was wirklich über einen gedacht wird, auch wenn es vielleicht nicht schmeichelhaft ist. Das könnte ja auch auf dem politischen Parkett interessant sein, oder?

Aber darum geht es nicht, worum es geht ist die deutlich formulierte US-Agenda für die Ukraine, die in diesem Telefonat besprochen wird. Warum haben sich die Medien nicht mit deutschen Transkriptionen des Gesprächs überschlagen? Dort wird ganz klar formuliert, welchen Kandidaten die Amerikaner in der Ukraine an der Spitze sehen möchten… Und tata… Wer ist es geworden? Ja, die Faschisten der Swopoda.  Passenderweise deckt sich deren streng anti-russischer Kurs mit amerikanischen Interessen und dass die Amerikaner mit Demokratisierung eher die Destabilisierung ganzer Regionen zu ihren Gunsten meinen, ist nichts Neues, wenn man bedenkt, wen die Amerikaner in der Vergangenheit unterstützt haben, um Regime „demokratisch“ zu wechseln.  

Das Politik-Personal in Kiew wird dann schnell durch ein paar Berater ergänzt, die von Washingtoner ThinkTanks auf Linie getrimmt wurden und dann geht es an die reale Umsetzung der eigenen Interessen.  Ich übertreibe? Ja, wer den Brei weiter schlucken möchte, den die Leitmedien täglich wiederkäuen, mag das denken, denn wer die Fakten nicht sehen will, ganz ehrlich, mit dem möchte ich einfach nicht mehr über solche Themen reden. Ich bin es müde. Wen ein breiteres Bild interessiert, dem empfehle ich die Lektüre von Naomi Kleins Buch: Die Schockdoktrin. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Ein Buch, das Pflichtlektüre sein sollte, um der Welt von heute einmal in die gierige Fratze zu blicken.

Die Ukraine ist traurigerweise nur das neueste Glied in einer langen Reihe von Staaten, von Südamerika, über Südafrika, Russland und Syrien… Es wird immer wieder das gleiche Schema wiederholt, in leichten Variationen, aber es gibt einen Schock und es erfolgt eine Destabilisierung der politischen und somit meist wirtschaftlichen Verhältnisse vor Ort und was folgt, zeigt was für eine Farce der Begriff staatlicher Souveränität aus amerikanischer Sicht ist.  Hierzu passt auch, Yeah, dass mit der neuen Führung auch der IMF sofort positivere Zeichen sendet, der Ukraine mit einem Geldfluss unter die schwachen Arme zu greifen. Ah ja, man kann sich vielleicht denken in welchem Sinne die Geldverteilung erfolgt und bitte, es glaubt doch niemand, dass damit nicht konkrete Forderungen und eine etwas verstecktere Agenda einhergehen? There is no free lunch.  Aber da schaut gerade niemand hin. Es wird genug geboten. Das Schauspiel für die Medien ist perfekte PR. Das Internet wird geflutet von anrührenden ukrainischen Hilferufen attraktiver junger und bewegender Bilder alter Frauen. Blogartikel werden ohne Überlegung geteilt, die aus vermeintlich authentischer Sicht die Lage vor Ort beschreiben. Wir Tölpel – nicht alles ist echt, ist wahr, nur weil es so vermeintlich unabhängig daherkommt: Nichts ist verlockender oder lädt mehr zur Identifizierung ein, als die Geschichte eines persönlich Betroffenen. Wie die Wahrnehmung der Öffentlichkeit über das Internet verdreht und manipuliert wird und wie einfach es ist dieses vermeintlich demokratische Werkzeug für die Zerstörung von Reputationen zu missbrauchen, lässt sich sehr spannend bei Glenn Greenwald nachlesen. 

Und wer nicht lesen mag, der versteht es vielleicht über das bewegte Bild und schaut sich Wag the Dog an.  Immer und immer wieder. Und sieht vielleicht dann, wie schädlich eine so einseitige Berichterstattung wie im Falle der Ukraine ist. Wenn sich FAZ und Bild nicht mehr in Nachrichten sondern nur noch in der Explizität ihrer Schlagzeilen unterscheiden, sollte man misstrauisch werden. Zum Glück mehren sich die kritischen Kommentare zu dieser einseitigen Form der Berichterstattung. Es wächst ein Unmut heran, der dringend nötig ist. Es mag daran liegen, dass die Ukraine gefühlt ein Stück näher ist als etwa Syrien, oder vielleicht sind Politik und Medien auch einfach mal einen Schritt zu weit gegangen in der Annahme, das betäubte Volk würde immer alles brav schlucken und weiter durch das eigene kleine Leben hasten und darin so gefangen gehalten, dass man nicht über den Tellerrand blickt. Ich hoffe, sie liegen falsch in dieser Annahme.  

Mein Kopf rotiert und ein wenig ohnmächtig fühlt man sich. Aber ich weiß, dass viele so denken und das macht Mut. Und deshalb finde ich es wichtig, sich nicht einlullen zu lassen, es geht nicht, sich sein Leben durch den nüchternen Blick auf die Realität lähmen zu lassen, aber bewusst sollte man sein, denken, handeln.

Sebastian Haffner hat gut erkannt:

Es ist typisch wenigstens für die ersten Jahre der Nazizeit, daß die ganze Façade des normalen Lebens kaum verändert stehen blieb: volle Kinos, Theater, Cafés, tanzende Paare in Gärten und Dielen, Spaziergänger harmlos flanierend auf den Straßen, junge Leute glücklich ausgestreckt an den Badestränden. Die Nazis haben das auch in ihrer Propaganda weidlich ausgenutzt: »Kommt und seht unser normales, ruhiges, fröhliches Land. Kommt und seht, wie gut es sogar die Juden bei uns noch haben.« Den geheimen Zug von Wahnsinn, von Angst und Spannung, von »heute ist heut« und Totentanzstimmung konnte man freilich nicht sehen – so wenig man es dem Bilde des prächtigen, sieghaft lächelnden jungen Mannes, das heute noch auf den Berliner Untergrundbahnhöfen mit der Unterschrift »Gut rasiert – gut gelaunt« Reklame für eine Rasierklinge macht, ansehen kann, daß ebendiesem jungen Mann, den es darstellt, bereits vor vier Jahren wegen Hochverrats oder was man heute so nennt im Hof des Plötzenseer Gefängnisses der Kopf vom Rumpfe rasiert worden ist.

Es spricht freilich auch ein wenig gegen uns, daß wir mit dem Erlebnis der Todesangst und der letzten Ausgeliefertheit nichts Besseres anzufangen wußten als es, so gut wir konnten, zu ignorieren und uns in unsern Vergnügen nicht stören zu lassen. Ich glaube, ein junges Paar von vor hundert Jahren hätte mehr daraus zu machen gewußt – sei es selbst nur eine große Liebesnacht, gewürzt von Gefahr und Verlorenheit. Wir kamen nicht darauf, etwas Besonderes daraus zu machen, und fuhren eben ins Kabarett, da uns keiner daran hinderte: erstens weil wir es sowieso getan hätten, zweitens, um so wenig wie möglich an das Unangenehme zu denken. Das mag sehr kaltblütig und unerschrocken aussehen, ist aber wahrscheinlich doch ein Zeichen einer gewissen Gefühlsschwäche und zeigt, daß wir, wenn auch nur im Leiden, nicht auf der Höhe der Situation waren. Es ist, wenn man mir diese Verallgemeinerung hier schon gestatten will, überhaupt einer der unheimlichsten Züge des neuen deutschen Geschehens, daß zu seinen Taten die Täter, zu seinen Leiden die Märtyrer fehlen, daß alles in einer Art von halber Narkose geschieht, mit einer dünnen, kümmerlichen Gefühlssubstanz hinter dem objektiv Ungeheuerlichen: daß Morde begangen werden aus der Stimmung eines Dumme–Jungen–Streichs, daß Selbsterniedrigung und moralischer Tod hingenommen werden wie ein kleiner störender Zwischenfall, und selbst der physische Martertod nur ungefähr bedeutet »Pech gehabt«.
(Sebastian Haffner, Geschichte eines Deutschen)

Keine Lust haben dürfen, verschlafene Morgenrituale und (Wirsing-)Kohlrouladen mit Ingwer und Meerrettich

Paleo_KohlrouladeAm besten arbeite ich, wenn man mich in unserem Dorf sein lässt. Ich mag unser Büro, die Ruhe und die Möglichkeit, in der Mittagspause einen Spaziergang zwischen den Feldern machen zu können. Wenn ich aber, wie momentan der Fall, regelmäßig ganze Tage woanders bin, habe ich das Gefühl, der Schweinehund wiegt 200 Kilo, wenn er es sich da morgens auf der Bettdecke bequem macht.

Das Gefühl ist allzu vertraut, die Augen zu kneifen und hoffen, dass die Aufstehzeit einen nicht sieht… Das war ja mit ein Grund, alles über den Haufen zu schmeißen und die Rahmenbedingungen neu zu definieren. Aber das Leben ist ja nicht nur Plüsch. Irgendwas muss den Lebensunterhalt schaffen, solange man nicht Erbe oder Privatier ist.  Und damit ich die meiste Zeit das alles so gestalten kann, wie ich es möchte, nehme ich gerne in Kauf ab und an auch einmal in die alte Mühle zurückzukehren: Pendelverkehr und Dauerrauschen im Großraumbüro, das Gehirn am Abend ausgelaugt und keine Lust, das zu wiederholen.

Wir haben uns wirklich unmenschliche Arbeitsbedingungen geschaffen. Zu viele Sinneseindrücke, die Augen an mindestens einen Bildschirm geklebt, immer achtsam, das Telefon nicht zu überhören, die Geräuschkulisse der Kollegen ausblenden für das nötige Maß an Konzentration, ohne dabei den sozialen Schmierstoff des Flurfunks zu verpassen.  Die Luft riecht nach Denken und das Licht ist allzu oft zu künstlich. Vielleicht noch gruppendynamische Herausforderung im Kollegenumfeld und nebenbei regelt so manch einer noch sein privates Leben im sozialen Netz und der Hinterkopf erstellt und aktualisiert Listen der Dinge, die wir tun müssen, wollen, sollen, plant den Einkauf nach Feierabend, das Wochenende oder das Abendessen – Stop! Wie vielen Reizen wir jeden Tag ausgesetzt sind, merke ich erst so richtig, seit wir uns bewusst ein ganzes Stück entzogen haben. Und es wird mir immer lieber, das Entziehen. Um in den Reizüberflutungen des urbanen Projektalltags nicht aus den Fugen zu geraten, sind mir die morgendlichen Rituale wichtig geworden. Ich stehe lieber früher auf als nötig, um dafür die Zeit zu haben, bewusst in den Tag zu starten.

Für mich besteht ein morgendliches Weckerverbot: seit sich herausgestellt hat, dass der Schweinehund mich dazu verleitet, den Wecker unter der Bettdecke zu verstecken, damit er nur leise klingelt und ich ihn heimlich schnell und unauffällig ausstellen kann, fällt die Weckerhoheit nicht mehr unter meine Aufgaben. Ist tatsächlich auch nicht sehr förderlich, das ewige Gesnooze am Morgen, immer noch zehn Minuten. Lieber einmal und dafür dann so richtig genossen, oder auch mal zweimal aber danach ist jetzt Schluss. Es hat sich eine morgendlichen Routine ergeben, die mich tatsächlich auch zu früher Uhrzeit wach kriegt. Und mir hilft, im Laufe stressiger Tage nicht buchstäblich verrückt zu werden, sondern im Gleichgewicht zu bleiben. Zwanzig Minuten Pilates, um einmal den ganzen Körper bewegt zu haben, vor allem den Rücken, der den Rest des Tages sitzen soll und dafür einfach nicht gemacht ist – egal wie teuer die Bürostühle sind. Wir sind keine Sitztiere. Wir sind anatomisch eh fragwürdigst konzipiert, aber darum scheren wir uns nicht, wir haben ja das äußere Erscheinungsbild zum ästhetischen  Krisengebiet erklärt, nicht die grundlegenden körperlichen Funktionsmöglichkeiten. Um diese Mängel aber auszugleichen, wird der müde Körper jetzt jeden Morgen bewegt und danach Atemübungen, so tief und durch den Bauch… Am Anfang hatte ich Berührungsängste, jetzt will ich es nicht mehr missen. Und das Highlight ist dann der Becher Bulletproof Kaffee, der  mir netterweise morgens gemacht wird. Ja, wir sind so: Der besondere Mensch absolviert morgens dasselbe Programm wie ich, hat es maßgeblich mit in Gang gesetzt und dafür bin ich sehr dankbar. Auch wenn ich mir vor einigen Jahren nie hätte träumen lassen, mal neben meinem Herzensmenschen auf der Pilatesmatte rumzuturnen. Ich dachte, gemeinsamer Sport wäre gleichbedeutend mit Funktionskleidung im abgestimmten Partnerlook und einem verbissenen Lauf, bei dem keiner zurückbleiben möchte. Weit gefehlt, es macht mir große Freude zu teilen, was Spaß macht. Es war eine schöne Entdeckung, wie viele Themen gemeinsamer Sport auch bieten kann. Das ist ein wenig das Gegenstück zum gemeinsamen Unternehmen. Auch hier motiviert man sich gegenseitig, aber vor einem völlig anderen Hintergrund. Ich kann es nur empfehlen, einmal neugierig zu sein, was der andere so mag und vielleicht noch etwas für sich zu entdecken, ist ja kein Muss, aber ein Schön.

Zudem bietet der moderne Alltag sonst auch viel zu wenig Momente für Gemeinsamkeit, wenn man ja auch noch so seine kleinen stillen Hobbies pflegen will. Zu wenig Zeit. Was bei mir konkret auch daran liegen mag, dass ich den Schlaf wiederentdeckt habe. Ich habe viele Jahre nicht gut geschlafen, unruhig und oft mit Einschlafstörungen, was sicher auch dem Lebenswandel geschuldet war, man geht dann eben nicht früh ins Bett, macht ja irgendwie keiner und der abendliche Alkoholkonsum trägt nicht bei zum gesunden Schlaf. Ja, ich hätte das früher als viel zu vernünftig empfunden, als nicht locker, aber mittlerweile trinke ich so selten Alkohol, dass ich mir jedes Mal überlege, ob der Anlass es wert ist, denn am nächsten Tag ist der Kopf einfach anders. Nicht verkatert, aber der Körper war über Nacht einfach beschäftigt und das merkt man. Und ich brauche mehr Schlaf. Ja, Schlafmuster sind individuell, aber ich denke es gibt schon ein paar Grundsätzlichkeiten, die uns prägen oder die uns gut tun. Raus mit dem Licht und rein ins Bett  mit der Dunkelheit – im Winter brauche ich mehr Schlaf als im hellen Sommer und wenn ich nicht mindestens sieben Stunden davon bekomme,  besser acht, wirkt sich das auf meine Leistungsspanne aus. Und es ist einfach gesund. Zu wenig Schlaf, Nachtarbeit und Rhythmen, die dem zu sehr zuwiderlaufen, tun dem Körper nicht gut, nehmen ihm die Möglichkeit zur Regenration, und dann wird das tatsächlich sichtbar. Das, was die Kosmetikwerbung uns als Glow und Frische verkauft, kann nur fahler Schein sein, wenn es in Form von Makeup  und Mittelchen und Cremes passiert. Das wirksamste Geheimnis sind einfach gutes, sauberes Essen, ein gesunder Schlafrhythmus und eine bewusste Lebensgestaltung auf allen Ebenen, nicht indem man sich beim Sport mit den falschen Intentionen quält, sondern vernünftig trainiert, auf den Körper hört und auch das emotionale, soziale Leben in die Lebensgestaltung mit einbezieht. Das ist meine persönliche Erfahrung, aber Stress, auch durch andere Menschen verursacht, sorgt einfach für Augenringe, die man nicht wegcremen kann.

Ich versuche mein Bestes. Ein schöner, praktischer Beitrag dazu war ein Hochzeitsgeschenk aus dem Umfeld – Alpaka-Bettdecken. Von kleinen flauschweichen Alpakas, die wir quasi persönlich kennen und die mit ihrem unglaublich leichten und perfekt isolierten Fell dafür sorgen, dass es im Sommer nicht zu heiß und im Winter nie zu kalt wird, keine zu schwere Decke, die über einem droht und kein Hitzestau.. das macht was aus.

Es sind also eigentlich alle Zutaten da und ich arbeite hart dran, das zusammen und immer wieder neu weiterzuführen, damit sie sich dauerhaft niederlässt, die Zufriedenheit.

Das macht dann auch die Pendelei und das Großraumbüro erträglicher und lässt mich jeden Morgen dankbar sein, wenn ich die Fenster aufmache, die Hügel sehe und durchatmen kann. 

Und da das Essen so wichtig ist, hier ein altes Lieblingsrezept, neu  gemacht:

Kohlrouladen mit Meerrettich und Ingwer

8-9 große Wirsingkohlblätter
500 Gramm Hackfleisch
1 großen Apfel, gerieben
2 Zwiebeln, gehackt
5 Esslöffel frisch geriebener Meerrettich
3 Esslöffel frisch geriebener Ingwer
200 ml Kokosmilch
200 ml (fette) Brühe
Kurkuma
Piment gemahlen
Cayennepfeffer
Salz
Pfeffer
Schmalz oder Kokosöl

Die Kohlblätter blanchieren und die dicken Strungansätze einschneiden oder an der dicksten Stelle raus schneiden, damit die Blätter beweglicher sind,

Das Hackfleisch salzen und pfeffern, einen halben Teelöffel gemahlenes Piment dazu und den geriebenen Apfel, die Zwiebeln und 3 Esslöffel Meerrettich unter mischen.

Die Hackfleischmischung  in faustgroßen (kleine Fäuste) Portionen auf den Kohlblättern verteilen und diese drum herum klappen und mit Zahnstochern fixieren.

Die Kohlrouladen kurz von allen Seiten im Fett der Wahl anbraten, Kokosmilch und Brühe angießen und das Ganze gründlich salzen, etwas schwarzen Pfeffer, eine große Prise Cayennepfeffer, 1 Teelöffel Kurkuma sowie den Ingwer und den restlichen Meerrettich dazu geben und dann den Deckel drauf und für gut 1,5 Stunden sachte köcheln lassen.

Ich esse das ohne Beilagen, aber pürierte Süßkartoffel würde sich gut machen…

Guten Appetit