Keine Lust haben dürfen, verschlafene Morgenrituale und (Wirsing-)Kohlrouladen mit Ingwer und Meerrettich

Paleo_KohlrouladeAm besten arbeite ich, wenn man mich in unserem Dorf sein lässt. Ich mag unser Büro, die Ruhe und die Möglichkeit, in der Mittagspause einen Spaziergang zwischen den Feldern machen zu können. Wenn ich aber, wie momentan der Fall, regelmäßig ganze Tage woanders bin, habe ich das Gefühl, der Schweinehund wiegt 200 Kilo, wenn er es sich da morgens auf der Bettdecke bequem macht.

Das Gefühl ist allzu vertraut, die Augen zu kneifen und hoffen, dass die Aufstehzeit einen nicht sieht… Das war ja mit ein Grund, alles über den Haufen zu schmeißen und die Rahmenbedingungen neu zu definieren. Aber das Leben ist ja nicht nur Plüsch. Irgendwas muss den Lebensunterhalt schaffen, solange man nicht Erbe oder Privatier ist.  Und damit ich die meiste Zeit das alles so gestalten kann, wie ich es möchte, nehme ich gerne in Kauf ab und an auch einmal in die alte Mühle zurückzukehren: Pendelverkehr und Dauerrauschen im Großraumbüro, das Gehirn am Abend ausgelaugt und keine Lust, das zu wiederholen.

Wir haben uns wirklich unmenschliche Arbeitsbedingungen geschaffen. Zu viele Sinneseindrücke, die Augen an mindestens einen Bildschirm geklebt, immer achtsam, das Telefon nicht zu überhören, die Geräuschkulisse der Kollegen ausblenden für das nötige Maß an Konzentration, ohne dabei den sozialen Schmierstoff des Flurfunks zu verpassen.  Die Luft riecht nach Denken und das Licht ist allzu oft zu künstlich. Vielleicht noch gruppendynamische Herausforderung im Kollegenumfeld und nebenbei regelt so manch einer noch sein privates Leben im sozialen Netz und der Hinterkopf erstellt und aktualisiert Listen der Dinge, die wir tun müssen, wollen, sollen, plant den Einkauf nach Feierabend, das Wochenende oder das Abendessen – Stop! Wie vielen Reizen wir jeden Tag ausgesetzt sind, merke ich erst so richtig, seit wir uns bewusst ein ganzes Stück entzogen haben. Und es wird mir immer lieber, das Entziehen. Um in den Reizüberflutungen des urbanen Projektalltags nicht aus den Fugen zu geraten, sind mir die morgendlichen Rituale wichtig geworden. Ich stehe lieber früher auf als nötig, um dafür die Zeit zu haben, bewusst in den Tag zu starten.

Für mich besteht ein morgendliches Weckerverbot: seit sich herausgestellt hat, dass der Schweinehund mich dazu verleitet, den Wecker unter der Bettdecke zu verstecken, damit er nur leise klingelt und ich ihn heimlich schnell und unauffällig ausstellen kann, fällt die Weckerhoheit nicht mehr unter meine Aufgaben. Ist tatsächlich auch nicht sehr förderlich, das ewige Gesnooze am Morgen, immer noch zehn Minuten. Lieber einmal und dafür dann so richtig genossen, oder auch mal zweimal aber danach ist jetzt Schluss. Es hat sich eine morgendlichen Routine ergeben, die mich tatsächlich auch zu früher Uhrzeit wach kriegt. Und mir hilft, im Laufe stressiger Tage nicht buchstäblich verrückt zu werden, sondern im Gleichgewicht zu bleiben. Zwanzig Minuten Pilates, um einmal den ganzen Körper bewegt zu haben, vor allem den Rücken, der den Rest des Tages sitzen soll und dafür einfach nicht gemacht ist – egal wie teuer die Bürostühle sind. Wir sind keine Sitztiere. Wir sind anatomisch eh fragwürdigst konzipiert, aber darum scheren wir uns nicht, wir haben ja das äußere Erscheinungsbild zum ästhetischen  Krisengebiet erklärt, nicht die grundlegenden körperlichen Funktionsmöglichkeiten. Um diese Mängel aber auszugleichen, wird der müde Körper jetzt jeden Morgen bewegt und danach Atemübungen, so tief und durch den Bauch… Am Anfang hatte ich Berührungsängste, jetzt will ich es nicht mehr missen. Und das Highlight ist dann der Becher Bulletproof Kaffee, der  mir netterweise morgens gemacht wird. Ja, wir sind so: Der besondere Mensch absolviert morgens dasselbe Programm wie ich, hat es maßgeblich mit in Gang gesetzt und dafür bin ich sehr dankbar. Auch wenn ich mir vor einigen Jahren nie hätte träumen lassen, mal neben meinem Herzensmenschen auf der Pilatesmatte rumzuturnen. Ich dachte, gemeinsamer Sport wäre gleichbedeutend mit Funktionskleidung im abgestimmten Partnerlook und einem verbissenen Lauf, bei dem keiner zurückbleiben möchte. Weit gefehlt, es macht mir große Freude zu teilen, was Spaß macht. Es war eine schöne Entdeckung, wie viele Themen gemeinsamer Sport auch bieten kann. Das ist ein wenig das Gegenstück zum gemeinsamen Unternehmen. Auch hier motiviert man sich gegenseitig, aber vor einem völlig anderen Hintergrund. Ich kann es nur empfehlen, einmal neugierig zu sein, was der andere so mag und vielleicht noch etwas für sich zu entdecken, ist ja kein Muss, aber ein Schön.

Zudem bietet der moderne Alltag sonst auch viel zu wenig Momente für Gemeinsamkeit, wenn man ja auch noch so seine kleinen stillen Hobbies pflegen will. Zu wenig Zeit. Was bei mir konkret auch daran liegen mag, dass ich den Schlaf wiederentdeckt habe. Ich habe viele Jahre nicht gut geschlafen, unruhig und oft mit Einschlafstörungen, was sicher auch dem Lebenswandel geschuldet war, man geht dann eben nicht früh ins Bett, macht ja irgendwie keiner und der abendliche Alkoholkonsum trägt nicht bei zum gesunden Schlaf. Ja, ich hätte das früher als viel zu vernünftig empfunden, als nicht locker, aber mittlerweile trinke ich so selten Alkohol, dass ich mir jedes Mal überlege, ob der Anlass es wert ist, denn am nächsten Tag ist der Kopf einfach anders. Nicht verkatert, aber der Körper war über Nacht einfach beschäftigt und das merkt man. Und ich brauche mehr Schlaf. Ja, Schlafmuster sind individuell, aber ich denke es gibt schon ein paar Grundsätzlichkeiten, die uns prägen oder die uns gut tun. Raus mit dem Licht und rein ins Bett  mit der Dunkelheit – im Winter brauche ich mehr Schlaf als im hellen Sommer und wenn ich nicht mindestens sieben Stunden davon bekomme,  besser acht, wirkt sich das auf meine Leistungsspanne aus. Und es ist einfach gesund. Zu wenig Schlaf, Nachtarbeit und Rhythmen, die dem zu sehr zuwiderlaufen, tun dem Körper nicht gut, nehmen ihm die Möglichkeit zur Regenration, und dann wird das tatsächlich sichtbar. Das, was die Kosmetikwerbung uns als Glow und Frische verkauft, kann nur fahler Schein sein, wenn es in Form von Makeup  und Mittelchen und Cremes passiert. Das wirksamste Geheimnis sind einfach gutes, sauberes Essen, ein gesunder Schlafrhythmus und eine bewusste Lebensgestaltung auf allen Ebenen, nicht indem man sich beim Sport mit den falschen Intentionen quält, sondern vernünftig trainiert, auf den Körper hört und auch das emotionale, soziale Leben in die Lebensgestaltung mit einbezieht. Das ist meine persönliche Erfahrung, aber Stress, auch durch andere Menschen verursacht, sorgt einfach für Augenringe, die man nicht wegcremen kann.

Ich versuche mein Bestes. Ein schöner, praktischer Beitrag dazu war ein Hochzeitsgeschenk aus dem Umfeld – Alpaka-Bettdecken. Von kleinen flauschweichen Alpakas, die wir quasi persönlich kennen und die mit ihrem unglaublich leichten und perfekt isolierten Fell dafür sorgen, dass es im Sommer nicht zu heiß und im Winter nie zu kalt wird, keine zu schwere Decke, die über einem droht und kein Hitzestau.. das macht was aus.

Es sind also eigentlich alle Zutaten da und ich arbeite hart dran, das zusammen und immer wieder neu weiterzuführen, damit sie sich dauerhaft niederlässt, die Zufriedenheit.

Das macht dann auch die Pendelei und das Großraumbüro erträglicher und lässt mich jeden Morgen dankbar sein, wenn ich die Fenster aufmache, die Hügel sehe und durchatmen kann. 

Und da das Essen so wichtig ist, hier ein altes Lieblingsrezept, neu  gemacht:

Kohlrouladen mit Meerrettich und Ingwer

8-9 große Wirsingkohlblätter
500 Gramm Hackfleisch
1 großen Apfel, gerieben
2 Zwiebeln, gehackt
5 Esslöffel frisch geriebener Meerrettich
3 Esslöffel frisch geriebener Ingwer
200 ml Kokosmilch
200 ml (fette) Brühe
Kurkuma
Piment gemahlen
Cayennepfeffer
Salz
Pfeffer
Schmalz oder Kokosöl

Die Kohlblätter blanchieren und die dicken Strungansätze einschneiden oder an der dicksten Stelle raus schneiden, damit die Blätter beweglicher sind,

Das Hackfleisch salzen und pfeffern, einen halben Teelöffel gemahlenes Piment dazu und den geriebenen Apfel, die Zwiebeln und 3 Esslöffel Meerrettich unter mischen.

Die Hackfleischmischung  in faustgroßen (kleine Fäuste) Portionen auf den Kohlblättern verteilen und diese drum herum klappen und mit Zahnstochern fixieren.

Die Kohlrouladen kurz von allen Seiten im Fett der Wahl anbraten, Kokosmilch und Brühe angießen und das Ganze gründlich salzen, etwas schwarzen Pfeffer, eine große Prise Cayennepfeffer, 1 Teelöffel Kurkuma sowie den Ingwer und den restlichen Meerrettich dazu geben und dann den Deckel drauf und für gut 1,5 Stunden sachte köcheln lassen.

Ich esse das ohne Beilagen, aber pürierte Süßkartoffel würde sich gut machen…

Guten Appetit

 

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