Ein gedanklicher Nachschlag und solides Futter für die Seele: Zwiebelstampf-Omelette mit Rillettes und Apfelmus

Paleo Zwiebelstampf-OmelettesAnders Denken wird abgestraft. Ja, klar, die Schwarzseherin. Nein, das ist, was ich gerade auf Facebook verfolge. Und es macht mich etwas sprachlos und zeigt mir, dass das soziale Netzwerk kein Raum für Diskussionen ist. Der Austausch, den dieser Ort im Netz befeuert, ist eher ein  Wett-Posten in Fakten, ein Gegenüberstellen von Argumenten und manchmal ist da erschreckend wenig Grau zwischen dem Meinungsschwarz und -weiß.

Wir befinden uns aktuell politisch in einer Situation, die nicht gerade das Beste in vielen von uns zum Vorschein bringt. Ich beobachte bei ganz unterschiedlichen Menschen, wie auf verschiedenen Niveaus (das lasse ich jetzt mal wertfrei als Kategorie so stehen) die Diskussion um die Entwicklungen in der Ukraine respektive zwischen den USA und Russland weiterverhandelt wird. Der politische Kabarettist Volker Pispers  sagte in seinem Programm einmal über die Deutschen, dass mit den Ereignissen vom 11. September eine Nation von 80 Millionen Fußballkennern und potentiellen Bundestrainern (denn anlässlich internationaler Meisterschaften mutiert noch der Fußballfernste  mit Verve zum kundigen Leser des Geschehens auf dem grünen Rasen…) zu einem Land der Nahostexperten und geostrategischer Sicherheitsanalysten wurde. Ja, jeder hatte plötzlich etwas dazu zu sagen, hatte eine Einschätzung, nur die wenigsten haben sich selber auf den Hintern gesetzt und tiefer gegraben. Ich habe damals den Versuch im Rahmen meines Geschichtsstudiums gewagt und einmal mehr muss ich sagen: Wer für geopolitische Konflikte mit Masterlösungen daherkommt, ist mir zutiefst verdächtig. Dazu muss gesagt werden, als Historiker und Geisteswissenschaftler hat man ja auch eh gar keine eigene Meinung, sondern verschanzt den Hauch der Einschätzung hinter einem ideologischen Bollwerk, denn die akademischen Denkschulen, die mit der Mode der Zeit zerpflückt oder eben bemüht werden, funktionieren ähnlich identifikationsfreudig wie politische Ideologien. Was sie zwangsläufig müssen, sind sie doch zumeist die schwanzwedelnden Kinder ihrer Zeit. Es scheint, wir sind bedürftig, wenn es um den Rechtfertigungsrahmen für unsere Meinung geht. Und so kann man nun auf Facebook verfolgen, wie entweder freudig eine  gefällig gestaltete Konflikt-Visualisierung immer weiter gepostet wird, eben Youtube-Impressionen aus der Ukraine kritiklos verlinkt oder Artikel aus Leitmedien ins Felde geführt werden. Es ist kaum auszuhalten, aber wichtig zu beobachten. Wer einmal abseits des Tagesmeinungsbildes gerät, wird sofort als prorussisch in Grund und Boden gepostet. Es lässt sich so einige lernen über die Menschen in diesem Zusammenhang. Prorussisch – so, traut sich wer damit raus auf die Straße oder in ins Gespräch übers Tagesgeschehen? Was mich an diesem Beißreflex so massiv irritiert: Wer sagt, ihn stört die Berichterstattung zu den Geschehnissen in der Ukraine, etwa weil Zweifel bestehen an der Art der Darstellung oder auch andere Fragen, wie nach Interessen, Gewinnern und Strategien gehört werden wollen, der sagt damit nicht automatisch, dass er ein Verfechter russischer Politik ist. Aber bevor man soweit argumentieren kann, sind die Scheuklappen eng gestellt und es geht zum Angriff, äh, nein zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie. Ein bisschen einfach, oder? Oder mitten drin im Unbehagen, das in mir wächst. Erinnert sich noch jemand an Zeiten, in denen prorussisch ebenfalls gleichbedeutend war mit dem Joch der Unterdrückung demokratischer Ideen? Ist noch nicht lange her, nicht wahr? Eilt Euch schnell, dann könnt Ihr Euch noch ein paar spitzen Zitate bei den Politköpfen der kalten Zeiten einsammeln.

Man hätte meinen können, als globalisierte Weltbürger läge solch ideologisches Kleinklein eiserner Vorhangszeiten hinter uns. Weit gefehlt. Mir ist das Bild, das da an vielen Stellen gut sichtbar gezeichnet wird, zu einseitig.  Und es verunsichert mich, wenn ein Konflikt in der Ukraine in den Medien plötzlich nur noch aus amerikanisch-russischen Positionen zu bestehen schient. Wobei uns einmal mehr eigentlich nur die eine Seite gezeigt wird, denn in den  großen Kanälen wird ja wieder einmal eine Aggression in Richtung Osten zelebriert, die mich frösteln lässt. Wo bleiben dabei eigentlich die Menschen in Ukraine? Kennt einer von uns dieses Land mit seiner Geschichte und seinen Konflikten? Jetzt mal abgesehen von den kleinen Faktensammlungen, die man in Zeit und FAZ serviert bekommt und die nur zeigen, was sie zeigen wollen.

Es wird nicht einfacher, je weiter man denkt und je genauer man hinschaut, aber das entschuldigt das Wegschauen nicht, wer Zweifel hat und seinen Mund hält, macht sich mitschuldig. Es geht nicht um das große Plakateschwingen auf der Straße, das dann auf Facebook zur Konstruktion des Selbstbildes beiträgt, oder dem Istagram-Account so was bisschen Revoluzzermäßiges gibt. Es geht darum, konstruktive Diskussionen zu führen und offen zu bleiben, damit man mehr sieht als nur den kleinen Ausschnitt und in diesem Prozess finden sich wunderbarerweise automatisch Gleichgesinnte und es wird etwas in Bewegung gesetzt. Wohin das führen mag, wird sich zeigen.

Aber es ist höchste Zeit, damit uns Politiker nicht weiterhin dummdreist ins Gesicht Lügen dürfen, gestützt von den Medien, die sich unsere Meinungsbildung auf die Fahnen geschrieben haben.  Damit die wirklichen Skandale zur Sprache kommen, anders als  im geleakten  Nuland-Telefonat und Zitate wie das vom US-Außenminister John Kerry nicht nur belächelt werden:
„Im 21. Jahrhundert benimmt man sich nicht einfach wie im 19. Jahrhundert und marschiert unter einem erfundenen Vorwand in ein anderes Land ein“. Das ist kein Scherz, mit dem Wissen um die Ereignisse in Irak und Afghanistan, ist das der Blick auf das zynische Gesicht hinter der aalglatten Politikermaske. Wem da nicht das Kotzen kommt… 

Aber dem eigenen Unbehagen Ausdruck zu verleihen fällt schwer, wenn jeder vorsichtige Gedankenansatz sofort niedergewalzt wird. Die Menschen möchten nicht aus ihrem bequem eingerichteten Weltsichtsystem gescheucht werden, das könnte bedeuten, dass sich etwas ändern muss. Also wird niedergebissen, was sich in andere Richtungen bewegt im Meinungsfluss. Ja, da überlegt man sich zurecht zweimal, wann man den Mund aufmacht und wann nicht. Ganz ehrlich, nicht jeder lohnt für einen Austausch. Aber erschreckend ist es schon wie wenig flexibel wir doch sind in der Diskussion. Wir sitzen gut verstaut in unseren Kästchen, sortiert nach politischer Auffassung, Lebensstil, quatsch Lifestyle, intellektueller Interessensneigung und Kaufkraft. Und wer sich aus dem Kästchen kämpft, für den steht ein anderes, besonders hübsches bereit, extra für Querdenker, Fantasten, Spinner, Verschwörungsseher, Schwarzmaler, Unbequeme,… Dieses Kästchen soll den braven Kästchenkaspern zeigen, wer da drin sitzt, ist nicht ernst zu nehmen. Und aktuell klebt auch noch das Etikett prorussisch mit auf dem Deckel. 

Es rumort und tatsächlich schieben diese Gedanken für mich so manches in den Hintergrund, so klein erscheint vieles im Vergleich. So aufgezwängt, die künstlich geschaffenen Probleme, die ablenken vom Denken. Also, wenn jetzt allerorts das Rennen auf die Bikinifigur beginnt und das Frühjahr mit dem großen neuen Detox-Rausch eingeläutet wird und jeder sich an seinen Entschlackungssaft klammert oder durch 40 Tage ohne was auch immer quält, brauche ich keine neue Frühjahrskollektion, sondern was solides im Magen, um nicht die Leichtigkeit zu verlieren.

Zwiebelstampf-Omelettes mit Rillettes und Apfelmus

Für die Omelettes (4 Stück):
1 Stange Lauch
4 mittlere Zwiebeln
5 Eier
Butter
Pfeffer und Salz

Für die Füllung:
Rillettes, Leberwurst oder Streichwurst nach Wahl

Für das Apfelmus:
2 säuerliche Äpfel (Boskoop)
Zimt
Wasser

  • Den Lauch und die Zwiebeln in Stücke schneiden und in großzügig Butter anbräunen bis sie weich sind. Nun salzen und pfeffern und die Zwiebelmasse pürieren.
  • Die Eier verquirlen und mit dem Mixer unter die Zwiebelmasse rühren, bis es eine dickflüssige Masse gibt, bei Bedarf etwas Kokosmilch oder Wasser als Flüssigkeit hinzugeben.
  • Nun in Butter vier Omelettes backen. Die erste Seite ruhig länger durchbacken, damit das Wenden keinen Schaden verursacht.
  • Die Omelettes fein mit Senf bestreichen, je 3-4 Esslöffel Rillette darauf verteilen und einrollen. Sie schmecken warm und kalt köstlich
  • Für das Apfelmus schnell zwei Äpfel kleinschneiden und mit etwas Zimt und 4 Esslöffeln Wasser weich köcheln und pürieren.

Tipp: Am besten schmeckt es wenn entweder die Omeletterollen oder das Apfelmus warm sind. Also entweder warmes Omelette mit kaltem Apfel, muss oder andersrum. 

Guten Appetit! 

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2 Gedanken zu “Ein gedanklicher Nachschlag und solides Futter für die Seele: Zwiebelstampf-Omelette mit Rillettes und Apfelmus

  1. Rillettes…hm hab ich noch nie gehört! Hab’s dann mal gegoogelt und und herausgefunden, dass es sich um französisches Schmalzfleisch handelt. Ich habe keine Ahnung, wo um Himmels Willen ich sowas herbekomme. Eine Freundin von mir ist Metzger-Tocher (ja, lach nur.. 🙂 ). Selbst die kennt das nicht. Muss ich erst nach Frankreich, oder ist meine Freundin einfach nur doof??? Sonst nehm‘ ich halt einfach doch nur ganz simple Teewurst…Aber das Rezept ist toll, ebenso wie Dein gedanklicher Nachschlag 🙂

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