Mehr geht vielleicht nicht, anders und ein Anisplätzchen

Paleo Anis PlätzchenLernen, lernen, lernen….. das Thema für die nächsten zwölf Monate steht fest, die Anmeldung liegt ausgefüllt vor mir und dann heißt es bald jeden Samstag acht Stunden lernen für den Jagdschein. Eine gewisse Faszination hat das Jagen schon immer auf mich ausgeübt,  in den fast zwei Jahren, die wir jetzt schon mit der Paleo-Ernährung leben, wurden die Gedanken rund um den Jagdschein immer konkreter und auch der Wegzug aus der großen Stadt war beeinflusst von dem Gedanken, andere Möglichkeiten zu nutzen. Klar, einen Jagdschein kann man überall machen, aber mit dem Wald vor der Tür und einer großen Jägergemeinschaft im ländlichen Umfeld ist es einfach nochmal etwas anderes.

Und nach vielem Reden und sich einlesen war der Infotag im örtlichen Jagdclub die Gelegenheit, mal zu schauen, wie nah Vorstellung und Wirklichkeit beieinander liegen. Weder der besondere Mensch noch ich können auf familiäre Anknüpfungspunkte zur Jagd zurückgreifen, wir stolpern da einfach ähnlich unbedarft rein wie von der Stadt aufs Dorf – eine Einstellung, die sich bisher als recht reibungslos erwiesen hat. Es ist immer wieder spannend, durch neue Hobbies oder Tätigkeiten treffen wir hier Menschen, denen wir so sonst nicht begegnet wären. Recht vielfältig ist sie, die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet, da die nächste Großstadt nie so wirklich weit weg ist, ist man hier gefühlt gar nicht so sehr auf dem Lande wie vielleicht anderswo, wo dem städtischen Bewohner ein nostalgischer Hauch um die Nase weht und neben den Wochenendhaus-Phantasien auch die leise Angst mitschwingt, ob es nicht furchtbar miefig und rückständig ist, das Leben auf dem Dorf. Nein, ich bin einfach nur positiv überrascht, natürlich gibt es hier eine gewachsene dörfliche Struktur und einen harten Kern alteingesessener Familien, aber die Geschichte des Dorfes profitiert auch von den Zugezogenen, die sich rund um den Dorfkern ausgebreitet haben.
Meist zieht es mich raus aus dem Dorf, in die Felder und in den Wald, aber wenn ich dann im Sonnenschein durch den Ort zur Post laufe, nimmt mich die Stimmung doch immer wieder gefangen, ich habe das Gefühl in einer Sonnenstaub-warmen Erinnerungsblase zu wohnen, sobald ich aus dem Hof trete. Ruhig ist es, entspannt und wer sich auf der Straße trifft und kennt, nimmt sich Zeit und wer sich nicht kennt, nimmt sich zumindest wahr und grüßt freundlich. Und arbeitsam ist man, das ganze Jahr über sieht man die Menschen am Haus, im Garten, in den Feldern, beim Holz, auf dem Dach…. es gibt was zu tun und  es wird getan. Das fühlt sich irgendwie gut an. Und nach der ersten Eingewöhnung habe ich festgestellt, mir macht das Spaß, das umtriebig sein. In der großen Stadt habe ich mich lange immer nach freier Zeit gesehnt, ohne eine konkrete Vorstellung zu haben, wie ich diese dann füllen möchte. Meist war das Ergebnis kurzweiliger Natur, so langsam hat sich aber der Kopf vom vielen Ballast befreit und ich  fange an, Pläne anders zu schmieden.
Es ist immer noch zu viel, was ich gerne täte, aber statt tausend Dinge anzureißen, möchte ich gerne ein paar Dinge richtig machen und können. Für mich. Um weiter zu kommen. Mit mir und dadurch auch mit anderen. Und ich möchte gerne mehr praktische Dinge machen, ich verbringe den Großteil meines Tages vor dem Rechner und werde für Kopfleistungen bezahlt – im Endeffekt ist mir das aber zu wenig. Und auch wenn ich selber in dem Bereich arbeite – die Kommunikations- und Beratungsbranche ist mir oftmals suspekt. Zuviel Geschwurbel und ein sich selbst und seine Arbeit zu wichtig nehmen, künstlich konstruierte Sprachmonstereien, die exklusiv wirken und oftmals der Fähigkeit des verständlichen Erklärens zu wenig Wert beimessen. Nein, wer drin ist konzentriert sich auf die low hanging Fruits, sucht den quick Return, hat die Benefits immer im Blick und lean sollte der Ansatz auf jeden Fall sein – immer im Dialog, immer innovativ – die Trends im Blick. Es schüttelt mich.  Da hat sich ein ganzer Arbeitsbereich selbst geschaffen und bläst sich immer weiter auf. Am Ende des Tages sind das tatsächlich die Stellen, die wir vielleicht am wenigsten brauchen. Die Denkerstübchen, die da in intellektuellen Wattewölkchensphären schweben und die Bodenhaftung verloren haben.  Vielleicht bin  ich zu wenig objektiv, aber mir sind einfach zu viele Beispiele untergekommen, in denen die Selbstbeweihräucherung einfach unverhältnismäßig war. Nicht nur, aber oftmals. Warum dann weiter arbeiten in einem solchen Feld? Weil wir es gut können und weil man immer die Chance hat, es anders zu machen. Und es funktioniert und wir merken ganz stark, dass wir einen bestimmten Schlag Menschen als Kunden und Partner anziehen. Allen gemein ist Professionalität, Substanz und die herrlich realistische Einschätzung der eigenen Bedeutung – keine Schaumschläger. Die sollen auch bitte woanders hin gehen.
Aber ich schweife ab, oder nein, es ist eine Erklärung – durch die Arbeit bewegen wir uns in einem fest gesetzten Kontext, der Kreis wird dann erweitert durch Freunde und Bekannte, die man an anderen Schnittstellen wie Uni, Ausbildung oder Hobby kennengelernt hat. Meist ohne große Überraschung. Wenn ich in Neukölln zum Yoga gegangen bin oder in Kreuzberg zum Pilates, konnte ich davon ausgehen dort einem bestimmten Schlag Menschen zu begegnen. Natürlich, wir suchen uns Orte, an denen wir uns wohl fühlen. Auch im Neuen wird irgendwie nach dem Vertrautem gesucht. Als Sicherheit und Orientierungswert. Davon ist einiges weggebrochen mit dem Wegzug aus der Stadt. Wir sind im Gesamtbild des Dorfes ein bisschen anders. Und irgendwann hat bei mir das Verständnis eingesetzt, dass es völlig unangemessen ist zu denken, die sind so anders, sondern vielleicht sind die sich alle vertraut und ich bin hier gerade die Belastung, weil ich verunsichert bin, weil ich andere Runden gewöhnt bin, und doch ziemlich festgefahrene Bewertungsmaßstäbe habe, dafür, dass ich mich immer für recht flexibel gehalten habe.
Wir erliegen da einer Illusion. Gerade in Großstädten wird sich ja gerne automatisch eine Weltoffenheit und –gewandtheit auf die Fahnen geschrieben, die dann auch eigentlich nie einem echten Realitätcheck unterzogen werden muss. Wir sind aufgeschlossen. Punkt. Nicht engstirnig, nicht spießig. Und suchen uns, aufgeschlossene Spießer, die wir sind, dann doch immer das Vertraute, das Gefällige. Aber im Grunde ziemlich anmaßend, wie ich rückblickend sagenmuss. Was macht meinen Bewertungsrahmen zu dem richtigen? Ich  nehme mich da nicht aus. Ich bin im Grunde ein schüchterner Mensch, ich möchte mich erst einmal umschauen, wenn ich irgendwo neu bin. Dann entscheiden, ob und wie ich mich einbringe. Eine Haltung, die nicht ganz passt, wenn einem die ständige Demonstration von Selbstbewusstsein und Kompetenz eingeimpft wird. Konterproduktiv ist das, denn in ihrer Unsicherheit überspielen viele ihre Schüchternheit oder ruhige Art allzu oft mit lautem Getöse, der aggressiven Demonstration von Kompetenz, einer unangreifbaren glatten Oberfläche oder einem unsozialen Gehabe, das im Mantel der sympathischen sozialen Gewandtheit, Rollen zuschreibt, Reviere absteckt, Konkurrenz im Griff behält. Anstrengend sind solche Menschen. Ich habe für mich lange den Weg des Kaspers genommen, schnelle Witze machen, sympathisch auftreten, flüssig reden können und wenig einschüchternd wirken. Hach, schön, kein Grund mich zu beißen.  Aber so lässt es sich nicht gut Widerstand leisten.
Jetzt bin ich lieber ruhig und genieße es.  Und es ist lustig zu beobachten, wer ruhig ist rückt in die zweite Reihe der Wahrnehmung, wird vielleicht erst einmal unter nicht wo wichtig eingeordnet – ich will nichts schönreden, ich habe oft genug selbst so gedacht und mich dann gerne vom Gegenteil überraschen lassen. Aber er ist spannend, der Blick in die zweite Reihe und wenn dann der ein oder andere ruhigere Kopf sich in einer Runde äußert, ist das oftmals auf den Punkt, überlegt und ohne die Selbstdarstellerei der Leute, die denken, sie müssten durch die ausdauernde Führungsrolle im Gespräch etwas beweisen. Halt nein, sie wissen es ja halt einfach besser. Menschen. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, 15 ganz verschiedene Menschen saßen da beim Auftakt im Jagdclub. Das wird nicht nur das Lernen eines Handwerks, das wir auch das Lernen mit Menschen. Ich kann es kaum erwarten und werde derweil schon einmal das Bestimmungsbuch bemühen, damit ich nicht ganz bei Minus 10 in Sachen Wald, Flora und Fauna anfangen muss. Es dämmert mir nämlich so langsam, wie wenig ich eigentlich weiß über die Landschaft, in der ich so gerne lebe…. Also steht das Programm fest und jetzt muss der Kopf nur noch ein wenig loslassen, nicht alles wird möglich sein in den nächsten Monaten, wenn ich das Jungjäger-werden ernst nehmen will. Vielleicht ist das nicht der richtige Zeitpunkt für die erträumte Reitbeteiligung,   werde ich nicht die geplanten Kostüme nähen und auch nicht die vielen Fotoideen umsetzen, aber vielleicht werde ich dafür belohnt mit neuem Wissen und Können. Solide und nicht nur schnell-schnell, weil es gerade passt. Für manches muss man wohl einen längeren Atem haben….

Aber das Kochen, das hört nicht auf. Im Gegenteil – ich freue mich schon auf frisches Wildbret. Bis dahin duften andere Dinge durchs Haus:

Mandel-Walnuss-Anis-Kekse
(ich habe jetzt ziemlich lange nicht mehr gebacken, ich wollte Abstand nehmen, von zu viel versteckten Belohnungsmechanismen, aber manchmal passt er gut zum Frühlingssamstagsgrau, der Duft nach Keksen)

250 Gramm gemahlene Mandeln
80 Gramm weiche Butter
100 Gramm gehakte Walnüsse
2 gestrichene Teelöffel gehakten  Anis
Prise Salz
4 Esslöffel Xucker
Frischhaltefolie 

  • Die weiche Butter mit dem Anis, Salz und dem Xucker aufschlagen, dann die Mandeln und Walnüsse untermixen bis ein klebriger Teig entsteht.
  • Den Teig auf der Frischhaltefolie zu einer Rolle formen (ca. 3 cm Durchmesser) in die Folie einschlagen und für eine Stunde in das Tiefkühlfach legen.
  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen, die Teigrolle in Scheiben schneiden (gute 0,5 cm dick) und auf ein Backblech mit Backpapier geben. Etwas Abstand lassen, da sie noch in die Breite gehen,
  • Dann 10-15 Minuten backen, bis die Ränder Farbe zeigen, dann noch für 10 Minuten im angeschalteten Backofen lassen.

Dazu ein Earl Grey……Wochenende…

Guten Appetit!

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