Handle with Care: Zerbrechlichkeiten, das Gehirnwäsche-Pflaster von Dove und ein köstlich leichter Beilagen-Favorit: Orangen-Fenchel-Salat

Paleo_Orangen_Fenchelsalat

Frühlingshaftes gegen die miese Dove Tour

Es gibt so Menschen, die geben einem das Gefühl verstanden zu werden. Die hören zu, animieren ein lebendiges Gespräch und am Ende geht man mit dem wohligen Gefühl heim, schon lange nicht mehr so angeregte Gesellschaft gehabt und sich so tief gehend ausgetauscht zu haben. Inspiriert fühlt man sich. Doch in die Begeisterung und den guten Vorsatz, diese intensive Begegnung baldmöglichst wiederholen zu wollen, mengt sich auch ein nachdenkliches Gefühl, wenn man den wild rotierenden Kopf dann aufs Kissen bettet. Hat man vielleicht zu viel preisgegeben? Hat man zu viel von sich erzählt? Komischerweise ist es dann eher ein leichtes schlechtes Gewissen, das sich breit macht, man hat zu viel Raum eingenommen, denkt man schuldbewusst und nimmt sich vor es beim nächsten Mal anders zu machen. Was man aber eigentlich getan hat, in dem guten Gefühl verstanden zu werden, ist die Deckung zu verlassen, Zugeständnisse zu machen, was die eigenen Schwächen betrifft und wunderbare Vorlagen zu liefern, die sich in Ansatzpunkte für mehr oder weniger subtile Manipulationen und Kränkungen verwandeln.

Selber hat man nicht viel an die Hand bekommen. Außer eben dem Nicken und der Bestätigung im richtigen Moment. Ist doch auch wahr, wenn man sich so sehr versteht, dann muss man das gar nicht aussprechen, dann weiß man, wo der andere steht und dass das Gegenüber Ansichten, Schwächen und Ängste teilt. Weit gefehlt. In einer naiven Gutgläubigkeit, die ich nicht ganz ablegen möchte, die sich aber mittlerweile mit einer gesunden Wachsamkeit mischt, habe ich wohl mehr als einmal mehr von mir preisgegeben, als mir in dem jeweiligen Moment bewusst war. Aber Manipulationen möchte man ja auch nicht wahrhaben, niemandem schlechte Seiten unterstellen. Dann müsste man ja auch die eigenen betrachten. In der Folge inniger Informationenabfrage habe ich mich in manchen Beziehungen zu anderen Menschen dann aber oft gefragt, warum sich diese so kompliziert gestalteten. Die Intensität bekam einen Beigeschmack, der einen wie leergesaugt zurückließ und plötzlich dämmerte die Erkenntnis, dass es einen Preis haben kann, wenn man zu schnell zu offen ist. Sich aus solchen emotionalen Geflechten zu befreien, ist schmerzhaft und alles andere als einfach. Man sollte sich ihrer bewusst sein, wann immer die innere Stimme vorsichtig nachfragt, warum einen bestimmte Personen immer voll Zweifel, Schuldgefühl oder wie leer zurücklassen. Das muss nicht an einem selber liegen. An eigenen Unzulänglichkeiten. Das kann auch einfach mal dem geschuldet sein, dass nur all zu viele Menschen mit einem Hang zur Manipulation „gesegnet“ sind und recht skrupellos die Gefühle anderer Menschen zu Scherben zertreten, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Zumeist noch so schön verpackt, dass daraus kaum ein Vorwurf zu formulieren ist.

Darauf gebracht haben mich die echten Frauen von Dove. Die mit der inneren Schönheit und dem Appell sich so anzunehmen, wie man ist. Ja klar. Das ist dann also gute Werbung. Ein Gewissen inmitten einer Marketingwelt voll nüchterner Zahlen. Die massive PR-Kampagne des Riesen Unilever stößt mir schon lange auf. Wann immer in den letzten Jahren der neueste Dove-Spot in den sozialen Netzwerken seine Runden drehte, zweifelte ich ein wenig. Und wenn dann alle ernsthaft nicken und sich mit den eigenen Zweifeln und mehr oder weniger ausgeprägten, oft eingebildeten Schwachstellen wiederfanden in dieser angenehmen Natürlichkeit inmitten der sonst im Übermaß servierten Hochglanz-Idealbilder, regt sich ein innerer Widerstand.

Natürlich wirken die Filmchen, die, gekonnt geschnitten, scheinbar natürlich ausgeleuchtet und mit massiv beeinflussender Musik unterlegt die Tränenausbrüche scheinbar ganz normaler Frauen begleiten, die vor der Kamera in einem absolut gestelltem Setting ihr eigene, wahre Schönheit entdecken. Wow. Wie revolutionär. Ja, irgendwie schon eine perfekte PR-Kampagne, die ein so positives Image aufbaut, dass man gar nicht mehr auf den Chemiecocktail auf der Verpackung schaut. Lustigerweise sind die Frauen, mit denen Dove wirbt, ja auch gar nicht der Typus Frau, der sich dann im entsprechenden Regal im Drogeriemarkt bedienen würde. Also greifen auch hier im wunderbaren Reich der kommerziell inszenierten Selbstfindung die grundlegendsten Mechanismen der Werbung. Das macht nicht alle Frauen zu Käuferinnen aber sichert Sympathien. Wer nicht Dove kauft, sondern eigentlich teurer und gerne Öko, der findet sich aber sicherlich in den dargestellten sympathischen und reflektiert wirkenden Frauen wieder. Denn Dove kommt so wenig furchteinflößend daher wie der nette Mensch, der einem im Gespräch das eigene Innerste aus der Nase zieht. Wir werden verstanden! Dove versteht uns.

Aber halt: Dove ist eine Marke. Ein Konstrukt, die Produktreihe eines Weltkonzerns, entstanden im Chemielabor, verpackt und betextet in einer Werbeagentur – seelenlos. Ausgerichtet auf Umsätze und Klickzahlen. Aber geschickt haben sie das gemacht, nicht wahr? Sie haben die Kritik an der Werbe- und Kosmetikindustrie, zu der sie gehören, einfach für sich vereinnahmt und in eine starke Argumentationslinie umgedreht. Der man nur schwer etwas entgegen setzen kann. Wer das tut, ist dann auch schnell in der Schublade der ewigen Miesmacher, der überall nur Schlechtes wittert.

Aber eines stimmt: Man versteht uns. Allerdings ist das nicht Dove, sondern das sind die Köpfe im Strategieteam hinter der Marke. Die uns und unsere Wünsche in ausführlichen Umfragen und Auswertungen vermessen haben. Wir tragen noch dazu bei, indem wir die Spots bereitwillig über unsere persönlichen Kanäle teilen und immer noch mehr Informationen liefern, wie man unsere Knöpfe drücken kann. Das ist tatsächlich gut verstanden.
Und es ist bedenklich, wenn Konzerne diese Leerstellen füllen, die wir zu empfinden scheinen. Wenn diese umsatzgetriebenen Konglomerate plötzlich zu unseren Fürsprechern werden und starke Schultern der Identifikation zum Anlehnen bieten, dann sollten wir nicht wie willige Schäflein ihre Botschaft weiterblöken, sondern uns wieder einmal fragen, wer dabei gewinnt.

Über das gesellschaftliche Engagement von Firmen sollte man noch einmal gründlicher nachdenken. Jetzt lohnt es sich aber erst einmal einen Blick auf den neuen Dove Spot zu werfen: Beauty-Patches, man könnte auch sagen Gehirnwäsche-Pflaster. Mit dem Spot und dem dort gezeigtem Frauenbild haben sie auf jeden Fall ordentlich daneben gegriffen. Und damit sich keine von uns ausgeschlossen fühlt, haben sie für eine so politisch korrekte Vielzahl an unterschiedlichen Frauentypen gesorgt, dass einem das Storyboard förmlich ins Gesicht springt. Dove erfindet den Placebo-Effekt neu. So langsam denke ich, wer drauf reinfällt ist selber schuld.

Und versuche derweilen milde auf die eigenen vermeintlichen körperlichen Baustellen zu blicken. Denn ein Teil von mir weiß, dass ich spinne aber ich bin eben auch Teil einer werbeumspülten Generation, der der Kopf vor falschen Bildern springt und die sich in immer noch viel zu kleinen Teilen darum bemüht, diese Bilder auf ein realistisches Maß zurück zu stutzen, damit wieder Platz wird für ein echtes Selbstbild.

Während ich daran arbeite, braucht es etwas frühlingshaft Leichtes:

Orangen-Fenchelsalat mit roten Zwiebeln

(Hier war es eine kleine Portion, die uns zu zweit gut gereicht hat als Beilage)

1 große frische Fenchelknolle (sie soll sich nicht zu trocken und schlaff anfühlen), in feine Streifen geschnitten
1 feste Orange, filetiert
eine halbe rote Zwiebel, in feine Streifen geschnitten
Gutes Olivenöl, gerne mit einer scharfen Note
Salz
Frisch gemahlener Pfeffer.

Den Fenchel, die Orange und die Zwiebel in einer Salatschale mischen, salzen, pfeffern und einen großzügigen Schluck Olivenöl dazu geben. Noch einmal mischen und etwas ziehen lassen – Voilà.

Der Salat passt wunderbar zu Fisch. Und so simpel die Zubereitung ist, so sehr hängt der Geschmack an der Qualität der Zutaten.

Tipp: Wer mag, kann die Zwiebeln auch weglassen oder sie durch ein paar feine kleine Kapern ersetzen….. (in einem kleinen Restaurant irgendwo in Bologna gab es dazu leicht geräucherten Schwertfisch und das war unsagbar köstlich…)

Guten Appetit!

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Urbanism with a View: Von der Idee als Weg und neuen alten Begegnungen am Wegesrand: Löwenzahnsalat mit Spitzwegerich und Günzel

Urbanism wit a view

Paleo Löwenzahnsalat und der Traum vom Leben anderswo

Sie rumoren, die Gedanken. Wie aufgeregt zupfen sie mich am Ärmel und heischen um Aufmerksamkeit. Sie haben neue Energie gewonnen während der kurzen österlichen Auszeit in den Vogesen. Es scheint das ist ein guter Ort für mich um etwas in Bewegung zu setzen. Nicht nur für mich. Denn eigentlich ist es ein Kindheitsort des besonderen Menschen und neben den vielen Geschichten der Erinnerung, die sich für ihn darum ranken, ist es auch ein Ort für uns geworden. Ein bisschen Seelenheimat steckt da zwischen Sonnenschein, Nebelhängen Ginsterduft und schnell laufenden Bächlein.

Auf einem Strohballen im Spätsommer wurde aus der spinnerten, weil flüchtig scheinenden Idee, Berlin zu verlassen, ein handfester Plan, der uns innerhalb von nicht einmal sechs Monaten aus der Großstadt und der Festanstellung aufs Dorf im Taunus trieb. Da sitzen wir nun, das Büro läuft, die Zufriedenheit schnurrt und der Blick hat sich verändert. Massiv. Ich bin eine Grüblerin. Ich kann nicht anders. Gedanken stellen sich mir in den Weg und ich habe die Tendenz sie von allen Seiten zu betrachten und drum herum zu marschieren und sie hin und her zu wälzen um zu schauen, wohin sie fallen.

Und auf diesem innerlichen Weg des Abwägens liegt nun schon seit Längerem ein großer Brocken, der den einschüchternden Namen Lebensmodell trägt. Ich sollte sagen trug. Mit dem Wegzug aus der Stadt bin ich ihm ein erstes Mal mit dem Hämmerchen zu Leibe gerückt und auch jetzt meißel ich daran herum und bin neugierig, was für Facetten sich noch entpuppen. Denn klar ist, wir sind noch nicht am Ende angelangt, das werden wir wohl nie. Sollten wir auch nicht. Nicht das Denken: wenn irgendetwas Großes erreicht ist, dann hat man es geschafft. Nein, es soll immer weitergehen, in seinem ganz eigenen Tempo mit Umwegen und vermeintlichen Abkürzungen. Und das Wunderbare daran ist, die Gedanken und Pläne spinne ich nicht allein, wir tun das gemeinsam und dadurch scheinen sie die Tendenz zu haben, sich schneller als man denkt in die Realität zu wagen. Bei allem, was in so kurzer Zeit passiert ist, wird mir manchmal schwindelig und ich frage mich. Woher ich die Courage genommen hab. Aber ich merke auch, dass ich gar nicht so ängstlich bin, da tief drinnen sitzt anscheinend ein Abenteuergeist und nachdem ich ihn lange betäubt und ihm das Maul verboten habe, ist er nun umtriebig und zeigt mir, wie das geht, das einfach mal machen im Angesicht großer Entscheidungsbrocken. Gerade zerrt er mächtig an den Gedanken um die Zukunft. Wir wollen irgendwann weiterziehen. Noch mehr Land als im dicht besiedelten Deutschland, bzw. Rhein-Main-Gebiet. Ein Leben noch näher an der Natur. Das beschäftigt mich schon lange. Und ohne es zu wollen, bin ich wie so viele natürlich auch in die Marie Claire Maison-Falle der Vision vom perfekten alten Bauernhof gestolpert.

Man könnte sagen, ich habe förmlich schon den Wildblumenstrauß auf dem Tisch und das perfekt bezogene Bauernbett vor mir gesehen. Total daneben und eigentlich auch nicht meines, die totale Idylle, wie sie uns suggeriert wird. Aber die Bilder davon, wie es aussieht, das Glück auf dem Lande, werden medial ja in allen Spielarten beschworen vom Spießertraum bis hin zur gewollten Improvisation für den Großstädter mit Geschmack und Intellekt, der die temporären Auszeiten sucht. Der Natur will, aber bitte nicht mit zu viel Natur. Und einmal mehr die Erkenntnis, dass die Lebensentwürfe Anderer mir nicht mein Leben abnehmen und auch nur begrenzt als Handlungsempfehlung dienen. Wenn ich sehe, was manche Menschen sich verwirklichen können, einfach weil sie die finanziellen Mittel haben, dann komme ich nicht weiter. Ja, man kann Glück haben und die perfekte kleine Farm finden, die sich mit Liebe und Herzblut in den Glücksort verwandelt. Aber ich muss zuallererst realistisch und selbstkritisch sein. Was kann ich, was können wir selber leisten? Wie viel können wir mit unseren eigenen Händen leisten? Das eigene Zuhause mit zu errichten ist wunderbar, aber wenn man wetterfest leben möchte vielleicht der falsche Ort für Experimente. Mit welchem finanziellen Rahmen können wir planen. Gerade stehen wir völlig am Anfang, das eigene Geschäft bekommt langsam kräftige Beine und das eröffnet Perspektiven, aber wir wollen einen Ort, der nur uns gehört und kein Stück der Bank. Das heißt also geduldig sein. Es ist nicht schlimm, wenn einer solcher Träume über Jahre wächst und sich entwickelt. Aber man darf sich eben nicht an falschen Bildern festbeißen, dann sieht man die spannenden Nebenwege nicht und plötzlich sind sie verpasst, die ungeahnten Chancen. Also Geduld, Planung und Offenheit. Flexibilität auch. Soll es ein Leben ganz und gar woanders sein? Welche Modelle gibt es noch? Gemeinschaftlich mit andren, temporär, im Wechsel zwischen Deutschland und Frankreich. Vielleicht kein altes Bauernhaus, sondern etwas anderes? So manches scheinbare Idyll hat sich für ambitionierte Hausbesitzer ja in ein Fass ohne Boden verwandelt. Es gibt andere Lösungen, die man vielleicht bisher ausgeschlossen hat. Bescheidenheit und Verzicht gehören auch in die Gedankenkette. Wenn ich das wirklich will, dann muss ich schauen, auf was ich vielleicht verzichten kann. Nicht sich völlig beschneiden, das Leben will gelebt werden und soll nicht quälen. Aber vielleicht sollte man nicht bereits anfangen Dinge für einen hypothetischen Ort zu erwerben, wenn es diesen noch nicht gibt und man nicht darin stand und ihn gefühlt hat. Und nicht nur diese Verlockung des neuen Kaufanreizes muss vermieden werden, auch die ein oder andere Anschaffung für den Moment kommt auf die Waage. Das ist ok. Es fühlt sich tatsächlich an wie Schmetterlinge, seit wir die Idee vom Leben in den Vogesen (oder anderswo) in kleinere Portionen aufgeteilt haben. Und diese Schmetterlinge kenne ich, die zeigen mir an, dass ich irgendwann mutig sein muss, eine Entscheidung fällen und etwas verändern werde. Ein genussvolles Gefühl der Unsicherheit und des nicht Wissens, was in zwei, drei Jahren sein wird. Und auch, wenn alles ganz anders sein wird, dann hat der Prozess an sich mich schon reicher gemacht. Aber damit das so ist, heißt es offen und wach bleiben und auch genau zu fragen, was einen antreibt. Warum möchte ich noch mehr auf Land? Möchte ich mich verstecken, zurückziehen? Möchte ich etwas beweisen oder fühlt es sich rund an? Denn der komplette Rückzug darf es nicht sein. Wir leben in dieser Welt und haben einen Teil zu leisten, auch wenn die meisten wohl nie dazu kommen nach diesem Teil zu suchen im Dauerrauschen der Welt, wie wir sie gestaltet haben. Und es wäre fatal sich der Idealvorstellung des totalen Landlebens hinzugeben. Nein, wir kommen aus dem Städtischen. Wir haben keine landwirtschaftliche Tradition. Wir können Leidenschaft für Lebensentwürfe und Techniken entwerfen aber wir können nicht abschneiden, was uns auch prägt. Wir wollen auch ein anderes Leben testen, weil unser Beruf der Textarbeit uns eine große Ortsunabhängigkeit ermöglicht. Aber er bindet uns an Infrastrukturen und man muss ein Auge auf die Welt haben. Das andere darf und muss den Horizont erweitern. Und so schält sich da ein mögliches Modell heraus, das des „Urbanism with a View“ – der Realitäten nicht verkennt, sondern sie vereint mit all den Möglichkeiten, die sich dem Mut bieten. Da will ich hin. Auf den Weg. Meine innere Unruhe sagt mir, ich habe schon ein paar Schritte gemacht.

Und die Schritte in der gegenständlichen Welt haben mich über fette Wiesen geführt, die in den Vogesen mit einer Vielfalt glänzen, die deutsche Landwirte schon lange erfolgreich weggedüngt haben.

Löwenzahnsalat mit Spitzwegerich und Günzel

Diese drei herrlich unaufgeregten Wildkräuter haben den Vorteil, dass man sie nur zu oft in unmittelbarer Nähe zu einander findet. Wo Löwenzahn und Spitzwegerich begannt sein dürften, ist der Günzel ein aromatisch duftender, violett-lila blühender kleiner Zeitgenosse, der intensiv duftet und schmeckt.

Der Löwenzahn sollte den Löwenanteil des Salates ausmachen. Dazu die gesammelten Blätter säubern und in Stücke schneiden und gut 1-2 Stunden in etwas Salzwasser einweichen. Abspülen und eine halbe Stunde vor Servieren anrichten. Die Blätter vom Spitzwegerich und Künzel werden gesäubert und fein gehackt den Salat gemengt. Für das erste Mal empfiehlt sich etwas vorsichtiges Dosieren um zu schauen, ob man den Geschmack mag.

Alles mit Olivenöl einem feinen Essig und etwas Kürbiskernöl anmachen und ziehen lassen. Dazu passen auch ein knackiger Apfel in feinen Stücken und ein paar geröstete Walnüsse.

Guten Appetit!

Kurz das Glück bestaunt

 

Im_WaldSchon fast weg. Die Gedanken packen schon den Koffer und mit der Aussicht zeitnah in die zauberhaften Wälder und Aussichten der Vogesen zu entschwinden, wringe ich auch gerne noch bis Samstagabend mein Gehirn aus. Ein Vergnügen. Daneben noch die Erinnerungen an lieben Besuch, mit dem sich in den letzten Tagen neben der Arbeit ganz wunderbar gut essen, spazieren gehen und reden ließ und die Entdeckung einer neuen Lieblingsspaziergehzeit: Der Tagesausklang. Diese kurze Spanne, wenn die warme Frühlingssonne der noch kühlen Abendstimmungen weicht und alles plötzlich in ein unfassbar strahlend weiches Aprikosenlicht taucht und am Waldrand auch schon der erste Dunst aus dem Unterholz kriecht, während am Himmel das helle Blau zwischen den Wolken fast gläsern wirkt.

Innehalten und den weichen Schein auf dem Gesicht genießen, die Schlehen riechen und den Abendvögeln lauschen und für einen Moment dieses große Glücksgefühl verspüren, das einem manchmal das Herz aufs Schönste schmerzen lässt. Und plötzlich wieder wissen: Hier und jetzt, da will ich sein. Und schon jetzt ahnen, dass man sich nach schönen Frankreichtagen auch wieder auf den Moment freut, in dem sich das Tal vor einem öffnet und am Ende das Dorf liegt und Heimat winkt.

Und so müssen die leckeren Rezepte der letzten Zeit warten und werden in Worte gefasst, wenn es weniger nach draußen und weg von der Tastatur zieht.

Zum Glück gibt es Erich Kästner, man ist nicht allein mit seinen Brausepulvergedanken, nur kaum einer bringt so viel Schmunzeln in und zwischen die Zeilen.

Besagter Lenz ist da…

Es ist schon so. Der Frühling kommt in Gang.
Die Bäume räkeln sich. Die Fenster staunen.
Die Luft ist weich, als wäre sie aus Daunen.
Und alles andre ist nicht von Belang.

Nun brauchen alle Hunde eine Braut.
Und Pony Hütchen sagte mir, sie fände:
Die Sonne habe kleine warme Hände
und krabble ihr mit diesen auf der Haut.

Die Hausmannsleute stehen stolz vorm Haus.
Man sitzt schon wieder auf Cafeterrassen
und friert nicht mehr und kann sich sehen lassen.
Wer kleine Kinder hat, der führt sie aus.

Sehr viele Fräuleins haben schwache Knie.
Und in den Adern rinnt’s wie süße Sahne.
Am Himmel tanzen blanke Aeroplane.
Man ist vergnügt dabei. Und weiß nicht wie.

Man sollte wieder mal spazieren gehn.
Das Blau und Rot und Grün war ganz verblichen.
Der Lenz ist da! Die Welt wird frisch gestrichen!
Die Menschen lächeln, bis sie sich verstehn.

Die Seelen laufen Stelzen durch die Stadt.
Auf dem Balkon stehn Männer ohne Westen
und säen Kresse in die Blumenkästen.
Wohl dem, der solche Blumenkästen hat!

Die Gärten sind nur noch zum Scheine kahl.
Die Sonne heizt und nimmt am Winter Rache.
Es ist zwar jedes Jahr dieselbe Sache,
doch es ist immer wie zum ersten Mal.

(Erich Kästner)

Sonnen-Tee mit Zadie Smith und Ljudmila Ulitzkaja, Koffeinsuchtsorgen und Lokalkolorit: Frankfotter Grie Soß paleotauglich

Paleo_Gruene_Soße

Paleotaugliche Grüne Soße und Lesefreuden im Sonnenschein

Ein solches Vergnügen. Nach dem ersten Zögern den Sonnenstrahlen zu vertrauen und in der Mittagspause mit kurzer Hose und einer Tasse Tee im Hof zu sitzen. Das Gesicht in die Sonne haltend oder sich (zumindest für eine kleine Auszeit) langsam durch den Bücherstapel zu arbeiten, der dank freundlicher Leihgaben und Empfehlungen stark angewachsen ist. Die Zeit ist knapp, aber das hindert nicht daran, mich vom ersten Satz an in das Sprachspiel von Sadie Smith zu verlieben, ein wenig Sehnsucht nach den seltsamen Gestalten Londons inklusive. Eine gute Stadt war das für mich und dank Büchern wie „London NW“ wird sie immer wieder fesselnde Kulisse oder spezieller Charakter in ungewöhnlichen Geschichten. Aber das zu fassen, braucht mehr Raum und lässt mich nach Worten suchen. Ebenso wie Ljudmila Ulitzkaja, die es einem nicht gerade leicht macht im bewegten russischen Personenkarussell, das sich durch „Das grüne Zelt“ zieht. Zwei so unterschiedliche Sprachwelten, die sich dort auftun und doch in einem ähnlich wirkten: Beide Bücher haben das Lesen mit einer gewissen Atemlosigkeit verbunden. Bei Sadie Smith war es die unvermittelte Erzählweise, die einen mit sich fortreißt, bei Ljudmila Ulitzkaja war es ein Hasten, den Geschichten zu folgen und nichts zu verlieren. Eine kurze Erwähnung wird diesen beiden sprachgewaltigen Autorinnen nicht gerecht, das weiß ich wohl, aber noch bewegen mich ihre Worte so im Kopf, dass eine gähnende Leere klafft beim Versuch zu übersetzen, was mich beim Lesen bewegt hat. Nichtsdestotrotz sind sie eine sonnenwarme Leseempfehlung für die Momente, die man sich ganz bewusst frei schaufelt um sich ein Stelldichein mit dem Buch zu geben.

Ich kann von diesen Momenten nicht genug bekommen und fast wünsche ich mir Nebel und Niesel für die anstehende kleine Osterflucht, damit ich den Drang stundenlang durch die Wälder der Vogesen zu streifen etwas ausbremsen kann und mir noch mehr Stunden versteckt hinter raschelnden Seiten verschaffe.

Ich brauche das. Gute Geschichten und Sprachkünstler, die Worte mit einer Selbstverständlichkeit in unverhoffter Form zusammenstellen, die nicht nur Vergnügen bereitet sondern bereichert. Du bist was du isst und sicherlich formt deine Lektüre auch deine Gedanken und deinen Stil. Das kennt wohl jeder, in dem ein Bücherherz schlägt. Die kleinen Verliebtheitsanfälle, die Redewendungen und Satzstellungen geschuldet sind. Die man sich auf Post-its über den Schreibtisch pinnt, wie einstmals die Lieblingsband.

Kleine rosarote Momente, die ich im Gedankenarchiv in den lichtdurchfluteten Regalen der schönen Erinnerungen verstaue und immer gerne wieder hervorkrame und mit neuen Momenten bekannt mache.

Oder mir anschaue, wenn etwas Grau drückt. Etwa, wenn mich beim Kunden die Koffeinlust packt – so sehr dieses Verlangen auch in Schach gehalten wird, es lässt nur langsam nach und zu Gast im Riesenbüro muss es etwas Koffein sein. Ich suche ganz einfach den Moment der Kontemplation bevor ich die Tasse mit schwarzem Heiß fülle. Aber was tun, wenn die Wahl besteht zwischen magenzerfressender Thermoskannenbrühe und Aluminiumkapseln, die mich vor eine Gewissensfrage stellen? Nicht nur das Entsorgungsproblem, das hinter den Müllbergen steht, auch die Kosten und Ressourcen, die allein die Herstellung der Kapseln verursacht, verleihen dieser neuen Kaffeekultur etwas Zweifelhaftes – dieser Kaffee hat einen zu hohen Preis. Und so ächzt der Magen, aber der Kopf braucht die ruhige Minute in der Teeküche.

Umso schöner dann die Tage im eigenen Büro, mit der Espressokanne und dem guten Gefühl, mitten am Tag auch mal in der Sonne zu sitzen und lesen zu dürfen. Der erholsame Sonnenscheinmoment wirkt nach mit guter Laune und die Gedanken wandern über der Arbeit des Öfteren zum Abendessen im Kühlschrank.

Einer paleotauglichen Version eines regionalen Klassikers, die durchaus Lust auf mehr davon macht.

Frankfurter Grüne Soße auf Kokosbasis

1 Dose möglichst cremige Kokosmilch (ich habe beim Edeka eine Sorte mit 90% Kokosanteil und ohne Zusätze entdeckt)
7 frische Kräuter (hier wird es nun abenteuerlich, vieles davon ist nicht so einfach zu bekommen, hier gibt es die Mischungen frisch im Bündel zur Weiterverarbeitung, gute Chancen hat man aber auch in der Tiefkühltruhe): Sauerampfer, Kerbel, Schnittlauch, Petersilie, Pimpernelle, Kresse und Borretsch
2 Eier, hart gekocht und fein gewürfelt
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
1 Esslöffel Essig
(nicht immer akzeptiert aber möglich: ein Löffel Senf)
Salz
Pfeffer

  • Die Kokosmilch mit Salz, Pfeffer und Essig glatt rühren.
  • Die Kräuter waschen, trocken tupfen und fein hacken und dann mit den Zwiebelwürfeln in die Kokosmilch geben.
  • Die Eier unter die Kräutermischung rühren.
  • Alles noch einmal mit Pfeffer und Salz abschmecken und für 1-2 Stunden ziehen lassen.

Dazu passt einfach ein saftiger gekochter Schinken und auch Spargel wird bald probiert. Auf jeden Fall eine Erweiterung der paleotauglichen Saucen.

Guten Appetit und sonnige Zeiten!