Sonnen-Tee mit Zadie Smith und Ljudmila Ulitzkaja, Koffeinsuchtsorgen und Lokalkolorit: Frankfotter Grie Soß paleotauglich

Paleo_Gruene_Soße

Paleotaugliche Grüne Soße und Lesefreuden im Sonnenschein

Ein solches Vergnügen. Nach dem ersten Zögern den Sonnenstrahlen zu vertrauen und in der Mittagspause mit kurzer Hose und einer Tasse Tee im Hof zu sitzen. Das Gesicht in die Sonne haltend oder sich (zumindest für eine kleine Auszeit) langsam durch den Bücherstapel zu arbeiten, der dank freundlicher Leihgaben und Empfehlungen stark angewachsen ist. Die Zeit ist knapp, aber das hindert nicht daran, mich vom ersten Satz an in das Sprachspiel von Sadie Smith zu verlieben, ein wenig Sehnsucht nach den seltsamen Gestalten Londons inklusive. Eine gute Stadt war das für mich und dank Büchern wie „London NW“ wird sie immer wieder fesselnde Kulisse oder spezieller Charakter in ungewöhnlichen Geschichten. Aber das zu fassen, braucht mehr Raum und lässt mich nach Worten suchen. Ebenso wie Ljudmila Ulitzkaja, die es einem nicht gerade leicht macht im bewegten russischen Personenkarussell, das sich durch „Das grüne Zelt“ zieht. Zwei so unterschiedliche Sprachwelten, die sich dort auftun und doch in einem ähnlich wirkten: Beide Bücher haben das Lesen mit einer gewissen Atemlosigkeit verbunden. Bei Sadie Smith war es die unvermittelte Erzählweise, die einen mit sich fortreißt, bei Ljudmila Ulitzkaja war es ein Hasten, den Geschichten zu folgen und nichts zu verlieren. Eine kurze Erwähnung wird diesen beiden sprachgewaltigen Autorinnen nicht gerecht, das weiß ich wohl, aber noch bewegen mich ihre Worte so im Kopf, dass eine gähnende Leere klafft beim Versuch zu übersetzen, was mich beim Lesen bewegt hat. Nichtsdestotrotz sind sie eine sonnenwarme Leseempfehlung für die Momente, die man sich ganz bewusst frei schaufelt um sich ein Stelldichein mit dem Buch zu geben.

Ich kann von diesen Momenten nicht genug bekommen und fast wünsche ich mir Nebel und Niesel für die anstehende kleine Osterflucht, damit ich den Drang stundenlang durch die Wälder der Vogesen zu streifen etwas ausbremsen kann und mir noch mehr Stunden versteckt hinter raschelnden Seiten verschaffe.

Ich brauche das. Gute Geschichten und Sprachkünstler, die Worte mit einer Selbstverständlichkeit in unverhoffter Form zusammenstellen, die nicht nur Vergnügen bereitet sondern bereichert. Du bist was du isst und sicherlich formt deine Lektüre auch deine Gedanken und deinen Stil. Das kennt wohl jeder, in dem ein Bücherherz schlägt. Die kleinen Verliebtheitsanfälle, die Redewendungen und Satzstellungen geschuldet sind. Die man sich auf Post-its über den Schreibtisch pinnt, wie einstmals die Lieblingsband.

Kleine rosarote Momente, die ich im Gedankenarchiv in den lichtdurchfluteten Regalen der schönen Erinnerungen verstaue und immer gerne wieder hervorkrame und mit neuen Momenten bekannt mache.

Oder mir anschaue, wenn etwas Grau drückt. Etwa, wenn mich beim Kunden die Koffeinlust packt – so sehr dieses Verlangen auch in Schach gehalten wird, es lässt nur langsam nach und zu Gast im Riesenbüro muss es etwas Koffein sein. Ich suche ganz einfach den Moment der Kontemplation bevor ich die Tasse mit schwarzem Heiß fülle. Aber was tun, wenn die Wahl besteht zwischen magenzerfressender Thermoskannenbrühe und Aluminiumkapseln, die mich vor eine Gewissensfrage stellen? Nicht nur das Entsorgungsproblem, das hinter den Müllbergen steht, auch die Kosten und Ressourcen, die allein die Herstellung der Kapseln verursacht, verleihen dieser neuen Kaffeekultur etwas Zweifelhaftes – dieser Kaffee hat einen zu hohen Preis. Und so ächzt der Magen, aber der Kopf braucht die ruhige Minute in der Teeküche.

Umso schöner dann die Tage im eigenen Büro, mit der Espressokanne und dem guten Gefühl, mitten am Tag auch mal in der Sonne zu sitzen und lesen zu dürfen. Der erholsame Sonnenscheinmoment wirkt nach mit guter Laune und die Gedanken wandern über der Arbeit des Öfteren zum Abendessen im Kühlschrank.

Einer paleotauglichen Version eines regionalen Klassikers, die durchaus Lust auf mehr davon macht.

Frankfurter Grüne Soße auf Kokosbasis

1 Dose möglichst cremige Kokosmilch (ich habe beim Edeka eine Sorte mit 90% Kokosanteil und ohne Zusätze entdeckt)
7 frische Kräuter (hier wird es nun abenteuerlich, vieles davon ist nicht so einfach zu bekommen, hier gibt es die Mischungen frisch im Bündel zur Weiterverarbeitung, gute Chancen hat man aber auch in der Tiefkühltruhe): Sauerampfer, Kerbel, Schnittlauch, Petersilie, Pimpernelle, Kresse und Borretsch
2 Eier, hart gekocht und fein gewürfelt
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
1 Esslöffel Essig
(nicht immer akzeptiert aber möglich: ein Löffel Senf)
Salz
Pfeffer

  • Die Kokosmilch mit Salz, Pfeffer und Essig glatt rühren.
  • Die Kräuter waschen, trocken tupfen und fein hacken und dann mit den Zwiebelwürfeln in die Kokosmilch geben.
  • Die Eier unter die Kräutermischung rühren.
  • Alles noch einmal mit Pfeffer und Salz abschmecken und für 1-2 Stunden ziehen lassen.

Dazu passt einfach ein saftiger gekochter Schinken und auch Spargel wird bald probiert. Auf jeden Fall eine Erweiterung der paleotauglichen Saucen.

Guten Appetit und sonnige Zeiten!

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