Kurz das Glück bestaunt

 

Im_WaldSchon fast weg. Die Gedanken packen schon den Koffer und mit der Aussicht zeitnah in die zauberhaften Wälder und Aussichten der Vogesen zu entschwinden, wringe ich auch gerne noch bis Samstagabend mein Gehirn aus. Ein Vergnügen. Daneben noch die Erinnerungen an lieben Besuch, mit dem sich in den letzten Tagen neben der Arbeit ganz wunderbar gut essen, spazieren gehen und reden ließ und die Entdeckung einer neuen Lieblingsspaziergehzeit: Der Tagesausklang. Diese kurze Spanne, wenn die warme Frühlingssonne der noch kühlen Abendstimmungen weicht und alles plötzlich in ein unfassbar strahlend weiches Aprikosenlicht taucht und am Waldrand auch schon der erste Dunst aus dem Unterholz kriecht, während am Himmel das helle Blau zwischen den Wolken fast gläsern wirkt.

Innehalten und den weichen Schein auf dem Gesicht genießen, die Schlehen riechen und den Abendvögeln lauschen und für einen Moment dieses große Glücksgefühl verspüren, das einem manchmal das Herz aufs Schönste schmerzen lässt. Und plötzlich wieder wissen: Hier und jetzt, da will ich sein. Und schon jetzt ahnen, dass man sich nach schönen Frankreichtagen auch wieder auf den Moment freut, in dem sich das Tal vor einem öffnet und am Ende das Dorf liegt und Heimat winkt.

Und so müssen die leckeren Rezepte der letzten Zeit warten und werden in Worte gefasst, wenn es weniger nach draußen und weg von der Tastatur zieht.

Zum Glück gibt es Erich Kästner, man ist nicht allein mit seinen Brausepulvergedanken, nur kaum einer bringt so viel Schmunzeln in und zwischen die Zeilen.

Besagter Lenz ist da…

Es ist schon so. Der Frühling kommt in Gang.
Die Bäume räkeln sich. Die Fenster staunen.
Die Luft ist weich, als wäre sie aus Daunen.
Und alles andre ist nicht von Belang.

Nun brauchen alle Hunde eine Braut.
Und Pony Hütchen sagte mir, sie fände:
Die Sonne habe kleine warme Hände
und krabble ihr mit diesen auf der Haut.

Die Hausmannsleute stehen stolz vorm Haus.
Man sitzt schon wieder auf Cafeterrassen
und friert nicht mehr und kann sich sehen lassen.
Wer kleine Kinder hat, der führt sie aus.

Sehr viele Fräuleins haben schwache Knie.
Und in den Adern rinnt’s wie süße Sahne.
Am Himmel tanzen blanke Aeroplane.
Man ist vergnügt dabei. Und weiß nicht wie.

Man sollte wieder mal spazieren gehn.
Das Blau und Rot und Grün war ganz verblichen.
Der Lenz ist da! Die Welt wird frisch gestrichen!
Die Menschen lächeln, bis sie sich verstehn.

Die Seelen laufen Stelzen durch die Stadt.
Auf dem Balkon stehn Männer ohne Westen
und säen Kresse in die Blumenkästen.
Wohl dem, der solche Blumenkästen hat!

Die Gärten sind nur noch zum Scheine kahl.
Die Sonne heizt und nimmt am Winter Rache.
Es ist zwar jedes Jahr dieselbe Sache,
doch es ist immer wie zum ersten Mal.

(Erich Kästner)

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