Blubberblasen Gedöns und grüne Spargelliebe mit Zitrone und Speck

Grüner Spargel mit Zitrone

Futter für die Seele: Grüner Spargel mit Zitrone und Speck…aus dem Ofen

Da war ich ganz erstaunt plötzlich festzustellen, dass schon zwei Jahre ins Land gezogen sind, seit die Paleo-Ernährung bei uns eingezogen ist. Zwei Jahre… Saubere Leistung. Und irgendwie glaube ich mehr denn je an den alten Spruch, dass Du bist, was Du isst.   Eine saubere Ernährung bedeutet zwangsweise mehr Anstrengung. Wenn der Griff ins Supermarktregal nicht mehr wie selbstverständlich möglich ist, muss man umdenken. Supermärkte… In Berlin war ich mitunter erstaunt (und andernorts wird sich in großen Biomärkten dasselbe abspielen) wie gutgläubig wir uns an der Bio-Leine hinters Licht führen lassen. Da waren dann Familien zu beobachten, die ihren gesamten Wocheneinkauf für viel viel Geld zwischen den Regalen voller ansprechend gesund gestalteter Produkte mit Gutes-Gewissen-Effekt erledigten und mit einem irgendwie beseelten Gesichtsausdruck an der Kasse standen, die kleinen am superfrechen Kindersmoothie nuckeln ließen und die angespeichelte Reiswaffel weiterknabberten. Das mag nun furchtbar nach Klischee klingen, aber das Bild bietet sich allzu oft.

Dasselbe gilt aber auch für jüngeres visuell-sensibles Publikum, das bio-dynamisch den Auswirkungen des Feier-Lebenstils entgegenwirken möchte. Am besten vegan. Das ist ja das Ding gerade. Was niemand in der wunderbar gestalteten Welt der Bio-Lebensmittel laut dazusagt ist, dass auch Bio-Pizza Müll ist und dass auch Biosäfte mit Fruchtzucker als alleinige Kindergetränke ungesund sind und dass Dinkelcräcker vielleicht harmlos daher kommen, aber eben auch Kohlehydrat- und somit Zuckermonster sind. Ich bin da keine Ausnahme, ich weiß, wo ich mich verorten muss in den Sinus-Milieus, ich bin nur dadurch geschützt, dass ich einen Großteil der Produkte kategorisch ablehne, weil ich generell keine Fertigprodukte esse oder weil sie so reich an Kohlenhydraten sind, dass ich mich frage, was mir das Gutes tun soll. Und ich mache mir so unbewusste Prozesse klar und auch wenn ich mich damit manchmal selber nerve – es wäre durchaus leichter nicht nachzudenken – versuche ich Konsequenz zu leben. Und staune über die Menschen, die in ihrer Blase weiterstrampeln und denken es ist automatisch gut, nur weil es Bio ist. So einfach ist es leider nicht, aber wen das nicht juckt, bitte sehr. Sagen tue ich dazu nur noch wenig, wenn jemand ehrlich fragt, gerne, aber allzu oft wird ja doch nur gefragt, weil im Kopf schon die pfeilscharfe Réplique auf meine Antwort zurechtgelegt wurde. Diese Fallen versuche ich zu umgehen, das Ego der anderen soll deren Problem sein.

Ach ja, Ego. Es macht mich nur manchmal traurig, wie viel Geld dann in vermeintlich gute Kanäle fließt und wie viel Energie in die entsprechenden Tätigkeiten/Hobbies/Passionen, die viele intelligente Menschen pflegen. Besonders merke ich das, wenn ich mich durch die Welt der Online-Magazine und Blogs grabe. Ich weiß mitunter gar nicht mehr, wo ich nach Interessantem suchen soll. Nach Unabhängigem. Mitunter passiert es dann, dass ich wahllos durchs Netz streune und mich durch Themencluster treiben lasse. Wie viel Energie und Arbeit die Leute in ihre kleinen Online-Bühnen stecken. Kleidung, Essen (mache ich auch), Wohnen, alles ist abgedeckt. Bei vielen dann gleich auf allen verfügbaren Kanälen. Wie viel Zeit, die wirklich sinnvoller genutzt werden könnte. Energie und Gehirnzeit, die anders verbracht werden könnte. Stattdessen wohl dosierte Selbstzweifel auf Modeblogs, ob man narzisstisch sei und dass es doch noch mehr geben müsste oder eben immer wieder der Verweis auf nachhaltige Projekte und Produkte, die der Produktparade und dem Bilderreigen etwas Tiefgang verleihen sollen. Nein, ich merke, dass ich nicht mehr mitlesen mag. Ab und an eine Stichprobe, ob sich etwas geändert hat. Aber irgendwie setzt sich das Gefühl fest, dass die großartige Transparenz und Möglichkeit zur Beteiligung statt einem Mehr an Möglichkeiten und Informationen vor allem eine Flut an Nichtigkeiten hervorbringt. Wiederholungen von Stereotypen, Studien in Narzissmus, Egos auf Bestätigungssuche und hohle Blasen. Ist das zu hart? Klingt so, nicht wahr? Aber tatsächlich ist es schwer, gute Informationen zu finden. Recherchierte Informationen mit Substanz, die zum Nachdenken anregen. Gut finde ich dann aber, wenn Blogs nicht versuchen mehr zu sein als was sie sind. Wenn jemand seine leckeren Rezepte teilt ohne völlig im Arrangement durchzudrehen, seine Nähideen teilt und echte Freude versprüht oder über eine Lektüre schreibt, ohne in Schwurbeleien und Anspruch zu versinken. Das mag ich. Und ja, das heißt, dass ich andere Dinge nicht mag, und das ist gut. Ich kann auch wunderbar damit leben, wenn jemand diesen Blog nicht mag – ich versuche nichts anderes zu sein als ich bin und wem das gefällt: Herzlich willkommen. Wem nicht: Das ist ok. Und mir recht egal.

Abnabelungsprozesse ergeben sich so automatisch. Und auch wenn ich früher menschliche Wechsel in meinem Leben immer mit Sorge betrachtet habe und bereit war, eher zu viel zu investieren, als jemanden zu verlieren, mache ich das heute nicht mehr. Solide Beziehungen entwickeln eine Balance und dann laufen sie tatsächlich und überstehen auch Stress oder einen Mangel an Zeit oder Distanz. Wichtig ist nur, dass die Menschen sind, wer sie sind oder dabei sind, dieses herauszufinden. Was mich einfach nicht mehr interessiert ist die Fassade, das Arrangement. Davon haben wir viel zu viel um uns herum.

Und manchmal stößt es mich regelrecht ab, wie sehr unser Materialismus und unsere verschobenen fragilen Egos sich vom Wesentlichen entfernt haben. Man weiß es ja. Aber mitunter braucht es den Kontrast, als kleinen Realitätscheck, wie es eben auch aussieht auf diesem Planeten. Ein solcher Wachrüttler war die Dokumentation Dirty Wars von Jeremy Scahill. Das ist auch die Welt, in der wir leben. Die uns nur nicht gezeigt wird in angepassten Medien. Und wie weit weg sind diese Dinge von uns? Wenn sie andernorts passieren, wer sagt, dass es bei uns immer gut sein wird? Ist es überhaupt gut bei uns? Und was wäre gut?

Dass etwas aus der Balance ist, sollte jedem deutlich werden, der anfängt nachzudenken. Erschreckend aber ist, wie weit sich diese Gedanken spinnen lassen – Missstände, egal in welchem Themengebiet man sich weiter vordenkt. Das darf einen nicht stoppen, im Gegenteil. Und es darf einen auch nicht entmutigen. Die kleinen persönlichen Freuden sind wichtig. Nur das Maß sollte man mitdenken.

Und in Zeiten schwerer Gedanken ist das Denken ans Essen meine kleine temporäre Zuflucht. Zur Stärkung für den nächsten (Gedanken-)Gang.

Schneller Grüner Spargel mit Zitrone und Speck aus dem Ofen

1 Pfund grünen Spargel
1 unbehandelte Zitrone
Thymian
200 Gramm Speckwürfel
Olivenöl
Salz
Pfeffer

  • Den Spargel waschen und die Enden abschneiden.
  • In eine Auflaufform geben und mit Saft einer halben Zitrone, Olivenöl, Thymian, Salz und Pfeffer vermengen.
  • Nun die Speckwürfel darunter heben und das Ganze für ca. 45 Minuten bei 200 Grad in den Ofen geben, bis der Spargel leicht gebräunt ist und der Gabel nachgibt.

Schmeckt so oder als Beilage, etwa zu einer Lammkeule oder Schulter… dazu noch kleine Tomaten mit geröstet…Lecker leicht.

Guten Appetit!

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