Vom Nein-Sagen und Apfelberge aus der Normandie: Holunder-Vanille-Apfelmus und Orange-Ingwer-Apfelmus

Nein sagen und Apfelmus

Vom Nein-Sagen und normanischen Apfelbergen

Man will ja niemanden enttäuschen und in der Konsequenz mache ich mir allzu oft all zu sehr einen Kopf, was wohl für mein Gegenüber gut sein könnte – mit dem Ergebnis, dass das Resultat vor lauter gedanklicher Umrundungen nicht unbedingt das beste für mich selber ist. Ein zu viel an Egoismus ist nicht gut, aber leider weit verbreitet, oft verpackt in charmantes Liebäugeln mit dem dann doch gerne gepflegten Narzissmus. Sind wir doch gesellschaftlich an einem Punkt angekommen, an dem es einen tolerierten Narzissmus gibt, der verniedlicht und gehegt und akzeptiert ist.
Nur niedlich ist der nicht. Im Gegenteil, das Zuviel an ich und mich und mir hat die Kehrseite, dass da ein Zuwenig an Reflexion und wirklich mal etwas ändern steht. Ist ja bequem so und solange keiner was sagt. Ich merke bei mir, nicht erst jetzt, eigentlich schon immer aber in den letzten paar Jahren sehr klar und deutlich, dass ich wenig Anlagen eines ausgeprägten Narzissten in mir trage. Aber vielleicht vom Typ ein wenig zu sehr in das Gegenteil schlage: Ich denke um meine Handlungen herum und herum und von vorne nach hinten und wieder zurück und kann wahnsinnig schwer nein sagen. Ich wollte nie enttäuschen. Was skurrile Auswirkungen haben kann:

Zu Ostern waren wir in den Vogesen und haben uns dort anständig die Beine vertreten. Nach ein paar besonders intensiven Stunden, in denen es entweder bergab oder bergauf, aber nicht einen Meter einfach auf ebenem Grund ging, schmerzten die Füße, waren die Beine schwer und Kopf und Magen kreisten um die nächste, wohl verdiente Mahlzeit. In diesen Moment der appetitbedingten mangelnden Zurechnungsfähigkeit platzte die Klinge an der Tür des kleinen schiefen Häuschens. Der charmante französische Mensch vor der Tür war mit einem Laster unterwegs und verkaufte Obst und Gemüse von der Lieferfläche. „Wie schön!“, dachte der Kopf, so ne richtige lokale Initiative und toll für die alten Menschen in den verstreuten Dörfern, die nicht mehr so mobil sind. Das gehört unterstützt, also direkt ran ans Portemonnaie und raus zum Lieferwagen. So ein paar wenige Äpfel und ein bisschen Gemüse für die verbleibenden zwei Tage – das wäre doch schön. Die kleine Epicerie im Dorf hat ja nicht immer alles und es ist alle Mal besser als der Supermarkt. Nur mit ein bisschen hiervon und drei Stück davon und ein Pfund von dem war es dann nix.
Was es gab, gab es in Stiegen. Mit dem Ergebnis, dass wir plötzlich mit 16 Kilo Granny Smith (man stelle sich dazu kurz die französische Betonung vor, das klingt gleich viel leckerer) am Straßenrand zurückgelassen wurden…. 16 Kilo… das ist ganz schön viel auf einmal…. Granny Smith… der Apfel, den ich mit am künstlichsten finde und seit Jahren boykottiert habe… kiloweise Äpfel für zwei Menschen, die innerhalb einer Low Carb-Ernährung auch auf den Fruchtzucker schauen… Zumal ich erst wenige Wochen zuvor festgestellt habe, dass mir mein gelegentlicher Apfel, denn eigentlich liebe ich Äpfel, ziemlich auf den Magen schlägt und wenn ich bedenke, wie ich die runden Kerle früher in Massen verspeist habe, weil so gesund und ohne Fett…, plötzlich deutlich wird, woher so einige meiner Probleme rührten…
Da standen wir und fragten uns, wie das geschehen konnte und nach einem kurzen Schockmoment, da hatte nämlich auch durchaus etwas Geld den Besitzer gewechselt, haben wir herzlich gelacht und sind dann ernst geworden. Es kann nicht sein, dass man nicht Nein sagen kann. Wenn ich schon dem Apfelhändler keine Absage erteilen kann, wie ist es dann in anderen Bereichen? Und vor allem, wie ist es gegenüber anderen Menschen? Zu glauben, dass alle Menschen in unserem Leben nur unser Bestes wollen, ist ein trauriger Trugschluss, aber wir verbieten uns diese Gedanken. Und geben all zu oft nach, stimmen zu, sagen Ja, wo das Gefühl im Bauch eigentlich kräftig das Köpfchen reckt und sagt: „Das fühlt sich nicht stimmig an!“ oder „Das will ich eigentlich gar nicht oder nicht so.“ Menschen wie ich fühlen sich dann wie gemeine Egoisten und sagen nicht Nein. Aber man hat auch und vor allem eine Verpflichtung sich selbst gegenüber. Es muss für mich stimmen, sonst kann daraus nichts Vernünftiges entstehen. Und Nein sagen macht einen nicht automatisch zum Egoisten. Wer schon so viel darüber nachdenkt, ob die vier Buchstaben ok sind oder nicht, läuft da wohl relativ wenig Gefahr, dass er den eigenen Energie- oder Emotionsbedarf auf Kosten Anderer stillt, aber setzt sich dem Risiko aus, sich zu wenig abzugrenzen. Von den Menschen, die vor allem an die Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse, an die Umsetzung ihrer eigenen Agenda und an die Befriedigung ihres Egos denken. Und weil es davon erschreckend viele gibt, ist es so wichtig, ein gutes Verhältnis zum Nein sagen zu entwickeln. Man muss lernen, Position zu beziehen und das ganz besonders für sich selber. Wer sich dann daran stört, da sollte man dann nochmal hinschauen, wie sich das Ganze anfühlt und was der Bauch zu diesen Beziehungen sagt… Das kann schmerzhaft sein und Energie kosten, vielleicht versteht es auch nicht jeder, aber es kann auch den Weg frei machen für viel Neues, das plötzlich mehr Raum bekommt. Und es ist ein Prozess, der wohl nie aufhört, so wie man ja auch niemals ganz raus sollte aus der Reflexion, man muss nur ihr Verhältnis kennenlernen.

Und so übe ich mich im Nein sagen und Aushalten und lerne es zu schätzen und ganz nebenbei haben mich als kleine Ermahnung diverse Kilo Äpfel begleitet, die jetzt am Sonntag in fruchtige Grüße aus der Normandie verwandelt wurden. Da stammen die knackigen Prachtexemplare nämlich her und es sei zu ihrer Verteidigung gesagt, dass sie deutlich weniger künstlich daherkamen als ihre schrill grünen, makellosen Verwandten aus fernen Ecken der Welt.

Holunder-Vanille-Apfelmus und Orange-Ingwer-Apfelmus

  • Ich kann nicht mehr sagen, wie viele Kilo noch übrig waren, ich schätze so gute 10, diese habe ich zur Sicherheit geschält, wer will schon das Wachs der Schale im Magen…, die Kerne entfernt und in Stücke geschnitten.
    Dann habe ich die Apfelstücke auf zwei große Töpfe verteilt.
  • Für den Holunder-Vanille-Apfelmus-Topf habe ich die Äpfel mit dem Saft von 1,5 Zitronen, 2 Esslöffeln Bourbon-Vanille und 12 Holunderblütendolden und zwei großen Tassen Wasser aufgesetzt.
  • Das Orangen-Ingwer-Apfelmus hat den Saft und die Schale einer großen Orange sowie gute 6 Zentimeter klein geschnittenen Ingwer und zwei Tassen Wasser mit in den Topf bekommen.
  • Je nach Süßegrad der Äpfel kann man etwas nachsüßen, so habe ich bei der Holunder-Variante noch 3 Esslöffel Xylith hinzu gegeben.
  • Die Äpfel dann leise vor sich hin köcheln lassen, bis sie leicht zerfallen und dann jeweils gründlich durch ein feines Sieb drücken. Das ergibt ein samtiges Apfelmus ohne störende Stücke.
  • Das Ganze nun in Gläser füllen. Ich habe diese dann im Dampfkochtopf eingekocht, da ich versuchen werde, nicht alles auf einmal zu verarbeiten (was schwer fällt bei dem Geschmack!) und mich gerne noch später über diesen fruchtigen Gruß freuen möchte.

Und dann sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Zum Kuchen backen, Mit Eischnee als Apfelschnee, mit Kokosmilch und Gelatine in einer Panna Cotta Variation, auf Pfannkuchen, zum Fleisch oder einfach so aus dem Glas…Mmmmh Apfel und ganz viel Geschmack.

Guten Appetit!

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Dem Heugeruch verfallen und ein gefährlich leckeres Unvernunfts-Schoko-Brot

Schokobrot

Schokolade auf dem (Paleo-)Brot und dem Heugeruch verfallen

Ach komm, wir verschwinden einfach kurz. Wir packen nur das Nötigste und die kleine Katze ein und düsen über die Grenze in die  Herzens-Landschaft der Vogesen. Dort, wo die Luft fast prickelt in der Nase und einen der Blick über das Plateau berauscht mit immer neuen Variationen von Grün, Blau, Grau, Braun und allen Sonnen- und Nebelnuancen, die dazwischen liegen. Hier gibt es kein schlechtes Wetter, hier gibt es einen Wald, der jeden Tag ein anderes Gesicht zeigt und einem manchmal Sonnenflecken und dann wieder Pfützen und dahin wieselnde Wasserlaufe vor die Füße zaubert. Da, wo es einem vor Naturschönheit einen Kloss im Hals bescheren kann und wo in der Nacht das Sturmtier über die Wiesen und Felder rast und an den kleinen Häusern und Scheunen zerrt, dass es einem beinahe Angst und  Bange wird. Eben nur beinahe, denn der Wind treibt auch in der Nacht den Heugeruch vor sich her und die Decke wird etwas fester gewickelt und morgens der Zaubermoment beim Öffnen der Fensterläden: Wie sich der Himmel heute wohl gibt?

Der Kopf ist noch ganz gefangen von den Sinneseindrücken der freien Tage.  Und ganz verwöhnt fühlen sich Seele und Körper von warmen Sonnenstrahlen und steinigen Wegen mit weitem Blick. Und die Einsamkeit. Noch mehr als auf dem Dorf daheim. Alles ist so nah, weil man ja immer auch Furcht hat, es könnte einem die Decke auf den Kopf fallen und dabei findet man doch sogar noch viel mehr fern ab dessen, was man sich als Nabelschnur zum großen Treiben erhält. Und er pocht der Gedanke: Da geht noch was. Das geht noch weiter raus aufs Land… So wie hier oder anderswo aber eben noch ein bisschen mehr. Es scheint der Schritt in den Taunus, so radikal er für viele schon zu sein scheint, wird zur Probephase und es erwacht ein neuer Weg zur Form, der sich einem  irgendwann unter die Füße schieben wird. Wo er wohl hinführt? Das soll er mir beizeiten einfach zeigen. Bis dahin bleibt der Blick wach, damit ich nicht verpasse, was sich an Schönheiten am Wegesrand verbergen. Und während der Kopf am Holundereis arbeitet, hängt dem Essensdenken noch die Erinnerung an ein köstliches Sonnenfrühstück nach, mit Blick auf Blumen und in die Weite und beschirmt vom weiten Blau:

Cassavabrot mit Schokolade

Nein, vernünftig ist das sicher nicht. Und sollte auch nicht täglich auf dem Speiseplan stehen, aber es ist perfekt für Sonnensonntage und all die kleinen Morgende, die ein Extra verdient haben.

Das Rezept für das Brot findet sich auf einem sehr inspirierenden Blog in Sachen Rezepte

Die Schokocreme hat der besondere Mensch erdacht. Zum Glück.

Für vier dünne Scheiben:
2 großzügige Stücke bittere Schokolade (90-100%)
30 Gramm Butter
1 Teelöffel Xucker
Gewürze nach Lust und Laune (Zimt, Vanille, Chili, Salz,…)

Die Schokolade und die Butter sachte im Wasserbad schmelzen. Dabei frühzeitig aus der Wärme nehmen, die Masse soll nicht zu flüssig werden, nur homogen soll sie sein. Wer mag rührt etwas extra Süße, Vanille, Zimt, Chili oder oder oder… hinein und dann das Ganze auf den Brotscheiben verteilen und noch einmal kurz in den Kühlschrank geben.

Guten Appetit und seid maßvoll….

 

Eine kleine Reflexion zur Paleo-Ernährung oder wie das heißt und asiatisch angehauchter Rindfleischsalat

Ein paar Gedanken zum "Paleo"-Etikett und ein asiatischer RindfleischsalatIch hadere ja schon länger mit dem Paleo-Etikett. Oder besser mit dem immer wieder auftauchenden Wunsch der Menschen, alles in Kategorien einzusortieren, die mit griffigen Namen versehen werden, und damit soll dann alles klar sein. So leicht ist es halt nicht. Und wenn man dann das Etikett benennt, wird vielleicht gar nicht weiter geschaut, experimentiert, versickert die Neugier, man hat ja ein Bild im Kopf.

Ich spreche zumeist von einer Paleo-Ernährung, weil es das einfacher macht und schneller geht als in Grundzügen meine Auseinandersetzung mit der Nahrungsaufnahme zu skizzieren. Aber was dann Paleo ist, das muss wohl jeder innerhalb eines gewissen Rahmens selber gestalten. Ein paar Grundsätze gibt es. Die sind andernorts gut dokumentiert. Aber dann geht es los: manch einer isst Primal, also mit Milchprodukten, manche trinken regelmäßig Alkohol oder erlauben sich Reis oder oder oder und dann gestaltet es mancher recht Low Carb und andere wieder nicht, denn Paleo ist nicht automatisch eine Low Carb-Ernährung, auch wenn man den Anteil an Kohlenhydraten deutlich reduziert gegenüber einer konventionellen Ernährung mit massig Getreideprodukten. Wieder andere leben in Ketose  und andere sagen, das hat seine Fallstricke. Wie bei so vielem im Leben oder besser: gerade hier heißt es wohl eine gewisse Disziplin und Ausdauer zu behalten und zu testen, was einem bekommt und wenn man weiß, dass bestimmte Erkrankungsbilder oder Symptome vorliegen, dann sollte man sich auf die Suche nach einem aufgeschlossenen Arzt begeben, der einem hilft und begleitet beim Feintuning der Ernährung.

Und man steht auch selbst in der Verantwortung, sich schlau zu machen. Das mag von außen wie eine Fixierung aufs Essen wahrgenommen werden, wobei es lustigerweise aber oftmals die Projektionen und nicht enden wollenden Fragen des Umfeldes sind, die das Essen zum Dauerthema machen. Missionieren sollte man nicht. Bringt auch nichts. Die Rolle kann man denen überlassen, die sich mit Mainstream-Argumentationsbrei dagegen wehren, dass man an den Grundsätzen scheinbar allgemein gültiger Ernährungsweisheiten rüttelt. Wie unbequem. Da sind die Argumente schnell zur Hand. Ich finde es aber wichtig, für einen selber, einmal zu verstehen, was da eigentlich passiert in dem Körper. Der ist ja keine Blackbox… Die Magic passiert woanders, in unserem Körper sind es biochemische Prozesse und ein so umfassender Zusammenhang von Ursachen und Wirkungen, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen und sich selbst den Gefallen zu tun, noch ein bisschen besser zu sich zu sein. Denn gesund zu sein und auszusehen und sich voller Energie zu füllen, das ist das Lebensgefühl, das wir alle verdient hätten. Das ermöglicht es uns, bei uns und in Balance anzukommen ohne die Ablenkungen, mit denen wir uns selber kleine und große Schädigungen zufügen.

Ich bin gerade mittendrin im Feinjustieren. Ich denke mir, da geht noch was, denn ich merke, was schon alles passiert ist. In meinen letzten zwei Jahren in Berlin war ich ständig krank, massiv unter Druck und Stress und ich denke ehrlich, hätte ich nicht einen deutlichen Einschnitt vorgenommen, ich hätte meine Batterien irgendwann ausgebrannt, wahrscheinlich ohne es selber zu merken. Es ging irgendwann nicht mehr, der Spagat zwischen Job und abendfüllendem Privatleben mit jeder Menge Alkohol und Essen, auf das man nicht acht gibt, weil das ist ja so der Cool-Girl-Feminismus, der uns Mädels so cool macht, weil wir Bier saufen, Burger fressen und keine Diät-Tussis sind – wir müssen dafür nur so aussehen, dass niemand die Burger sieht, also schön noch eine kleine Sportsucht dazu entwickelt gegen das schlechte Gewissen und der Körper ist im Dauerstress… In der Mühle ist man schnell. Ich musste da raus und habe es gemerkt, dafür bin ich mir heute immer öfter mal selber dankbar. Und stelle fest, ich war seit über einem Jahr nicht mehr krank. Jetzt, nach vier Wochen ohne Wochenende, mit viel Arbeit und emotionalen Achterbahnfahrten, merke ich eine gewisse Schlappheit, aber noch vor zwei Jahren hätte ich längst wieder mit einer Mandelentzündung (über Jahre meine ganz eigene Lieblingsreaktion auf Stress) im Bett gelegen und mich noch zusätzlich gestresst, weil ich krank auch nichts schaffe. Dieses Gesundsein soll ein Gesundbleiben werden. Ich will auf mich hören und auf mich achten. Auch als Entschuldigungsgeste an mich selbst, weil ich das Jahre lang zu wenig getan habe. Sich gesund fühlen, das ist Lebensqualität. Da eröffnen sich Energielevel, die ich so vorher nicht kannte. Und mit dem genaueren Blick auf die Nahrung und das, was in meinem Körper passiert, versteht man sie auch noch besser zu deuten, die kleinen Zeichen. Gerate ich doch einmal in die Versuchung zu vieler Kohlenhydrate, weil der („Paleo“-) Kuchen so lecker ist, dann bedankt sich der Körper, denn nach dem Zuckerpush folgt das unbefriedigende Tief, in dem immer noch was fehlt, und dann kommt das schlechte Gewissen und und und… Das passiert noch ab und an, aber immer seltener, der Carbs-Kater ist es nicht wert.

Früher habe ich versucht, das schlechte Gewissen mit Sport zu kompensieren. Bewegung ist wichtig und gut und gesund aber auch hier – warum fällt Mäßigung so schwer? Das wunderbare Hoch während einer erfolgreichen Joggingrunde schlug dann um in die Unausgewogenheit und schlechte Laune an den Tagen, an denen ich nicht dazu kam – wieder setzt man sich selbst unter Stress. In meiner Zeit in London, als ich stark am Kämpfen war gegen zu viele Pfunde, die daher kamen, dass ich nicht gut auf mich gehört habe, bin ich fünf Mal die Woche ins Fitnessstudio gegangen, immer in der Mittagspause. In der Agentur, in der ich zu der Zeit dort gearbeitet habe, machte man das so. Wer nicht zum Sport ging und vielleicht nicht ganz so erfolgsorientiert hager aussah, wurde als weniger erfolgreich wahrgenommen. Übrigens auch dort gab es überdurchschnittlich viele Langstreckenläufer. So sehr Bewegung und gerade Laufen auch befreien kann, es gibt ein Zuviel und es macht aus manchen Körpern etwas Zähes, das knapp neben dem Gesunden liegt. Ohne es zu merken, hängt die Laune nicht mehr an den Kilos sondern am Sportpensum und sorgt für Anhängigkeiten. Ich finde es bedenklich, aber wie soll man da rauskommen, wenn es fast schon erwartet wird?

Wenn ich nicht im Fitnessstudio war und manchmal auch noch an den Abenden der Sporttage, bin ich Joggen gegangen. Musik auf die Ohren und ab durch London, so lange es ging. In drei Monaten hatte ich zwei Mandelentzündungen und Schmerzen in den Gelenken und Schienbeinen, die mich schier wahnsinnig gemacht haben. Aber ich dachte, das muss sein. Das muss ich von mir verlangen können. Hätte ich stattdessen mal nicht jeden Donnerstag mit den Kollegen im Pub mitgehalten oder weniger Humus und keinen Porridge gegessen… das hätte mir die Frustration erspart, dass irgendwann nichts mehr ging beim Abnehmen. Zu dem Zeitpunkt hatte mich der Gewichtsverlust aber schon so sehr beflügelt, dass das eine ziemlich Keule war. Also doch mal Fish & Chips bei schlechter Laune und dann denken, man gleicht das aus, indem man nur Trockenobst frisst, denn das hat ja kein Fett und ein Fehler nach dem anderen.

Wir können so viel steuern über unsere Ernährung, unser Energielevel, unsere Gesundheit, unsere Erscheinung und Ausstrahlung, unsere Stimmungen… Wir können Raum schaffen für einen Blick, der einem nähergeht und vielleicht ganz andere Themen angeht als sonst möglich. Denn ich hätte jeden Tag laufen gehen und weiter eine Sportart nach der anderen ausprobieren können, es hätte mich nie zu mir gebracht, wenn ich nicht den Raum gefunden hätte, die Mechanismen hinter Denkmustern zu erkennen. Und weil die Welt voller seltsamer Menschen ist und voller Situationen und Dynamiken, die einen den ein oder anderen Stein in den Weg legen, möchte ich mir selber die Kraft dafür geben, dass mich das nicht aus der Bahn wirft. Und das kann ich tun, indem ich etwas für meine Gesundheit tue. Deshalb informiere ich mich weiter. Momentan mit dem Buch Keto Adapted von Maria Emmerich, deren Blog  ich sehr mag und deren Rezepte ich phänomenal finde. Und ja, das ist schon nicht mehr nur Paleo und manche Dinge teile ich nicht, denn mir geht es bei allem vor allem um die Qualität der Nahrungsmittel und ich möchte mich nicht abhängig machen von zu vielen Zusatzstoffen. Aber sie erklärt sehr schlüssig und fundiert, was da eigentlich so alles passiert und es ist für mich eine gute Grundlage, weiter zu feilen. Denn mir persönlich bekommt sie sehr gut, die Ketose. Tatsächlich bisher am besten.

Und das schließt den Genuss nicht aus. Im Gegenteil, wohl dosiert und bewusst genossen. Wie heute im Mammeo. In Frankfurt. Einem Café mit wunderbaren Kuchen und Mittagstisch und Sonntagsbrunch. Alles Paleo und alles hausgemacht. Noch dazu mit einer höchst sympathischen Betreiberin. Wen es nach Frankfurt verschlägt, dem empfehle ich einen Besuch! Der Bulletproof Kaffee dort ist gigantisch! Einfach mal irgendwo sitzen und Kuchen essen können, wer seine Ernährung so drastisch umgestellt hat, weiß wie selten diese Momente sind. Lustigerweise ergeben sich gerade im Café-Betrieb Schnittmengen mit Veganern… Aber über die möchte ich heute nicht sprechen. Die #-Veganer… Aaaaahh. Überall. Und auch nicht informiert. Zu großen Teilen.

Egal, wer sich über die Paleoernährung informiert, wird schnell an eine praktische Hürde stoßen: Wo kaufe ich ein? In Großstädten mag dies weniger ein Problem sein, aber wo zum Henker kriege ich auf dem Dorf Maniokmehl, um das wunderbare Cassavabrot von Svenja für Besuch und Ausnahmefälle zu backen? Es gibt auch da seit einiger Zeit eine Lösung: Den Onlineshop „Die kleine Steinzeit“– wunderbar sorgenfrei online bestellen und gleich richtig viel, damit sich der Versand rechtfertigt! Das ist eine enorme Erleichterung. Und kann so manchem helfen, den Einstieg reibungsloser zu gestalten. Denn das darf es auch sein: einfach. Wer sich grundsätzlich mit seiner Ernährung und der Lebensmittelproduktion unserer Tage auseinandersetzt, hat es tatsächlich schwer genug. Da darf es auch mal einfach sein, wir haben nirgendwo unterschrieben, dass wir es uns besonders schwer gestalten müssen. Keine Selbstverpflichtung außer zu einem bewussten Umgang mit uns und allem.

Und so freue ich mich über meine gerade eingetroffene Bestellung und die darin enthaltenen Coconut Aminos und setze die gleich ein:

Marinierter Rindfleischsalat mit Ingwer

Kalte Rindfleischreste
4 Zentimeter Ingwer, fein gewürfelt
1 Zwiebel, fein gewürfelt
Coconut Aminos
Apfelessig
Olivenöl
Salz
Chili
Wahlweise frischen Koriander und kalten gekochten Spargel (weiß und grün)

Das Rindfleisch für den Salat war die Hälfte eines anderen Rezeptes.

  • Ursprünglich habe ich 1,5 Kilo Rinderbraten (ohne Knochen) mit einer Tasse Brühe und einer knappen halben Tasse Balsamico sowie Salz und Pfeffer für 6 Stunden bei 150 Grad im Schmortopf im Ofen gegart, bis sich das zarte Fleisch mit der Gabel auseinanderziehen ließ – Köstlich. Mehr braucht es bei einem guten Fleisch nicht. Vielleicht noch etwas rosa Pfeffer zum Schluss und ein-zwei Lorbeerblätter.
  • Die Reste über Nacht kalt stellen.
  • Am nächsten Tag ein Dressing aus Coconut Aminos, Apfelessig, Olivenöl, Ingwer, Zwiebel, Salz und Chili anrühren und die Reste vom Rindfleisch darin gut durchziehen lassen.
  • Wer hat und mag, gibt vor dem Servieren frisches Koriandergrün dazu.

Und besonders köstlich schmeckt eine Verlängerung des Rindfleischsalates mit Spargel!

Guten Appetit