Brot und Spiele und Besuch glücklich machen: Kräuter-Wildlachs mit Fenchelgemüse

WM_Wildlachs statt Brot und Spiele

Brot und Spiele: ohne mich.

Ich habe überlebt. Ich habe die letzten Wochen überstanden, ohne ein einziges Fußballspiel geschaut zu haben. Trotzdem habe ich das Gefühl, alles gesehen zu haben, da es ja das alles dominierende Thema war. Die letzten Jahre war ich auch immer fleißig irgendwo vor der großen Leinwand und bin mit Freunden dem Fußballzauber erlegen. Hat man ja plötzlich so gemacht. Und jeder konnte plötzlich etwas zu Fußball sagen und hat es auch getan. Und parallel zu all den neu ernannten Fußball-Experten, die das Turnier-Karussell da alle zwei Jahre pünktlich zur EM und WM wieder ausspuckt, gibt es noch die andere Debatte. Die Diskussion, ob wir es mit einem neuen Nationalgefühl zu tun hätten und wenn ja, wie dieses wohl geartet sein mag… irgendwie so etwas wie das moralisch-intellektuelle Feigenblatt für den ein oder anderen Redakteur, dem es zwischendurch dämmerte, dass die völlige Hingabe an unsere Version von Brot und Spielen mit zu wenig Inhalt gefüllt ist. Das sind zumeist so furchtbar verklemmte oder vorsichtige oder überzogen wachsame Beiträge, dass es einen schüttelt. Das können wir Deutschen nicht gut, über uns als Nation reden. Ich kann es ehrlich kaum tippen, so tief sitzt das gestörte Verhältnis zur nationalen Identität. Sehnsuchtsvoll geht dann der Blick nach Italien oder Frankreich, die zwar eine erschreckend starke Rechte besitzen, aber auch lagerübergreifend ganz unverhohlen einem nationalen Verbundenheitsgefühl und Stolz frönen, wie wir es nie wagen würden. Man mag die Kritik an der eigenen nationalen Verklemmtheit ja kaum in Worte fassen, ist sie für manch einen ja auch schon anrüchig.

Aber das Thema ist allgegenwärtig, wenn man sich den Erfolg ansieht, mit dem sich Tonnen billigster Plastikartikel in Schwarz-Rot-Gold auf unseren Straßen breit gemacht haben. Historische Herleitung der Farben hin oder her, so richtig schön finde ich sie nicht unsere Flagge und sie wird nicht besser, wenn sie über Außenspiegel gestülpt, an Fassaden oder auf Bierdosen gedruckt wird. Schwarz-Rot-Gold-Everything… ich kann es ehrlich nicht mehr sehen. Schland – ich kann es nicht mehr hören. Der Gruppentaumel macht mir Angst. Ohne die sportliche Leistung schmälern zu wollen, mich gruselt es, wenn sich die Massen am Straßenrand und auf Balkonen drängeln, um die heimkehrende Mannschaft zu bejubeln. Die Psychologie der Massen und ihre Dynamik. Wir, wir, wir…

Die WM 2014 wird fortan tief verankert sein in vielen Biographien, wir werden wissen, wie es in diesem Sommer um uns stand. Und ich will nicht abstreiten, dass die Erleichterung nach einer siegreichen Verlängerung zu vielen neuen Bekannten auf der Straße führt, aber warum brauchen wir dazu das massenmedial aufbereitete Großereignis? Noch hält sie an die Welle. Die ersten Miesmacher beginnen zu maulen. Vorher ging das im Gehupe und Gejohle unter, jetzt setzt langsam das Erwachen ein. Wir sind Weltmeister. Mmmh ja und immer noch drittgrößter Waffenexporteur der Welt. Im Nahen Osten brennt die Luft, Touristen verschwenden wieder kostbares Trinkwasser in Europas Süden, alles schweigt über Fukushima, Isis sind das neue Schreckensbild am Horizont der sauber aufgeteilten Welt und ja, die Ukraine ist gar nicht weit weg. Miesmacher, las ich auf Facebook unter dem Posting von jemandem, der es wagte, sich kritisch zum WM-Fieber zu äußern. Augen auf lautete die Replik. Augen auf. Ja, unbedingt, aber in den letzten Wochen dominierten sportlich begabte hochtrainierte Leistungsträger das Bild. Ergänzt durch ihre meist weniger begabten Gespielinnen. Sei es drum, die Medien servieren uns das, was wir verdient haben. Aber heuchlerisch ist es dann so zu tun, als wäre nichts gewesen, als hätte man sich nicht reinziehen lassen in den Strudel von Gemeinsamkeit, Großereignis und Gruppentaumel. Jetzt schnell wieder ernsthaft sein und sich mit großen Themen beschäftigen und schnell die letzten Reste Schwarz-Rot-Gold von der Wange wischen. Das nächste Gruppengefühl wird uns bald beschert. Natürlich ordentlich vermessen von den Marketingabteilungen dieser Welt, keiner ist frei, jeder wird genau dort abgeholt, wo er steht. Über die Kinder, über die Lieblingsprodukte, die Zeitung, das Umfeld… Gruselig, wie folgsam wir sind, die wir uns doch gerne so reflektiert geben. Ich glaube, ich bleibe dabei, bleibe den Großveranstaltungen fern. Ich mag nicht, wie jedes Ich nur zu bereitwillig anfängt, sich im Großen aufzuweichen. Mir machen Menschenansammlungen kein gutes Gefühl. Und ich finde es wichtig hinzuschauen. Statt sich in ein bisschen deutscher Interpretation von Brasilien zu üben, lieber zu überlegen, wer da eigentlich gewonnen hat. Wir, sagen viele. Ja, aber vor allem ganz viele Konzerne. Da braucht man noch schnell den vierten Stern auf dem Trikot, Spieler haben ihren Marktwert vervielfacht und wir hecheln hinterher und versehen unsere Äußerungen mit Tags und Hashtags rund um die WM, so werden wir bis zum nächsten Ereignis noch besser vermessen sein und noch mehr Verpackungen werden uns in Schwarz-Rot-Gold um die Ohren gehauen. Der nationale Plastikzierrat wandert früher oder später in den Müll und keiner schert sich um die Ressourcen.

Schön war er, der Fussball Sommer 2014. In einer Welt, die in vielen Ecken an ihre Grenzen stößt und sich in das sprichwörtliche Pulverfass verwandelt, haben wir für ein paar Wochen alles ausgeblendet. Genau so war das auch gedacht. Und beim nächsten Fall sollten wir tunlichst hinschauen. Echte Solidarität und Interesse für unser Umfeld statt allzu kurzlebiger Fußballverbundenheit, das sollte idealerweise der Kit sein und Grundlage unserer Neugier auf die anderen. Aber nun schluckt er uns wieder, der Alltag, und es stehen ja auch die Ferien vor der Tür. Man kann dann auch ganz anders ins Ausland fahren und hat gleich ein Thema. Gäbe es nicht auch anderes zu besprechen? Zum Glück passieren sie, die guten Gespräche, wenn man zuhört, findet man sie, die Menschen, die auch am Zweifeln sind, die es juckt, weil es sich irgendwie nicht richtig anfühlt. Das tut gut. Und auch wenn die FAZ uns weismachen will, wir würden das Leben auf dem Land idealisieren: Es ist ganz schmerzhaft schön, wenn man an einem Sommerabend an der Koppel steht, Heugeruch in der Nase und den Schwalben zusieht, während warm duftende Pferde friedlich grasen. Dann ist alles hier und jetzt und ich weiß warum.

Und diese Momente teile ich mit den Menschen, die zu Besuch kommen und nach dem ersten Spaziergang zum Ankommen stellt sich automatisch ein anderes Tempo ein, der Kopf wird ruhiger und die Gespräche kommen in Gang. Und als zusätzlicher Muntermacher spielt das Essen eine wichtige Rolle.

Kräuter-Wildlachs aus dem Ofen mit Fenchel-Orangen-Gemüse

(die 1,5 kg Lachs reichen sehr gut für 4-5 Leute, wir waren zu dritt und haben uns zwei Tage gefreut)

Ein ganzer Wildlachs (am einfachsten tiefgefroren, ohne Kopf und ausgenommen)
Frische, fein gehakte Kräuter: Petersilie, Schnittlauch, Dill und Koriander
1 Zitrone, ohne Schale in Scheiben
30-40 Gramm Butter
Pfeffer und Salz
2 Fenchelknollen
Eine Orange filetiert
2 Zwiebeln gewürfelt
Olivenöl

  • Die Butter sollte zimmerwarm und weich sein, so dass man sie mit den Kräutern sowie Salz und Pfeffer gut vermengen kann.
  • Den Fisch kalt abspülen, trocken tupfen und nun von allen Seiten und innen salzen und pfeffern.
  • Das Innere des Fischs mit der Kräuterbutter und den Zitronenscheiben füllen und auch etwas von der Butter auf der Haut verteilen.
  • Bei 200 Grad hat er gut 45 Minuten im Ofen gebraucht, bis der Fisch durch und die obere Haut schön kross war (wer mag, kann diese dann gut mitessen).
  • In der Zwischenzeit den Fenchel in feine Streifen schneiden und mit den Zwiebeln in Olivenöl andünsten, Salzen und Pfeffern und kurz vor dem Servieren die Orangenfilets und noch einen Schluck Olivenöl untermischen.

Dazu ein schlichter grüner Salat mit einem Spritzer Zitrone im Dressing…

Guten Appetit!

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