Sommerstarre und schnelle Sonntagsliebeleien: Maniokküchlein mit Johannisbeeren und angefrorener Apfelschnee

Sommerstarre_Apfelschnee_Dessert

Grünes Abitur und Sommerdesserts

Ich fühle mich seit Tagen wie ein Kind zu Schulzeiten am letzten Tag vor den großen Ferien. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit, wenn die Temperatur im Sommer für mehr als zwei Tage die 30-Gradmarke überschreitet. Da ist dann eine positive Unruhe, die mich erfüllt und irgendwie riecht die Luft nach reifen Melonen. Dabei türmt sich die Arbeit so kurz vor der Bretagne-Auszeit und von einer Sommerflaute ist wenig zu spüren. Aber irgendwie läuft es leichter, die frühen Morgenstunden haben mit ihrer kühlen, klaren Luft an neuem Reiz gewonnen und ich mag den Moment der Aufregung, wenn ich am Morgen das Rollo hochziehe und der Himmel über dem Waldrand am Hügel mir verrät, was der Tag so vorhat. Nachmittags hat einen die Hitze fest im Griff und im Büro steht die Luft, trotzdem kann ich das Grinsen kaum zurückhalten und versuche, den Arbeitsfluss mit Freibadplänen zu torpedieren. Abends liegt man lange wach und bildet sich ein Lüftchen ein und hofft, vom nervenaufreibenden Geräusch der Mücken verschont zu bleiben. Ja, für eine überschaubare Zeit mag ich es, wenn die Welt unter der betäubenden sommerlichen Hitzeglocke verschwindet und es so heiß ist, dass man tatsächlich lieber drinnen ist als draußen. Der ein oder andere Wahnsinnige mag sich noch durch die Hitze quälen und den Körper an die Grenzen treiben, ich genieße die von der Hitze auferlegte Trägheit für gedankliche Wanderungen. Untätigkeit hat so wenig Platz in unserem Leben und kann doch so wunderbar inspirierend sein. Das ist das Wunderbare an den Breiten, in denen wir leben: das Wetter ist immer für ein Thema gut und hält sich nie zu lange, so dass die viele Abwechslung eigentlich alles möglich macht. Und so staut sich die Hitze weiter an und man sehnt sich schon nach der kühlen Luft, die dem Gewitter folgen wird, das unausweichlich irgendwo in der Ferne lauert, um wieder alles anders zu machen. Auf den Feldern liegt das Getreide platt von den Böen der letzten Wochen und man sieht, wie sich alles nach den Tropfen sehnt, die bald kommen, zugleich herrscht bei den Bauern Hochbetrieb und das Brummen der riesigen Landmaschinen prägt die Geräuschkulisse und das Tempo auf den Landstraßen.

Was dann auf das sommerliche Gold auf den Feldern folgt, wird wieder ernüchternd sein: ausgelaugter Boden, wie Wunden dort, wo nicht im Herbst noch einmal ausgesät wird. Wir wringen sie aus, die Natur. Riesige Flächen, auf denen für Monate überhaupt nichts gedeiht außer Staubwolken, wenn sie bearbeitet werden. Und dann plötzlich mit den Zaubermitteln der Industriedünger reibt sich die Sehnsucht nach sommerlicher Idylle im nächsten Jahr wieder an wogenden Ähren ab und freut sich über das Blau der Kornblumen, wo die Ränder unserer hiesigen Äcker noch viel bunter blühen könnten. Das Wissen von dem, was da so kreucht und fleucht und wächst und funktioniert oder eben nicht in den Feldern nimmt gerade viel Raum ein. Wer hätte gedacht, dass ich meine Freitagabende mal mit Lernen verbringen werde. Fruchtfolgen, Geweihwachstum. Ökosystem Wald, Jagdrecht, Waffenkunde…. Seit 6 Wochen läuft er, der Jungjägerlehrgang, bis Mitte April haben wir Zeit zu verantwortungsvollen Jungjägern zu werden. Es ist so viel Stoff, bestimmt die Planung für den Rest des Jahres und macht doch so viel Spaß! Sie sind nicht sehr beliebt, die Jäger. Und auch wir ernten manchmal schräge Blicke, wenn wir berichten, was wir da gerade angehen. Dabei sollten uns die Leute besser kennen, und viele tun das auch zum Glück, aber bei der Diskussion um die Jagd spielen auch viele Klischees mit hinein. Und natürlich, es gibt sie, die tumben Trophäenjäger mit wenig Respekt vor Kreatur und Natur. Aber das ist eben nur ein kleiner Teil. Man hat das Gefühl, wenn man sich so manche Dokumentation im Fernsehen anschaut, dass der Rest nicht gesehen werden will, macht ja auch nicht so viel her. Aber was Jäger auch aktiv beitragen zu Naturschutz und zur Hege und Pflege des Waldes und seines Tierbestandes – knapper werdende kommunale Kassen könnten das gar nicht alles auffangen. Aber das wird ausgeblendet und überspitzt gesagt, macht irgendein Naturliebhaber an einem städtischen Schreibtisch dann ein gelb-, rot- oder wie immer farbiges Unkentier zu seinem Projekt und statt das Ganze zu sehen, wird viel Geld in aufwändige Einzelmaßnahmen gesteckt.

Uns Deutschen wird sie ja immer unterstellt, die Liebe zum Wald. Gut 30 Prozent unserer Fläche macht er aus und er ist eine Inspiration und ein Ort der Kraft mit guten Energien. Aber wir sind ganz schön weit weg gerückt. All zu oft wird auch der Weg durch den Wald optimiert – da rast man mit dem Fahrrad oder läuft mit den Kopfhörern oder eilt auch als Spaziergänger zu blind hindurch. Wir sorgen für große Unruhe, wenn wir abseits der Wege umherstreifen, der Hund laut bellend, das Wild aufschreckt. Der Wald ist kein Vergnügungspark, der sich mal eben so nebenbei konsumieren lässt, er gibt Ruhe und belohnt mit Gerüchen und Geräuschen und immer neuen Eindrücken, ein und derselbe Wege ist jeden Tag anders, abhängig von Zeit und Wetter. Aber wir sollten dafür auch etwas zurück geben. Zumindest Respekt. Und vielleicht nicht jede schöne Blume pflücken, die am Wegesrand noch Mensch und Tier erfreuen könnte. Und nicht jeden blühenden Ast für die blühende Installation auf dem heimischen Tisch abbrechen. Im Gegenteil, wir können uns einfach einmal einladen lassen, einfach nur zu schauen und anfangen zu sehen.

Ich behaupte ja schon lange von mir, dass ich so gerne im Wald bin, aber so langsam dämmert mir, wie ignorant ich aber auch lange Zeit hindurch gestolpert bin und so macht das Lernen nach Feierabend dann doch auch Spaß und ich bin dankbar für all das Mehr an Wissen und Einsichten.

Ganz nebenbei ist der Lehrgang auch ein Ankommen hier in der Gegend, denn das ist nichts für Einzelgänger. Wer den Stoff bewältigen will, sollte sich Partner zum Lernen suchen und nicht zuletzt die Jagd an sich hat natürlich auch ganz stark eine gesellige Funktion. Und so stolpere ich gerade noch die ersten Schritte hinein in eine bisher fremde Welt, aber der Weg ist die Mühe wert. Und fahren wir nun samstags in der Früh durch kleine Dörfer, die ich vor einigen Jahren wohl noch als zu eng und piefig abgetan hätte, merke ich mit jedem Weg, dass ich hier ankomme und dass es ganz allein an mir liegt, was ich aus dem Leben hier mache und wie weit oder eng ich es mir gestalte. Gerade erscheint mir der Horizont sehr weit. Und sehr spannend. Und die Neugier wächst.

Nach einem lehrreichen Samstag fällt mir dann irgendwie auch kein Grund ein, nicht doch einmal dem Süßen zu frönen. Zwei Rezepte, die wenig aufwendig sind fantastisch schmecken.

Die perfekten Maniok-Frühstücksküchlein mit Johannisbeeren

Das Rezept für diese leckeren Kerle gab es dankenswerterweise auf dem Blog des Paleo Onlineshops „Kleine Steinzeit“. Das erspart dann auch die Frage, wo im Himmel man Maniokmehl herbekommen soll. Also angeschaut, bestellt und nachgemacht. Und ohne jetzt zu sehr die Werbetrommel zu rühren: Für alle, die noch kein Ghee selber herstellen: Gleich die Ghee-Kokosöl-Mischung mitbestellen, die hat dem Ganzen einen eine super Note gegeben.

Ansonsten das Rezept mit wenigen Änderungen wie beschrieben nachbacken:
Ich habe nur die Datteln durch getrocknete Pflaumen ersetzt, eine großzügige Prise Zimt und eine große Handvoll Johannisbeeren dazugegeben – Köstlich süß-frisch-sauer. Auch ohne Johannisbeeren und mit einer Prise Vanille sind die Küchlein der Hit und schmecken tatsächlich wie Crepes. Vorsicht: Suchtgefahr! Aber super für ein ausgedehntes Sonntagsfrühstück. (Ergab 8-9 Tartelette-Förmchen)

Angefrorener Apfelschnee (vier kleine oder zwei große Portionen)

Apfelschnee ist eine Dessert aus meiner Kindheit. Ich war damals kein Freund von selbstgekochtem Apfelmus, war es doch nicht so süß, wie das aus dem Glas. Aber Apfelmus gemischt mit steifgeschlagener Sahne und einer Prise Vanille war ein Nachtisch, den es gar nicht oft genug geben konnte. Ich liebe Sahne, vertrage sie aber nicht mehr, deshalb habe ich die Variation leichter gemacht: mit Eischnee.

2 Eiweiß
300 Gramm Apfelmus (hier Holunder-Apfelmus)
Vanille
2 Esslöffel Xucker
Prise Salz.

  • Die Eiweiß mit dem Salz sehr steif schlagen und zum Ende noch die Vanille und den Xucker unterschlagen.
  • Dann vorsichtig das Apfelmuss unterheben und weil Sommer ist, die Mischung noch einmal für gute 45 Minuten ins Gefrierfach, so dass sie leicht anfriert. Köstlich leicht-lecker!

Guten Appetit!

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