Drückend im Kleinen und Großen und simple Artischocken

ArtischokenDa will es schon so lange hinaus, das Bedürfnis, dem Wesen der Pferde eine Liebeserklärung zu machen, aber das zeitweilige (Ver-)Zweifeln an der Welt und ihren Menschen kehrt die Worte nach innen und der Kopf rückt Anderes in den Vordergrund. Umso dankbarer bin ich für die ruhigen Momente der Balance und des Friedens, den die sanften Kerle mit den schönen Augen bedeuten. Stallzeit ist Auszeit. Total. Rauszeit. Entrücktzeit und Ganz-im-Moment-Zeit. Etwas, das mir immer wichtiger wird in den Anforderungen des Alltags und dem Wirbeln der Welt.

Und bei aller Freude auf den Urlaub, in den ich mich nun vorzeitig verabschiede, schwingt auch ein wenig Wehmut mit, zwei Wochen nicht im Stall zu sein. Auch in der Bretagne werde ich wohl sehnsüchtig auf jede Pferdeweide blicken… Für alle Fälle schmuggle ich die Reitkappen einfach ins Gepäck… Er hat mich wieder voll gepackt, der Pferdevirus meiner Kindheit. Heute ist er überlegter und realistischer, weniger Kleinmädchen-Phantasie – ich möchte ihn nicht missen.

Diese Portion Erdung brauche ich. Denn er ist viel bewegt, der Kopf. Mit dem Blick auf eine Berichterstattung über die Krisenherde dieser Welt, die nicht nur wegen der Thematik, sondern vor allem wegen der immer offensichtlicher werdenden Tendenziösität kaum auszuhalten ist. Wohin mit dem Widerwillen, der mich da packt? Ich weiß es nicht. Und wünsche mich manchmal halbherzig zurück in eine Blase, die mir weismachen will, dass für mich doch alles ok ist und ich nur brav weiter mit dem Strom zu schwimmen und meine Konsumentenpflicht zu erfüllen brauche und alles wird gut. Klar, die ein oder andere Prise soziales Verantwortungsgefühl oder politische Informiertheit lässt sich sicher einbauen. Wird aber schnell vergessen bei den Verlockungen einer Welt der bunten Bilder und vielfältigen Reize. Wäre es einfacher, wenn ich mein Leben so ausrichte? Modeblog statt schreiben, was eben in die Tastatur fließt? Meine Freizeit so gestalten, dass sie für die Inszenierung auf Instagram und Facebook taugt. Was ist dann noch echt und wie nah kann man sich dabei bleiben? Nein, ich bleibe lieber auf meinem Weg. Dazu fand ich heute ein Zitat, das in etwa besagte: „Du hast Dich negativ verändert.“ – „Nein, ich bin Dir nur unbequem geworden, weil ich zu meinen Gefühlen und meiner Meinung stehe.“ Finde ich irgendwie ganz zutreffend. Nicht Provokation um jeden Preis aber ein reflektiertes Sich-selber-treu-bleiben auch oder gerade, wenn es unbequem ist und man Gegenwind erfährt.

Und im großen Tosen verliert sich mein Kopf gerne in Büchern und denkt sich fest an so manch einem geschriebenen Fundstücken. Eines, das mich lange begleitet und das ich schon so oft verschenkt habe, ist von Veronique Olmi und heißt Meeresrand.  Auch mein eigenes Exemplar habe ich längst weggeben und werde versuchen mir in Frankreich ein neues zu finden. Denn es gibt so Geschichten, die lassen nicht los und mitunter möchte man den einen oder anderen Absatz noch einmal lesen. Meeresrand – Au Bord de la Mer – eine Freundin drückte es mir in meiner Zeit in Frankreich eines Tages in die Hand und an dem Abend verließ ich mein kleines Zimmer im Wohnheim erst, nachdem ich den 120 Seiten schmalen Band durchgelesen hatte. Zwischendurch liefen die Tränen und danach brauchte es einige Zeit, wieder aufzutauchen aus dieser Reise einer alleinerziehenden Mutter, die an den Anforderungen zerbricht, die das Leben und die Gesellschaft an sie stellen. Einmal noch möchte sie etwas tun, das dem entspricht, was allgemeinhin von ihr als Elternteil erwartet wird. Einmal noch möchte sie ihren Söhnen etwas bieten. Einmal noch reißt sie sich zusammen und fährt mit ihren Söhnen an den Rand des Meeres… heile Welt findet man in diesem Buch vergebens. In all der Verzweiflung und beklemmenden Stimmung wird das Unbehagen geweckt, ob diese Verzweiflung wirklich so weit weg ist? Ob wir wirklich immer so viel sehen und verstehen wie wir denken? Ich glaube, dies ist eines der Bücher für deren Kenntnis ich immer dankbar sein werde. Und seitdem lese ich nach wie vor immer gerne etwas von Veronique Olmi. Denn was mich zusätzlich nachträglich berührt hat, war auch der Vermerk, dass sie die Geschichte entworfen hat, nachdem sie in einer Zeitung eine kleine Notiz gelesen hat, über eine Mutter, die ihre beiden Kinder umgebracht hat. Die scheinbar kleinen Tragödien, die uns so als kleine Beigabe im Nachrichtenbrei auch noch verabreicht werden, sie sind immer auch das Leben von Menschen. Und wenn das Verstehen und Sehen und der Respekt schon bei den kleinen Schicksalen so schwierig ist, wie verwirrend wird es dann erst, wenn der Maßstab wächst?

Ich bin gedanklich gelähmt, wenn ich in Richtung Gaza blicke. Aber gerade deshalb will ich mehr wissen. Ein Buch, das mit in den Urlaub kommt ist von Miko PeledThe General’s Son: Journey of an Israeli in Palestine. Wer die Ruhe hat, dem empfehle ich einen Vortrag, den Miko Peled in Genf gehalten hat. Vor dem Hintergrund ist es schwer auszuhalten, den ins Leere führenden Diskussionen zu folgen, die sich an der aktuellen Krise, an dem Krieg in Gaza entzünden. Ein Minenfeld mehr, dem man nicht ausweichen sollte und das einen dann zweifelnd zurück lässt beim Blick auf das, was gerade im eigenen Leben los ist. Dankbar sollten wir sein, wach und bescheidener. Das heißt nicht, dass wir uns alles versagen sollten, aber wir sollten nicht vergessen, dass wir auch mit dem, wie wir leben, Haltung beziehen können. Bzw. es tun.

Und so schwirrt der Kopf und braucht eine Pause und wird viel denken und lesen und auch abschalten in der Sommerpause. Aber wird nicht ausblenden, dass da um mich herum eben auch noch andere Dinge passieren. Und so profan es klingen mag – essen kann helfen. Kein Frustessen. Nein, ein überlegter Konsum von Nahrungsmitteln und manchmal auch die Seelenstärkung in Form von Mahlzeiten, die einen aufbauen.

Hier in Form einer Einstimmung auf den Urlaub.

Artischocken mit Knoblauchbutter und Vinaigrette

Artischocken habe ich immer in der Bretagne gegessen, weil ich sie so mag und weil sie dort auf dem Markt unschlagbar günstig sind.

Artischocken, je nach Größe reicht eine pro Person als Vorspeise oder bei den größeren als Mahlzeit.
Zitronensaft

Butter auf Zimmertemperatur
2 Knoblauchzehen gehakt
Salz

Körniger Senf
Olivenöl
Apfelessig
Salz
Pfeffer

  • Die Artischocken abspülen (manchmal sitzen kleine Raupen zwischen den Blättern), manch einer schneidet noch die blätterspitzen ab, muss aber nicht und dann je nahc Größe gute 45 Minuten in heißem Salzwasser mit Zitronensaft kochen. Die Artischocken sind gar, wenn sich die Blätter leicht abziehen lassen. Dann gut abtropfen und etwas abkühlen lassen
  • In der Zwischenzeit den Knoblauch und das Salz mit einer Gabel unter die Butter drücken und aus den übrigen Zutaten eine dickflüssige Vinaigrette anrühren.
  • Die Artischocken servieren, vorher gegebenenfalls den Stiel soweit kürzen, dass sei gut auf den Tellern liegen. und nun die einzelnen Blätter an den Spitzen fassen, abziehen, in den Dip nach Wahl tunken und mit den Zähnen das Fleisch vom Blatt ziehen, dort wo dieses am Stiel saß.
  • Zum Ende hin werden die Blätter feiner und es folgen feine Häarchen, die das Herz der Artischocke bedecken, das sogenannte Heu, diese lassen sich leicht abziehen und man kann sich zum Ende über das leckerste Stück freuen.

Wer mag, kann sich auch noch eine Mayonnaise selber anrühren. Ich wollte es einfach mal unkompliziert haben.

Guten Appetit!

 

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