Von der Verlockung der Zwische, dem großen Glück in kleinen Hütten und Ente mit Apfel statt à l’Orange

Strohballenbauweise und Entenbrust mit ApfelRatzfatz hat er wieder Einzug gehalten, der Alltag, und wären da nicht schöne Fotos, Leckereien und die Sonnenbräune auf den Füßen – ich müsste mich kneifen und daran erinnern, dass die Bretagne-Zeit erst zwei Wochen zurück liegt.

So inspirierend war dieses Eintauchen in eine weitere Herzenslandschaft. Und wie so oft geriet der Kopf mächtig in Bewegung zwischen dem schimmernden Band des Kanals, sonnenwarmen Strohballen und dem behaglichen Kokon der kleinen Hütte.

Dieses Ausklinken aus dem Alltag scheint bei uns immer großes Gedanken-spinnen und Projekte-ersinnen zu bewirken. Es gibt tatsächlich so etwas wie buchstäbliche Entscheidungsfelder auf dem Weg, den der besondere Mensch und ich bisher zusammen zurückgelegt haben. Jeder von uns fühlt sich irgendwie magisch angezogen von abgeernteten Feldern und pieksigen Strohballen, die erobert werden wollen. Auf einem solchen Strohballen nahm der Plan Gestalt an, Berlin zu verlassen und von der fixen Idee zur Umsetzung verwirbelte kein halbes Jahr. Und wieder war es der Blick auf Strohballen, der irgendetwas im Kopf klick machen ließ. Ein weiteres Entscheidungsfeld. Und dann sind da die Felder hier bei uns vor der Tür, die in ihrer Abfolge wie gute Bekannte am Wegesrand liegen und dem Kopf bei jedem Spaziergang etwas Neues bieten, für ein Durchatmen sorgen. Für ein Hier und Jetzt.

Vorgestern machten sie mich plötzlich ganz wehmütig und bei der Suche nach dem Grund merkte ich, dass mein Kopf sich klammheimlich in eine Zwische begeben hat. Diese Zwischen, dieses undefinierte Gefühl zwischen klar benennbaren Zuständen – es kann beängstigend sein oder befreiend und es hat auf jeden Fall die Tendenz, mich übermütig werden zu lassen. Dabei bin ich noch hier und möchte noch nicht woanders sein, es ist noch dran. Aber es ist ausgesprochen. Und gesagt ist mehr als gedacht. Worte machen aus sternschnuppenflüchtigen Ideen plötzlich fette pinke Elefanten, die mit im Raum stehen und sich nicht mehr in die Kiste des Vergessens quetschen lassen wollen. In diesem Fall war es die ausgesprochene Übereinstimmung, dass wir uns verkleinern wollen. Und kaum gesagt, hatte ich plötzlich dieses Flimmern im Bauch, wie schon bei der Entscheidung Berlin zu verlassen, als aber noch nicht klar war, was wo und wie. Für einen Moment sind alle Möglichkeitswege offen und es ist, als ob man in einer Halle umgeben von unzähligen offenen Türen steht und überwältigt ist, weil man sich diese Vielzahl von Möglichkeiten vorher nicht erträumt hätte. Aber da sollte man dann besser kurz einschreiten, sich bewusst machen und nicht vergessen, wie viele Möglichkeiten es gibt, aber das Kopfkino am Riemen reißen, damit es sich nicht zu sehr in bestimmte Vorstellungen verspinnt. Denn noch ist nichts gesetzt, aber es kommt etwas in Bewegung, in Fluss, und in den sollte man sich begeben und sich ein wenig treiben lassen und schauen, was da alles so auftaucht. Da muss ich vorschnellen Gedanken erst einmal mit aller Vernunft auf die Finger hauen. Denn diese Zwische, in die ich da beim Spaziergang geriet, die fühlte sich ganz wehmütig an, dabei bin ich doch noch hier, zwischen sanften Hügeln und unglaublichem Wolkenkino. Der Moment soll genossen werden, er ist so fix vorüber und wenn ich ihn mir nicht bewusst mache, finde ich auch im Morgen oder Übermorgen nicht das, was ich finden soll, sondern lebe Vorstellungen hinterher. Denn die wunderbar leichtfüßige Vorfreude auf etwas ist das eine, das ständige Hoffen, Sehen, Warten auf etwas unbestimmt in der Zukunft liegendes ist etwas anderes und kann die Sicht versperren.

Also reiße ich mich am Riemen, auch wenn der Kopf mir immer wieder kleine Filmchen vorspielt, was man denn alles machen könnte…

Was allerdings immer mehr Substanz annimmt, ist die Erkenntnis: Es darf ruhig etwas weniger sein. Ich mag unser Zuhause. Die Sonnenflecken auf den Holzdielen, das Gefühl vom Kork unter den Füßen, den Geruch des Bollerofens, wenn es kühler wird… Aber es ist zu groß, das Heim. Und auch wenn es wunderbar ist so viel Raum für Gäste zu haben – wir brauchen ihn eigentlich nicht. Wir sind zwei recht bescheidene Menschen. Unser Kram hält sich in Grenzen, wir haben nicht das Bedürfnis, uns aus dem Weg gehen zu müssen, wir brauchen nicht so viel. Ich mag es gerne bewohnt und belebt und das geht eher mit weniger Raum, sonst wirkt es zu leblos, zu inszeniert und mir zu künstlich. Räume wollen gefüllt und gefühlt werden. So stelle ich mir das zumindest vor oder es wäre mein Wunsch, wäre ich ein Raum.

Ein Zuviel an Raum macht ebenso wenig glücklich wie ein Zuwenig. Aber bei knappen Wohnungsmärkten und wandelnden Moden und Denkschulen ist es schwierig, für sich ganz allein festzustellen, wie es denn aussieht, das individuelle Raumbedürfnis. Mir persönlich ist es wichtig, dass ich draußen sein kann. Das muss gar nicht der eigene Garten sein, aber die Möglichkeit, mich schnell raus in die Natur zu begeben. Ist dies gegeben, kann ich meinen bewohnten Raum ganz anders denken.

Urlaub ist vielleicht kein ganz realitätskompatibler Maßstab, aber wir haben diesen Urlaub sehr bewusst auf das Gefühl geachtet, wie es ist, auf kleinem Raum.

Unsere kleine Cabane wurde ursprünglich von den Vermietern gebaut, um eine Küche zu haben während der Bauphase des eigentlichen Hauses. Der Clou: sowohl Cabane als auch Haupthaus sind nach dem Strohballenbau-Prinzip gebaut. Eine Bauweise, die eigentlich keine Wünsche an gesundes und nachhaltiges Wohnen offen lässt. Wir waren schwer beeindruckt und begeistert vom Haus unserer Vermieter. Durch die natürlichen Materialien fügte es sich perfekt in die Landschaft ein und wir hätten auf den ersten Blick nie gedacht, dass es erst sieben Jahre alt ist. So wenig ich den Geruch neuer Autos mag, so schwer tue ich mich mit mitunter steriler Jungfräulichkeit von Neubauten. Mit der Entdeckung des Strohhauses ist eine ganz andere Perspektive hinzugekommen. Begeistert hat mich zudem die Unabhängigkeit, die ein entsprechend geplantes Haus ermöglicht: Regenwasser-Nutzung, Solarzellen, ein durchdachtes Zusammenspiel von Tageslichtnutzung und Materialien, ein Holzherd, der die Heizung bedient, der Beitrag vom Trockenklo zum Kompost. Ja, wir haben die Sägespäne-Eimer mit viel Freude in den Kompost überführt und dafür die leckersten Tomaten seit langem gegessen. Ein Leben im Kreislauf. Das würde mir sehr gefallen. Nicht im Abseits, aber mit mehr Selbstbestimmung, gerade, was den Einsatz von Ressourcen betrifft. Es waren inspirierende Tage, bei inspirierenden Menschen. So hat dieser Hausbau auch dazu geführt, dass aus einem Produktmanager in der Automobilbranche ein Berater und Architekt von Öko-Häusern wurde. Beeindruckend. Und Mut machend. Mit insgesamt 100 Freiwilligen wurde das Haus gebaut. Interessierte aus ganz Europa, die die Chance nutzen wollten, praktisch zu lernen, Wissen zu teilen und sich auszutauschen. Eigentlich ein spannender Gedanke, einmal über einen Arbeitseinsatz nachzudenkenden, statt sich daran aufzuhängen, welche handwerklichen Fähigkeiten man nicht hat.

Aber das führt schon wieder zu weit. Unsere kleine Hütte war ein Glücksgriff, noch dazu einer mit wunderschöner Aussicht und Hängematten unter Bäumen. Sie war vielleicht etwas eng für eine dauerhafte Nutzung, vor allem, wenn das Zuhause auch Arbeitsort ist, aber viel mehr hätte es nicht gebraucht. Es tat gut einmal anhand eines existierenden Raumes durchzuspielen, von wie viel Raum man eigentlich redet, wenn man über Wohn- und Lebensmodelle nachdenkt. In einer turbulenten Welt hätte ich gerne einen Flecken, den ich mein nennen kann. Und den ich nach meinen Vorstellungen nutzen kann und der mir mehr ermöglicht als ein Leben, das abhängig ist von fremdbestimmten Infrastrukturen. Ich träume von mehr Unabhängigkeit. Ob zu zweit oder in der Gemeinschaft, mit einem Fuß in Deutschland und einem in Frankreich, ob in 3, 5 oder 10 Jahren… das ist alles erst einmal zweitrangig. Es wird sich auf dem Weg ergeben. Ein erster Schritt wäre aber vielleicht tatsächlich einen Weg zu finden, der es zulässt, sich von unnötigem Raum und überflüssigen Ballast zu lösen, was einfach auch auf die Planung anderer Projekte einzahlt, ohne dass dies mit falschen Kompromissen verbunden ist. Oje, es rattert und spinnt Gedanken und schon ist sie wieder da, die herrliche Unruhe.

Auch da hilft mir Kochen, um wieder im Moment anzukommen. Und so haben wir herrlich gut gegessen im Urlaub, bei all dem Gedenke, und obwohl wir uns vorgenommen hatten, nur Fisch zu essen, so nah am Atlantik, gab es einen Abend eine schnelle glückliche Ente vom Markt mit dem, was da war, in diesem Falle selbstgemachten Apfelsaft von unseren Vermietern.

Apfelige Entenbrust mit Schalotten (Für zwei Personen)

Eine große Entenbrust (hier ca. 350 Gramm)
Schalotten (hier waren es 8)
Apfelsaft
Ghee
3-4 Backpflaumen in Stücken
Apfelessig
Thymian
Salz und Pfeffer

Das Fett der Enten Brust mit einem scharfen Messer kreuzweise einschneiden, ohne dabei in das Fleisch zu schneiden. Ordentlich mit Thymian und grob gemahlenen Pfeffer einmassieren.

Nun zuerst die Fett-Seite im heißen Ghee anbraten, bis sie schön gebräunt ist, dann umdrehen und die andere Seite für 3-5 Minuten scharf anbraten.

In der Zwischenzeit Ghee in einem Schmortopf erhitzen und die geschälten Schalotten darin anbräunen, die Backpflaumen hinzugeben, alles pfeffern und mit einem Schluck Apfelessig ablöschen. Nun die Entenbrust salzen und mit der Fleisch-Seite nach unten in den Schmortopf geben und mit Apfelsaft angießen, so dass dieser einen knappen Fingerbreit im Top steht. 10 Minuten geschlossenem Deckel sanft köcheln und dann für weitere 10 Minuten ohne Deckel.

Wir haben die Ente einfach so pur gegessen, aber ein grüner Salat mit sauren Apfelstücken und etwas Stangensellerie wäre köstlich… Oder im Winter Petersilienwurzeln aus dem Ofen oder Kürbis…

Guten Appetit!

Ein Wieder- und ein Neusehen und Bretagne-inspirierte Crêpes-Variationen mit Maroni- und Maniokmehl

Bretage_Kanal_1Ich war so aufgeregt. Zehn Jahre lang war ich nicht mehr in Rennes. Für ein knappes Jahr war die bretonische Hauptstadt meine temporäre Heimat und die Sehnsucht nach einem Wiedersehen hat mich nie ganz losgelassen. Dieses Jahr war die Zeit endlich wirklich reif. Vorher ging es nie, passte nicht, war die Reise zu teuer oder die Sorge zu groß, meine schönen Erinnerungen würden sich nicht mit den Alltagssorgen aus Berlin vertragen. Schon 2004 wollte ich eigentlich gar nicht dort weg. Das bretonische Zwischenspiel war eine Zeit des Durchatmens, ich bin dort mit großer Freude in die Uni gegangen, habe Theater gespielt, die Sprache aufgesogen wie ein Schwamm, habe vielfältig Sport getrieben, das Leben im heruntergekommenen Wohnheim genossen und von der Energie profitiert, die mir in dieser Stadt mit ihrem ganz eigenem Tempo in größerem Maße zur Verfügung stand als im großen Berlin.

Inspirierend war sie außerdem. Und nicht nur Rennes, in der Bretagne überhaupt gibt es eine Vielzahl von Kultur- und Musikfestivals. Hier habe ich auf dem Markt regelmäßig die besten Straßenmusikanten Jazz zum bunten Treiben spielen hören und kleine und große Veranstaltungen haben das recht übersichtliche Studentenbudget beansprucht. Der zweite große Posten war das Essen. Zu verführerisch war der samstägliche Wochenmarkt und seit ich als Kind mit meinen Eltern die Atlantikküste rauf und runtergereist bin, liebe ich französische Supermärkte. Um diese habe ich in diesem Urlaub allerdings einen recht konsequenten Bogen geschlagen. Wir haben fast alles mit Besuchen auf den unterschiedlichsten Märkten regeln können. Frisch, regional und vom Erzeuger. So kaufe ich am allerliebsten ein. Ich vermisse die französischen Märkte in Deutschland. In Berlin gab es einen kleinen Biomarkt, auf dem ich ähnlich gerne eingekauft habe. Aber auch in kleineren deutschen Städten bedeutet regional nicht gleich unbehandelt und viele lokale Erzeuger sind gezwungen, beim Großhandel zuzukaufen, um ein attraktives Sortiment bieten zu können und da wird es dann wieder schwer nachzuvollziehen, wo was herkommt. Das fällt in Frankreich leichter.

Rennes_LesHallesRennes ist keine Kleinstadt und so gibt es neben einem der schönsten Wochenmärkte Frankreichs den großen Vorteil der etablierten Markthallen. Les Halles Centrales – hier haben wir eigentlich jeden Tag ein köstliches Abendessen frisch aus dem Meer gefunden. Denn so kurz sind hier die Wege auf den Teller, dass man die Auswahl an Meeresschätzen nutzen sollte! Lachs und Jakobsmuscheln mariniert in Zitrone mit rosa Pfeffer (mein Lieblingsgewürz), Salat mit Krebsfleisch, Artischocken, Oliven, marinierte Heringe, Makrelen-Rillettes …… Und wie gerne hätte ich Krebse oder bretonische Hummer gekocht… Dieses Mal war der Respekt noch zu groß… Aber nächstes Mal bin ich gewappnet… Ich schwelge noch merklich in kulinarischen Erinnerungen und freue mich über diverse Dosen in der Speisekammer. Neben den Essensfreuden war das Wiedersehen mit dieser so eleganten und dann wieder so alternativen Stadt aufregend und neu. Viel hat sich getan in zehn Jahren. Ganze Straßen haben ein neues Erscheinungsbild verpasst bekommen. Moderne Hasenkästen (Wohnung neben und über und neben und über und neben und über Wohnung) mit sterilen Glasfassaden vermitteln eine großstädtische Anmutung, der leider (noch) das Leben fehlt, das aus einem Architekturmodell ein funktionierendes Wohnkonzept macht. Der mittelalterliche Stadtkern hatte stellenweise erschreckende Ähnlichkeit mit einem verfallendem Gebiss, manch kommende Lücke lässt sich bereits erahnen, andere klaffen im Durcheinander von Baustellen und „Füllungen“, die in ihrer „Center/Arcaden“-Architektur für Unbehagen sorgen. Dazwischen aber immer wieder klassizistische Perlen wie der große Platz, der Oper und Rathaus verbindet, grüne Oasen wie der Thabor-Park  und malerische kleine Fachwerkhäuser. Ganze Straßenzüge habe ich neu entdeckt, voll wuseliger kleiner Cafés und kleiner Läden, die vermuten lassen, dass es dem Einzelhandel gar nicht so schlecht geht.

Über all dem lag eine unwirkliche Stimmung – Ende Juli, die Franzosen machen Urlaub und erfrischend wenig Touristen genießen die Ruhe der Stadt. Mir hat das gut gefallen, aber für einen wirklichen Eindruck sollte man während des Semesters in der Stadt sein, sie verströmt dann eine andere Energie.

Wer mag, erkundet Rennes und die vielen Kanäle und Parks mit dem Rad. Hier sollte man sich vorab online registrieren. Das haben wir nicht getan und standen vor unlösbaren Problemen bei der Registrierung vor Ort. Im Ergebnis sind wir ungezählte schöne Kilometer gelaufen und haben so viele Eindrücke gesammelt, dass wir am Ende der drei Tage mehr als satt waren. Unbedingt einplanen sollte man einen Besuch im Musée de Bretagne. Sehr schön gemacht, bietet es einen umfassenden Überblick über die bewegte Geschichte der so vielfältigen Bretagne.

Ploermel2Die Vielfalt erlebten wir am eigenen Leibe bei unserer letzten Station. Von Rennes ging es in das kleine Dorf Bezon, nahe der geschichtsträchtigen Stadt Ploërmel. Nur 50 Minuten Fahrt und schon umgab uns malerischste Ruhe inmitten von Hügeln, Feldern, Wald und unzähligen reich tragenden Brombeerhecken. Dort, mit einem weiten Blick über naheliegende Baumwipfel und Hügel, wartete unsere kleine Cabane, auf die wir im Vorfeld schon so gespannt waren. Auf geschätzten 20 Quadratmetern sowie Hängematten und einer großen Terrasse ließ es sich wunderbar runterfahren. Eine Trockentoilette mit Sägespänen, Regenwasser in der Dusche für die weichsten Haare und Stille, weiter Blick und Vogelzwitschern zu den Pilatesübungen am Morgen. Nach dem eindrucksreichen Wiedersehen mit Rennes war dies der perfekte Rahmen, um loszulassen. Kein Internet. Nur im Moment sein. Lesen, denken, inspirieren und überraschen lassen.

Überraschungen gab es jede Menge. Ursprünglich wollte ich dem besonderen Menschen die unverschämt türkis glitzernden Buchten nahe St. Malo zeigen, in Rennes mochten wir aber dann das Auto nicht mehr bewegen. Nach einem Besuch bei den Megalith-Gräbern am Golf von Morbihan, die eine Dreiviertelstunde entfernt liegen, wollten wir den Rest der Tage einfach nur sein. Nicht das Auto Strecke machen lassen, sondern selber Wege finden. Mit den Rädern begaben wir uns also auf Entdeckungsreise. Keine fünf Minuten von Bezon finden Fahrradfahrer stillgelegte Bahnstrecken, die heute wunderbare Radfahrstrecken sind. Durch abwechslungsreiche Landschaft und im Sommer dankenswerterweise größtenteils unter hohen lichten Bäumen lässt es sich wunderbar über den Asphalt schwirren. Keine 4 Kilometer weiter, schneidet die ehemalige Bahnstrecke den Kanal Nantes-Brest. 396 Kilometer alter Schifffahrtsweg mit über 236 malerischen Schleusen, der heute von Hausbooten beherrscht wird. Und an dessen Ufer sich ein wunderbarer Radweg schlängelt, durch verwunschene Orte, vorbei an Trutzburgen wie etwa in Josselin und hinter jeder Flussbiegung wartet ein neuer Eindruck. Die Tour Nantes-Brest, oder zumindest ein großer Abschnitt davon, wäre eine Idee, wie ich gerne einmal einen Urlaub verbringen würde. Trotz Hauptsaison hielten sich die Touristenzahlen in einem schönen Rahmen und irgendwie schienen alle verzaubert vom Reiz der Landschaft und dem meditativen Fließen des Flusses – überall wurde freundlich gegrüßt und man lächelte sich an. Das Grinsen wollte so gar nicht aus dem Gesicht weichen. Auch wenn dank der fremden Räder der Hintern schmerzte. Die Wege auf der Bahnstrecke und am Kanal sind eben und lassen einen bequem weite Strecken zurücklegen. Weicht man aus ins Hinterland, empfehlen sich gute Räder und Kondition, die lieblichen kleinen Hügel haben es in sich, wenn sie sich wie Perlen aneinander reihen.

Dafür gibt es viel zu entdecken. Ich würde gerne noch einmal zurückkehren, um etwa die Phantasielandschaft in Lizio zu erkunden. Und auch, wenn wir aus dem Taunus verwöhnt sind, was märchenhaften Wald betrifft, das sagenumworbene Val sans Retour war zauberschön und der Wald von Brocéliande  lockt nicht nur mit Merlin-Erzählungen sondern auch mit wunderschönen Wanderwegen und Märchenburgen. Ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie groß Frankreich ist. Weniger Menschen auf mehr Raum – das scheint ein anderes Leben möglich zu machen. Zumindest fühlt es sich so an. Und auch die Bretagne, die auf der Karte so überschaubar aussieht, beeindruckt durch Fläche, endlose Küste und malerisches Hinterland. Wer also ein Frankreich abseits des Atlantikstrandes und des Touristenmagneten Mittelmeer erkunden möchte, hat viel zu tun. Einen Abstecher sollte man für die Bretagne reservieren, oder zwei, oder drei…. Strahlender Sonnenschein, kurze Regenschauer, Porzellanhimmelblau und bewegtes Grau geben sich am Himmel ein schnelles Wechselspiel und eigentlich möchte man in jedem Ort einmal halten, eine kleine Kirche besuchen, eines der unzähligen Steingräber erkunden, die typischen kleinen Steinhäuser mit ihren bunten Blumenbeeten bewundern. Einen Cidre trinken….

Irgendwie ist es gut zu fahren, wenn man das Gefühl hat, noch nicht fertig zu sein mit einer Landschaft, das nährt die wohlige Sehnsucht nach einem Wiedersehen.

Und auch wenn man die Bretagne nicht stellvertretend für Frankreich sehen kann, zu unterschiedlich ist das Land und die Bretonen, mit ihrem ausgeprägten Bewusstsein für das eigene kulturelle Erbe, würden einem etwas erzählen, auf Bretonisch, die Zeit in der vertrauten Fremde hat mich wieder einmal darin bestärkt, dass das Leben, unser Leben im Fluss ist und dass noch vieles möglich sein kann. Vielleicht ja auch eine längere Zeit in französischen Gefilden, oder ein Wechselspiel zwischen zwei Orten…oder…oder…

Unsere kleine Hütte, gebaut aus Strohballen und Lehm, sowie das wunderschöne Haupthaus mit seinen sympathischen Besitzern waren eine Inspiration und so wachsen die Gedanken im Kopf und suchen noch nach den passenden Worten. Auf jeden Fall bewegen sie sich. Es hat sich einmal mehr gezeigt, wie vielfältig Lebensentwürfe sein können, wie sehr sich der Mut, etwas grundlegend zu ändern auszahlen kann. Und dass ein bewusstes Leben, das weniger auf Status und Konsum ausgerichtet ist, sehr viel Schönheit und Reichtum besitzt.

Und während er denkt, der Kopf, meldet sich mitunter der Magen und will mehr – mehr Crêpes. Die hat der besondere Mensch im Urlaub nämlich perfektioniert. Gibt es doch auch in dem kleinsten Ort noch eine Crêperie.

Bretagneschmaus: Crêpes mit Maroni- oder Maniokmehl

Maroni-Crepe_Step_by_StepHier zwei Variationen, das Grundrezept ist gleich, nur das Mehl variiert. Für meine Lieblingsvariante mit Zimt und Xylith, empfehle ich den Maroni-Crepe, aber auch Maniok hat seine Vorteile und bietet die Möglichkeit herzhafter Varianten.

Für den Teig (4-6 Crêpes)
4 Teelöffel Mehl nach Wahl (bei Maniok die Teelöffel etwas weniger voll)
1 Teelöffel Ghee
4 Eier
2-4 Teelöffel Xylith
4 Teelöffel Kokosmilch
Prise Zimt oder Vanille nach Geschmack
Prise Salz

Butter zum Ausbacken (wer es bretonisch mag, nimmt salzige Butter)

  • Alle Zutaten gründlich mixen, ggf. Klümpchen mit dem Löffel am Rand der Schüssel zerdrücken. Einen Moment stehen lassen. Der Teig soll flüssig sein, anders als Pfannkuchenteig. So verläuft er gut und dünn in der Pfanne.
  • Großzügig Butter in die Pfanne geben.
  • Wichtig: Sobald der Teig in der Pfanne ist, Pfanne hochnehmen und kräftig schwenken, so dass der Teig in der Pfanne herumrutscht. Wenn die erste Seite durchgebacken und angebräunt ist, wenden. Hier entscheidet jeder selber, wie braun er es mag.

Dazu passt:

Zimt & Xylith
Apfelmus
Frische Beeren, diese kurze für 10 Minuten mit einem gestrichenen Teelöffel Xucker aufkochen, so ergibt sich eine leichte Soße zu den Beeren. Wir hatten selbst gepflückte Brombeeren – herrlich!
Kurz vor dem Servieren ein Stück bittere Schokolade auf dem Crêpes schmelzen und dann zusammenklappen.
Oder etwas cremige Kokosmilch mit Xylith und Vanille mischen und über den warmen Crêpe geben…

Man möchte schnurren vor zufriedenem Wohlbehagen.

Guten Appetit!