Herbstidylle, Pilzfunde und Maronen-Duft- Rezepte für Behaglichkeit

Pilze und MaronenduftSonnendurchflutet. Das war sie, die letzte Woche in den Vogesen. Mit lieben Menschen, viel viel gutem Essen und herrlich ruhiger Behaglichkeit, wenn vier Menschen sich zufrieden in Büchern vergraben. Es lohnt sich zu teilen. Momente, Orte… Und jeden Tag lockte auch der Wald. Und auch wenn in dieser zu kurzen Woche die Entspannung eher in der Ruhe gesucht wurde, gab es doch genug zu entdecken auf den immer wieder neuen bekannten Wegen. Es ist die goldenste Jahreszeit. Wenn das Licht alles so weich umhüllt und dabei strahlen lässt, dass man es festhalten möchte. Wenn die Sonne sich noch einmal von ihrer warmen Seite zeigt und Stunden im Liegestuhl erlaubt, der Schatten unter den Büschen oder im Weg durchziehender Wolken schon frösteln lässt und zeigt, dass diese Wärme eine endliche ist und anderes vor der Tür steht. Wenn morgen im Sonnenschein die Wiesen glitzern unter den Tropfen des nächtlichen Raureifs. Dann fehlen nur noch die Äpfel am Wegesrand und man ist kurzzeitig überwältigt von einer Stimmigkeit, wie man sie vielleicht aus Bullerbü kennt. Die Sehnsucht nach der Idylle – erwischt man einen solchen Moment mit offenen Augen, bemerkt man einmal wieder, dass sie sich nicht erzwingen lassen, sondern dass sie einen unverhofft finden und ein großes stilles Glück versuchen.

Das sind die Momente, die ich lange in mir trage, die mich in die Balance bringen, wenn ich mich innerlich verrückt finde. Augen zu und Kopfkino an und glücklich und dankbar sein für das, was man schon alles erleben durfte. Nicht durchhetzen und das nächste Ziel ansteuern, sondern auch wirken lassen und zufrieden sein. Ich schaue es mir momentan oft vor meinem inneren Auge an, das goldene Licht im moosgrünen Vogesenwald. Denn der Alltag ist ein hektischer Geselle zurzeit, der einen ständig aufscheucht, wenn man eigentlich durchatmen möchte. Und der eigene Kopf hat auch einen Ersatzfilm bereit, gefüttert durch die Recherche nach alternativen Wohnmöglichkeiten. Denn er wurde wieder befeuert, der Wunsch nach weniger Raum. Die Tage im kleinen Haus haben das deutlich gezeigt. So schön wir wohnen, es ist zu groß, zu viel Raum. Zum ersten Mal war das Zurückkommen kurz seltsam. Schön haben wir es, aber man merkt, dass das Haus ein bisschen ist wie eine zu große Jacke, es passt noch nicht so richtig. Und vorsichtig, ganz langsam werden die Fühler ausgestreckt und der besondere Mensch bittet mich zurecht, die Füße still zu halten, denn sie werden unruhig und möchten losstürmen auf den Weg der unzähligen Möglichkeiten, die alle noch offen sind. Langsamkeit lernen. Achtsamkeit und sich zurücknehmen können. Gar nicht so einfach. Also Augen zu und die Ruhe der sonnendurchfluteten Erinnerungen genießen und durchatmen. Statt immer weiter zu rasen und in ein Hamsterrad der Aktivitäten zu verfallen. Und was sich auf dem Weg auch finden mag, er hat ja gerade erst begonnen und steht vor einer recht schüchternen neuen Weggabelung. Der Weg wird in der neuen heimatlichen Region verlaufen. Wir wollen uns vor aller Bewegung nicht selbst verlieren und er hat uns gefangen, der landwirtschaftliche Reiz, der zwischen Taunus und Lahn liegt. Hier stehen die Pferde, um die wir uns kümmern, hier ist der Jagdclub, in dem wir gerade wöchentlich der Jungjägerprüfung entgegen lernen, hier entstehen zarte Wurzeln, die wir pflegen wollen. Das ist ein schönes Gefühl, dass Heimat möglich ist, wenn man sich einlässt auf einen Ort und nicht erwartet, dass alles immer nur Zuckerwatteweich ist. Und mit dem Gefühl, einen weiteren Ort gefunden zu haben, löst sich etwas im Kopf und es kommen Erinnerungen hoch, die weit weg sortiert waren in den Gängen des eigenen kleinen Erinnerungs-Archivs. Und das Erinnern macht Lust auf Wiederholungen. Zu tun, was man ewig nicht getan hat – etwa Pilze suchen.

Und so sind wir, begleitet von einem wunderbaren Pilz-Bestimmungsbuch, durch die Vogesenwälder gestapft und haben Butterpilze, Steinpilze und so manch sonderbares Ding gefunden. Im Zweifel wird aussortiert, was nicht einwandfrei bestimmt werden kann. Auch dann, wenn lokale Pilskenner schon vor uns weiträumig Pilze abgeräumt hatten, blieb doch genug für zwei köstliche morgendliche Pilz-Omeletts. In Butter gebraten mit Schalotten und in der Abwandlung mit frischem Speck vom Markt… ich glaube, etwas Köstlicheres gibt es kaum. Der besondere Reiz von aller Nahrung, die man selber gefunden oder gepflückt hat. Aber Obacht, der ausbildende Förster im Jagdclub hatte uns auch noch einmal ermahnt, dass man den Verzehr von selbstgesuchten Pilzen auf fünf Mahlzeiten in der Saison beschränken sollte, der Schatten von Tschernobyl ist lang.

Und dennoch kann ich nur ermutigen rauszugehen und Pilze zu suchen. So werden aus zwei Stunden Spaziergang plötzlich vier und man kommt dem Wald auf einer anderen Ebene ganz nahe – knapp über dem Boden und beginnt ganz andere Dinge zu entdecken. Und wem der Pilzgeruch noch nicht genügt, der sollte die Chance nutzen und Maronen sammeln oder, in Gegenden wie der unseren, Maronen kaufen, einritzen und bei 200 Grad ca. 20 Minuten in den Ofen schieben. Nur vorsichtig sein und zum Ende hin probieren, sind sie zu lange im Ofen, werden sie hart. So hart, dass man um seine Zähne bangen muss.

Pilzomelette und Maronen-Duft – das Erinnerungsarchiv kramt Behaglichkeit hervor und so lässt es sich ganz wunderbar mal in der Ruhe verharren und Momente genießen. Es treibt einen ja genug, das Leben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s