Herbstmomente im Wildpark Weilburg und ein schnörkelloses Gericht: Lauch-Pilzpfanne

Wildpark und Low Carb Pilz-Lauch-PfanneDie letzten Morgende blieb er einem verwehrt – der Blick hinauf zum Waldrand. Die Welt schien verschluckt von dickem grauen Nebel, der langsam seine Finger durch das geöffnete Fenster zu schieben schien. Ein ruhiges Wetter, gedämpft und mit der Fähigkeit, einem auf Dauer aufs Gemüt zu schlagen. Aber nach wenigen Stunden musste sich der Nebel der warmen Herbstsonne ergeben und löste sich einfach auf. Bei der Fahrt durch den Taunus sah man, wie sich die Nebelfetzen widerspenstig auch aus den letzten dunklen Tälern hoben. Ein wenig sieht es immer aus, als würden sich Wolken vom Boden erheben.

Ich mag dieses wechselhafte Herbstwetter. Herbst ist wie das Durchatmen nach einem langen heißen Tag. Mit dem Wissen, dass der Winter nicht mehr weit ist und sich heranschleicht. Aber noch hängen rote Äpfel in den Bäumen und es ist die Jahreszeit mit den wärmsten Farben. Ich bin ein Herbstkind. Vielleicht liegt es daran. Ich bin eine Oktober-Waage, wenn man dem Bedeutung beimisst. Und tatsächlich finde ich mich in vielen der Eigenschaften wieder, die man den Waagen zuschreibt. Und ich mag es so gar nicht, wenn ich aus der Balance gerate. Tatsächlich bin ich bemüht bei allem, was ich tue, bei mir zu bleiben. Was die Welt einem nicht immer einfach macht, aber ich arbeite daran. Ich habe keine hochfliegenden Ziele, sondern suche in allem Zufriedenheit. Nicht die schnellen Kicks, sondern das anhaltende warme Glücksgefühl, das hilft, bei sich zu bleiben und mit sich zufrieden zu sein. Das einem hilft nicht darauf zu hören, wenn es um einen herum höher, schneller, weiter, besser schreit. Sich nicht beweisen zu müssen ist eine Tugend, an der man wohl ein Leben lang feilen muss. An jeder Ecke wird einem der Wettbewerb doch förmlich aufgedrängt. Jeder kann nur für sich sprechen und ich habe einfach stark gemerkt, wie viel leichter und glücklicher und zufriedener ich bin, seit ich die Meinung anderer Menschen nicht mehr zum Maßstab mache, an dem mein Glück hängt. Nun ist vielen vieles sch..egal. Das meine ich nicht. Man soll nicht brüskieren oder willentlich verletzen. Aber wer eine Waage ist wie ich, wird das Gefühl kennen, ständig am ausbalancieren zu ein, damit alle rund herum zufrieden sind. Nur sich selbst vergisst man dabei. Und begibt sich in eine sehr angreifbare Position, wenn man auf Menschen trifft, die eigentlich nur ihre eigene Agenda sehen. Menschen sind so. Unterschiedlich. Und nicht nur Harmoniekekse. Sondern auch egoistisch und verletzend und nach Aufmerksamkeit heischend. Da halte ich inne und wenn es geht, nehme ich einen anderen Weg. Und versuche es anders zu machen. Nicht immer ganz einfach.
Gerade mache ich das Innehalten zur täglichen Pflichtübung. Zu viel ist in Bewegung geraten. Wir haben ganz sachte begonnen, nach dem nächsten Wohn-Modell zu schauen. Und das ist ein guter Grund, sich immer mal wieder zu fragen, was suche ich und warum?

Und so entdecken wir gerade die Heimat neu, bei Fahrten durch kleine Dörfer im Naturpark Nassau, die wie vergessen wirken und einem kurz das Gefühl geben, aus der Zeit zu fallen. Sehen Schönes, Skurriles und weniger Schönes und wissen zu schätzen, wie gut wir es für den Moment getroffen haben. Aber wir wollen weniger. Weniger Raum und weniger Miete. Und da heißt es dann ehrlich sein, auch wenn man das wunderschön renovierte Fachwerkhaus sieht, das dieselbe Größe hat wie unser jetziges Zuhause, aber 300 Euro weniger kostet.

Da hätte man das Geld gespart und würde wieder in einem zu großen Anzug stecken, der nicht so richtig sitzt, auch wenn er eigentlich schön ist. Nein. Nichts übereilen. Ehrlich sein. Und die Ruhe behalten. Wer kann, nimmt sich zwischendurch eine Rauszeit. Und wer in der Nähe wohnt, sollte einen der sonnigen Herbsttage nutzen und den Wildpark Weilburg besuchen. Alleine landschaftlich schon ein Genuß zum Spazierengehen, aber obendrauf gibt es noch heimische Fauna, wie man ihr selten so nah kommt. Lux, Damwild, Wölfe, Wildkatzen und ganz entzückende Otter. Majestätisches Rotwild und melancholische Wisente. Die Zeit verfliegt und so manchem Tier kommt man näher als gedacht und zuckt schon mal zusammen, wenn ein tiefenentspannter Sikahirsch neben dem Weg döst (ohne Zaun). Diese Entdeckung müssen wir teilen und werden zukünftig das kinderreiche Umfeld mit in den Wildpark nehmen. Hier bleibt es einem erspart, das triste Gefühl, das einen oft in Zoos angesichts stinkender, kleiner Gehege befällt. Natürlich ist Wildpark nicht Freiheit, aber hier wurde mit viel Liebe zu den Geschöpfen auf die Gestaltung der Gehegeflächen geachtet. Und so ergibt sich ein Spaziergang für Kopf und Wohlbefinden.

Nach Ausflugstagen mag ich dann nicht gerne lange in der Küche stehen. Eine herbstlich deftige Kombination, die sich sowohl als Beilage oder Hauptgericht gut macht:

Herbstliche Lauch-Pilz-Pfanne  ohne viel Tamtam   
(hier als Beilage für zwei)

2 große Lauchstangen
250 Gramm braune Champignons (oder selbst Gesuchtes)
Butter
Salz
Pfeffer
Muskatnuss
Wahlweise: Speckwürfel

  • Den Lauch in Ringe schneiden (etwa 0,5cm) und gründlich waschen.
  • Die Pilze abziehen und in Scheiben schneiden.
  • In einer geräumigen Pfanne Großzügig Butter zerlassen und den Lauch sanft darin garen. Nicht zu heiß, lieber mit Ruhe, bis der Lauch weicher aber nicht matschig ist.
  • Nun den Lauch an die Seite schieben und Speckwürfel auslassen, dann die Pilze dazu geben und dünsten, bis diese durch aber nicht zu weich sind.
  • Alles vermengen. Großzügig salzen und pfeffern und Muskatnuss darüber reiben. Vor dem Servieren noch ein kleines Stück Butter untermengen.

Dazu passt auch sehr gut ein Rumpsteak oder man schlägt Eier drüber für ein formloses Omelette.

Schnell und schörkellos.

Guten Appetit!

 

 

 

 

 

 

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