Altes neu entdecken: Peter, Paul & Mary und Feldsalat quasi Niçoise

Zwischen Stille und Musik

Zwischen Stille und Musik

Musik muss passen. Es gab eine Zeit, da bin ich selten ohne Musik im Ohr unterwegs gewesen. Auf dem Fahrrad durch den morgendlichen Verkehr (total dämlich, weil lebensgefährlich) oder beim Joggen durften es gerne Hip Hop oder Funk sein. In der S-Bahn oder auf Zugfahrten ließ sich wunderbar in Alben schwelgen – ich werde nie eine Zugfahrt durch den winterlichen Norden Richtung Dänemark vergessen: Verschneite Weiten und im Ohr das erste Album von The XX. Zu schön um es in Worte zu fassen… In der WG waren es eine Zeitlang die Kings of Leon, Bon Iver und Songs for Joy, die unsere Küche beschallten. Im Badezimmer war Mädchendikso und beim Ausgehen bildete immer Musik der Hintergrund für das Funkeln des Abends und auch bei der Arbeit in der Agentur wurde zwischendurch musikalisch Dampf abgelassen.

Was ich dabei völlig verlernt hatte, war Stille zu genießen. So verkehrte sich das Hörverhalten für ein ganze Zeit in das Gegenteil, ich habe mir Musik-frei genommen. Außer im Auto auf langen Fahrten. Die wie ein Film vorbeirauschende Landschaft lechzt förmlich danach, Hintergrund für einen Soundtrack zu sein. Für diese Momente musste es aber etwas völlig anderes sein, etwas, was neben dem Klang der Musik noch den Klang der Gedanken zuließ, diese in Bewegung setze – das andere Musikerlebnis fand sich mit Music for the Movements von Gurdijeff und de Hartmann.

Und ich habe wieder gelernt Stille zu genießen und habe mir selbst den Raum gelassen, zu merken, dass ich Stille brauche, einfach, damit ich mich besser höre. Es hat sich stark verändert, das Musik hören. Ich mag Musik nicht mehr gerne unbewusst nebenbei hören, außer im Hintergrund eines Essens. Ich mag sie genießen, mich in Klang oder Texte verhören. Ich genieße Konzerte wieder viel mehr, wähle sie auch anders aus und genieße den Moment, mit einer Tasse Tee und einer Kerze nach der Lernerei in der Küche zu sitzen und alte Sachen neu zu entdecken. Sowie Peter, Paul & Mary.
Wunderschöner Folk. Musik, die man mitsingen möchte, der man zuhören will und die sich wunderbar weich um die Schultern legt, wie ein warmer Schal. Kein Kitsch, sondern kritisch und besorgt, aber eben auch hoffnungsvoll und  wunderbar selbstverständlich und selbstgenügsam. Reinhören lohnt sich.

Und nachdem wir neulich einmal wieder Besuch waren und es als Mittagessen Feldsalat mit Ei gab, dachte ich, es wäre doch an der Zeit mal wieder einen Salat Niçoise zu machen, nur eben mit Feldsalat. Feldsalat und Ei sind nämlich ziemlich dicke Freunde.

Alle paar Monate kaufe ich ein, zwei Dosen Thunfisch und hoffe, das auch wirklich der nachhaltig gefischte moralisch vertretbare Fisch drinsteckt, der draufsteht. Auch Fischessen wird dank der Überfischung ja zunehmend zu einem echten Standpunkt und stellt den Fischliebhaber vor lange Sucherei nach den richtigen Produkten.

Feldsalat quasi Niçoise
(4 Portionen)
(Ich sage quasi, weil die Grundzutaten ja auch variieren)

500g Feldsalat, wer findet, kauft ihn frisch vom Feld, auch wenn es mehr putzen bedeutet, haben die Blätter deutlich mehr Biss und werden nicht weich wie die abgepackten Winzlinge aus Frankreich
5 glückliche hartgekochte Eier
200 Gramm schwarze Oliven, die salzigen, die so schön trocken eingelegt sind
2 weiße oder rote Zwiebeln
3 Dosen Thunfisch, eingelegt ohne Öl (weil meist Sonnenblumenöl)
frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer
Salz
Olivenöl
Rotweinessig
Das ist die reduzierte Version, aber natürlich passen noch wunderbar Tomaten, Sardellen, Frühlingszwiebel,…

  • Feldsalat gründlich putzen, trocken schleudern und auf Teller verteilen.
  • Die Zwiebeln in feine Ringe schneiden und auf den Tellern verteilen.
  • Den Thunfisch abtropfen lassen, mit einer Gabel auflockern und auf die Portionen verteilen.
  • Die Oliven entsteinen und halbieren und auf die Teller verteilen.
  • Nun nur ganz unkompliziert mit Pfeffer, Olivenöl und Essig anmachen. Beim Salz vorsichtig sein, die Oliven und der Thunfisch sind meist schon sehr salzig, also Zurückhaltung üben.

Schnell gemacht und super lecker!

Guten Appetit!

 

 

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Schwein gehabt: Wildschweingulasch mit Kürbispüree und Jagdscheinstress

Paleo_Wildschwein_Gulasch_Jagdschein

Jagdscheinstress und Kochpausen: Wildschweingulasch mit Kürbispüree

Die Zeit rast. Und mit immer größeren, beängstigend zügigen Schritt nähern sich die Prüfungen für den Jagdschein. So viel ist noch zu lernen, so viel wurde aber auch schon gelernt. Es ist ein intensives Wissenerwerben, eine zeitraubende Ausbildung, eine Bereicherung. Ich bin froh, dass ich das immer wieder beschworene Pensum zu Anfang nicht so richtig ernst genommen habe. Eine Einstellung, die sich spätestens nach Monat zwei mal schnell selbst revidierte und mittlerweile von der Erkenntnis ersetzt wurde, wie viel Spaß das Lernen macht. Dran bleiben. Ein Aufschieben in die letzten Tage vor der Prüfung ist bei der Menge des Stoffes nicht einmal in Betracht zu ziehen. Stattdessen gehören die Samstage dem Unterricht und dem Schießstand, unter der Woche die Lerngruppe zum Wiederholen und die Momente, in denen man selber noch einmal über den Büchern sitzt. Und da sind die Zusatztermine noch nicht dabei. Statt ins Kino geht es jetzt mit dem Kurs ins Schießkino, und und und… Das geschrumpfte Wochenende macht sich bemerkbar, das Lernpensum neben dem Arbeitspensum und anderen Teilen des Privatlebens halten einen seit Monaten in einem konstanten Zustand der leichten Angespanntheit. Aber nicht schlecht, sondern auf eine seltsam befriedigende Art. Wissen befriedigt ungemein, mich tatsächlich mehr als so vieles anderes. Kenntnisse erwerben, Zusammenhänge verstehen, den Blick erweitern und – ein ganz wichtiges Argument – ein wenig Unabhängigkeit über das eigene Essen zurück erlangen.

Ich würde jedem, der sich für den Wald und das Draußen begeistert, der mehr wissen und sehen möchte, der ein echtes Stück näher an die Natur rücken möchte und der auch auf den feinen Geschmack von Wild gekommen ist, einen Jagdschein nur empfehlen. Modelle der Ausbildung gibt es viele, je nach Bundesland. Und auch wenn ich mitunter stöhne angesichts der knappen freien Zeit, würde ich immer eine Lanze brechen für den mühsamen Weg der 10-monatigen Ausbildung im Jagd-Club. Es lohnt sich und man kann Seiten an sich entdecken, von denen man gar nichts geahnt hat und denen man in seinen gewohnten Lebensbahnen auch nicht unbedingt begegnet. Der Jagdschein ist eine Bereicherung fürs Leben. Er vermittelt ein Wissen, das in der praktischen Zeit danach nur weiter wächst und durch Erfahrung bereichert wird. Ich freu mich drauf. Aber erst einmal muss ich die Prüfungen hinter mich bringen. Und bis dahin kann ich gut Prioritäten setzen, es muss nicht immer alles auf einmal sein, erst einmal möchte ich diesen Abschnitt richtig würdigen und erfolgreich beenden.

Und deshalb noch schnell, bevor die Jagdzeit hier in Hessen für vieles Wild zu Ende ist, ein Wildschweingulasch.

Wildschweingulasch mit Speck und Kürbispüree und Birnen Feldsalat
(4 Personen)
Ich mariniere das Fleisch 24 Stunden und räume großzügig Zeit zum Köcheln ein, etwa 4-5 Stunden.

1kg Wildschweingulasch in gabelgerechten Stücken, ohne Sehnen
200g gewürfelten Speck
1 Liter Primitivo
200 Gramm Tomatenmark
6 Möhren gewürfelt
300 Gramm Schalotten in groben Würfeln
Lorbeeren
Nelken
Lorbeerblätter
Zimtstange
Pfeffer
Salz
Cayenne
Pfeffer
Ghee

1 Hokkaidokürbis (400-500g)
1 Bund Frühlingsziebeln
Butter
Muskatnuss
Salz
Pfeffer

Feldsalat (400 Gramm)
1 große Birne gewürfelt
Walnüsse, geröstet und gehakt
Olivenöl
Apfelessig
Kürbiskernöl
Salz
Pfeffer

  • Das Gulasch kalt abspülen, trocken tupfen und für gute 24 Stunden in Rotwein mit zerstoßenen Lorbeeren und Nelken sowie Lorbeerblättern und einer Zimtstange marinieren, dabei regelmäßig umrühren.
  • Die Gulaschstücke aus der Marinade nehmen und diese durch ein Sieb gießen und zur Seite stellen, die Lorbeerblätter und die Zimtstange aufbewahren.
  • Das Gulasch nun im Ghee scharf anbraten, die Speckwürfel, Schalotten und Möhrenstücke dazu geben und mit der Marinade aufgießen, Lorbeerblätter und Zimtstange dazu geben, salzen und mit Pfeffer und Cayennepfeffer würden.
  • Das Tomatenmark unterrühren und nun einmal kräftig aufkochen, bevor das Gulasch dann für 4-5 Stunden leise vor sich hin köchelt.
  • Zum Essen den Kürbis in Stücke schneiden und in etwas Flüssigkeit weich kochen. Ich nehme gerne Wildfond aber im Zweifel tut es auch Wasser mit einer Prise Salz.
  • Den weichgekochten Kürbis mit Butterstücken pürieren, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken und die Frühlingszwiebeln in Ringen drunter heben.
  • Die Birnenstücke in der Pfanne mit etwas Olivenöl leicht andünsten und mit dem geputzten Feldsalat und den gerösteten Walnüssen vermengen und nur leicht mit Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer anmachen.
  • Dazu passt auch ein schnelles Kompott aus Cranberries und Apfel. Dazu 200 Gramm Cranberries waschen und mit einem geschälten, gewürfelten Boskop-Apfel mit wenigen Esslöffeln aufsetzen. Etwa zwei knappe Esslöffel Xylith hinzu und zu einem Kompott einkochen, dann abkühlen lassen.

Guten Appetit!

Kalte Liebe und Honigcreme selbstgemacht: DIY Egyptian Magic

Kosmetik selber machen Honigcreme

Kosmetik DIY: Honigcreme

 

Knisterkalt ist es. Endlich ist aus einem zu milden Novembergrau ein Winterhauch geworden, der die Landschaft überzieht und mich morgens beim Atmen am geöffneten Fenster kurz frösteln lässt. Es ist die Jahreszeit der gezwiebelten Kleidungschichten, wenn das dünne Eis auf den Pfützen unter den Füssen knistert und man bei jedem Gang ins Freie die rosigsten Wangen bekommt.
Die Zeit, in der die Wolle des Schals am Kinn kratzt und der Wechsel zwischen Kälte und beheiztem Raum der Haut einiges abverlangt.
Und es ist die Zeit der langen Abende – einen solchen habe ich am Rechner verbracht und arbeitsbedingt Naturkosmetik recherchiert. Eingelullt von sich wiederholenden Heils- und Schönheitsversprechen und sichtlich abgestumpft angesichts der Makellosigkeit auch vermeintlich natürlicher Werbeschönheiten, bin ich dann in einem Onlineshop hängengeblieben und habe mich von den Inhaltstoffen einer Creme verführen lassen: Honig, Olivenöl, Bienenwachs, Gelee Royale, Propolis und Blütenpollen, das klang irgendwie überzeugend übersichtlich und machte Sinn. Wenn ich Honig auch nicht esse, finde ich ihn für die kosmetische Anwendung ganz fantastisch. Und irgendwie war da auch schon der Gedanke – wenn ich alle Inhaltsstoffe aussprechen kann, dann kann ich das doch bestimmt auch nachbauen? Also habe ich alle Vernunft über Bord geworfen und 25 Euro für 118ml Egyptian Magic investiert. Danach hart geschluckt und mich gefragt, ob ich spinne und doch gespannt auf die Post gewartet. In der Zwischenzeit habe ich dann noch rausgefunden, dass die teure Creme in der aus der Zeit gefallenen Verpackung anscheinend schon einmal als der neue SCH… durch die Beautyredaktionen und Blogs gescheucht wurde.  Auch diese mediale Legitimation meines Impulskaufes konnte mich nicht wirklich beruhigen. Ich fühlte mich ein wenig an die Zeit erinnert, als ich, unbewusst beeinflusst von Verpackungsdesign und Werbebotschaften und dem Sicherheitsversprechen der richtigen Marke, viel zu oft meine viel zu vielen Kosmetikprodukte wechselte, bis mir meine überpflegte Haut einen Strich durch die Rechnung machte und plötzlich verrückt spielte. Die letzten zwei Jahre war ich eigentlich vollkommen zufrieden mit meinen Kokosöl- Aloe Vera-Variationen. Aber der Vorstellung von Bienenwachs-Honig-Duft bin ich einfach mal erlegen. Zum Glück. Jetzt ist ein weiterer Alleskönner eingezogen und ersetzt mir in der stressigen Wintersaison das Kokosöl, das nun mit Aloe Vera zum Hauptdarsteller der Sommersaison wird und in der Winterpflege etwas an den Rand rückt. Ganz davon trennen möchte ich mich nicht. Das kleine Tiegelchen Egyptian Magic hat sich bezahlt gemacht und statt einfach nur wieder stumpf auf Kaufen zu klicken, bin ich in die Eigenproduktion eingestiegen und super zufrieden. Die Zutaten habe ich in Bioqualität und aus Deutschland im Internet gekauft, was sich deutlich mehr rechnet und ich bin schon am überlegen, wem ich direkt eine Probiermenge weitergeben mag. Der Duft nach Honig und Bienenwachskerzen, der mich immer so sonderbar wohlig beruhigt und bis heute ein Argument für Weihnachtsmärkte und ihre Kerzenstände ist, entspricht dem gekauften Produkt. Die Farbe ist etwas dunkler, was aber wohl dem Olivenöl geschuldet ist und mich nicht stört.
Die super einfache Anleitung zum Nachbau habe ich hier gefunden.

Ich habe nur noch je einen Teelöffel Propolis, Blütenpollen und Gelee Royal hinzugefügt – aber ein guter, unbehandelter, sprich nicht erhitzter Honig kann diesen Zusatz sicher ersetzen.

Und ich habe einen zusätzlichen großen Esslöffel Kokosöl hinzugegeben, da ich auf diesen treuen Begleiter nicht verzichten wollte und ich das Verhältnis lieber zugunsten Fett als Bienenwachs schieben wollte.

Die Creme schmilzt durch die Körperwärme und ist dann sehr ergiebig. Ich finde sie zieht erstaunlich schnell ein und ich nehme sie tatsächlich für alles: Gesicht, Lippen, Hände, Füße, Ellenbogen, Beine und sparsam in die Locken geknetet.

So bin ich bisher sehr gut durch den Winter gekommen und freue mich noch immer bei jedem Öffnen über den Geruch.

Viel Spaß beim selber machen!

 

Wohin schauen? Die temporäre Zuflucht Küche: Blumenkohl aus dem Ofen, irgendwie mediterran

Blumenkohl aus dem Ofen

Von der Zuflucht in der Küche in unruhigen Zeiten: Blumenkohl aus dem Ofen

Wohin schauen? Mit einem Kloss im Hals und mehr als sprachlos nach Paris? Von Mitgefühl bewegt auf die leidenden Menschen in Gaza oder Westafrika? Entgeistert in die Städte der USA, wo der Glauben an demokratische Werte von staatlicher Gewalt kaputt geprügelt wird? Verwirrt von zu vielen, zu lauten und zu unreflektierten Stimmen in Richtung Ukraine? Entgeistert und von Unbehagen erfüllt auf die Pegida-Bewegung und ihre zu vielen Schäfchen? Enttäuscht und entzaubert auf die erschreckend flache Landschaft der Mainstream-Medien?

Soll man den Kopf ausschalten und zur Ablenkung den Verlockungen des Konsums folgen? Super Sale überall, weil trotz weihnachtlicher Bescherung doch immer noch was fehlt zum Glück? Man könnte sich auch medienübegreifend auf allen Kanälen zu Tode amüsieren.

Nein, es ist nicht egal, das eigene kleine Leben mit seinen Fallstricken und Hürden, bietet es doch die befreienden Momente großen Glücks, mutiger Verrücktheit und innerer Wärme, die einen bestehen lassen im großen Rauschen. Kostbar und überlebensnotwendig sind sie, die Momente, in denen wir ganz bei uns sind, ausbalanciert, zufrieden, im großen kleinen Glück. Und je mehr sich alles bewegt, desto wichtiger finde ich, diese Momente aus mir heraus zu schaffen, allein und mit anderen. Aber sie nicht zu konsumieren, wie alles andere, sondern zu versuchen, immer etwas Aufmerksamkeit für sie zu bewahren.

Ich möchte zufrieden sein, mit mir und allem, was ich tue. Und ich glaube, damit habe ich mir eine ziemlich komplexe Aufgabe gestellt, die mich mein Leben lang ausfüllen wird. Denn so richtig fertig sind wir ja (zum Glück) nie, mit dem Lernen, Leiden und Freuen. Und es geht mir gar nicht darum in einer endgültigen Zufriedenheit anzukommen und dort in einem behaglich plüschig-warmen Nest zu erstarren. Es ist der Weg, der mich reizt. Mit all seinen Begebenheiten und Begegnungen. Ich mag Neues und ich mag irgendwie auch, nicht um die nächste Kurve schauen zu können – grundsätzlich sehe ich das Leben positiv. Es ist schön und es ist das, was ich habe. Und darum muss ich es in die Hand nehmen. Und auch die Menschen mag ich. Freundschaften und Austausch sind die schönste und größte Inspiration und Bereicherung. Eine Kostbarkeit. Aber bei allem, was leuchtet und gut tut, manchmal legt es sich einem so schwer auf die Schulter, das Treiben der Welt, dass es schwer fällt nicht ins Straucheln zu kommen.

Wohin schauen? Die Frage wird für mich immer drängender. Und was tun? Die Passivität, die die meisten von uns in der Komfortzone festhält, muss ein Auslaufmodell werden, wenn sich der Optimismus einen Platz in der Zukunft sichern soll.

Was tun? Es gärt in mir und setzt sich in Bewegung. Wenn ich zufrieden sein will, dann darf ich nicht nur auf mich schauen. Ich muss anfangen mich zu bewegen. Nicht gefällig und so dass es immer gut passt. Nein, ich glaube, um etwas in Bewegung zu setzen, muss man wachsen, auch mal über die eigene Bequemlichkeit und Furcht hinaus. So stark möchte ich gern sein und den richtigen Weg finden, aus der Lautlosigkeit zu treten. Denn einfach so weitermachen – das dürfen wir doch eigentlich nicht.

Und wenn es zu sehr drückt und mir die Welt den Blick versperrt, dann ist ein gutes Rezept die Bewegung, der Gang an die frische Luft oder das Wirbeln in der Küche, um im Duft und in den vielen Handgriffen wieder zu mir zu finden.

Ein schnelles Rezept aus dem Ofen (wunderbar auch für vegetarischen Besuch):

Ganzer Blumenkohl aus dem Ofen – mediterran

1 Blumenkohl
400 ml passierte Tomaten
2 Knoblauchzehen, fein gehakt
1 mittlere Zwiebel, gewürfelt
120 Gramm weiche Butter
Pfeffer
Salz
Cayenne Pfeffer
Prise Zimt
Prise Nelkenpulver
Prise Cumin
Thymian
Salbei
100 Gramm schwarze griechische Oliven, halbiert, ohne Stein

  • Den Blumenkohl von den Blättern befreien, waschen und den Strunk so kürzen, dass der Blumenkohl in einer Auflaufform sitzen kann, ohne umzufallen.
  • Die weiche Butter mit der Hälfte des Knoblauchs, dem Nelkenpulver, Cayenne Pfeffer, Zimt und Cumin, Salz und etwas Salbei vermengen und den gesamten Blumenkohl damit einstreichen.
  • Den restlichen Knoblauch, die Zwiebel, Thymian, Salbei, Pfeffer und die Oliven mit den passierten Tomaten in einer Auflaufform verrühren und den Blumenkohl darauf setzen.
  • Nun für eine gute Stunde bei 180 Grad in den Ofen.

Ein Tipp: Vorsicht mit dem Salz in der Tomatensoße, die griechischen Oliven haben es in sich und schnell wird es zu viel. Wer es fleischig mag, schneidet noch schnell grobe Bratwürste oder Mettenden in die Tomatensoße, das macht das Ganze herzhaft.

Guten Appetit!

Lektüre satt mit Yasmina Khadra und Teemomente im wankelmütigen Winter: Kokos-Chai

Tee mit Yasmina Khadra

Vogesen-Winter: Chai mit Yasmina Khadra

Für ein paar Tage haben wir uns ausgeklinkt. Das kreative Ringen um Worte, das tägliche Feilen am Inhalt und das Jonglieren mit Projektungetümen verlangen nach einem gelegentlichen Gegenwicht. Und so war sie um so süßer, die Zeit des Nichtstun und der Schneestille. Wie zur Belohnung für die konsequente Abkehr von allen Arbeitsgedanken hat uns der Winter eingeschneit und mit Watteschnee-Wäldern und dem guten Gefühl versehen, dass es keinen Grund gibt, den Herzensort Plateau  zu verlassen. Außer um sich auf dem Markt mit den nötigen Köstlichkeiten einzudecken oder ein paar Schneeschuhe zu organisieren, wenn die Langlaufskier aufgeben. Und so zog schnell eine wunderbare Ferienroutine mit ein. Früh in Bett, wunderbar müde von frischer Luft, Bewegung und gutem Essen, das Tageslicht genutzt beim Streifen durch den Schnee und sich voller Wohlbehagen vor dem Kamin verkrochen, mit Kannen guten Tees und viel, viel Lektüre.

Nirgendwo vergrabe ich mich lieber als in einem guten Buch. Schon als Kind konnte ich es kaum erwarten, selber lesen zu können. Zu kurz erschienen mir die Vorlese- und Geschichtenerzählzeiten am Abend. Und so gehörte ich zu denen, die sobald sie buchstabieren und dann lesen konnten, nachts mit der Taschenlampe und einem Buch unter der Decke verschwanden, um heimlich noch weiter in der Welt zwischen den Buchstaben zu verweilen. Sie ist bis heute geblieben: Die große Freude und der Kitzel der Unvernunft– wenn man sich ganz vertieft lesend, viel zu tief in die Nacht bewegt. Am Morgen bei einer Tasse Tee noch hastig weiter durch die Seiten gelesen, den Moment kurz festhalten, wenn das Buch fesselt. Ich habe bereits zahlreiche Stationen in der U-Bahn verpasst, bis auf Abstellgleis habe ich es lesend geschafft, inklusive einem etwas verstörenden Auftauchen aus der Buchwelt, wenn man feststellt, dass da niemand mehr im Wagen, im gesamten Zug ist… Ich bin mit dem Buch vor der Nase gegen Menschen und Pfosten gelaufen und habe schmerzhaft festgestellt, dass es Lesepausen geben muss – zumindest im Gehen. Nach jedem familiären Frankreichurlaub bin ich mit einem unfassbar braun gesonnten Rücken heim gekehrt, weil ich auf dem Bauch liegend mit den Büchern durch Zeit und Raum gereist bin, während ich doch unter der Atlantiksonne lag. Für die Urlaubslektüre war eine Reisetasche reserviert – ich bin eine Schnellleserin, im Urlaub verschlinge ich am Tag ein Buch. Und stelle dann fest, dass es mit guten Büchern ein wenig wie mit gutem Essen ist: Zwischendurch sollte man kurz fasten oder zumindest temporär auf leicht verdauliche Kost umsteigen, damit man nicht wie berauscht von guter Sprache und Erzähltalent in einem Sättigungsgefühl verschwindet, das einen wie im Rausch immer weiter lesen lässt. Bei mir helfen dann nach Sprachgewalt und Geschichtenrausch immer mal ein guter Krimi oder sachliche Lektüre um wieder zurück auf den Boden zu kommen.

Eines der Bücher, das mich zu Weihnachten erreichte und das prompt nicht mehr aus der Hand gelegt wurde, war „Die Schuld des Tages an die Nacht“  von Yasmina Khadra. Jounes, der Protagonist, führt durch einen Bilderreigen aus bitterer Armut, jugendlicher Unbeschwertheit und versehrtem Alter. Der Leser wandelt durch die (Un-)Tiefen von Freundschaften, die erwachsen werden, verzweifelt an der Unfähigkeit Jounes, Stellung zu beziehen und überhaupt sich zu äußern. Leicht könnte es eine austauschbare Geschichte über unerfüllte Liebe und zwischenmenschliche Missverständnisse, Halbwahrheiten, Kränkungen und falschen Stolz sein, wäre da nicht… Ja, wäre da nicht der Aspekt des Politischen, die Geburtswehen des algerischen Staates, die Zerrissenheit eines Landes und seiner Menschen. Wer hat Recht? Wem steht was zu? Warum verletzen wir, was wir behüten möchten? In der Liebe und in allen Aspekten des Lebens. Und auch wenn der zeitliche Bezugsrahmen klar umrissen ist, scheint die Geschichte doch wie losgelöst von der Zeit und damit brennend aktuell. Es finden sich zu viele Parallelen, gerade auch zu aktuellen Konflikten. Und so reißen einen nicht nur die Strudel der Geschichte mit sich, sondern auch die Hoffnung, dass es eine (Auf-)Lösung gibt, im Buch und damit vielleicht auch in der Welt, jenseits des Klappentextes. Es war eine geballte Lektüre und sicherlich werde ich das Buch noch weitergeben und verschenken. Oft schon hatte ich etwas von Yasmina Khadra in der Hand, irgendwie war es wohl immer nicht der richtige Moment. Das wird sich nun wohl ändern, ich werde sicherlich noch etwas weiterlesen.

Habe ich mich in einer Geschichte verfangen, möchte ich gerne nicht gestört werden. Ich kommuniziere dann einsilbig oder in Gesten, bei denen ich nicht von den Seiten aufschauen muss. Zum Glück hat der besondere Mensch Verständnis für meine Liebe zum Geschriebenen, teilt sie und ist gerne bereit, die Teetasse zu füllen, wenn sie wortlos über das Buch gereicht wird.

Ein Lieblingstee für den späten Nachmittag: Original Chai. Extra stark ziehen lassen und mit warmer, geschäumter Kokosmilch aufgegossen – das ist Wohlbehagen zum Trinken und ein guter Begleiter für winterliche Leseexzesse. Dazu muss es nicht einmal schneien, es darf auch so novemberlich unbestimmt Grau daher kommen, wie vor dem Fenster.

Ich wünsche ein ungetrübtes Tee- und Lesevergnügen.

 

Auf ein Neues und so. Und ein Huhn, nicht im Schnee aber im Ofen: Poulet Fermier mit Zitronen-Thymian-Butter

Poulet fermier - Huhn aus dem Ofen in den VogesenEingelullt von Schneestille und total erschöpft von Wanderungen auf Langlaufskiern und Schneeschuhen habe ich Silvester selig schlafend im Bett verbracht und den ersten Tag des neuen Jahres umso früher und umso frischer begonnen. Belohnt durch einen pastellenen Wintersonnenaufgang über der Hochebene, der einen sprachlos und gerührt zurück lässt.

Und ist nun alles anders? Alles neu und auf Null gedreht? Wohl kaum. Es geht weiter, das eigene Leben, es ist noch dasselbe wie am Vortag. Aber egal, ob das alte oder das neue oder auch das nächste Jahr – wir können uns doch sicher sein, dass die Zeit, die uns zusteht, immer wieder anders sein wird, immer neu. Auch wenn wir um Sicherheit bemüht vielleicht versuchen, sie in einen gut gemeinten Würgegriff der sich wiederholenden Rituale, Dynamiken und Wunschbilder festzurren zu wollen. Es wird sich immer wieder neu finden und je bewusster wir uns dessen sind und je weniger festgefahren in unseren Erwartungen und unseren Plänen, desto mehr Freude macht dieses immer Neue, das immer und ständig mal unverhofft um die Ecken lugt und uns freudig überrascht oder auch mal bös in den Rücken fällt. Eines ist sicher, weiter geht es immer und anders wird es auch immer sein. Also nicht zu viel wollen und sich lieber dem, was man tut, ernsthaft widmen. Abschließen, was einem am Herzen liegt, auch das Kleine genießen, Freude und Erfolge teilen und gönnen. Maß halten und verrückt denken, ehrlich sein und furchtbar mutig. Sich selbst und Andere überraschen und öfter mal den Mund halten und vielleicht lieber in den Arm nehmen oder eine Hand nehmen und reichen.
Jeden Tag. Einfach tun.
Und natürlich hat es durchaus seine Berechtigung und seinen Reiz, das hintersinnige und reflektierende Gedankenkarussell zum Jahresende. Ich wünsche eine aufregende Fahrt, mit einem frisch klingenden Fahrtwind in den Ohren und Neugier in den Augen!

Auch kulinarisch soll es ein wundervolles und gesundes neues Jahr werden! Ich habe den Besuch auf dem eisigkalten, windverwehten, schneebedeckten Wochenmarkt in Frankreich genutzt, um zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder ein Huhn zu kaufen. Poulet Fermier, das ist in Frankreich das klassische freilaufende Huhn – so natürlich dies klingt, so selten sind sie bei uns zu finden und wenn dann wird es richtig teuer. Anders auf Märkten, wo kleine regionale Erzeuger zu finden sind, da heißt es dann aber schnell sein, denn das Angebot ist wunderbar begrenzt. Wir hatten Glück und ein unglaubliches Abendessen (bei zwei Personen für zwei Abende) und einen fantastischen Duft in der Küche.

Poulet Fermier mit Zitronen-Thymian-Butter

1 freilaufendes Huhn (unseres hat etwas über zwei Kilo gewogen)
120 Gramm geschmolzene Butter
Thymian
Frische Petersilie
1 Zitrone
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
Salz
Pfeffer
Gemahlene scharfe Paprikaflocken
250 ml trockenen Riesling
5 mittlere Zwiebeln
5-6 knackige Karotten

  • Vier Esslöffel der geschmolzenen Butter mit Salz, Pfeffer und Paprikaflocken verrühren und beiseite stellen.
  • Vier Esslöffel gehackte Petersilie, zwei Esslöffel aromatischen Thymian, den Knoblauch und die kleingeschnittenen Filets einer Zitrone mit dem Rest der geschmolzenen Butter vermengen, bis sich eine buttrige Paste bildet, etwas Salz und Pfeffer dazu geben.
  • Die Zwiebeln vierteln und die Karotten der Länge nach halbieren und dann in Stücke schneiden (ca. 2 cm lang).
  • Das Huhn kalt abspülen und trocken tupfen. Dann an der Brust, an den Keulen und den Flügeln vorsichtig die Haut einschneiden, möglichst ohne das Fleisch zu verletzen, aber so, dass man die Gewürzbutter mit den Fingern unter die Haut schieben kann. Dann von außen gründlich massieren, so dass sich die Gewürzmischung schön gleichmäßig und großflächig unter der Haut verteilt.
  • Das Gemüse in eine etwas tiefere Form geben, salzen, pfeffern und mit 2/3 des Weißweins angießen.
  • Das Huhn mit der Brust nach oben auf das Gemüsebett geben, mit der Hälfte der gewürzten geschmolzenen Butter bestreichen und bei 190 Grad für gute 1,5 Stunden in den Ofen. Nach einer Stunde noch einmal den restlichen Weißwein angießen und die verbliebene Butter auf das Huhn träufeln.
  • Durch das Fett wird die Haut wunderbar knusprig, die Gewürze aromatisieren das Hühnerfleisch und das Gemüsebett profitiert von Fleischsaft und Hühnerfett.

Und dann guten Appetit und gerne die Finger zur Hilfe nehmen!