Wie hätte ich es denn gerne: Von den lieben Zweifeln, schönen Vernunftsmomenten und Sonntagsverwöhnung mit Auberginen French Toast

Richtige Entscheidungen und Auberginen French Toast

Vernünftig sein, glücklich sein – und manchmal Auberginen French Toast

Zehn Tage Ausnahmezustand im Kopf. Da war sie, die charmante Anzeige im Internet, mit Bildern die uns irgendwie ansprachen und doch nichts sagten. Ein erster Besuch folgte: Ein Wohnhaus in einer Hofgemeinschaft auf dem Gelände einer alten Sägemühle. Ganz weit draußen, im Schatten einer Burg. Der wohl schönste Wohnraum, den ich jemals gesehen habe: Ein einziger Raum mit massiven Säulen, die für Gliederung sorgten, nicht zu hoch, damit man nicht verloren geht – in den Raum integriert die Küche, mein Lieblingsraum und absolutes Muss an jedem Wohnort, hier möchte ich die Freunde sitzen haben, während es aus den Töpfen dampft und mich unterhalten. Ein Wohn-Koch-Essraum irgendwo zwischen Industriecharme und Hobbithöhle. Im ersten Stock die Überraschung: Die Höhe Berliner Altbauten – da ließe es sich doch bestimmt schlafen und arbeiten, nicht wahr? Heizung über eine Holzheizung in Kombination mit einer Solartherme – so wie wir es am liebsten selber machen würden, wäre ein eignes Haus in Planung. Überall Dielenboden, eine Haustür, die das Licht von drinnen nach draußen und draußen nach drinnen durch bunte Scheiben schickt… Da wurde Inventur gemacht im Kopf – die Räume aufgeteilt und Ideen gesponnen…

Der besondere Mensch und ich wissen, dass wir gut darin sind, gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Aus fixen Ideen und Spinnerei wird bei uns schnell ein Plan und an Mut mangelt es auch nicht – wir wissen, dass sich immer eine Lösung findet, wenn man bereit ist, etwas in Bewegung zu setzen. Eine Hochzeit nur für uns, mit der keiner gerechnet hat? Berlin verlassen? Die festen Jobs und Chancen aufgeben und etwas Eigenes auf die Beine stellen? Die Lebensgewohnheiten massiv umgestalten? Menschen ins Leben kommen und daraus gehen lassen? Ich bereue keinen dieser Schritte und manchmal wird mir schwindelig, wenn ich sehe, wie reich unser Leben geworden ist, wie viel wir machen und was für wichtige Impulse dadurch entstehen. Da darf ich nicht zu oft drüber nachdenken und ich klopfe mir dafür nicht extra auf die Schulter und will Lob – nein, ich bin unheimlich dankbar und auch ein wenig demütig. Ich finde, wenn es gut läuft, sollte man nicht aufhören daran zu arbeiten, immer noch eine bessere Version von sich selbst zu erarbeiten. Lernen fürs Leben und Arbeit am Selbst. Noch umsichtiger im Umgang mit Menschen sein und niemals die Bodenhaftung verlieren. Realistisch bleiben und genügsam. Das klingt so trocken und freudlos, nicht wahr? Ich bin überzeugt, dass eine gewisse Selbstgenügsamkeit und Bescheidenheit die wichtigsten Elemente sind, wenn man sich einfach und wahrhaft über das freuen möchte, was einem im Leben geschieht, was man möglich macht, was Andere schenken. Und das schafft wahre Zufriedenheit und nicht das Streben nach immer mehr.

Naja, es ist ein Lernen nicht wahr? Bei 200 Quadratmetern Wohntraum setzte bei uns kollektiv die Vernunft aus. Und die Schlaflosigkeit begann. Die Chancen standen gut für uns, aber wo blieb der letzte Funken, der sonst Treibstoff für die Verwirklichung unserer Pläne ist? Die Entscheidung war gefasst, wir machen das – wir richten uns ein offenes Haus ein. Aber warum hingen da nicht-greifbare Wolken über dem Kopf? Wir schlugen eine zweite Besichtigungs-Runde vor. Ein sehr nettes Gespräch mit dem Vermieter, in dieser Hinsicht ein gutes Gefühl, aber dann auf der Fahrt im Auto – Stille… Und nicht diese freudige Ich-kann-mein-Glück-nicht-fassen-Stille, sondern diese Wer-spricht-es-zuerst-aus-Stille.

Was sollen wir zu zweit mit dem grauen Katzenplüsch auf 200 Quadratmetern? Warum so viel Platz? Brauchen wir das? Ist das realistisch, geht man da nicht verloren? Möchten wir alle kreative Wohnraum-Gestaltungs-Energie mobilisieren und das Einrichtungsprojekt zum Mittelpunkt machen, das komische Gefühl im Bauch mit Geschäftigkeit betäuben und dann in einem Jahr wieder von vorn beginnen, weil wir merken, es passt nicht für uns? Ja klar, als Mieter hat man nicht viel zu verlieren – Umziehen geht ja immer. Aber es zahlt sich langfristig aus, aufs Bauchgefühl zu hören. Und das haben wir getan – wir haben abgesagt. Die Kisten im Kopf wieder ausgepackt und wir sind plötzlich erfüllt von einer neuen Zuneigung für das so nette alte Haus, in dem wir wohnen dürfen. Hier spiegelt sich auch die Sonne im Holz und der Kamin faucht und plötzlich zeigen sich Stellen, an denen sich noch etwas drehen lässt. Wie zur Bestätigung wurde mir prompt und unverhofft eine Lampe geschenkt, die eine völlig neue Stimmung in unserem sehr puristischen, fast mönchischem Schlafzimmer einziehen lässt. Mit etwas Glück können wir hier in der Gegend mit auf die Jagd gehen, nach den Prüfungen und hier in der Ecke gibt es den besten Reitunterricht, der uns jede Woche bei Wind und Wetter aufs kleine Pferd und in den wildschönen Wald bringt… Schätzen und neu bewerten, was man hat, ist manchmal vielleicht die wichtigste und schwerste Übung. Ich schlafe auch wieder ruhiger.

Noch etwas sei hinzugefügt: Umzüge sind immer auch das Einfallstor für wilde Konsummomente. Da muss ein neuer Teppich her, das alte Regal passt nicht zum neuen Boden oder oder oder… Gründe lassen sich immer finden. Wir versuchen dabei immer einen klaren Kopf zu behalten. Es muss nicht immer alles sein. Und wer wie wir alte Dinge mag und Möbel schätzt, die eine Geschichte hinter sich haben, der sollte sich den Wohnsitz außerhalb der Großstädte zu Nutze machen und einmal entdecken, was bei den Kleinanzeigen auf ebay alles verschenkt wird. Ich wollte es kaum glauben. Aber nur weil ich gerne eine Ottomane aus den 50ern hätte, werde ich nicht umziehen. Sie fehlt mir nicht zum Glück.

Und weil heute Sonntag ist und alles so aufregend war, habe ich ein neues Rezept getestet. Eines mit Sonntagsfrühstücksfaktor:

Auberginen French Toast

2 mittelgroße Auberginen
2 große Eier
Salz
Zimt
Vanille
Xylit
Ghee

  • Die Auberginen schälen und Scheiben schneiden (max. 0,5 cm).
  • Auf ein Backblech legen, leicht salzen, gute 2 Minuten liegen lassen, umdrehen und die andere Seite salzen.
  • Die Eier mit etwas Xylit, Vanille und Zimt quirlen.
  • Die Auberginenscheiben in die Eiermasse tauchen, dabei mit einer Gabel einstechen, damit das Ei einziehen kann.
  • Die Auberginen im heißen Ghee von beiden Seiten kräftig Goldbraun anbraten.

So lecker! Und bei dünnen Scheiben würde niemand die Aubergine durchschmecken. Etwas Xylit und Zimt mischen und oben drauf geben oder Kompott oder…

Guten Appetit!

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So lecker süß wie selten schön: Dattel-Kakaonibs-Konfekt und Lesemomente mit Patrick Modiano

Modiano und Dattel-Kakaonibs-Konfekt

Modiano Lektüre und Dattel-Kakaonibs-Konfekt

Im Café der verlorenen Jugend – Dans le café de la jeunesse perdue: Alleine schon den Titel habe ich genossen, in Gedanken umkreist und ihn hin und her gedreht, bevor ich mich dann aufmachte und meine erste und sicherlich nicht letzte Lesebegegnung mit Patrick Modiano hatte. Das Paris der 60er Jahre, ein Café mit der genau richtigen Mischung aus Intellektuellen, Künstlern, Anarchisten, Arbeitern, eben Pariser Bohème, wie sie jedem lesenden Frankophilen da doch irgendwie als Projektionsfläche und Sehnsuchtsort hinterherhängt und einem von einer vergessenen Zeit ins Ohr flüstert. Dazu eine soghafte Erzählung aus unterschiedlichen Perspektiven, die doch alle um eine beinahe nicht greifbare Frauenfigur kreisen – ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Denn es ist weniger ausgeklügelte Handlung, als ein sprachlich gewebtes Stimmungsnetz, das sich an den eigenen Gedanken verhaftet wie sanfte Novemberspinnweben und mich kaum losließ. Bei Mondiano trifft man eine Sprache wieder, die aus der Zeit fällt, nicht von heute ist, sondern den Ton des Handlungszeitpunktes trifft und dabei wunderbarerweise irgendwie französisch klingt.
Es war mir ein besonderes, ein zartes Lesevergnügen und ich möchte es nur zu gerne noch anderen Lesern ans Herz legen.

Und neben der Zigarette, die sich irgendwie ganz wunderbar in die Lektüre einfügte (es gibt andere Bücher, da würde ich nie auf den Gedanken kommen zu rauchen), ist es der Tee, der sich als treuer Lesebegleiter erweist. Und mit dem Umblättern der letzten Seite legt man das Buch aus der Hand und kann sich dem Vergnügen der Gedankenverlorenheit hingeben und dabei vielleicht etwas knabbern. Etwas Süßes.

Dattel-Kakaonibs-Konfekt

100 Gramm Datteln
100 Gramm Kakaobutter
6 Esslöffel Kakaonibs
3 Esslöffel geröstete Kokosraspeln
Prise Himalaya-Salz
1 Teelöffel getrocknete, geriebene Orangenschale
fein geriebene Tonkabohne

Papierförmchen

  • Kakaobutter vorsichtig, auf niedriger Temperatur über dem Wasserbad schmelzen.
  • Datteln sehr fein hacken, in der Küchenmaschine oder mit dem Messer.
  • Die geriebene Orangenschale, die Prise Salz und die Tonkabohne in die geschmolzene Kakaobutter rühren.
  • Die Kakaobutter vom Wasserbad nehmen, die Dattelstückchen, Kakaonibs und Kokosraspeln unterrühren und die Masse auf die (Pralinen-)Papierförmchen verteilen. An einem kühlen Ort (nicht Kühlschrank) hart werden lassen.

Die Süße der Datteln reicht vollkommen aus und dann heißt es nur: Maß halten. Guten Appetit!

 

Vom Puddeln: Hosenrock nähen und Burger interpretieren

Selber machen - Burger und Culottes

Sachen selber machen: Culottes und Burger

Manchmal ergeben sich Frei-Zeiten. Da war der Tag ganz anders geplant und der Morgen hatte mit einem gewissen Unwillen begonnen angesichts der vor einem liegenden Arbeit und dann plötzlich – freie Stunden! Unverhofft. Unverplant. Ein Geschenk.

Und ohne große Vorsätze bin ich im Gäste-/Nähzimmer verschwunden und habe geschaut, was da so rumliegt. Vielleicht eine Hose kürzen oder oder oder… Oder einfach mal was anfangen, ohne es sich großartig vorzunehmen. Stoff war da und der Schnitt auch.

Culottes sollten es werden – ein richtiger Hosenrock im Vintage-Schnitt. Ich habe lebhafte Erinnerungen an Fotos meiner Mutter, die in den 70ern/80ern gerne Hosenröcke trug und die haben mir immer gut gefallen und nachdem sie jetzt wieder überall auftauchten, war das ein gutes Projekt zum selber Nähen.

Meist fehlt mir die Zeit, oder zumindest bilde ich mir das ein, mich mal konzentriert am Stück an die Nähmaschine zu setzen. Aber vielleicht muss das gar nicht. Ich mag es nicht so gerne zu kleineteilig, dachte ich. Aber zum einen war dieser Schnitt wirklich anfängergerecht und zum anderen hat sich etwas verändert. Ich mag das Rumpuddeln und im Endeffekt stellte sich auch beim Zuschneiden und Nähen des Stoffes eine ähnliche Entspannung ein, wie ich sie sonst beim Experimentieren in der Küche finde.

Und jetzt bin ich ein bisschen stolz auf mein erstes, ganz alleine genähtes Kleidungsstück und freue mich auf das nächste Zeitfenster – da ist noch ein Schnitt für ein 60s Etuikleid, den ich wagen möchte.

Also: Einfach machen. Nicht lange überlegen, was kann schon schief gehen und wem will man was beweisen? Die Ausführung ist die Belohnung, nicht das Lob. Ich warte auf jeden Fall voll Vorfreude auf Hosenrock-Sommertage!

Und bei so viel Handarbeit, darf es mal Fastfood sein:

Burger Interpretationen – oder vielleicht sollte es heißen Burger-Reduktionen.

Ich habe einfach das Brötchen weggelassen und Burger -Patties aus reinem Rinderhack geformt, gesalzen, gepfeffert und im Ofen bei 200 Grad etwa 12 Minuten – 15 Minuten schön braun gebraten.

Diese Burger kommen dann auf ein Bett aus Radicchio und anderem Salat (Feldsalat, Endivien,…). Zusammen mit Gurken- und Tomatenscheiben, feinen Zwiebelringen und einer ordentlichen Portion Samba Oelek wird ein Festessen für Burgerfreunde draus.

Für leckere Variationen einfach Speck im Ofen auf dem Burger mitbraten und/oder ein Spiegelei on Top…

Guten Appetit!