Lieblingshausmittel zum Durchatmen und vom falschen Pflichtgefühl: Zwiebelsaft und Kranksein können

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Gute Besserung: Kranksein aushalten und Zwiebelsud

Man sollte sich bewusst sein, dass es im Leben immer Dinge gibt, die man nicht so gut kann. Für mich gehört Kranksein auf jeden Fall auf die Liste der Dinge, die ich nur schlecht beherrsche. Solange mich nicht ein heftiges Fieber ans Bett fesselt (zum Glück war dies nicht so oft der Fall), muss man mich regelmäßig zurück ins Bett scheuchen, denn irgendwie treibt es mich immer wieder mit irgendeiner Ausrede auf die Beine und ich beginne zu werkeln. Sei es das schlechte Gewissen, dem besonderen Menschen bei Krankheit doppelt mit Mehrarbeit zu belasten: Er muss dann sowohl das Büro als auch den Haushalt schmeißen oder mir fallen alle Telefonate und E-Mails ein, denen ich mich so gerne mal wieder widmen wollte.

Es fällt mir so schwer, das loszulassen. Mit dem Ergebnis, dass ich zu einer miserablen Patientin mutiere, die ständiger Ermahnung bedarf, was ein Mehr an Arbeit bedeutet. Das möchte ich nicht. Deshalb arbeite ich am Kranksein-können. Die letzten Tage hatte ich Gelegenheit dazu. Ein paar Tage an der dänischen Nordsee, ungewohnter Weingenuss, zu wenig Schlaf dank zu schöner langer Gespräche und eine zusätzliche körperliche Belastung für den müden Körper durch Joggingeinheiten im Küstenwind – was als Erholung gedacht war, führte dazu, dass ich vier Tage im Bett lag und statt motiviert in die nächste Projektphase bei unserer Arbeit zu springen, türmten sich die Informationen und E-Mails und die Unruhe wuchs.

Nicht gut. Und überhaupt nicht gesund. In der Regel ist es immer möglich mal zu sagen: „Ich bin krank, ich schaffe das heute nicht.“ Vielleicht ist danach mehr zu tun, aber es ist möglich. Gerade, wenn man als gewissenhaft und zuverlässig eingeschätzt wird, legen einem vernünftig denkende Menschen keine Steine in den Weg. Aber was ist es dann, was die meisten Menschen noch krank ins Büro treibt? Hustend und röchelnd, belästigen wir unsere Kollegen und stecken mitunter noch andere um uns herum an, was dann für noch mehr Arbeit sorgt.

Es gibt die schlimmen Arbeitssituationen, in denen einem vermittelt wird, dass eine Abwesenheit durch Krankheit nicht gern gesehen wird. Ich habe das selbst erlebt, bin ohne Stimme und mit Fieber, vollgestopft mit Medikamenten quer durch die Republik geflogen, um Journalisten auf Presseveranstaltungen Rede und Antwort zu stehen. Was für ein Bild gibt das ab? Von mir und dem Arbeitgeber. Eine befreundete Journalistin zog mich schließlich mit spitzen Fingern beiseite, ich war eine mehr als offensichtliche Ansteckungsquelle und sagte: „Geh ins Hotel. Es tut mir weh mit Dir zu sprechen. Du tust Dir keinen Gefallen.“ Zwei weitere Tage dauerte es, bis ich das ok hatte, heim zu fahren. Zu dem Zeitpunkt war aus einer Mandelentzündung eine Bronchitis geworden, die auf dem besten Weg war, eine Lungenentzündung zu werden. Der Arzt war mehr als schockiert mich erst zu diesem Zeitpunkt zu sehen und schrieb mich krank. Krank wurde ich vor allem deshalb, weil der Reiserei eine intensive Phase der Eventplanung vorrausgegangen war. Das Ganze in einer zu der Zeit wenig entspannten Arbeitsatmosphäre. Eine schlechte Kombination. Was hängenblieb, war der Eindruck, nicht belastbar zu sein. Denn neben Genesungswünschen war da auch die versteckte Frage, ob ich meiner leitenden Position gewachsen bin. Übersetzt: Wer durchhält, wird belohnt, wer schwächelt, zeigt zu wenig Ehrgeiz. Aber was für ein Vorbild möchte man abgeben? Gerade auch gegenüber Mitarbeitern, für die man verantwortlich ist? Ich will doch auch, dass jeder, der sich nicht gut fühlt weiß, dass er krank sein darf. Dass dies keine Gefährdung der Position bedeutet. Das ist menschlich und normal und eine solche Einstellung hält die Leute langfristig gesund.

Aber es gibt sie, die fiesen Mechanismen der Arbeitswelt, die viele antreiben, noch mehr zu geben, wenn der Körper einem längst sagt: „Bitte lass mich Pause machen. Ich kann nicht mehr.“ Kein Job ist es wert, sich gesundheitlich zu ruinieren. Die eigene Gesundheit ist nicht auswechsel- und ersetzbar. Arbeitssituationen lassen sich, auch wenn es manchmal schwer vorstellbar ist, neu definieren, neue Perspektiven finden sich. Ich habe kurz nach der Krankheitsphase für mich die Konsequenzen gezogen, den Job gekündigt und den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Kurz zuvor wurde mir ein Posten in der Geschäftsführung in Aussicht gestellt, mit der Bemerkung: „Das sind drei vier Jahre harte Arbeit und dann kannst Du Dich zurücklehnen und machen lassen.“ Was für eine unrealistische Einschätzung und was für ein beleidigender Schwachsinn. Drei Jahre weiter im Volldampfmodus und ich hätte mich kaputt gearbeitet und es gibt nie eine Garantie, wie man sich in der Anstellung weiterentwickelt. Man arbeitet immer noch für jemand anderen.

Jetzt haben wir unser eigenes Büro. Das ist auch stressvoll. Und ich bin natürlich getrieben von einem Verantwortungsgefühl Kunden und Partnern gegenüber. Aber wenn ich krank bin, bin ich krank und wenn ich das äußere, stoße ich auf Verständnis, ernst gemeinte gute Wünsche und den Wunsch, erst wieder von mir hören zu wollen, wenn ich gesund bin.

Das ist gesund. Wir sind es unserer Gesundheit schuldig, auf uns zu hören und uns ein dickes Fell zuzulegen gegen subtile Beeinflussungen von außen, die uns immer weiter treiben, wenn es eigentlich nicht mehr geht. Das kann man lernen. Genauso wie man lernen kann, den verlockenden Fehler zu vermeiden, zu denken, man wäre unersetzlich. Jeder kennt die Kollegen, die offensichtlich still leidend zur Arbeit erscheinen und sich im entgegengebrachten Mitgefühl baden und kommunizieren: „Ohne mich läuft es nicht“. Das ist nicht gesund. Das macht krank und kostet all zu oft die Energie der anderen.

Also ab unter die Decke und ausgeruht!

Bei Husten, der nicht locker werden will, hilft eine Hausmittel:

Zwiebelsud

Zwei bis vier Zwiebeln in Ringe schneiden und in 0,75 l Wasser aufkochen. Dann eine halbe Stunde köcheln lassen. Mit Xylit oder Honig süßen und mehrmals am Tag eine Tasse heiß trinken.

Gute Besserung!